Der neue FTP-Server der Uni Wien

von Peter Marksteiner & Heinrich Mislik (Ausgabe 97/3, Septmber 1997)

 

Im Comment 97/1 wurden im Artikel Softwarearchive auf dem FTP-Server der Universität Wien einige Pläne für die Zukunft des FTP-Servers vorgestellt. Im folgenden Artikel soll nun berichtet werden, was von diesen Vorhaben bereits verwirklicht werden konnte.

Vor einigen Monaten wurde für die Informationsdienste des EDV-Zentrums - anonymous FTP, WWW-Service, News und Software-Distribution - ein leistungsfähiger Multiprozessor-Rechner angeschafft. (Für technisch Interessierte: Es handelt sich um eine IBM RS/6000-R40 mit 4 Prozessoren, 1 GB Hauptspeicher und mehr als 320 GB Plattenplatz.) Am 6. August wurde der neue FTP-Server in Betrieb genommen. Die meisten Benutzer haben von der Umstellung wohl nicht allzuviel bemerkt, denn nach außen präsentiert sich der neue FTP-Server nicht viel anders als der alte - sein Hostname ist unverändert FTP.UNIVIE.AC.AT. Nur wer zur Adressierung die numerische IP-Adresse verwendete oder beispielsweise mit dem Hostnamen FTP.UNIVIE.AC.AT den Software-Distributionsserver anzusprechen versuchte, konnte unliebsame Überraschungen erleben. Daher eine Bitte: Verwenden Sie zur Adressierung eines bestimmten Services immer den Service-Namen, auch wenn ein anderer Name ebenfalls funktionieren sollte - man kann sich nicht darauf verlassen, daß das so bleibt.

Nachdem jetzt wesentlich mehr Plattenplatz zur Verfügung steht, sind die chronischen Engpässe, die den FTP-Administratoren bisher schwer zu schaffen machten, wohl auf einige Zeit behoben. Da auch die Kapazitäten der internationalen Datenleitungen dank TEN-34 und der Satellitenverbindung in die USA deutlich größer sind als noch vor einem halben Jahr, funktioniert das Spiegeln der Archive fast reibungslos, sodaß die lokalen Kopien der Archive - von seltenen Ausnahmen abgesehen - immer auf dem letzten Stand sind.

Die wesentlichen Veränderungen gegenüber dem alten FTP-Server sind folgende:

  • Einige wenig gefragte oder veraltete Archive - z.B. /pc/antivirus - werden nicht mehr geführt (für Informationen über aktuelle Virensoftware siehe Gestatten: Michelangelo - Enthüllung eines Computervirus); die meisten Archive wurden allerdings unverändert übernommen. In den Fällen, wo dasselbe Archiv unter mehreren Namen zu finden war, gibt es jetzt meistens nur einen einzigen Namen. Beispielsweise findet man das Info-Mac-Archiv jetzt nur mehr unter /systems/mac/info-mac, während es früher auch unter /mac/info-mac und /mirrors/Info-Mac aufschien.
  • Einige Änderungen gibt es auch beim Zugriff auf das Linux-Archiv über NFS. Dazu braucht man die numerische IP-Adresse des FTP-Servers; diese ist nunmehr 131.130.1.72. Früher war nur die Slackware-Distribution als /export/ftp/slackware über NFS zugänglich. Jetzt stehen unter /linux mehrere Distributionen (Slackware, Debian, RedHat u.a.) zur Auswahl.
  • Ein komplettes Inhaltsverzeichnis des FTP-Servers findet man in der Datei /ls-lR (benannt nach dem Unix-Befehl ls -lR). Zusätzlich gibt es nun auch ein übersichtlicheres Inhaltsverzeichnis in /find-ls, in dem zu jeder Datei der vollständige Pfad angegeben ist.
  • Mit der Umstellung des FTP-Servers haben sich auch einige URLs geändert. Das betrifft hauptsächlich das TUCOWS-Archiv, das nunmehr unter http://tucows.univie.ac.at/ zu finden ist.
  • Die wohl wichtigste Neuerung ist die Möglichkeit, über Samba zuzugreifen. Damit kann der Inhalt des FTP-Servers von jedem PC aus wie der einer lokalen Festplatte angesprochen werden, und die am PC üblichen Werkzeuge (Filemanager, Editoren, Programme zum Entpacken von Archiven usw.) können ohne Zwischenschritte verwendet werden. Die Details entnehmen Sie bitte dem Kasten.

Aktuelle Informationen über den FTP-Server finden Sie unter http://www.univie.ac.at/ZID/ftpserver/. Anfragen, Anregungen, Wünsche bezüglich Softwarearchiven und dergleichen richten Sie bitte an ftp-admin.edv-zentrum@univie.ac.at.

Den FTP-Server als Netzlaufwerk verbinden

Für Anwender von Windows 95 oder Windows NT gibt es durch den Einsatz der Software Samba nun auch die Möglichkeit, mittels des Protokolls NetBIOS direkt auf die Daten des FTP-Servers zuzugreifen. Damit können Dateien, die sich auf diesem Server befinden, in der gewohnten Umgebung - z.B. Windows Explorer - verarbeitet werden. Der Server verhält sich dabei im wesentlichen wie ein beliebiger Rechner in einem Windows-Netzwerk. Da jedoch das verwendete Protokoll nicht über das lokale Subnetz hinausgehend geroutet wird, scheint der FTP-Server in der Netzwerkumgebung nicht auf und der Zugriff ist nur dann möglich, wenn folgender Eintrag in der Datei LMHOSTS gemacht wird (diese Datei findet man unter \WINNT\system32\drivers\etc; siehe dazu auch Jenseits des Routers...):

131.130.1.72 ftp

Die Verbindung zum FTP-Server der Uni Wien wird über den Menüpunkt Netzlaufwerk verbinden... im Menü Extras des Windows Explorer mit dem Befehl net use f: \\ftp\ftp hergestellt. Danach stehen auf dem Laufwerk f: alle Daten des FTP-Servers, welche auch mittels anonymous FTP abgeholt werden können, unter dem Freigabenamen ftp zur Verfügung. Dieses Service kann von allen Rechnern in Anspruch genommen werden, deren Hostname auf .at endet.

Achtung: Da es sich beim FTP-Server um ein Unix-System handelt und dort die Konventionen für Dateinamen weniger eng sind als in Windows-/DOS-basierten Systemen, müssen folgende Punkte beachtet werden:

  • Unix-Dateinamen sind "case-sensitive", daher sind z.B. Makefile und makefile zwei unterschiedliche Dateien. In einem solchen Fall werden unter Windows zwar beide Dateien angezeigt, es kann allerdings nur eine geöffnet bzw. bearbeitet werden, da unabhängig von der Schreibweise (makefile, Makefile, MAKEFILE) immer die Datei makefile geöffnet wird.
  • DOS-Programme und 16 bit-Windows-Programme können auf Dateien, deren Namen dem 8.3-Schema (maximal 8 Zeichen Dateiname, Punkt, 3 Zeichen Erweiterung) nicht entsprechen, nicht direkt zugreifen. Damit solche Dateien dennoch verarbeitet werden können, wird zu jedem überlangen Namen ein 8.3-kompatibler Name generiert. Diese Namen können in einem Kommando-Fenster mit dem dir-Kommando (bzw. dir /x unter Windows NT) angezeigt werden - z.B.:
    dir /x f:\mirror\winsite\win95\netutil\cuteftp32.zip liefert
    1.10.95     0:00          282.765   CUTEF~29.ZIP    cuteftp32.zip

    Um diese Datei mit dem DOS-Programm "pkunzip" zu entpacken, gibt man daher ein:
    pkunzip f:\mirror\winsite\win95\netutil\cutef~29.zip

  • Unix verwendet in Textdateien lediglich ein ASCII-Zeichen ("Ctrl-J" oder "Line Feed"), um Zeilenenden zu markieren. Dies kann bei einigen DOS- und Windows-Programmen zu einer verworrenen Textdarstellung führen. Das direkte Verarbeiten von Textdateien mit derartigen Programmen (z.B. Notepad) ist daher zu vermeiden. Stattdessen empfiehlt sich die Verwendung des Programms WordPad aus dem Windows-Zubehör oder geeigneter Freeware (z.B. PFE, zu finden in f:\mirror\winsite\win95\programr\pfe0602i.zip).