Also sprach der Pinguin
Ein Berg ist nur ein großer Haufen

von Christoph Berndl (Ausgabe 99/3, Oktober 1999)

 

Vielleicht ist es eine Folge des um sich greifenden Linux-Hypes, vielleicht ist es das vermehrte Interesse der privaten Computerbenutzer an neuer, brauchbarer, aber dennoch kostengünstiger Software. Oder vielleicht besteht einfach gesteigerter Bedarf an Programmen für ein Betriebssystem, mit dem sich immer mehr private Anwender wie auch Software- und Hardwarehersteller in aller Welt befassen. (Unzählige Websites zollen diesem Verlangen Tribut, seien es Klassiker wie http://www.freshmeat.net/ und http://www.slashdot.org/ oder neuere Sammlungen wie http://www.linuxgames.com/ und http://www.happypenguin.org/, die sich ausschließlich den Spielefans unter den Linux-Benutzern widmen.) Jedenfalls bietet auch die Uni Wien seit kurzem einen Ableger von Linuxberg, einem umfassenden Software-Archiv für Linux-Programme aller Art.1)

Über http://univie.linux.tucows.com/gelangt man zur Startseite - sozusagen zur Spitze des Eisbergs - des großen Linux-Software-Haufens. Wie gesagt handelt es sich um einen lokalen "Mirror" (= Spiegelung der kompletten Website). Dies gewährleistet volle Funktionalität und vollen Umfang bei gleichzeitiger Erhöhung der Transfergeschwindigkeit, und damit natürlich Zeit- und Geldersparnis.

Hat einen das allseits bekannte und "oft-kopierte-nie-erreichte" Linux-Maskottchen (der Pinguin Tux) auf der Startseite erst einmal begrüßt, informiert es auch gleich über die letzten Neuerungen auf seiner Website: Regelmäßig gibt es hier aktuelle Einträge. Wenn man genau weiß, was man will, stürzt man sich am besten mittels Search in die Suche nach dem gewünschten Programm. Wenn man sich gar nicht auskennt, ist die Funktion Help zu empfehlen. Für alle anderen gilt ein halbgezieltes Navigieren als die beste Möglichkeit, sich durch das Archiv zu wühlen - oder besser gesagt durch viele kleine wohlgeordnete Haufen und Hügel, die gemeinsam einen beachtlichen Berg ausmachen. Einer dieser Haufen (What's new) besteht aus der Zusammenstellung von Neueingängen sowie von Updates und aktualisierten Versionen diverser Programme. Einen anderen Haufen steuert man über Software an.

Dieses Navigieren ist durch die mund- oder mausgerechte Portionierung ebenso informativ wie zielführend. In Anlehnung an das bestehende Tucows-Archiv für Windows-Software wurden die Programme hier nach ähnlichen Kriterien geordnet. Wie gesagt nur in Anlehnung, da es verschiedene Fenstermanager und Konsoleprogramme in dieser Form eben nur unter Linux (und den meisten anderen Unix-Clones) gibt. Ob man nun Software für die Konsole (textbasiert), für KDE, für GNOME, für X11 (grafisch) oder "Themen-Software" (für den Desktop der diversen Window-Manager) benötigt: In jedem Fall erhält man die von Tucows bekannte Einteilung - je nach Verfügbarkeit natürlich - in Anwendungen für beispielsweise Netzwerke, Kommunikation, Programmierung, Office, Grafik, Multimedia und anderes (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Software für KDE, Untergruppen

In jeder Unterabteilung findet sich eine Liste aller hierzu verfügbaren Programme, ergänzt durch Version, Datum, Größe, Lizenzart, Homepage-Link, Kurzbeschreibung und Bewertung des jeweiligen Programmpakets - letzteres in Form einer Ratingleiste mit mehr oder weniger Pinguinen (siehe Abb. 2).

Abb. 2: Produktbeschreibung mit Pinguin-Ratingleiste

Sagt einem diese hierarchische Ordnung nicht zu, kann man auch diverse Index-Listen abrufen, in denen die Software nach verschiedenen Gesichtspunkten geordnet aufscheint: alphabetisch, thematisch oder nach Pinguin-Ratings (die meisten Pinguine zuerst). Der Link Distributions führt zu den Webseiten der meisten Linux-Distributionen, wo man nicht nur die kompletten Ausgaben der jeweiligen aktuellen Zusammenstellung auf den lokalen Rechner kopieren, sondern auch detaillierte Informationen zu diesen Distributionen oder zu KDE, GNOME und anderem abrufen kann.

Alles in allem bietet Linuxberg ein umfassendes Archiv der aktuellen Linux-Software, und das brauchbar aufbereitet und geordnet, versehen mit diversen Suchmasken und Programm-Listen. Ob man als Linux-Neuling sein erstes Tetris-Spiel zu Testzwecken selbst installieren möchte oder ob der Kaiser aller Sourcecodes potentielle Hacker mit einem Back-Orifice-Fake narren will - hier wird wohl jeder fündig werden. Und das obendrein schnell und kostengünstig (die Telefonkosten nicht gerechnet sogar gratis).


1) Nach Erscheinen dieses Artikels wurde der Name der Website von Linuxberg auf Tucows Linux geändert.