Fremdgehen leichtgemacht
Internetzugang über einen anderen Provider

von Robert Brunnthaler (Ausgabe 99/3, Oktober 1999)

 

Fremdgehen? Ich? Nie!

Doch. Wenn Sie zur Modemeinwahl einen anderen Provider als die Uni Wien nutzen oder auf die Internet-Services der Universität von einem "Fremdnetz" (z.B. von Ihrer Arbeitsstätte oder einer anderen Uni) aus zugreifen, gelten Sie für uns als "Fremdgeher" und die unter Wie fremdgehen? beschriebenen Regeln treffen für Sie zu.

Warum fremdgehen?

Diese Frage hat sich bis jetzt für die wenigsten Benutzer der Uni-Wählleitungszugänge gestellt: Das Service war immer gratis - bis auf die Telefonkosten, die seit der Einführung der Onlinetarif-Rufnummer auch nicht allzu hoch sind - und wird es auch bleiben. Die Verwendung eines anderen Internetzugangs war dagegen immer mit zusätzlichen Kosten (normalerweise fixen, monatlichen Providergebühren) verbunden.

Unet- und Mailbox-Benutzer, die auf das Internet von einem Ort aus zugreifen wollen, der weiter als 50 km von Wien entfernt ist, haben sich schon früher um andere Einwahlmöglichkeiten umgesehen: Die Onlinetarif-Rufnummer der Uni funktioniert nur innerhalb der Regionalzone Wien; außerhalb der Regionalzone können die Wählleitungszugänge der Universität nur über die "normalen" Wiener Rufnummern +43 1 40122 (für Studierende) und +43 1 42726 (für Mitarbeiter) erreicht werden, was natürlich wie ein "normales" Telefonat nach Wien verrechnet wird (Näheres siehe http://mailbox.univie.ac.at/dial.html). Diese Möglichkeit ist für das Abholen und Verschicken einiger eMail-Nachrichten ein gangbarer Weg; falls so aber länger im WWW gesurft wird, sollte man sich geistig und finanziell auf eine gesalzene Telefonrechnung vorbereiten. Ob sich ein lokaler Provider bezahlt macht, ist sehr einfach zu kalkulieren: Normaltarif-Telefonkosten zur Uni Wien > Onlinetarif-Telefonkosten + Providergebühr.

Eine andere Zugangsmöglichkeit, die in letzter Zeit viele Studierende und Mitarbeiter der Uni Wien unseren Modems untreu hat werden lassen, ist TeleWeb. Aufgrund eines Abkommens mit den Betreibern dieses Service, der Firma Telekabel, ist das aber kein "richtiges" Fremdgehen: Als Universitätsmitarbeiter oder Studierender können Sie das StudentConnect-Angebot nutzen (Näheres siehe http://www.teleweb.at/internet/students/), das Ihnen nicht nur einen schnelleren Internet-Zugang und einen verbilligten Monatstarif, sondern auch Zugriff auf all die Services der Uni Wien ermöglicht, von denen Benutzer anderer Provider ausgeschlossen sind (Proxy-, SMTP-, News-Server). Beim Umstieg von Wählleitungs- auf TeleWeb-Zugang brauchen Sie die Konfiguration Ihrer Internetprogramme also nicht zu verändern.

In letzter Zeit hat sich am österreichischen Providermarkt einiges getan. Immer öfter hört man von unschlagbar billigen Angeboten oder gar Gratis-Internetzugängen. Vor allem die privaten Telefonanbieter haben Wählleitungszugänge als Marketingmittel entdeckt, um Kunden an sich zu binden. Ob diese Angebote auch qualitativ halten, was sie versprechen, ist noch offen: Diese Internetzugänge dürften für eine sehr große Benutzerzahl ausgelegt sein; erst wenn diese Grenzen erreicht werden, kann man die Verfügbarkeit des Service beurteilen. Zumindest preislich sind sie als Alternative zu den abends unter Umständen verstopften Unet-Wählleitungszugängen einen Versuch wert.

Mit wem fremdgehen?

Die Auswahl des geeignetsten Anbieters könnte komplizierter nicht sein: Provider waren schon immer schwer miteinander zu vergleichen, und vor allem im Billigbereich gibt es immer wieder Einschränkungen bezüglich Onlinezeit, Datentransfer, Tageszeit der Nutzung usw. Bei Internet/Telefonie-Kombi-Angeboten müssen Sie zusätzlich entscheiden, ob Sie die jeweiligen Telefon-Tarife überhaupt brauchen können. Ohne zahlreiche Verwandt- und Bekanntschaften im benachbarten Ausland, mit denen man regelmäßig telefoniert, kommt man mit der guten alten Telekom Austria vielleicht billiger davon. Rechnen Sie die Angebote genau durch. Tips können wir leider keine geben, da die Auswahl stark von Ihrer persönlichen Telefon- und Internetnutzung abhängt und sich die Tarife rasend schnell ändern. Auch wenn Sie den für Sie günstigsten Tarif herausgefunden haben, ist damit noch lange nichts über die Qualität der angebotenen Internetverbindung gesagt. Über diese werden Sie auch nichts in den Prospekten der Anbieter lesen (außer daß sie supergut und unsagbar schnell ist). Hier hilft nur testen - stellen Sie also sicher, daß Sie an den Provider nicht "Ihre Seele verkaufen", d.h. sich zu lange vertraglich an ihn binden.

Wie fremdgehen?

Um zu erklären, was sich für Sie durch einen Internetzugang über einen anderen Provider ändert, ein kurzer Ausflug in die Tiefen der Technik:

  1. Das Internet ist kein einheitliches Netzwerk, sondern ein Verbund von Teilnetzen, die relativ autonom verwaltet werden.
  2. Egal von wo aus Sie das Internet benutzen: Ihr Rechner hat eine weltweit einmalige IP-Adresse (z.B. 131.130.2.111), die in einen Namen (z.B. PINGU.CC.UNIVIE.AC.AT) übersetzt werden kann. Wenn Sie sich per Modem einwählen, wird Ihnen für die Dauer der Verbindung aus einem "Pool" eine beliebige IP-Adresse zugeteilt.
  3. Anhand von IP-Adressen und Namen kann der Betreiber eines Rechners oder Teilnetzes Regeln definieren. Diese Regeln können die Erreichbarkeit einzelner Dienste in einem Teilnetz betreffen (z.B. kann der Zugriff auf Server mit internen Daten einer Organisation auf solche Rechner beschränkt werden, die eine IP-Adresse dieser Organisation haben), aber auch die Erreichbarkeit von Services in den Weiten des Internet (Ihr Netzbetreiber kann Ihnen z.B. den Zugang zu Newsgroups, die Sie seiner Meinung nach nicht sehen sollten, verweigern). Die Regeln werden von den betroffenen Rechnern selbst oder von eigens dafür ausgelegten Computern - sogenannten "Firewalls" - exekutiert.

Falls Sie aus einem "Fremdnetz" auf die Services der Uni Wien zugreifen, werden Sie merken, daß auch wir einige solche Regeln eingeführt haben. Diese betreffen allerdings nur Dienste, die Ihnen auch der Betreiber des Fremdnetzes zur Verfügung stellt. Sie müssen nur einige Einstellungen in Ihren Internetprogrammen ändern, und alles funktioniert so, als ob Sie ausschließlich das Universitäts-Datennetz verwenden würden.

eMail

Ihre eMail-Nachrichten können Sie mit den üblichen Mitteln (Telnet, Mailprogramm) von jedem Rechner, der ans Internet angeschlossen ist, lesen. Mehr dazu - auch wie Sie Telnet bedienen - finden Sie im Artikel POP Art im Comment 99/1. Telnet wird immer mehr von einem Programm namens SSH (Secure Shell) abgelöst, das genauso zu bedienen, aber durch verschlüsselte Datenübertragung "abhörsicher" ist. Wann immer Sie SSH statt Telnet verwenden können, sollten Sie es tun.

Wenn Sie ein Fremdnetz benutzen und Ihre Nachrichten über einen Uni-Mailserver per Mailprogramm bearbeiten wollen, müssen Sie die Konfiguration des Programms in einem Punkt ändern: Über die SMTP-Server (auch "Server für ausgehende Mail" oder "Postausgangserver" genannt) der Uni Wien, MAIL.UNET.UNIVIE.AC.AT und MAILBOX.UNIVIE.AC.AT, können Sie keine Nachrichten an eMail-Adressen außerhalb der Universität Wien verschicken, wenn sich Ihr Rechner nicht im Universitäts-Datennetz befindet. (Eine Erklärung, warum diese Regel eingeführt wurde, finden Sie im Artikel We do not relay im Comment 98/2.) Ihr Provider bzw. Ihre Organisation verfügt aber sicher über einen eigenen SMTP-Server, den Sie in Ihr Mailprogramm eintragen können. Erfragen Sie den Rechnernamen bitte bei Ihrem Provider, oder benutzen Sie den URL http://www.univie.ac.at/Datennetz/cgi-bin/gateway.cgi, wo Ihnen unter Mail-Gateway ein geeigneter SMTP-Server angezeigt werden sollte.

In Cybercafes und anderen frei zugänglichen Orten zur Internetnutzung werden Sie oft damit konfrontiert sein, daß Sie nur Zugriff auf das WWW über einen Browser haben. Die Möglichkeit, eine Telnet/SSH-Verbindung zu einem der Universitätsrechner aufzubauen oder ein Mailprogramm auf Ihre Benutzerdaten abzustimmen (bei öffentlich zugänglichen Rechnern sowieso keine gute Idee), ist bei solchen Rechnern aus Sicherheitsgründen sehr oft "abgedreht". Die Mailserver der Uni bieten Ihnen (noch) keine WWW-Schnittstelle. Was tun? Es gibt unzählige Anbieter von Gratis-eMail-Accounts, die das Lesen und Verschicken von Nachrichten über WWW ermöglichen - z.B. http://www.gmx.at/, http://www.hotmail.com/ oder http://blackbox.net/. Diese drei Anbieter habe ich zufällig ausgewählt; es gibt hunderte davon. Alle diese Dienste bedürfen einer einmaligen Online-Registrierung, und schon haben Sie eine zusätzliche eMail-Adresse, die Sie über WWW verwenden können.

Einige dieser Anbieter geben Ihnen auch die Möglichkeit, eMail-Nachrichten von einem anderen Server (z.B. von einem der Mailserver der Uni Wien) für Sie zu holen (zu "poppen"). Damit das funktioniert, müssen Sie dem Anbieter Ihre UserID und das Paßwort für diesen Zugang bekanntgeben. Hände weg! Niemand kann beurteilen, was der Anbieter mit den von Ihnen preisgegebenen Daten macht, wie er sie speichert und wer darauf Zugriff hat. Um auch Ihre Uni-Mail über diesen Anbieter lesen zu können, richten Sie sich besser einen Nachsendeauftrag ein (für Mitarbeiter der Universität Wien unter http://mailbox.univie.ac.at/bin/forward.pl, für Studierende unter http://www.unet.univie.ac.at:81/db/bin/forward.pl). Vergessen Sie bitte nicht, diesen Nachsendeauftrag wieder zu löschen, wenn Sie ihn nicht mehr benötigen.

WWW

Falls Sie das Surfen im WWW durch den Eintrag eines Proxy-Servers der Uni Wien in die Konfiguration Ihres Browsers beschleunigt haben: Auch das funktioniert nicht, wenn Sie aus einem Fremdnetz kommen. Ihr Provider sollte Ihnen allerdings einen gleichwertigen Dienst zur Verfügung stellen. Erfragen Sie die Daten des für Sie verwendbaren Proxy-Servers bitte beim Anbieter.

Wenn Sie Probleme mit der Darstellung mancher Webseiten im Universitäts-Datennetz haben (z.B. wenn eine Abfrage unter http://www.univie.ac.at/UNI-Daten/ nicht funktioniert), liegt das an den Regeln, die Ihr Provider aufgestellt hat. Fragen Sie nach, warum er "keine HTTP-Anfragen an andere Ports als 80 zuläßt". Sie müssen nicht wissen, was das heißt; bitten Sie ihn einfach, Abhilfe zu schaffen oder Ihnen Alternativen anzubieten.

NetworkNews

Auch der Newsserver der Universität Wien (NEWS.UNIVIE.AC.AT) ist aus Fremdnetzen nur sehr eingeschränkt verwendbar; Ihr Provider sollte Ihnen aber einen Newsserver mit voller Funktionalität zur Verfügung stellen.

Die Welt ist schlecht

Wenn Sie den Schoß des Uni-Datennetzes verlassen und in die kalte, grausame Welt des Internet aufbrechen, sollten Sie sich der Unsicherheit der Kommunikation im Netz besonders bewußt sein. Nur ein Bruchteil der Daten, die übers Netz gehen, wird verschlüsselt. Den Betreibern der Server und Einwahlmöglichkeiten, derer Sie sich bedienen, fällt es (technisch) relativ leicht, Sie "abzuhören", d.h. Ihren Datenverkehr zu kontrollieren. Ob Sie Ihrem Provider dasselbe Vertrauen entgegenbringen wie den Administratoren des Universitäts-Datennetzes (zu diesen kann Ihr Vertrauen grenzenlos sein), ist Ihre Entscheidung. Ihre eMail-Korrespondenz können Sie jedenfalls durch den Einsatz von PGP (Pretty Good Privacy) absichern, und statt Telnet können Sie SSH verwenden.