Windows 98
Soll ich, oder soll ich nicht?

von Peter Wienerroither (Ausgabe 98/3, Oktober 1998)

 

Seit 25. Juni 1998 ist Windows 98 offiziell im Handel erhältlich, und seit Juli 1998 steht es auch den Instituten der Universität Wien im Rahmen der Standardsoftware zur Verfügung. Bereits vor einem Jahr gab es erste Informationen über das neue Betriebssystem, und seither hat man dem armen Anwender suggeriert, daß es zukünftig nicht mehr ohne Windows 98 gehen wird. Schneller, besser und schöner soll es sein. Was ist aber wirklich neu an Windows 98?

Bisher konnte das EDV-Zentrum nur Windows 95A (also das Ur-Windows 95 mit dem Servicepack 1) anbieten - Windows 95B blieb Benutzern vorbehalten, die es mit einem neu gekauften Rechner geliefert bekamen. Windows 95B nahm schon einige Erweiterungen von Windows 98 vorweg - etwa das Dateisystem FAT32 oder Support für USB-Geräte ("Universal Serial Bus": Computergeräte mit einheitlichem Stecker für Tastaturen, Mäuse, Drucker, Scanner usw.) und DVD-Laufwerke (die "Digital Versatile Disc" mit einer Kapazität von bis zu 17 GB ist der Nachfolger der CD-ROM).

Weiters gibt es seit etwa einem halben Jahr den Internet Explorer 4, der nicht nur WWW und eMail bietet, sondern auch das Aussehen von Windows 95 grundlegend ändert: Verzeichnisse sehen aus wie Webseiten und jedes Verzeichnis kann auch mit einer solchen hinterlegt werden, Verzeichniswechsel und Programmstart können mit Einfach- statt mit Doppelklick erfolgen etc. Der Internet Explorer 4 ist auch zentraler Bestandteil von Windows 98. Mit diesem, den Servicepacks und einiger Gratissoftware (wie etwa der Systemerweiterung DirectX) läßt sich aus Windows 95 beinahe ein Windows 98 machen. Es gibt also keinen zwingenden Grund, das neue Betriebssystem zu kaufen.

Kontraindikationen

Der Umstieg von Windows 95 auf Windows 98 kann sogar einiges an Problemen verursachen. So werden z.B. teilweise alte Treiber beibehalten, die das System instabil machen können, und "Dateileichen" nicht entfernt. Auch wird das Dateisystem nicht automatisch auf FAT32 umgestellt, was aber nicht unbedingt ein Nachteil sein muß: Ist dieses erst einmal installiert, gibt es keinen Weg zurück zur normalen FAT und somit keine Chance, mit reinem DOS zu starten oder über Windows NT auf eine FAT32-Festplatte zuzugreifen. Die Installation von Windows 98 sollte also möglichst auf einem "jungfräulichen" System durchgeführt werden und bereitet dann genausowenige bzw. -viele Probleme wie die von Windows 95. (Achtung: Eine neue Treiberarchitektur sorgt dafür, daß die vorhandene Hardware speziell von Windows 98 unterstützt werden muß, sodaß es bei Verwendung alter oder exotischer Komponenten zu Schwierigkeiten kommen kann.)

Stabiler und schneller soll Windows 98 auch sein. Zur Stabilität: Ich betreibe zwei Rechner unter Windows 95, wobei einer zum Testen von Software "mißbraucht" wird. Obwohl bereits dutzende Programme installiert und wieder deinstalliert wurden, läuft das System immer noch äußerst stabil - und das auf einem 486er mit 24 MB RAM! Der zweite Rechner ist ein P133 mit 64 MB RAM und einer Wechselfestplatte. Ein Geschwindigkeitsvergleich ergab, daß Windows 98 etwas schneller startet; bei den Anwendungsprogrammen konnte ich keinen Performancegewinn feststellen.

Einige Vorteile ließen sich aber natürlich doch finden. So kann man beispielsweise die Benutzeroberfläche umfassend an den eigenen Geschmack anpassen oder häufig verwendete Programme auf der Taskleiste ablegen. Diese - im Grunde nur kosmetischen - Verbesserungen bringt jedoch bereits der Internet Explorer 4 mit sich, nicht erst Windows 98.

Ob man ein System auf Windows 98 upgraden soll, ist also (zumindest vorläufig) eher eine Geschmacksfrage. Microsoft wird in Zukunft sicher dafür sorgen, daß neue Software nur mehr unter Windows 98 läuft. So setzen die neuen Versionen von Visual C++, Visual Basic, Visual FoxPro etc. bereits den Internet Explorer 4 für das Hilfesystem voraus, wobei nun auch die Länderversionen von Betriebssystem und Anwendungsprogrammen einheitlich sein müssen. Auf neu gekauften Rechnern wird Windows 98 ohnehin standardmäßig vorinstalliert. Für vorhandene Systeme sollte dennoch das erste Gesetz der EDV beachtet werden: "Never touch a running system!"