Ein Jahr Datensicherung mit ADSM

von Herbert Stappler & Aron Vrtala (Ausgabe 99/1, März 1999)

 

Vor knapp einem Jahr wurde das Datensicherungssystem ADSM für den Einsatz an der Uni Wien freigegeben (siehe Comment 98/1). Diese Möglichkeit, die Datensicherung für alle Arten von dezentralen Rechnern - PCs, Workstations, Server - komfortabel über das Netzwerk auf einem Backup-Server mit angeschlossenem Bandroboter abzuwickeln, ist für viele Benutzer eine Alternative zur mühsamen Datensicherung mittels lokaler Bandgeräte. So verwendeten im Jänner 1999 bereits 456 Rechner ADSM; insgesamt sind mehr als 45 Millionen Dateien (etwa 3450 GB) gespeichert.

Im Laufe des vergangenen Jahres wurde bei der am Backup-Server verwendeten ADSM-Software von Version 2 auf Version 3 übergegangen. Die Benutzer sollten davon kaum betroffen sein, da sowohl die Version2-Klienten als auch die Version3-Klienten einwandfrei arbeiten. Bei der Umstellung vom Version2- auf den Version3-Klienten gibt es ebenfalls kaum Probleme. Daten, die mit dem Version2-Klienten archiviert (d.h. in das 2000-Tage-Langzeitarchiv gesichert) wurden, sind allerdings nach wie vor über die grafische Oberfläche nicht abrufbar - auch nicht mit dem Version3-Klienten. Zu beachten ist ferner, daß beim ersten Aufruf von Archivfunktionen mit dem Version3-Klienten eine Konversion der Archivierungsdaten in der ADSM-internen Datenbank durchgeführt wird, die je nach Datenmenge von einigen Minuten bis zu einigen Stunden dauern kann. Dafür ist es aber mit dem ADSM-Version3-Klienten nunmehr möglich, einen sogenannten point in time restore anzufordern - einen Rückspeichervorgang, der die zu einem beliebig wählbaren Stichtag gesicherten Daten vor dem letzten aktuellen Stand auswählt. Diese Option ist vor allem dann sinnvoll, wenn das Endgerät durch Computerviren unbrauchbar geworden ist und der Betreiber des Rechners ein noch "unverseuchtes" Backup zurückspeichern möchte. Auch wenn der größte Teil der Benutzer des Backup-Service den Einsatz von ADSM positiv beurteilt, ist das derzeit verfügbare System bei weitem nicht perfekt und vor allem nicht "narrensicher". Eine sinnvolle Verwendung des Backup-Service erfordert in der Regel einen Benutzer, der sich mit der grundsätzlichen Arbeitsweise von ADSM vertraut gemacht hat. Man sollte auf jeden Fall die Sicherungsläufe argwöhnisch überwachen und sich regelmäßig davon überzeugen, daß auch das Zurückladen funktioniert. Bitte beachten Sie vor allem folgendes:

  • Probleme beim Sichern der Daten: Ein durchaus dramatischer Fall mit Verlust wertvoller Daten entstand dadurch, daß beim Backup-Vorgang nicht alle gewünschten Dateien gesichert wurden. Die Ursachen für derartige Probleme sind meist Fehler bei der Konfiguration des Klienten: Oft wird bei Konfigurationsänderungen (z.B. Einbau einer neuen Platte) vergessen, die Konfiguration des ADSM-Klienten gleichfalls anzupassen. Die Fehler können natürlich am Klienten oder an der Server-Software liegen - kein Programmsystem dieser Größenordnung ist vollkommen. Schutz bietet nur eine sorgfältige Überwachung des Sicherungslaufs. Es ist gefährlich, nur von der Dauer des Sicherungslaufs auf dessen Fehlerfreiheit zu schließen. Grundsätzlich gilt: Mißtrauen Sie dem System! Überprüfen Sie die Logfiles und die beim Sicherungslauf erstellte Statistik auf Plausibilität und sehen Sie regelmäßig in der ADSM-Datenbank nach, welche Dateien mit welchem Stand (z.B. Datum der letzten Änderung) bereitstehen. Kontrollieren Sie dabei die angegebenen Dateigrößen auf Plausibilität.

  • Probleme beim Wiederherstellen der Daten: Es ist empfehlenswert, von Zeit zu Zeit eine gesicherte Datei zurückzuladen und sie mit der Originaldatei zu vergleichen. Auch wenn dieser Test - wie zu erwarten - positiv verläuft, kann das Zurückladen größerer Datenbestände (z.B. einer kompletten Platte) inakzeptabel lange dauern: Wenn bei täglichen Datensicherungsläufen immer einige Dateien im Backup-System gespeichert werden, sind alle zu einer Platte gehörigen Dateien unter Umständen bald auf mehr als 100 Bänder verteilt. Mechanische Vorgänge wie die Montage und das Positionieren von Bändern nehmen einfach eine gewisse Zeit in Anspruch, sodaß der gesamte Rückspeichervorgang viele Stunden dauern kann. Je länger Sie Datensicherung mit ADSM betreiben, desto deutlicher wird dieser Effekt. Für Benutzer, die ganze Platten schnell wiederherstellen müssen, sieht ADSM daher die Möglichkeit vor, die zu einem Rechner gehörigen Dateien auf einige wenige Bändern zu konzentrieren; dies erfordert allerdings einen erhöhten Aufwand bei der Durchführung der Sicherungsläufe. Benutzer, die glauben, daß diese Option für ihre Datensicherung wirklich notwendig ist, sollten das EDV-Zentrum kontaktieren (eMail: backup.edv-zentrum@univie.ac.at). Eine weitere unangenehme Erfahrung ist, daß es bei größeren ADSM-internen Reorganisationen zu Wartezeiten kommen kann, da entweder alle Bandgeräte belegt sind oder die Datenbank wegen eines Reorganisationlaufs stark belastet ist. Zum Glück passiert derartiges nicht allzu oft.

  • Keine hundertprozentige Datensicherheit: Es sollte allgemein bekannt sein, daß ADSM jede Datei nur auf ein Band kopiert. Obwohl es sich um erstklassige Bandlaufwerke und hochqualitatives Bandmaterial handelt, wäre zu wünschen, daß jede Datei auf zwei verschiedene Bänder geschrieben wird. Dies ist derzeit bei ADSM nicht möglich. So können Ereignisse wie mechanische oder magnetische Defekte (noch nicht vorgekommen) oder ein Stromausfall während des Schreibvorgangs (bereits passiert) das Band unbrauchbar machen und unter Umständen zum Verlust von Daten führen. Für sehr wertvolle und schwer wiederherzustellende Daten sollte der Benutzer daher über die ADSM-Datensicherung hinausgehende Maßnahmen setzen. Nehmen Sie in diesem Fall bitte ebenfalls Kontakt mit dem EDV-Zentrum auf (eMail: backup.edv-zentrum@univie.ac.at).

Trotz der oben angeführten Probleme hat sich der Einsatz von ADSM in vielen wichtigen Bereichen sehr bewährt. Weitere Informationen zu ADSM finden Sie im WWW unter dem URL http://www-backup.univie.ac.at/.