Tema con variazioni
Die Telefonumstellung

von Peter Rastl (Ausgabe 99/3, Oktober 1999)

 

Nun geht bereits das dritte Jahr unseres Großprojekts zur Neige, die gesamte Telefon-Infrastruktur an der Universität Wien zu erneuern. Seit im Sommer 1997 mit der Installation der neuen Telefonanlage Ericsson MD110 im Universitätshauptgebäude begonnen wurde, sind an 40 Standorten der Universität neue Nebenstellenanlagen installiert und als Subanlagen an das Zentralsystem (Rufnummer 4277) angeschlossen worden. Bis heute wurden in 167 Instituten und sonstigen Dienststellen insgesamt über 6000 neue Apparate installiert und Telefonnummern umgestellt. Das Telefonsystem der Universität Wien ist auf dem besten Weg, einen Spitzenplatz unter den größten Telefonanlagen Österreichs zu erobern. Wenn die Umstellungsarbeiten so erfolgreich wie bisher weitergehen, wird die Umstellung bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein. Mit Ausnahme der Universitätskliniken im AKH, die ihre Rufnummer 40400 beibehalten, werden dann praktisch alle Universitätseinrichtungen an sämtlichen Standorten über 4277 erreichbar sein (zumindest in Wien - das Forschungsinstitut für Versuchstierzucht in Himberg oder die Außenstelle des Universitätssportinstituts in Dienten/Hochkönig werden wohl nicht in das Nebenstellennetz integriert werden).

Ein so großes und etliche Jahre dauerndes Projekt könnte nicht wirklich gelingen, wenn nicht alle Beteiligten trotz der vielen Unzulänglichkeiten und Schwierigkeiten, die natürlich immer wieder bei einem solchen Vorhaben auftreten, gut zusammenarbeiten würden: Die Firma Ericsson mit einem großen und wechselnden Team unter der Projektleitung von Ing. Malzl, das EDV-Zentrum mit einem viel zu kleinen Team (bisher hat das EDV-Zentrum für das Telefonwesen keine einzige zusätzliche Planstelle erhalten) unter der Beratung des Planungsbeauftragten Ing. Wottawa, die Bundesbaudirektion mit ihren Fachleuten in den jeweiligen Abteilungen und Gebäudeverwaltungen, die mit den Leitungsverlegungen beauftragten Elektrofirmen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wirtschaftsabteilung in der Telefonvermittlung und ganz besonders die von der Telefonumstellung betroffenen Universitätsangehörigen in allen Instituten. Ihnen allen gebührt der Dank dafür, daß dieses ehrgeizige Projekt bisher eigentlich viel reibungsloser abgelaufen ist, als das die meisten zu hoffen gewagt hatten.

Probleme mit den Chipkarten

Natürlich gibt es auch etliche Problembereiche und Schwachstellen, die bisher nicht befriedigend gelöst worden sind und auf die wir daher immer wieder zurückkommen müssen. Eines dieser Sorgenkinder sind die Chipkartentelefone: An der Universität Wien sind standardmäßig Anrufe ins Ausland sowie Ferngespräche im Inland gesperrt; durch Verwendung einer persönlichen Chipkarte kann jedoch auf einem mit einem Chipkartenleser ausgestatteten Telefonapparat diese Fernwahlsperre aufgehoben werden. Die anfallenden Telefongebühren können auf diese Weise den einzelnen Personen (und nicht nur den einzelnen Nebenstellen) zugeordnet werden. Diese Technologie, die ausschreibungsgemäß von der Firma Ericsson in ihrem Offert angeboten wurde, ist jedoch keine weitverbreitete Standardausstattung von Telefonsystemen, sondern eine Neuentwicklung, die im Rahmen unseres Projekts erstmals zum Einsatz kam. Kein Wunder, daß wir dadurch alle Kinderkrankheiten zu spüren bekamen.

Ein mittlerweile wohlvertrautes Problem äußert sich darin, daß das Telefon fallweise die Chipkarte nicht erkennt, wenn man sie in den Chipkartenleser einführt. Nach mehrmaligem verzweifeltem Hin- und Herschieben der Chipkarte startet sich schließlich der Telefonapparat neu (erkenntlich daran, daß am Display die Anzeige BC Rev.1.x erscheint); erst dann zeigt der Apparat die Chipkartennummer an und geht endlich in den "aufgesperrten" Zustand über. Es ist völlig klar, daß auf diese Weise kaum Ferngespräche geführt werden können und ein Telefonsystem mit solchen Eigenschaften von der Universität Wien nicht als voll funktionsfähig abgenommen wird. Nachdem dieser Fehler aber nur fallweise und keineswegs auf allen Chipkartenapparaten auftritt, war die Firma Ericsson (die im übrigen die Chipkartensysteme von einem Sublieferanten zukauft) bislang nicht in der Lage, dieses Problem ausreichend zu analysieren und wirksam zu beheben. Nach zahllosen Besprechungen, Beschwerden, Pönaleforderungen und vergeblichen Problembehebungsversuchen scheint nun endlich eine Erklärung für das Fehlverhalten der Chipkartenapparate gefunden: Die Software der Nebenstellenanlage ist unter gewissen Umständen zu schnell für manche Chipkartenleser, die dann mit der Datenkommunikation während des Aufsperrvorgangs nicht nachkommen. Die Firma Ericsson wird daher nun bei sämtlichen Apparaten, bei denen dieses Problem auftritt, einen Tausch gegen einen neuen, schnelleren Chipkartenleser durchführen. Wer also derzeit an dem beschriebenen Problem mit seinem Chipkartenapparat leidet, möge dies bitte dem EDV-Zentrum (am besten mittels eMail an die Adresse TELEFON@UNIVIE.AC.AT) mitteilen, damit ein Tausch veranlaßt werden kann. An den Standorten, deren Telefone erst nach Juli 1999 umgestellt worden sind, wurden einstweilen überhaupt keine Chipkartenleser montiert; hier werden gleich die neuen Modelle ausgeliefert (unmittelbar nach ihrer Verfügbarkeit, d.h. voraussichtlich ab November 1999). Bis dahin wird deshalb auf den entsprechenden Apparaten die Fernwahlsperre generell deaktiviert.

Dies war jedoch keineswegs das einzige Problem mit den Telefonchipkarten: So gingen am EDV-Zentrum die Bestände an Chipkarten schneller als erwartet zur Neige, und als Anfang Juli 1999 eine Nachbestellung erforderlich wurde, lernten wir zu unserem Entsetzen, daß die Lieferfirma dazu eine Lieferzeit von mindestens 12 Wochen veranschlagt. Es war also sozusagen noch ein Glück, daß Ericsson seit dem heurigen Sommer ohnehin keine neuen Chipkartenleser installieren konnte und der Mangel an Chipkarten daher nicht so gravierend ins Gewicht fiel. Aber die Firma Ericsson möge uns künftig dennoch - frei nach Torberg's Tante Jolesch - "behüten vor allem, was noch ein Glück ist", und die vertraglich für die nächsten 10 Jahre garantierte Lieferung von Ersatzteilen und Wartungsleistungen sicherstellen!

Neues Sprachspeichersystem

Ein zweiter Problembereich, für den bisher keine zufriedenstellende Lösung gefunden werden konnte, betrifft das Sprachspeichersystem, das seit Anfang 1998 in Betrieb ist, jedoch immer wieder an Funktionsstörungen leidet und mehrere in der Ausschreibung geforderten Eigenschaften vermissen läßt. Für dieses Sprachspeichersystem, das die Firma Ericsson nicht selbst herstellt, sondern von einem anderen Hersteller zugekauft hat, liegt außerdem keine Funktionsgarantie für den Wechsel auf das Jahr 2000 vor. Deshalb muß noch vor Jahresende auf ein völlig neues (und in der Bedienung leider unterschiedliches) Sprachspeichersystem umgestellt werden. Entsprechende Bedienungsanleitungen werden vom EDV-Zentrum rechtzeitig veröffentlicht werden, sobald das neue System an der Universität getestet werden konnte.

Der Umstellungsplan sieht vor, daß bereits im November 1999 das neue Sprachspeichersystem unter der Nebenstellennummer 80800 allen Benutzern zum Kennenlernen zur Verfügung gestellt wird, während das bisherige Sprachspeichersystem (Nebenstelle 8000) wie gewohnt standardmäßig benutzt wird. Da es nicht möglich ist, die gespeicherten Spracheingaben automatisch vom alten ins neue System zu übernehmen, und weil auch die Struktur der Ansagen auf den beiden Systemen nicht übereinstimmt, müssen während dieser Zeit die Benutzer alle ihre Sprach- und Infoboxen auf dem neuen System neu einrichten und ihre Ansagen neu aufsprechen. Am Wochenende des 4./5. Dezember 1999 erfolgt der Umstieg auf das neue System, das dann standardmäßig (z.B. bei Betätigung der entsprechenden Funktionstasten am Telefonapparat) verwendet wird. Um Zugriff auf die alten Texte zu haben, steht das alte System noch bis Jahresende unter der Nebenstellennummer 80800 ergänzend zur Verfügung.

Direct Link zur Mobilkom

Doch soll nicht nur von Schwierigkeiten und ungelösten Problemen die Rede sein - es gibt auch erfolgreiche Neuerungen an der Telefonanlage. Eine solche ist die Inbetriebnahme einer Direktverbindung zur Mobilkom: Seit Ende August 1999 werden Anrufe von der Telefonanlage der Uni Wien ins A1-Handynetz der Mobilkom über eine direkte 2Mbit/s-ATM-Verbindung geschaltet, wobei die Kosten pro Minute nun öS 3,- betragen (gegenüber dem seit September 1999 gültigen Geschäftstarif 2 von öS 3,90/Minute für Verbindungen vom Festnetz ins A1-Mobilnetz). Auch in der Gegenrichtung, vom Handy zur Universität, wird man bald Kosten sparen können: Das EDV-Zentrum hat mit der Mobilkom einen entsprechenden Rahmenvertrag für Universitätsmitarbeiter abgeschlossen (siehe Handy-Telefonieren wird billiger).

Die rasante Entwicklung im Bereich der Telefonie hält noch viele Aufgaben für das EDV-Zentrum bereit. An manchen schon länger fälligen Verbesserungsmaßnahmen wird ohnehin gearbeitet, und neue Anforderungen werden uns laufend bewußt. Obwohl also im nächsten Jahr voraussichtlich das Umstellungsprojekt mit der Firma Ericsson zu seinem vorläufigen Abschluß kommen wird, wird die Verantwortung für die Telefonie an der Universität Wien das EDV-Zentrum noch lange in Atem halten, und der Comment wird auch weiterhin regelmäßig über dieses Thema berichten - mit immer neuen Variationen.