Sonderausstattung für Ihren WWW-Browser
Helper Applications & Plugins

von Herbert Stappler (Ausgabe 97/3, September 1997)

 

Moderne WWW-Browser - wie der Netscape Navigator oder der Microsoft Internet Explorer - sind bereits in der Lage, Dateien unterschiedlichster Formate anzuzeigen. Dennoch stößt man immer wieder auf Dateien, die der WWW-Browser nicht verarbeiten kann. Klickt man zum Beispiel auf einen Link, der auf eine Datei mit einem Excel-Spreadsheet verweist, so kann der Browser in der Regel mit diesem Format nichts anfangen. Der Netscape Navigator öffnet in einem solchen Fall das folgende Fenster, in dem er dem Benutzer vier Möglichkeiten bietet:

Abb. 1: Meldung bei Auftreten eines unbekannten Dateiformats
  • More Info ruft ein Dokument vom Server der Firma Netscape auf, das Hinweise zur Auswahl des richtigen Plugins (was das ist, wird noch besprochen) enthält.
  • Pick App... ermöglicht dem Benutzer, ein auf seinem Rechner installiertes Programm anzugeben, das Dateien dieses Formats verarbeiten kann.
  • Save File... überträgt die Datei auf den lokalen Rechner und legt sie im gewünschten Verzeichnis ab.
  • Cancel bricht den Vorgang ab; auf die Übertragung der Datei wird verzichtet.

Da weder die händische Auswahl eines geeigneten Anwendungsprogramms noch die Übertragung der Datei mit späterem Aufruf eines Programms sonderlich komfortable Arbeitsweisen sind, sollte man - besonders wenn man öfters außergewöhnliche Dateien benötigt- von Helper Applications und/oder Plugins Gebrauch machen.

Helper Applications

Darunter versteht man Programme, die am Rechner des Benutzers verfügbar sind und die der Browser startet, um Dateien eines ihm fremden Formats zu verarbeiten. Wenn er z.B. auf eine Excel-Datei trifft, ruft er das Programm Excel auf und übergibt diesem die aus dem Internet kommenden Daten. Dasselbe gilt natürlich auch für alle anderen Formate (Word-, PowerPoint-, Sound-, Bild-, Video-Dateien usw.).

Das Wissen, für welche Art von Dateien welches Programm aufzurufen ist, bezieht der Browser aus einer Tabelle, die der Benutzer konfigurieren kann. Diese Tabelle enthält eine Liste von Dateiformaten mit dazugehörigen Programmen. Eine Reihe von Tabelleneinträgen wird bereits bei der Installation des Browsers erstellt; für alle weiteren Einträge ist der Benutzer selbst verantwortlich. Je besser er diese Tabelle pflegt, desto mehr Dateiformate kann der Browser ohne händischen Eingriff richtig verarbeiten. Die Tabelle findet man unter (die Bezeichnungen der deutschen Versionen sind in Klammern angeführt):

Netscape Version 3:
Options / General Preferences / Helpers
(Optionen / Allgemeine Einstellungen / Hilfsprogramme)

Netscape Version 4:
Edit / Preferences / Navigator/Applications
(Bearbeiten / Einstellungen / Navigator/Anwendungen)

Internet Explorer 3:
View / Options / Programs
(Ansicht / Optionen / Programme)

Um die Tabelle korrekt konfigurieren zu können, sollte man wissen, wie der Browser das Format einer Datei zu identifizieren versucht. Er hat dabei drei Möglichkeiten:

  1. Der gewichtigste Hinweis ist der sogenannte MIME-Type der zu übertragenden Datei. MIME steht für "Multipurpose Internet Mail Extensions" und ist eine Erweiterung, die geschaffen wurde, um auch Nachrichten mit anderem Inhalt als gewöhnlichem Text per eMail versenden und verarbeiten zu können. MIME gibt Regeln vor, wie Dateien, die z.B. Bilder, Videos oder Sound enthalten oder wegen der Verwendung einer fremden Sprache einen anderen Zeichensatz benutzen, zu kennzeichnen und für die Übertragung zu kodieren sind. Auch das HTTP-Protokoll verwendet MIME, um die einzelnen Teile eines Dokuments (wie Texte und Bilder) entsprechend zu kennzeichnen. Der MIME-Type ist ein standardisiertes Namensschema, das immer aus zwei Teilen - dem Typ und dem Subtyp - besteht, die durch einen Schrägstrich getrennt sind (z.B. application/x-excel, application/ms-word, text/html, image/gif, video/mpeg).

    Zum Glück muß man nicht alle MIME-Types kennen. Wenn man auf eine Datei stößt, die der Browser nicht verarbeiten kann, zeigt er (wie in der zweiten Zeile von Abb. 1 zu sehen ist) den MIME-Type an. Gemäß den Vorschriften des HTTP-Protokolls liefert der Server zu jeder Datei die Information über ihren MIME-Type mit. Manchmal wird nicht identifizierbaren Dateien allerdings der MIME-Type application/octet-stream zugeordnet. Dies bedeutet, daß die Datei aus einer Folge von Bytes besteht - eine Information, die wohl kaum überraschend und nicht sehr hilfreich ist.

  2. Ist der MIME-Type unbekannt - sei es, weil auch dem Server diese Information nicht vorliegt oder weil die Kommunikation zwischen Server und Browser nicht über HTTP, sondern über ein anderes Protokoll (wie FTP oder Gopher) erfolgt -, kann die Extension des Dateinamens zur Bestimmung des Dateiformats herangezogen werden. So ist z.B. anzunehmen, daß Dateien mit der Extension .xls Excel-Dateien sind.

  3. Als letzte Verzweiflungsmaßnahme versucht der Browser, den Inhalt der Datei zu analysieren, um so hinter das Geheimnis des Dateiformats zu kommen.

Wenn man weiß, welche Informationen der Browser braucht, sollten die Angaben für die einzelnen Dateiformate verständlich sein. Zusätzlich zum MIME-Type und den für das Dateiformat üblichen Extensions muß man in der Tabelle entweder den Pfadnamen des zu startenden Programms angeben oder sich für die Speicherung der Datei entscheiden (siehe Abb. 2).

Abb. 2: Bearbeiten der Helper Applications-Tabelle im Netscape Navigator 4

Plugins

Plugins sind Programme, die den WWW-Browser zur Verarbeitung von zusätzlichen Dateiformaten befähigen. Im Gegensatz zu den Helper Applications, die zwar vom Browser gestartet werden, ansonsten aber gänzlich unabhängig in einem eigenen Fenster arbeiten, laufen Plugins vollständig innerhalb des WWW-Browsers. Sie können in ein Dokument eingebettet werden (HTML-Befehl EMBED), das komplette Fenster des Browser nutzen oder unsichtbar im Hintergrund laufen (z.B. Sound). So zeigt Abb. 3 ein Plugin zum Abspielen einer Videosequenz. Das Plugin ist mitten im HTML-Dokument in einen rechteckigen Bereich eingebettet und enthält neben dem Fenster zur Anzeige des Videos auch die erforderlichen Bedienungselemente.

Abb. 3: Ein Videoplayer als Plugin

Die häufigsten Anwendungsbereiche für Plugins sind:

  • Abspielen und Bearbeiten von Audio-Dateien,
  • Darstellung von Bildern,
  • Animationen und Video-Dateien,
  • Software für computergestützten Unterricht,
  • Betrachtung und interaktive Steuerung von 3D-Modellen (insbesondere VRML),
  • Darstellung von Dateien unterschiedlichster Formate wie PDF (Adobe Acrobat), PostScript, CorelDRAW- und Freelance-Grafikdateien.

Die Plugins des Netscape Navigator und des Microsoft Internet Explorer sind unterschiedlich. Der Netscape Navigator hat als erster WWW-Browser die Technik der Plugins verwendet. Microsoft hat diese aber nicht übernommen, sondern benutzt eine eigene, ActiveX genannte Technologie. Die Plugins werden bei beiden Browsern in einem eigenen Verzeichnis aufbewahrt. Schon die Standardinstallation des Netscape Navigator enthält einige Plugins; weitere kann man bei Bedarf hinzufügen, wobei die Installation in der Regel sehr einfach ist. Der Internet Explorer verfügt über die Möglichkeit des "Autodownload": Sobald man auf ein Dokument stößt, das ein bestimmtes ActiveX-Plugin benötigt, wird die Übertragung und Installation dieses Plugins automatisch veranlaßt. Auf diese Vorgangsweise sollte man sich jedoch - wenn überhaupt - nur dann einlassen, wenn der Server vertrauenswürdig und die Netzwerkverbindung ausreichend schnell ist.

Eine Sammlung der populärsten Plugins findet man im TUCOWS-Archiv, wobei die Plugins für den Netscape Navigator unter der Bezeichnung "Browser Plugins" und diejenigen für den Internet Explorer unter "Browser ActiveX Plugins" gespeichert sind. Eine vollständige Liste der für Netscape geeigneten Plugins stellt die Firma Netscape zur Verfügung. Microsoft bietet eine ähnliche Übersicht von ActiveX-Plugins.

Vorsicht: Plugins sind nicht rechnerunabhängig - man muß darauf achten, die für seinen Rechner und dessen Betriebssystem vorgesehene Version zu bekommen.