We do not relay

von Peter Marksteiner (Ausgabe 98/2, Juni 1998)

 

Die Mailserver der Universität Wien (Unet- und Mailbox-Rechner) verweigern seit Mitte Februar 1998 des öfteren das Weiterleiten von abgeschickten Nachrichten mit der lakonischen Meldung "We do not relay". Der Grund für diese Vorgangsweise sind die immer lästiger werdenden "Spammer", die unaufgefordert mittels eMail an hunderttausende Internet-Benutzer Werbebotschaften senden (siehe Comment 98/1). Jeder seriöse Internet-Provider ergreift Maßnahmen, wenn einer seiner Kunden Spam-Mail verschickt; daher denken sich die Spammer auch immer findigere Methoden aus, um ihre Identität zu verbergen.

An dieser Stelle ist vielleicht eine kurze Erklärung der Funktionsweise von Electronic Mail notwendig. Die meisten Mailprogramme verwenden für das Empfangen und für das Absenden von eMail unterschiedliche Protokolle. Das Empfangen (Abholen vom Mailserver), bei dem man sich durch Username und Paßwort identifizieren muß, erfolgt über das Post Office Protocol (POP). Zum Verschicken von eMail dient das Simple Mail Transfer Protocol (SMTP): Die Nachricht wird an einen Rechner ("SMTP-Server" oder "Relay Host") übergeben, der sich dann um die Zustellung an den Adressaten kümmert. Im Bereich der Uni Wien sind Unet- und Mailbox-Rechner sowohl POP- als auch SMTP-Server.

Das Problem ...

Der entscheidende Punkt ist, daß man sich dem SMTP-Server gegenüber nicht zu identifizieren braucht - man kann auch einen Rechner als SMTP-Server verwenden, auf dem man gar keine Benutzungsberechtigung besitzt. Ein Spammer in den Vereinigten Staaten kann beispielsweise einen SMTP-Server in England dazu verwenden, tausende Mails nach Australien zu verschicken. Je gefinkelter der Spammer und je schlechter die Konfiguration des englischen SMTP-Servers ist, desto besser kann der Spammer seine Spuren verwischen- im Idealfall (aus der Sicht des Spammers) sind seine Nachrichten absolut nicht von echten Mails aus England zu unterscheiden. Die Folgen: Der englische "Postmaster" wird mit Beschwerdebriefen überhäuft und sein SMTP-Server kommt auf diverse schwarze Listen, woraufhin zahlreiche Netzwerke sich überhaupt weigern, eMail von diesem Server entgegenzunehmen.

Um dies zu unterbinden, nehmen die meisten SMTP-Server (seit Februar auch Unet- und Mailbox-Rechner) nur mehr eMail aus der lokalen Domain entgegen; im Bereich der Universität Wien sind das univie.ac.at, zamg.ac.at, akh-wien.ac.at und einige andere. Ausschlaggebend ist hiebei der Domainname des Rechners, von dem die Mail verschickt wird, nicht etwa der im From:-Feld des Mailprogramms angegebene Absender (dort kann man hineinschreiben, was man will - es wird vom SMTP-Server ignoriert). Wer beispielsweise den UVO-Wählleitungszugang verwendet, hat den Hostnamen uvo-xxx.univie.ac.at und kann Nachrichten über Unet- und Mailbox-Rechner verschicken. Wer das "StudentConnect" von TeleWeb verwendet, hat tkxxxxxx.univie.teleweb.at als Hostnamen und kann ebenfalls eMail versenden. Wer sich hingegen über einen anderen Provider einwählt, wird mit "We do not relay" abgewiesen.

... und seine Lösung

Was soll man nun tun, wenn das Versenden von eMail mit der gewohnten Konfiguration des Mailprogrammes nicht funktioniert? Abhängig von Ihrer Zugangsmethode müssen Sie einen der beiden folgenden Ansätze wählen:

  • Wenn Sie das Mailprogramm "auswärts" verwenden (z.B. auf Reisen oder bei Wählleitungszugang über einen Provider), geben Sie einfach als SMTP Host einen Mailserver Ihres Providers bzw. der Organisation (Universität, Firma, ...) an, bei der Sie sich gerade befinden - auch wenn Sie dort keinen Mail-Account haben. Lassen Sie den POP3 Host unverändert (unet.univie.ac.at oder mailbox.univie.ac.at). Diese Einstellung können Sie bei Pegasus Mail im Menü Network Configuration und bei Eudora im Menü Special (unter Settings / Hosts) vornehmen.

Manchmal ist es nicht ganz einfach, den Hostnamen eines solchen Mailservers herauszufinden. Die zuverlässigste Informationsquelle sind meistens die Webseiten Ihres Providers oder Ihrer Organisation. Häufig findet sich auch ein lokaler Netzwerk-Guru, der darüber Bescheid weiß. Sie können auch versuchen, auf der Helpdesk-Webseite des EDV-Zentrums (URL: http://www.univie.ac.at/EDV-Zentrum/helpdesk.html) den Punkt My eMail-Gateway anzuklicken: Eine automatische Prozedur versucht dann, einen geeigneten SMTP-Server für Ihre Domain zu finden. Leider gibt es keine Garantie, daß die von dieser Prozedur vorgeschlagenen SMTP-Server auch funktionieren.

  • Wenn innerhalb der Universität Wien das Weiterleiten von abgeschickten Nachrichten verweigert wird, so liegt es fast immer daran, daß Ihr Rechner keinen gültigen Nameserver-Eintrag hat - d.h. die Mailserver können nicht erkennen, daß sich Ihr Rechner im Datennetz der Uni Wien befindet. Vereinzelt kann es auch Hostnamen bzw. Domains im Bereich der Universität Wien geben, die von den Mailservern nicht akzeptiert werden. Wenden Sie sich in jedem Fall an das Helpdesk des EDV-Zentrums (Tel.: 4277-14060), damit die entsprechenden Nameserver-Einträge durchgeführt werden.