Neue PC-Räume
Mehr Rechner und mehr ...

von Herbert Stappler (Ausgabe 98/3, 1998)

 

Die Einrichtung von über 200 PC-Arbeitsplätzen im NIG und in der Außenstelle Altes AKH (siehe Comment 98/2) wurde vom EDV-Zentrum zum Anlaß genommen, für den gesamten Bereich der personenbezogenen EDV-Dienstleistungen neue Konzepte zu entwickeln. Damit soll den sich rasch ändernden Bedürfnissen und Anforderungen der Benutzer verstärkt Rechnung getragen werden.

Noch vor zehn Jahren wurden am EDV-Zentrum von nur einigen tausend Benutzern überwiegend "klassische" Computeranwendungen durchgeführt: Für Diplomarbeiten, Dissertationen, diverse Forschungsvorhaben und Verwaltungsaufgaben wurden Ergebnisse "errechnet" und Daten "verarbeitet". Heute hat sich das Spektrum der EDV-Anwendungen wesentlich erweitert, und die Verwendung von Rechnern und Datennetzen ist für viele Mitarbeiter und Studierende der Universität Wien selbstverständlich geworden. So verzeichnen z.B. die Internet-Services des EDV-Zentrums bereits mehr als 30000 Benutzer.

Die Entwicklung geht immer mehr dahin, jedem Universitätsangehörigen standardmäßig eine Palette von EDV-Dienstleistungen anzubieten, die unter anderem folgende Services umfassen soll:

  • Die Möglichkeit zur Verwendung des Datennetzes der Uni Wien und des Internet einschließlich eMail-Adresse, Wählleitungszugang und Webspace (wie es mit Unet- und Mailbox-Service bereits verwirklicht ist),
  • Zugang zu diversen Informationsdiensten (z.B. zur APA-Wissenschaftsdatenbank) und
  • Nutzung öffentlicher PC-Arbeitsplätze an allen größeren Standorten der Universität Wien.

Alle Services sollen möglichst einfach und einheitlich zu verwenden sein und (angesichts zehntausender Benutzer und ihrer Datenmengen) möglichst wenig Aufwand im Betrieb verursachen. Will man diese Forderungen sinnvoll realisieren, ist eine weitgehende Integration der verschiedenen Dienste in ein gemeinsames Konzept unumgänglich.

Planungsvorgaben

Das Betreiben öffentlicher PC-Räume ist - gerade an einer Universität - relativ aufwendig: Einerseits müssen die Systeme gegen Viren, das Überlaufen einzelner Plattenbereiche und Attacken böswilliger Benutzer geschützt werden. Andererseits machen Benutzeradministration, Hard- und Softwarewartung, Datensicherung, Saalaufsicht, Benutzerberatung und noch einiges mehr viel Arbeit. Das EDV-Zentrum konnte zwar in den letzten Jahren mit seinen bestehenden PC-Räumen einige Erfahrungen sammeln, diese lassen sich aber leider nur sehr beschränkt auf die nächste Generation von PC-Arbeitsplätzen übertragen. Wegen der speziellen Anforderungen einer Universität sind auch große PC-Netzwerke von Unternehmen oder anderen Einrichtungen in vielen Bereichen nicht als Vorbild geeignet. Ein "universitäres" Phänomen ist etwa die unverhältnismäßig hohe Benutzerzahl pro Arbeitsplatz: Während sich in kommerziellen PC-Netzen im Schnitt 1 bis 3 Benutzer einen Rechner teilen, sind für die 45 PCs im NIG 4500 Benutzer registriert, also rund 100 Benutzer pro Rechner.

Im Wintersemester 1998/99 werden im NIG und im AAKH jeweils mehr als 100 neue PC-Arbeitsplätze entstehen, viele weitere an anderen Universitätsstandorten sollen folgen. Bei der Planung wurde daher versucht, ein Konzept zu entwickeln, das auch für alle in den nächsten Jahren einzurichtenden PC-Räume angewendet werden kann. Besonders wichtig ist dabei die Kooperation mit Instituten, die zwar Räumlichkeiten und organisatorische Unterstützung anbieten können, sich aber nicht in der Lage sehen, die zahlreichen anderen Aufgaben bei Errichtung und Betrieb eines PC-Raums wahrzunehmen.

Realistische Schätzungen gehen davon aus, daß in den nächsten Jahren in den öffentlichen PC-Räumen der Uni Wien etwa 1000 PC-Arbeitsplätze von bis zu 40000 Benutzern verwendet werden. Wie eingangs erwähnt, sollen jedem Benutzer auch weitere Dienste (Internet-Services, Datenbankzugang usw.) zur Verfügung stehen. Außerdem muß berücksichtigt werden, daß viele Studierende an mehreren Universitätsstandorten arbeiten und nach Möglichkeit nicht an einen bestimmten PC-Raum gebunden sein sollten. Es ist also kaum sinnvoll, für jede EDV-Dienstleistung und jeden PC-Raum eine autonome Benutzerverwaltung einzuführen: Einerseits müßte sich jeder Benutzer 4 bis 8 User-IDs mit den dazugehörigen Paßwörtern merken, andererseits wäre der Verwaltungsaufwand am EDV-Zentrum beträchtlich (bereits heute setzen wir täglich 10 bis 30 vergessene Paßwörter neu).

Daraus ergab sich eine zentrale Forderung an das neue Konzept: Jeder Benutzer sollte mit nur einer User-ID (vorzugsweise mit der bereits existierenden von Unet- oder Mailbox-Service) und nur dem dazugehörigen Paßwort alle EDV-Dienstleistungen und alle öffentlichen PCs der Universität - unabhängig vom Standort - verwenden können. Darüber hinaus sollte vermieden werden, daß die Benutzer ihre Dateien für diverse Arbeiten zwischen den Plattenbereichen verschiedener Rechnersysteme hin- und herkopieren müssen. Hier bietet es sich an, die bereits für Unet- und Mailbox-Service bestehenden Plattenbereiche ("Homedirectories") auch zum Speichern von Benutzerdateien zu verwenden, die an öffentlichen PCs erstellt oder bearbeitet wurden.

Kurzum: Mit einer User-ID und dem dazugehörigen Paßwort soll man neben Internet- und anderen Services auch alle PCs in jedem beliebigen PC-Raum der Universität Wien nutzen können und dabei stets Zugriff auf seine Dateien haben. Dieser Ansatz ist zwar technisch nicht leicht zu realisieren, bietet aber als einziger die gewünschte Integration aller angebotenen EDV-Dienstleistungen.

Technische Umsetzung

Für die PC-Arbeitsplätze wurde folgende Software ausgewählt, die überwiegend auf den lokalen Platten installiert ist:

  • MS-Windows NT
  • MS-Office
  • Statistik-Programm (SPSS)
  • Grafik-Programme (Adobe Illustrator, Adobe Photoshop)
  • Internet-Programme (Web-Browser, Mailprogramm, ...)
  • Hilfsprogramme (z.B. WinZip)

In einem nächsten Schritt soll ausgewählten Benutzergruppen auch Software aus den Fachgebieten zugänglich gemacht werden (z.B. für Lehrveranstaltungen).

MS-Windows NT bietet zwar deutlich mehr Stabilität und Sicherheit als seine "kleinen Brüder" MS-Windows 3.x und MS-Windows 95/98, ist aber von seiner Konzeption her nur bedingt für einen Betrieb mit ständig wechselnden Benutzern geeignet. Um jedem Benutzer an jedem PC eine stabile und virenfreie Umgebung bieten zu können (unabhängig von den Aktivitäten jener, die vor ihm den Rechner verwendet haben), sind einige Einschränkungen unvermeidlich. Beispielsweise wird es für Benutzer in der Regel nicht möglich sein, eigene Programme zu installieren.

Der Betrieb und die Wartung einer derart großen Zahl von Geräten erfordern Hard- und Softwarekomponenten, die bisher an der Universität Wien noch nicht im Einsatz waren: Für die neuen Arbeitsplätze werden PCs verwendet, die über das Netzwerk eingeschaltet werden können ("Wake On LAN") und somit automatisierte Wartungsarbeiten in der Nacht oder am Wochenende erlauben. Da alle Rechner die Schnittstelle DMI ("Desktop Management Interface") unterstützen, können die wesentlichen Funktionen der Geräte zentral überwacht werden. Diese Einrichtungen müssen natürlich mit entsprechenden Softwarekomponenten für die Bereiche Softwarewartung/-installation, Geräte-/Komponentenverwaltung und Überwachung wichtiger Hardware-/Softwarefunktionen zusammenspielen. Für diese Zwecke wurde das Softwarepaket Unicenter TNG von Computer Associates angeschafft.

Noch komplizierter gestaltete sich die Auswahl der Systeme für die Verwaltung von User-IDs und Benutzerdaten. Bedingt durch die Größe des Rechnersystems und die angestrebte Integration der Unix-basierten Internet-Services schieden die "klassischen" PC-Betriebssysteme (Windows NT Server, Novell NetWare usw.) aus. Man entschied sich, Benutzerverwaltung und Dateiservice auf Basis von DCE/DFS ("Distributed Computing Environment / Distributed File System") auf Unix-Servern zu realisieren. Für verteilte Anwendungen im großen Stil ist DCE/DFS das derzeit modernste und leistungsfähigste System. Es gilt als technisch sehr komplex, erlaubt aber weitgehend die gewünschte Integration von Unix- und Windows NT-Systemen und bleibt für den Benutzer überwiegend unsichtbar.

Zeitplan

Die Räume im AAKH wurden dem EDV-Zentrum bereits Anfang August eingerichtet übergeben (ohne EDV-Geräte), während die Bauarbeiten im NIG erst zu Beginn des Wintersemesters fertiggestellt waren. Die Beschaffung der Geräte für die Arbeitsplätze mußte EU-weit ausgeschrieben werden; die Anbotseröffnung fand Anfang September 1998 statt. Selbst wenn die Auswahl des Bestbieters ohne größere Schwierigkeiten abläuft, kann nicht vor Ende Oktober mit der Lieferung der PCs gerechnet werden. Die DCE/DFS-Server sind bereits angeschafft und weitgehend einsatzbereit.

Da es sich um ein sehr komplexes und technisch aufwendiges Vorhaben handelt, wird es notwendig sein, zunächst in einem Probebetrieb (voraussichtlich noch im Wintersemester 1998/99) erste Erfahrungen zu gewinnen und dann das System schrittweise zu verbessern. Wir werden daher auch in den nächsten Ausgaben des Comment über das Projekt und seine Fortschritte berichten.