Netzwerkverbindungen in die USA erweitert

von Peter Rastl (Ausgabe 97/3, September 1997)

 

Im letzten Comment wurde darüber berichtet, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Netzwerkverbindungen in die USA geplant sind (ACOnet 1997 - Der aktuelle Zustandsbericht vom Datenhighway). Mittlerweile sind diese Projekte erfolgreich verwirklicht und ACOnet verfügt - zumindest für eine kurze Atempause - wieder über eine einigermaßen brauchbare interkontinentale Übertragungskapazität.

Nachdem Ebone die lange erwartete Aufstockung der Backbone-Kapazität am Wiener Netzknoten vor allem für den Verkehr aus den USA gelungen war, konnte ACOnet am 20. Juni 1997 umgehend seine Anschlußbandbreite an Ebone auf 6 Mbit/s anheben. ACOnet wickelt seit der Inbetriebnahme seines TEN-34-Anschlusses (10 Mbit/s) am 8. Mai 1997 über Ebone vor allem den interkontinentalen Datenverkehr ab (der TEN-34-Anschluß dient der Verbindung mit den europäischen Wissenschaftsnetzen). Lange Zeit scheiterte eine Aufstockung der Ebone-Verbindungen zwischen Wien und den USA allerdings daran, daß die Post & Telekom Austria nicht in der Lage (oder vielleicht auch nicht gewillt) war, breitbandige transatlantische Datenleitungen zu liefern. Deshalb mußte Ebone Verträge mit alternativen Anbietern abschließen.

Zwischen Wien und München mietete Ebone eine preisgünstige Datenleitung mit 34 Mbit/s von den neuen Telekom-Firmen der Elektrizitätsgesellschaften (Bayernwerk Netkom und United Telekom Austria), die am 28. August 1997 in Betrieb ging. Damit kann Ebone den österreichischen transatlantischen Datenverkehr nunmehr über die bestehenden breitbandigen Verbindungen zwischen Deutschland und den USA routen, was überdies zu einer Kostenreduktion der österreichischen Ebone-Anschlußgebühren geführt hat. Es ist zu hoffen, daß nicht nur die Kosten, sondern auch die Ausfallzeiten der neuen Verbindung möglichst gering bleiben.

Als Übergangslösung bis zur Inbetriebnahme dieser Verbindung Wien?München schloß Ebone einen Vertrag mit Orion Atlantic über eine 8 Mbit/s-Satellitenverbindung USA-Wien. Ende Mai 1997 wurde am Dach des Neuen Institutsgebäudes die dafür erforderliche Satellitenantenne, die einen Durchmesser von 2,4 m hat, installiert und auf den Fernmeldesatelliten Orion I ausgerichtet; am 4. Juni 1997 ging die Satellitenverbindung dann tatsächlich in Betrieb. Die Gegenstelle befindet sich in MAE East in der Nähe von Washington und wird vom amerikanischen Netzprovider Digex betrieben.

Um Kosten zu sparen, wurde die Datenverbindung unsymmetrisch konfiguriert: Für den Datenverkehr aus den USA stehen die gesamten 8 Mbit/s zur Verfügung, in der Gegenrichtung von Wien nach Amerika ist die Bandbreite auf 64 kbit/s beschränkt, wobei diese nur zur Synchronisation der Router auf beiden Seiten des Atlantik verwendet werden, während der eigentliche Datenverkehr von Österreich in die USA über die bestehenden terrestrischen Verbindungen fließt. Das aus den USA nach Österreich übertragene Datenvolumen ist ja rund viermal so groß wie der österreichische Datenexport in die USA. Diese Satellitenverbindung wird so lange aufrechterhalten, bis sich der Datenverkehr über die terrestrischen Verbindungen (Wien-München-Frankfurt-USA) als ausreichend zuverlässig erwiesen hat.