Anleitung für "Pyromanen"
Tips zum Erstellen eigener CD-ROMs

von Peter Wienerroither (Ausgabe 98/1, Februar 1998)

 

Der Preisverfall bei CD-Brennern und Rohlingen, die weite Verbreitung von CD-ROM-Laufwerken und die höheren Anforderungen, die aufgrund immer größerer Festplatten in den Computern an das Backup gestellt werden, machen das Brennen eigener CD-ROMs immer verlockender. Wer sich in der Fachpresse zu diesem Thema informiert, stellt aber bald fest, daß dies nicht so einfach sein kann, wie die Werbung verspricht. Eine Vielzahl von Parametern entscheidet über das Gelingen und die Qualität einer eigenen CD-ROM. Da am EDV-Zentrum mittlerweile über 1500 CDs erstellt wurden, möchten wir hier unsere wichtigsten Erfahrungen weitergeben.

Unsere Ausrüstung ist zwei Jahre alt, versah ihren Dienst aber bisher ohne ein einziges Problem. Sie besteht aus einem externen CD-Brenner (Philips CDD 522, zweifache Brenngeschwindigkeit), der über eine SCSI-Schnittstelle an einen Pentium-PC (133 MHz, 32 MB RAM, zwei SCSI-Festplatten mit 1 bzw. 4 GB, SCSI-4fach-CD-ROM-Laufwerk) angeschlossen ist. Als Betriebssystem ist Windows NT Server 3.51 installiert, als CD-Brennsoftware Gear 3.23 MM und Easy-CD Pro 1.1, das aber nur für 1:1-Kopien verwendet wird. Der allererste Rechner, den wir zum CD-Brennen einsetzten, war eine Sun-Workstation; diese produzierte jedoch durch eine kaputte SCSI-Schnittstelle zehn Prozent Ausschuß und wurde bald entsorgt. Gear als zentrale Software blieb hingegen erhalten. Auf dem aktuellen Rechner ist zusätzlich ein FTP-Server installiert, damit Dateien über das Netzwerk auf den Rechner übertragen werden können. Die guten Ergebnisse mit unserem System resultieren meines Erachtens aus dem Alter des Brenners (der die CDs mit ziemlich hoher Leistung brennt, wodurch diese besser lesbar sind) und der durchgehenden Ausstattung des Systems mit SCSI-Geräten.

Hardware, Software, Rohlinge

Wenn Sie heute einen CD-Brenner anschaffen wollen (Kosten derzeit ab ca. öS 4000,-), stehen Sie vor einer Vielzahl von Geräten und damit vor einer schwierigen Entscheidung. Die wesentlichsten Fragen sind: Soll es ein internes oder ein externes Gerät sein, und soll es eine SCSI- oder eine IDE-Schnittstelle haben? Ein internes Gerät ist nur empfehlenswert, wenn im Computergehäuse für ausreichende Lüftung gesorgt ist, da CD-Brenner sehr heiß werden. Geräte mit SCSI-Anschluß sind - auch wenn die Installation mitunter Schwierigkeiten bereitet - solchen mit IDE-Schnittstelle unbedingt vorzuziehen, da die Datenübertragung in der Regel schneller und problemloser ist. Moderne CD-Brenner sind auch als normales CD-ROM-Laufwerk verwendbar; falls Sie jedoch CDs 1:1 kopieren wollen, kommen Sie nicht umhin, ein zusätzliches CD-ROM-Laufwerk in den Rechner einzubauen. Der letzte Schrei sind sogenannte CD-RWs (ReWriteable), welche CDs mehrfach beschreiben können - maximal jedoch ca. 1000mal, was im Vergleich zu einer Festplatte sehr wenig ist. Dazu benötigen Sie außer einem geeigneten Brenner auch spezielle Rohlinge und CD-ROM-Laufwerke der neuesten Generation, die CD-RWs lesen können.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Software: Zu jedem Brenner wird auch ein Programm zur Erzeugung der CDs mitgeliefert. Entspricht dieses nicht Ihren Vorstellungen, sind Sie gezwungen, zusätzliche Software anzuschaffen. Sie sollten sich also vor dem Kauf des Brenners auch die Software ansehen. Wenn Sie extra Software kaufen, müssen Sie wiederum darauf achten, daß Ihr Betriebssystem und Ihr CD-Brenner unterstützt werden. Die Wahl der Software ist Geschmackssache, da 1:1-Kopien und die Erzeugung von CDs aller gängigen Typen praktisch überall unterstützt werden. Wir verwenden eine ältere Version von Gear, die zwar sehr leistungsfähig, aber nicht unbedingt einfach zu bedienen ist.

Auch bei CD-Rohlingen (Kosten derzeit bis öS 50,-/Stk.) ist die Auswahl groß. Abgesehen von den vielen Herstellern sehen die Rohlinge aufgrund unterschiedlicher Materialien auch noch sehr verschieden aus. Manche Erzeuger von CD-Brennern empfehlen ganz bestimmte Rohlinge, was jedoch auch nicht immer bedenkenlos übernommen werden sollte, da die Hersteller ihre Verfahren ständig ändern und verbessern. Die ideale Kombination von Brenner und Rohling können Sie nur selbst austesten. Wovon jedoch auf alle Fälle abzuraten ist, sind Noname-Rohlinge, auch wenn diese manchmal von namhaften Herstellern erzeugt werden. Über die Haltbarkeit der Daten gibt es ebenfalls sehr unterschiedliche Aussagen. Tests in Klimakammern mit CD-Rohlingen aus aktuellen Produktionen haben bei "artgerechter" Lagerung eine Haltbarkeit von mindestens zehn Jahren ergeben; CDs auf Rohlingen der ersten Generation halten wahrscheinlich nicht so lange und sollten daher möglichst bald umkopiert werden.

Rohlinge der Marke Sony können Sie übrigens auch über das EDV-Zentrum beziehen (siehe Neue Standardsoftware).

Auf geht's ...

Wenn Sie die Hürde der Hard- und Softwareinstallation erfolgreich genommen haben, können Sie an das Brennen Ihrer ersten CD gehen. Nun taucht auch schon die nächste Frage auf: Was für eine CD soll es werden - eine reine Daten-CD, eine Audio-CD, eine gemischte CD, eine CD-i, ...? Die Bestimmung des Typs ist der erste Schritt beim Anlegen eines neuen "CD-Images". Danach kopieren Sie die Daten in dieses Image, d.h. Sie sagen dem Programm, wie die Daten organisiert werden, was in etwa der Datenstruktur einer Festplatte entsprechen kann. Bei Computerdaten stellt sich nun die Frage, wer die Daten lesen können soll: Wenn die CD auf möglichst vielen Plattformen (wie DOS, Windows 95/NT, Mac, Unix) lesbar sein soll, muß Ihr Dateisystem ISO9660-konform sein, d.h. die Dateinamen müssen der 8.3-Konvention entsprechen (maximal 8 Zeichen für den Dateinamen plus maximal 3 Zeichen für die Dateierweiterung) und dürfen nur Buchstaben, Ziffern und den Unterstrich (_) enthalten, aber keinerlei sonstige Sonderzeichen. Lange und nicht in Großbuchstaben geschriebene Dateinamen von Windows 95/NT sind unter DOS bzw. Windows 3.1 meist nicht mehr lesbar - oft nicht einmal mehr als 8.3-verstümmelte Dateien. Für Macintosh können Sie ein entsprechendes Dateisystem anlegen, das meist aber nur von Mac-Brennsoftware unterstützt wird.

Falls Sie auf der CD später noch Daten hinzufügen wollen, müssen Sie die Option Multisession einschalten. Sie können die CD dann so lange in verschiedenen Sitzungen mit Daten ergänzen, bis die Kapazität von 650 MB aufgebraucht ist, wobei für die erste Session ca. 25 MB und für jede weitere Session ca. 15 MB an Verwaltungsdaten kalkuliert werden müssen. Achtung: Tritt bei einer späteren Session ein Schreibfehler auf, so ist die gesamte CD verloren! Multisession ist nicht bei Audio-CDs anwendbar. Diese können Sie erzeugen, indem Sie Musikstücke von vorhandenen CDs einlesen oder Audiodateien verwenden.

Liegt die Datenstruktur fest, sollten Sie ein physikalisches Volume schreiben - d.h. die Software erzeugt eine Datei auf der Festplatte, die Bit für Bit der späteren CD-ROM entspricht. Dies hat den Vorteil, daß eine Zerstörung des Rohlings durch einen unterbrochenen Datenstrom zwischen Festplatte und CD-Brenner unwahrscheinlich wird, da die Daten während des Schreibens nicht noch zusätzlich aufbereitet werden müssen. Der Nachteil eines physikalischen Volumes ist, daß Sie auf der Festplatte genauso viel freien Platz benötigen, wie später auf die CD geschrieben wird.

Nun können Sie den Brennvorgang starten. Ab jetzt sollten Sie den Computer nicht mehr benutzen und eventuell sogar vorher noch den Bildschirmschoner ausschalten, um jede Belastung der CPU oder der Festplatte zu vermeiden, damit der Datenstrom ja nicht abreißt - die Daten müssen nämlich beim Schreiben in einem Stück auf den Rohling übertragen werden, sonst ist dieser unbrauchbar. Beachten Sie, daß die Fixierung in der Software aktiviert ist (oft ist jedoch auch eine nachträgliche Fixierung erlaubt). Solange eine CD nicht fixiert wurde, ist sie nicht lesbar.

Die fertige CD werden Sie vermutlich auch ansprechend beschriften wollen. Für das Cover ist ein Deckblatt schnell gedruckt; widerstehen Sie aber bitte der Versuchung, ein normales Etikett auf die CD zu kleben. Dadurch wird diese unwuchtig, was im günstigsten Fall zu ratternden Geräuschen im CD-Laufwerk und im ungünstigsten Fall zu dessen Zerstörung führt. Beschriften Sie CDs nur mit einem weichen Faserschreiber - Kugelschreiber etc. können die Datenträgerschicht beschädigen. Es gibt auch eigene Label-Kits mit runden Etiketten und einem Stift oder einer Presse zum exakt zentrierten Aufkleben der Etiketten; ob der Preis von ca. öS 1000,- gerechtfertigt ist, müssen Sie selbst entscheiden.

Ausblick

Die Zukunft der CD-ROM scheint in der DVD (Digital Versatile Disc) zu liegen. Diese entspricht von den Abmessungen der CD-ROM, bietet aber bis zu 17 GB Kapazität (CD-ROM: 650 MB). Für die DVD wurde zusätzlich zu den bestehenden Standards für Audio- und Daten-CDs auch ein Standard für Videos definiert, wodurch die herkömmliche Videokassette wohl bald ersetzt werden soll. Die ersten DVD-Laufwerke erscheinen derzeit auf dem Markt. Beschreibbare DVDs gibt es zwar schon in den Entwicklungslabors, für den Endkunden werden sie aber wohl erst im nächsten Jahrtausend verfügbar sein.

Für weitere Informationen zu diesem heißen Thema steht Ihnen Peter Wienerroither zur Verfügung (eMail: peter.wienerroither@univie.ac.at, Tel.: 4277-14138).


PS: Falls Sie vom EDV-Zentrum Software auf CD-ROM-Kopien bezogen haben und diese nicht mehr benötigen, ersuchen wir Sie, die Rohlinge (die ansonsten als Sondermüll kostenpflichtig zu entsorgen sind) dem EDV-Zentrum zu retournieren. In den meisten Fällen können die Rohlinge nochmals beschrieben und dadurch wiederverwertet werden.