Mailing mit Eudora Light

von Robert Brunnthaler (Ausgabe 99/2, Juni 1999)

 

Eudora Light ist gratis: Die Firma Qualcomm (http://www.qualcomm.com/) stellt jeweils eine "abgespeckte" Version ihres Mailprogramms Eudora Pro (http://www.eudora.com/) zur freien Verwendung zur Verfügung. Man muß sich also keine Sorgen machen, wenn man diese Software kopiert oder weiterverteilt - all das ist erlaubt. Eudora Light gibt es für alle Windows-Versionen (3.x, 95, 98, NT) und für MacOS. Gebräuchlich sind Versionen ab 1.52, ein Update auf eine Version ab 3.0 ist aber zu empfehlen: Mit diesem Versionssprung wurde Eudora Light um einige nützliche Features (z.B. Filterfunktionen) erweitert. Die folgende Beschreibung geht von Version 3.0.6 unter Windows 98 aus; die Konfiguration des Programms ist jedoch unter allen Betriebssystemen sehr ähnlich.

Eudora Light ist auf verschiedenen Wegen erhältlich. Es findet sich oft auf Internet-Freeware-CDROMS, die Zeitschriften beiliegen, kann aber auch direkt aus dem Internet bezogen werden. Um das internationale Datenverkehrsaufkommen niedrig zu halten, sollten Sie Eudora (und jede andere Datei) von einem möglichst nahen Server holen. Frei zugängliche FTP-Server in Wien, die Eudora Light bereitstellen, sind http://tucows.univie.ac.at/ (hier müssen Sie zuerst das Betriebssystem wählen, unter dem Sie Eudora Light installieren wollen, im nächsten Fenster auf E-Mail Clients klicken und dann Eudora Light auswählen) und http://gd.tuwien.ac.at/. Dort finden sich im Eudora-Verzeichnis auch "Disk-Kits", also Dateien, die sich auf Ihrem Rechner in diskettengroße Teile entpacken - eine schöne Möglichkeit, Eudora auch auf anderen Rechnern zu installieren.

Die Installation ist denkbar einfach: Nach einem Doppelklick auf die Installationsdatei (z.B. eul306.exe) erscheint ein blauer Installationsschirm, Sie müssen angeben, wohin Sie das Programm installieren wollen (unter Windows ist c:\programme\eudora eine gute Wahl) - fertig.

Konfiguration

Beim ersten Aufruf möchte Eudora, daß Sie Informationen zu Ihrem ACAP(Application Configuration Access Protocol)-Server angeben. Keiner der Mailserver der Universität Wien unterstützt dieses Protokoll, deshalb sind Eingaben in dieses Dialogfenster nicht zielführend - beenden Sie den Dialog durch Klick auf Cancel (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Fenster Options, Kategorie Auto Configure

Damit Sie Eudora Light verwenden können, müssen Sie es konfigurieren, d.h. dem Programm einige Daten bekanntgeben. Ein Vorteil von Eudora ist, daß die komplette Konfiguration in einem Dialogfenster vorgenommen werden kann. Dieses Fenster erhalten Sie, indem Sie im Menü Tools den Punkt Options auswählen (es handelt sich dabei um dasselbe Fenster, das Sie vorher mittels Klick auf Cancel geschlossen haben). Es ist zweigeteilt: Links finden Sie die verschiedenen Kategorien von Einstellungen, rechts die Einzelheiten zur gerade ausgewählten Kategorie. Sie sehen zunächst nur die untersten sechs Kategorien; durch "Scrollen" (dieses Verschieben des Fensterinhalts mit Hilfe der "Scrollbar" rechts davon, für das es kein schönes deutsches Wort gibt) können Sie auch die anderen sichtbar machen. Eine bestimmte Kategorie wird mittels Mausklick auf das entsprechende Symbol ausgewählt.

Die oberste Kategorie heißt Getting Started (siehe Abb. 2), und hier fangen wir an zu konfigurieren:

Abb. 2: Fenster Options, Kategorie Getting Started
  • Bei POP account: tragen Sie bitte Ihre UserID ein, gefolgt von einem Klammeraffen (@) und dem Namen des POP3-Servers. Studierende müssen also aMATRIKELNUMMER@POP.UNET.UNIVIE.AC.AT (z.B. a0815333@POP.UNET.UNIVIE.AC.AT) und Uni-Mitarbeiter Mailbox-UserID@MAILBOX.UNIVIE.AC.AT (z.B. horvatk2@MAILBOX.UNIVIE.AC.AT) eingeben.
  • Bei Real name: tragen Sie Ihren Namen ein. Beschränken Sie sich dabei bitte auf den englischen Zeichensatz - ersetzen Sie also ö durch oe, ß durch ss, usw.
  • Unter Return address: müssen Sie Ihre eMail-Adresse eintragen. Bei Studierenden hat die eMail-Adresse die Form aMATRIKELNUMMER@UNET.UNIVIE.AC.AT (z.B. a0815333@UNET.UNIVIE.AC.AT), bei Mitarbeitern die Form VORNAME.NACHNAME@UNIVIE.AC.AT (z.B. FRANZ.MUSTERMANN@UNIVIE.AC.AT).
  • Unter Connection Method: muß Winsock (Network, PPP, SLIP) aktiv sein.

Die Kategorie Personal Info bedarf keiner Einstellungen - weiter geht's mit Hosts (siehe Abb. 3). Der POP account: wurde aus dem Getting Started-Dialog richtig übernommen; daher müssen Sie hier nur Ihren SMTP:-Server angeben. Dieser heißt für Studierende MAIL.UNET.UNIVIE.AC.AT, für Mitarbeiter MAILBOX.UNIVIE.AC.AT.

Abb. 3: Fenster Options, Kategorie Hosts

In der Kategorie Checking Mail (siehe Abb. 4) kann man einige sinnvolle Einstellungen vornehmen. Der POP account: wurde wieder richtig übernommen; interessant sind die Punkte

  • Check for mail every ... minutes: Hier können Sie das Popintervall einstellen. "Modem-Benutzer" (falls Sie Ihre Internetverbindung per Modem aufbauen, sind Sie ein solcher) können die Einstellung 0 belassen - in diesem Fall ist es ist besser, seine Post "händisch" durch Klick auf Check Mail abzuholen. Für "LAN-Benutzer" (deren Rechner im Universitäts- oder einem anderen Netzwerk hängt und permanent mit dem Internet verbunden ist; auch TeleWeb-Benutzer gehören dazu) macht es Sinn, in regelmäßigen Abständen am Server nachzusehen, ob neue Nachrichten eingelangt sind. Das Intervall, das Sie hier einstellen, soll 30 Minuten nicht unterschreiten (Näheres siehe Artikel POP Art ).
  • Send on Check: Diese Checkbox ist für Modem-Benutzer sehr interessant. Ist sie aktiv ("angehakerlt"), macht sie in Verbindung mit einem inaktiven Immediate Send (siehe nächste Kategorie Sending Mail) das Mailen sehr billig, da das Verschicken und Abholen der Post während eines Einwählvorgangs stattfindet und man die Internetverbindung danach wieder beenden kann.
  • Save password: Schreibfaule und vergeßliche Menschen freuen sich darüber, nicht bei jedem Postabholen ihr Paßwort eingeben zu müssen - aber Vorsicht mit dieser Option, falls auch andere Menschen Zugang zu Ihrem Computer haben.
  • Leave mail on server: Eine sinnvolle und gefährliche Option! Bitte nur aktivieren, wenn Sie auch von einem anderen Rechner Ihre Post abholen und auf diesem anderen Rechner eingestellt ist, daß die Nachrichten vom Server gelöscht werden sollen (Näheres siehe Artikel POP Art ).

Die anderen Punkte lassen Sie bitte unberührt, falls Sie sich nicht sicher sind, was sie bewirken.

Abb. 4: Fenster Options, Kategorie Checking Mail

In der Kategorie Sending Mail (siehe Abb. 5) sind die Standardeinstellungen sinnvoll gesetzt. Nur der Punkt Immediate send: verdient unsere Aufmerksamkeit: Für Modem-Benutzer ist es nicht sinnvoll, für jede zu verschickende Nachricht eine Internetverbindung aufzubauen. Falls Sie Immediate send inaktiv (= nicht angehakerlt) setzen, bekommen Sie die Möglichkeit, Nachrichten nicht gleich zu versenden, sondern zu "queuen", also in eine Warteschlange zu stellen. Sie können dann z.B. fünf Nachrichten schreiben, diese queuen (während sie in der Warteschlange sind, kann man sie auch noch bearbeiten) und dann durch Klick auf Check Mail gesammelt verschicken - vorausgesetzt, Send on check ist aktiv.

Abb. 5: Fenster Options, Kategorie Sending Mail

Die nächsten Kategorien Replying, Attachments, Fonts & Display, Styled Text, Mailbox Columns, Getting Attention, Extra Warnings und Dialup sind für die prinzipielle Funktionalität von Eudora Light richtig eingestellt und müssen nicht verändert werden. Vorsicht mit der Kategorie Dialup: Modem-Benutzer könnten glauben, daß hier die Internetverbindung konfiguriert wird - dem ist nicht so! Lassen Sie diese Kategorie komplett unberührt; die wirklichen Einstellungen sind in der Kategorie Advanced Network (siehe Abb. 6) vorzunehmen.

Abb. 6: Fenster Options, Kategorie Advanced Network
  • Aktivieren Sie den Eintrag Automatically dial & hangup this connection: und
  • wählen Sie aus der Dropdown-Liste Entry: eine schon bestehende und richtig konfigurierte Wählleitungsverbindung aus. (Wie man einen Wählleitungszugang konfiguriert, ist eine ganz andere Geschichte - Infos dazu finden Sie unter http://www.univie.ac.at/ZID/helpdesk.html oder im Service- und Beratungszentrum: NIG, Stg. II, 1. Stock, links.)
  • Tragen Sie neben Username: Ihre UserID ein (Studierende: aMATRIKELNUMMER, Mitarbeiter: gebildet aus maximal sechs Buchstaben des Nachnamens, dem Anfangsbuchstaben des Vornamens und einer oder zwei Ziffern). Das alles gilt nur für Modem-Benutzer; LAN-Benutzer müssen in dieser Kategorie nichts einstellen!

Die letzten vier Kategorien (MAPI, Kerberos, Miscellaneous, Auto Configure) brauchen Sie nicht zu verändern. Schließen Sie das Dialogfenster durch Klick auf OK, und schon können Sie ...

Eudora Light verwenden.

Das Eudora Light-Fenster ist zweigeteilt: Links sehen Sie eine Liste der Mailfolder, im grauen Bereich rechts passiert alles andere. Durch Doppelklick auf einen der Mailfolder öffnet sich dieser und zeigt Ihnen die darin enthaltenen Nachrichten in tabellarischer Ansicht. Ein Doppelklick auf eine solche Zeile öffnet ein weiteres Fenster, das die komplette Nachricht beinhaltet (auch wenn Sie noch keine eMail verschickt oder erhalten haben, finden Sie einen Begrüßungsbrief der Firma Qualcomm in Ihrer In-Box). Die wichtigsten Funktionen - Senden, Abholen, Drucken usw. - ruft man über Symbole ("Icons") in der Symbolleiste ("Toolbar") des Programms auf. Wenn Sie mit der Maus kurze Zeit über einem Icon stehenbleiben, ohne zu klicken, wird angezeigt, wozu es dient.

Um das Mailprogramm und die soeben vorgenommene Konfiguration zu testen, empfiehlt es sich, eine Nachricht an sich selbst zu schicken (siehe Abb. 7). Klicken Sie auf das Icon für New Mail (das mit dem Bleistift). Ein Fenster öffnet sich, und Sie können schon drauflosschreiben: Neben To: Ihre eMail-Adresse (nur jetzt für den Test!), neben Subject: einen Betreff und in das große leere Feld (den "Body") auch ein paar Zeilen.

Abb. 7: Beispiel für eine Testnachricht

Je nachdem, ob Sie bei der Konfiguration Immediate Send aktiv oder inaktiv gesetzt haben, finden Sie einen Send- oder einen Queue-Knopf rechts über Ihrer Nachricht. Durch Klick auf diesen Knopf wird die Nachricht entweder sofort verschickt oder in die Warteschlange eingereiht; d.h. sie wandert in die Out-Box und ist entweder mit einem S oder einem Q gekennzeichnet. Spätestens nach einem Klick auf das Icon für Check Mail (das mit dem roten Hakerl) sollte Eudora Kontakt mit den Mailservern aufnehmen, die "gequeueten" Nachrichten verschicken und neue Post für Sie abholen (Sie werden natürlich noch nach dem Paßwort für den POP-Server und gegebenenfalls für die Wählleitungsverbindung gefragt). Falls Ihr Testbrief richtig verschickt wird und auch wieder bei Ihnen ankommt, haben Sie alles korrekt eingestellt.

Menschen, die über das "An-sich-selbst-schreiben" hinauswachsen, wird bald die In- und Out-Box zu klein und das Eintippen dieser kryptischen eMail-Adressen zu mühsam werden. Eudora Light bietet zwei Funktionen, die Vielschreibern das Leben wesentlich erleichtern:

  • Mailbox-Verwaltung: Sie können beliebige Mailboxen anlegen - z.B. nach Themen oder nach Personen, mit denen Sie kommunizieren. Klicken Sie im Menü Mailbox auf New, und Sie werden nach einem Namen für die zu erstellende Mailbox gefragt. Wenn Sie in diesem Dialogfenster zusätzlich Make it a folder aktivieren, entsteht so etwas wie der Arbeit-Folder in Abb. 8, der weitere Mailboxen beinhalten kann. Die Nachrichten zieht man dann einfach per "Drag & Drop" in die gewünschte Mailbox.
  • Adreßbuch: Ein Klick auf das Address Book-Icon öffnet ein neues Fenster für die Adressen-Verwaltung (siehe Abb. 8). Sie können durch Klick auf New beliebige "Nicknames" (= Spitznamen) vergeben und jeden Nickname mit einer oder mehreren eMail-Adressen belegen (falls Sie mehrere Adressen hinter einem Nickname verbergen, müssen Sie diese durch Kommas trennen). Die Aktivierung der Checkbox Recipient List bewirkt, daß man eine Nachricht an diese Adresse durch Auswahl von Message - New Message To - Nickname erstellen kann.
Abb. 8: Erstellen von "Nicknames"

 

Eudora "klonen"

Falls Sie mehrere eMail-Accounts abfragen wollen oder mehrere Personen an Ihrem Rechner arbeiten: Auch das ist mit Eudora möglich. Wie Sie das bewerkstelligen, ist in der Eudora-Hilfe schön beschrieben; mit der Version 3.0.6 unter Windows 98 funktioniert es so:

  • Legen Sie (im Explorer oder am Arbeitsplatz) ein neues Verzeichnis für jeden Benutzer an, der Ihr Eudora verwenden möchte (z.B. c:\programme\eudora\franzi und c:\programme\eudora\mitzi).
  • Erstellen Sie eine neue Verknüpfung auf Ihrem Desktop (mittels Klick mit der rechten Maustaste irgendwo am Bildschirm, Auswahl von Neu und Verknüpfung) und geben Sie an, wo Ihr eudora.exe liegt (z.B. c:\programme\eudora\eudora.exe; Sie können das natürlich auch mittels Durchsuchen herausfinden). Bevor Sie auf Weiter klicken, schreiben Sie als Befehlszeile zusätzlich ein Leerzeichen und den Pfad zu einem der soeben erstellten Verzeichnisse - die Befehlszeile sollte also z.B. c:\programme\eudora\eudora.exe c:\programme\eudora\franzi lauten. Klicken Sie nun auf Weiter, geben Sie der Verknüpfung einen schönen Namen (z.B. Eudora von Franzi) und klicken Sie auf Fertig stellen.
  • Machen Sie genau dasselbe für den zweiten Ordner, und schon haben Sie zwei Icons am Desktop, hinter denen sich zwei Mailprogramme verbergen, die man getrennt konfigurieren kann. Einen Haken hat die Sache: Mitzi und Franzi sollten keine Geheimnisse voreinander haben, da jeder problemlos die Nachrichten des anderen einsehen kann.

Eudora Light oder nicht Eudora Light?

Eudora Light hat als reines Mailprogramm einen schweren Stand in einer Zeit, in der jedes Betriebssystem und jeder Browser einen eMail-Client mitliefert. Wenn man sich daran gewöhnt hat, mag man es: Es ist stabil, schnell und läuft auch auf älteren Rechnern; außerdem kann auch die PC-Version BinHex-Attachments öffnen (BinHex ist ein unter Mac-Benutzern gebräuchliches Kodierungsverfahren). Eine Empfehlung für "Vielmailer".