Telefonumstellung
(oder: "Der Sommer dauert heuer etwas länger")

von Peter Rastl (Ausgabe 98/3, Oktober 1998)

 

Über das ambitionierte Projekt des EDV-Zentrums, die gesamte Telefon-Infrastruktur der Universität Wien zu erneuern, wurde bereits mehrfach berichtet (zuletzt im Comment 98/1). Nachdem 1997 mit der Umstellung des Telefonsystems im Hauptgebäude und einigen benachbarten Institutsgebäuden ein erfolgreicher Anfang gemacht worden war, plante man für heuer die Erneuerung der Telefonsysteme einer Reihe weiterer Institutsgebäude, die über ganz Wien verstreut sind: Vom Biozentrum in St. Marx bis zur Universitätssternwarte in Währing wurden 24 Standorte für die Telefonumstellung vorgesehen, darunter so große Gebäudekomplexe wie die medizinisch-theoretischen Institute (Schwarzspanierstraße / Währinger Straße) oder der Universitätscampus Altes AKH.

Bereits im Februar und März 1998 hatte die Firma Ericsson mit allen 76 betroffenen Instituten bzw. Universitätseinrichtungen ausführliche Planungsgespräche geführt und die Klappenpläne in allen Details festgelegt. Während der Sommermonate sollten dann an jedem Wochenende ein oder mehrere Gebäude umgestellt werden. An etlichen Standorten gelang die Einhaltung dieses ehrgeizigen Terminplans auch weitgehend programmgemäß. Einige Umstellungstermine mußten jedoch kurzfristig verschoben werden: Das EDV-Zentrum hatte die Rechnung ohne die UTA gemacht.

In jedem Gebäude muß die lokale Telefon-Subanlage über eine entsprechende Leitungsverbindung an die Telefonzentrale im Universitäts-Hauptgebäude angeschlossen werden. An manchen Standorten existieren bereits Glasfaser-Leitungen des Universitätsdatennetzes, die auch für die Telefonie eingesetzt werden können; in den meisten Fällen haben die bestehenden Datenleitungen aber nicht die nötige Bandbreite für einen gleichzeitigen Telefonverkehr. Daher vereinbarte das EDV-Zentrum bereits im Vorjahr mit der Firma Wienstrom die Lieferung entsprechender neuer Leitungen, wobei Wienstrom als alternativer Telekom-Anbieter deutlich günstigere Leitungstarife als die Post & Telekom Austria (PTA) offerierte. Heuer im Frühjahr übernahm jedoch plötzlich die United Telekom Austria (UTA) exklusiv den gesamten Vertrieb der Wienstrom-Leitungen - und unversehens hatten wir neue Gesprächspartner, die von den detaillierten Vorgesprächen über die Errichtung unserer Leitungen keine Ahnung hatten. Zwar sagte uns die UTA eine rechtzeitige Lieferung aller bestellten Datenleitungen zu; die Abstimmung zwischen UTA und Wienstrom erwies sich aber als recht schwerfällig, und die Liefertermine konnten dann doch nicht eingehalten werden. Als Ersatz bestellte die UTA Datenleitungen bei der PTA, die sich natürlich nicht sehr beeilte, ihrem Mitbewerber aus der Patsche zu helfen. Kurz und gut: Es blieb uns nichts anderes übrig, als die geplanten Umstellungstermine an den betroffenen Standorten bis zur tatsächlichen Lieferung der Datenleitungen zu verschieben - der Sommer dauert eben heuer etwas länger...

Neben den vielfältigen "üblichen" Problemen ist das Projekt aber auch von unerwarteten Schwierigkeiten verfolgt: Im Universitätscampus Altes AKH mußte rechtzeitig vor dem Einzug der Institute der Geisteswissenschaftlichen Fakultät ein voll funktionsfähiges Telefon- und Datennetz errichtet werden - keine leichte Aufgabe bei der Größe des Areals und unter den Bedingungen einer Großbaustelle (unangekündigte Stromabschaltungen, Überhitzung der LAN-Räume wegen mangelhafter Belüftung, spontane Wanddurchbrüche in der Nähe von Netzwerkgeräten, die alles unter einer fingerdicken Staubschicht begraben, usw.). Für die größte Überraschung sorgte aber eines Abends im August ein offenbar nicht mehr ganz nüchternes Aufsichtsorgan der im AAKH tätigen Wachgesellschaft: Völlig unbeeindruckt von dessen Dienstausweis ließ er Heinz Pötzl, den Leiter unserer Netzwerkmannschaft, polizeilich von seiner Arbeit in einem LAN-Raum entfernen.

Gewisse Verzögerungen bescherte uns auch Braincon, die Lieferfirma der Telefon-Chipkarten: Das Gerät, mit dem alle angeforderten Chipkarten programmiert werden, entschloß sich nach der erfolgreichen Erstellung von über tausend Telefon-Chipkarten kurzfristig zu einem Streik, den auch die Lieferfirma erst nach Wochen endgültig beheben konnte. Die Institute, deren Bestellungen damals noch unerledigt waren, mußten daher größere Wartezeiten bei der Auslieferung der versprochenen Chipkarten hinnehmen.

Das Programm zur Telefongebühren-Abrechnung (nach Nebenstellen und Chipkarten aufgeschlüsselte monatliche Gebührensummen) kam im Juli 1998 erstmals erfolgreich zum Einsatz. Nach der Aussendung der Abrechnungen für die Monate Jänner bis Juni 1998 und der Behebung kleinerer Mängel werden diese Kostenaufstellungen, die auch zur Abrechnung der Privatgesprächs-Gebühren dienen, jetzt kontinuierlich an die Institute versandt.

Größere Mühe macht noch die regelmäßige Herausgabe eines gedruckten Telefonbuchs. Zwar werden die Telefonnummern aller Institute und Mitarbeiter im Internet so weit wie möglich aktuell gehalten - doch nicht alle Menschen, die sich für die Telefonnummer eines Universitätsmitarbeiters interessieren, haben Internet-Zugang. Das EDV-Zentrum ist deshalb bemüht, nach Abschluß des heurigen Umstellungsprogramms wieder ein Telefonverzeichnis der Uni Wien als Broschüre herauszugeben. Dieses Telefonbuch wird zusätzlich auch im Internet als Druckdatei bereitgestellt werden. Aktuelle Informationen zur Telefonumstellung werden regelmäßig veröffentlicht (neu ist z.B. eine Bedienungsanleitung für die "Info-Boxen"), und auch in den zukünftigen Ausgaben des Comment werden wir Sie über dieses Projekt auf dem laufenden halten.