Karteikarten der UB-Wien im WWW

von Vera Potuzak (Ausgabe 99/1, März 1999)

 

Reihen von Zettelkästen mit Millionen von Karteikarten gehören zum Bild großer Bibliotheken wie der Österreichischen Nationalbibliothek und der Universitätsbibliothek Wien. Wer bislang ein Buch entlehnen wollte, mußte sich an anderen Suchenden vorbeidrängen, einen Zettelkasten erkämpfen und nach der Karteikarte mit dem gewünschten Autor oder Schlagwort wühlen. Vor einiger Zeit beschlossen die beiden Bibliotheken aber, ihre Bestände mit Hilfe der dafür entwickelten Suchsoftware KatZoom der Öffentlichkeit auch via WWW zugänglich zu machen. Für die Bestände der UB-Wien stellt das EDV-Zentrum Speicherplatz am WWW-Server der Universität Wien bereit.

Die Karten wurden eingescannt, als Bilddateien abgespeichert (siehe Kasten Technischer Ablauf) und sind nun in Form reiner Imagekataloge abrufbar. Diese Lösung bietet zwar etwas weniger Suchkomfort, weil kein Index erstellt werden kann, erlaubt aber die bestmögliche automatische Erfassung der Daten (somit muß nicht jede einzelne Karteikarte abgetippt werden, bevor sie verfügbar ist).

Technischer Ablauf

Das Scannen der Kataloge der UB-Wien wurde innerhalb von 4 Monaten von der Firma EMD mit einem Hochleistungsscanner durchgeführt. Der Tagesdurchsatz betrug - je nach Qualität der Vorlagen - 50000 bis 60000 Zettel; jede Tagesproduktion wurde auf eine CD kopiert. Die Katalogzettel, die eine Größe von 12,5x7,5cm aufweisen, wurden im TIFF-Format als Schwarz/Weiß-Bilder mit ca. 1000x600 Pixel gespeichert (Dateigröße pro Katalogzettel: ca. 5-6 KB). Die so erhaltenen Imagedateien mußten nun noch in ein WWW-taugliches Format (GIF) umgewandelt und verkleinert werden. Zuletzt wurden die für die Kurzanzeige erforderlichen Bilder erzeugt.

  • Vollanzeige: ca. 400x240 Pixel, 6 KB, 4 Graustufen
  • Kurzanzeige: ca. 400x70 Pixel, 2 KB, 4 Graustufen

 

Folgende Kataloge der UB-Wien sind nun unter http://www.univie.ac.at/UB-Wien/ol_kat.htm verfügbar:

  • Schlagwortkatalog bis 1931 (SKA): 1027137 Zettel
  • Schlagwortkatalog 1932-1971 (SKM): 601143 Zettel
  • Schlagwortkatalog 1972-1989 (SKN): 290926 Zettel
  • Nominalkatalog 1932-1989 (NKN): 968178 Zettel

Summe: 2887384 Zettel

An einer Lösung für den Nominalkatalog bis 1931 (handschriftlicher Bandkatalog) wird derzeit gearbeitet. Noch im Sommersemester 1999 soll auch er im WWW zur Verfügung stehen, womit dann der gesamte Bestand der Kataloge der UB-Wien elektronisch zugänglich sein wird.

Verwendung des Online-Katalogs

Ausgehend von der Homepage der Universitätsbibliothek Wien (http://www.univie.ac.at/UB-Wien/) können Sie über die Seite Online-Kataloge den von Ihnen gewünschten Katalog auswählen. Danach wird Ihnen ein alphabetischer Suchbereich angeboten, wo Sie den Anfangsbuchstaben des gewünschten Schlagworts angeben. Der ausgewählte Bereich (Buchstabe) wird in 8 Teile zerlegt; der erste und der letzte Zettel jedes Teilbereichs werden angezeigt. Diese Kurzanzeige beinhaltet lediglich die Zettelköpfe. Der Benutzer entscheidet sich durch Aktivieren des ZOOM in! für einen der angebotenen Teilbereiche; dies geschieht so oft, bis er am Ziel ist. Wenn der gewählte Teilbereich nur noch wenige Karten umfaßt, wird vom Such- in den Listmodus gewechselt, d.h. die Karten werden in Vollanzeige dargestellt. Findet der Benutzer den gesuchten Autor bzw. Titel oder das gesuchte Schlagwort zufällig bereits in einer Kurzanzeige, kann er an jeder Stelle in den Listmodus zur Vollanzeige wechseln.

Wie das folgende Beispiel zeigt, führt diese Methode auch bei größeren Katalogen mit wenigen Schritten zum Ziel:

NKN, Buchstabe "A", Zettel 1 bis 34869, Faktor 8

  • Erste Entscheidung: Teil 1, zwischen Zettel 1 und 4359
  • Zweite Entscheidung: Teil 1, zwischen Zettel 1 und 545
  • Dritte Entscheidung: Teil 1, zwischen Zettel 1 und 69
  • Vierte Entscheidung: Teil 1, zwischen Zettel 1 und 9
  • Listmodus: Zettel 1 bis 9 in Vollanzeige

Die Zukunft

Die beiden größten Bibliotheken Österreichs sehen dies als ersten Schritt, ihre noch nicht in der Verbunddatenbank erfaßten Bestände maschinenlesbar und im OPAC zugänglich zu machen. Nach der vollen Inbetriebnahme des neuen Bibliotheks-Verbundsystems Aleph 500 werden sowohl die Universitätsbibliothek Wien als auch die Österreichische Nationalbibliothek die Imagekataloge in ihr Online-Entlehnsystem einbinden.