File- und Printersharing unter MS-Windows
Zugriff auf Dateien und Drucker anderer PCs

von Herbert Stappler (Ausgabe 97/3, September 1997)

 

Mit allen neueren Versionen von Windows - sei es Windows for Workgroups, Windows 95 oder Windows NT - kann problemlos über das Netzwerk auf Dateien und Drucker anderer PCs zugegriffen werden. Ermöglicht wird das durch die Systemkomponenten für das sogenannte Microsoft Netzwerk. Mit diesen Programmen ist es auch für einen PC-Benutzer ohne besondere EDV-Kenntnisse recht einfach, seinen Rechner für solche Aufgaben zu konfigurieren. Voraussetzung für den Zugriff ist natürlich, daß der Besitzer des anderen PCs dies gestattet, indem er die Dateien und Drucker freigibt. Außer Dateien und Druckern können auch CD-ROM-Laufwerke oder Faxmodems (soferne diese als Windows-Drucker konfiguriert sind) über das Netz verwendet werden. Dabei können nicht nur die drei oben angeführten Varianten von Windows wechselseitig zusammenarbeiten, sondern es gibt auch Programme, die es Macs und Unix-Rechnern erlauben, mit einem Microsoft Netzwerk zu kooperieren.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das File- bzw. Printersharing im Rahmen des Microsoft Netzwerks zu konfigurieren. In diesem Artikel zeigen wir lediglich die einfachste Vorgangsweise unter Verwendung des Betriebssystems Windows 95.

Voraussetzungen

Damit man andere Rechner über das Netzwerk erreichen kann, müssen die richtigen Netzwerkprogramme installiert sein - man sollte also seine aktuelle Netzwerkkonfiguration kennen. Unter Windows 95 wird diese angezeigt, wenn man über Start und Einstellungen das Fenster Systemsteuerung öffnet und dort das Netzwerk-Symbol  doppelt anklickt. Es erscheint das Fenster Netzwerk (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Anzeige der aktuellen Netzwerkkonfiguration

Das erste Register Konfiguration enthält die Liste der bereits installierten Netzwerkkomponenten. Das abgebildete Beispiel ist durchaus typisch für die Verhältnisse an der Uni Wien - es enthält:

  • Das zum Betreiben der Netzwerkkarte erforderliche Programm, in unserem Fall SMC EtherCard Elite 16 Ultra.
  • Das Protokoll NetBEUI, das auf der Programmschnittstelle NetBIOS aufsetzt. Beides stammt von Microsoft und ist für kleinere PC-Netze (10 bis 40 Geräte) gedacht. NetBEUI ist Bestandteil der Windows 95-Standardinstallation.
  • Das von Novell stammende Protokoll IPX/SPX, das bei der Standardinstallation von Windows 95 als primäres Protokoll eingerichtet wird.
  • TCP/IP, das Protokoll des Internet. Da fast alle Besitzer von PCs Internet-Anwendungen benutzen, wird TCP/IP meist zusätzlich zu IPX/SPX installiert. Da es in der üblichen Basisversion nicht inkludiert ist, muß es bei der Installation von Windows 95 extra verlangt werden.
  • Den Client für Microsoft-Netzwerke, der den Verbindungsaufbau zu anderen Rechnern und den Zugriff auf die dort freigegebenen Dateien und Drucker ermöglicht. Dieses Programm ist in der Standardinstallation von Windows 95 enthalten.
  • Die Datei- und Druckerfreigabe für Microsoft-Netzwerke, die man benötigt, wenn man an seinem Rechner Dateien oder Drucker für andere Computer freigeben und so als Server für andere Rechner dienen will. Diese Komponente ist standardmäßig nicht installiert, was aber bei Bedarf schnell nachgeholt werden kann:

    Drückt man den Knopf Datei- und Druckerfreigabe in der unteren Hälfte des Registers Konfiguration, so erhält man das in Abb. 2 abgebildete Fenster. Nach der Erstinstallation von Windows 95 ist der Rechner so konfiguriert, daß niemand über das Netz auf Dateien und Drucker zugreifen kann. Das ist erst möglich, wenn der Benutzer in diesem Fenster durch Anklicken des entsprechenden Kästchens sein prinzipielles Einverständnis mit der Freigabe kundgetan hat. Sofern die dafür erforderliche Software nicht schon installiert ist, wird das Nachladen der nötigen Systemkomponenten sofort nach dem Drücken des OK-Knopfes eingeleitet (man sollte daher die Windows 95-CD zur Hand haben). Durch das prinzipielle Einverständnis und das Vorhandensein der nötigen Software ist der Rechner dann bereit, als Datei- und Druckserver zu arbeiten - noch sind aber alle Verzeichnisse, Dateien und Drucker für einen Zugriff über das Netz gesperrt. Wie man diese freigibt, wird in der Folge noch besprochen.

Abb. 2: Prinzipielle Freigabe von Daten und Druckern

Der Zugriff auf Dateien und Drucker anderer Rechner kann mit jedem der drei Protokolle (NetBEUI, IPX/SPX, TCP/IP) erfolgen. Es ist durchaus möglich, auf eines oder zwei davon zu verzichten; man kann allerdings nur mit Rechnern zusammenarbeiten, die dasselbe Protokoll unterstützen.

Die Programme für das Microsoft Netzwerk sind für kleinere Netze konzipiert worden. Sie bieten Zugriff auf PCs, die sich im selben Abschnitt (Subnetz) eines Datennetzes befinden: Wenn man das Symbol Netzwerkumgebung doppelt anklickt, erscheint ein Fenster, in dem alle derzeit erreichbaren Rechner aufgelistet sind. Die verwendeten Softwarekomponenten und Protokolle sind üblicherweise nur imstande, eingeschaltete Rechner bis zum nächsten Router zu finden (Router sind Kommunikationsrechner, die den Datenverkehr zwischen den einzelnen Subnetzen steuern). Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, Rechner in anderen Subnetzen anzusprechen (siehe Kasten Jenseits des Routers...).

Der Name des lokalen Rechners wird im Register Identifikation vom Benutzer festgelegt. Er kann unter Windows 95 zwar 15 Zeichen lang sein; um Schwierigkeiten mit älteren Applikationen zu vermeiden, sollte man sich jedoch auf 8 Zeichen beschränken. Mehrere Rechner können zu einer Arbeitsgruppe zusammengefaßt werden. Im Gegensatz zu den Hostnamen des Internet gibt es hier weder für die Namen der Rechner noch für die der Arbeitsgruppen eine universitäts- oder gar weltweite Namensverwaltung; die Namen sollten aber innerhalb des Subnetzes eindeutig sein.

Das dritte Register Zugriffssteuerung bietet die Wahl zwischen zwei Arten der Freigabe (Abb. 3):

Abb. 3: Auswahl der Methode zur Zugriffssteuerung
  • Der Zugriff auf Freigabeebene wird über Paßwörter gesteuert: Zu den freigegebenen Dateien oder Druckern werden Paßwörter vergeben, die der Benutzer kennen muß. Ob der Zugriff gestattet wird oder nicht, richtet sich ausschließlich danach, ob der Benutzer das Paßwort weiß - wer der Benutzer ist und welchen Rechner er verwendet, wird nicht weiter überprüft.
  • Ist der Rechner Teil eines PC-Netzes, in dem eine zentrale Benutzer-Administration auf einem Windows NT-Server durchgeführt wird, so kann der Rechner von diesem Server eine Liste der Benutzer und Benutzergruppen des PC-Netzes beziehen. Mit dieser Liste ist es möglich, die Zugriffsrechte auf Dateien und Drucker auf Benutzerebene zu steuern.

Da sich dieser Artikel auf die einfachsten Lösungen beschränkt, wird in der Folge nur die Zugriffssteuerung auf Freigabeebene besprochen.

Filesharing

Freigabe von Laufwerken und Verzeichnissen

Bisher war viel von der Freigabe von Dateien die Rede. Nun ist der Zeitpunkt zu gestehen, daß es gar nicht möglich ist, einzelne Dateien freizugeben. Man kann lediglich Laufwerke (Festplatte, Diskette, CD-ROM) oder Verzeichnisse freigeben. Die Vorgangsweise ist bei beiden gleich: Man markiert das Laufwerk oder das Verzeichnis im Fenster Windows Explorer und wählt im Pulldown-Menü Datei den Punkt Eigenschaften. Das Fenster zur Anzeige der Eigenschaften enthält ein Register Freigabe (siehe Abb. 4).

Abb. 4: Freigabe eines Verzeichnisses

Man kann in den ersten beiden Zeilen dieses Fensters festlegen, ob das Laufwerk bzw. das Verzeichnis freigegeben werden soll oder nicht. Entscheidet man sich für die Freigabe, so muß man einen Namen für das freigegebene Laufwerk bzw. Verzeichnis vergeben. Der über das Netz zugreifende Benutzer sieht nur diese frei wählbare Bezeichnung und nicht den lokal verwendeten Laufwerks- bzw. Verzeichnisnamen. Gibt man z.B. am Rechner Demopc dem Verzeichnis D:\Projekt2\Docs\shared bei der Freigabe den Namen SHARED_DIR_1, so wird nur dieser "Freigabename" für Benutzer an anderen Rechnern sichtbar.

Für über das Microsoft Netzwerk angesprochene Dateien und Verzeichnisse gilt folgende Adressierung:

\\Rechner\Freigabename\Pfadname

Der Pfad beginnt dabei beim freigegebenen Verzeichnis. Die Datei Bericht5.doc im Verzeichnis D:\Projekt2\Docs\shared am Rechner Demopc kann also über das Netz wie folgt angesprochen werden (Groß-/Kleinschreibung ist dabei nicht relevant):

\\Demopc\SHARED_DIR_1\Bericht5.doc

Die Verwendung des Kommentar-Felds im Register Freigabe ist optional - der Kommentar dient nur zur Information und kann am zugreifenden Rechner mit dem Menüpunkt Detail angezeigt werden. Wichtig sind aber die drei Zugriffstypen:

  1. Schreibgeschützt: In diesem Fall können alle über das Netz kommenden Benutzer die Dateien und Verzeichnisse nur lesen, nicht aber verändern, überschreiben oder gar löschen. Man kann für den Zugriff ein Paßwort vergeben. Läßt man das Feld Schreibschutzpaßwort frei, muß kein Benutzer ein Paßwort angeben.
  2. Lese-/Schreibzugriff: Hier hat der Benutzer alle Rechte. Man wird daher sinnvollerweise ein Paßwort vergeben.
  3. Zugriff abhängig vom Kennwort: In diesem Fall vergibt man zwei verschiedene Paßworte, eines für den schreibgeschützten Zugriff und eines für den Lese-/Schreibzugriff. Je nachdem, welches der beiden der Benutzer angibt, erhält er die entsprechenden Zugriffsrechte.

Ein freigegebenes Laufwerk oder Verzeichnis kann man im Windows Explorer am jeweiligen Symbol erkennen, das im Falle der Freigabe zusätzlich eine zugreifende Hand aufweist:
So verändert sich das Laufwerksymbol von  zu   und das Symbol für Verzeichnisse von zu .

Zugriff auf Laufwerke und Verzeichnisse

Der Zugriff auf die freigegebenen Dateien von anderen Rechnern aus kann auf verschiedene Weise erfolgen:

  • Man gibt den Dateinamen in der verwendeten Applikation gemäß der oben beschriebenen Schreibweise an (\\Rechner\Freigabename\Pfadname).
  • Man startet per Doppelklick das Programm Netzwerkumgebung. Wenn man den gewünschten Rechner doppelt anklickt, erhält man eine Liste der freigegebenen Laufwerke und Verzeichnisse. Ein Doppelklick auf das gewünschte Verzeichnis zeigt dessen Inhalt - vorausgesetzt, man hat das eventuell erforderliche Paßwort richtig angegeben.
  • Wenn man sehr oft über das Netz auf ein bestimmtes Laufwerk oder Verzeichnis zugreift, empfiehlt es sich, dieses als Netzlaufwerk fix zu verbinden: Man markiert das gewünschte Verzeichnis und wählt im Menü Datei den Punkt Netzlaufwerk verbinden.... Im folgenden Fenster kann man den Buchstaben für die Laufwerksbezeichnung festlegen und bestimmen, ob in Zukunft bei jedem Neustart des Rechners die Verbindung zu dem freigegebenen Laufwerk bzw. Verzeichnis wieder hergestellt werden soll (siehe Abb. 5 ). Die Dateien und Verzeichnisse des so hinzugekommenen Laufwerks können vollkommen gleich wie die eines konventionellen Laufwerks behandelt werden.

    Zusätzlich enhält das Menü Extras des Windows Explorer die zwei Menüpunkte Netzlaufwerk verbinden... (hier muß der Pfad des Verzeichnisses, auf das zugegriffen wird, über die Tastatur eingegeben werden) und Netzlaufwerk trennen... (die Zuordnung Laufwerksbuchstabe und Laufwerk bzw. Verzeichnis wird aufgehoben).

Abb. 5: Ein Verzeichnis als Netzlaufwerk verbinden

Printersharing

Freigabe von Druckern

Die Vorgangsweise bei der Freigabe eines Druckers ist der bei der Freigabe von Laufwerken und Verzeichnissen sehr ähnlich: Das Fenster zur Konfiguration der Drucker kann über Start / Einstellungen / Drucker aufgerufen werden. Man markiert den freizugebenden Drucker und wählt im Menü Datei den Punkt Freigabe.

Im Register Freigabe des Fensters Eigenschaften kann man dann analog zur Freigabe von Laufwerken und Verzeichnissen einen Freigabenamen, einen Kommentar (optional) und bei Bedarf ein Paßwort vergeben (siehe Abb. 6).

Abb. 6: Freigabe eines Druckers

Zugriff auf einen freigegebenen Drucker

Hier beginnt man ebenfalls im Fenster zur Konfiguration von Druckern (siehe oben). Ein Doppelklick auf das Symbol Neuer Drucker startet den Assistent für die Druckerinstallation. Nachdem sich im ersten Fenster nur einige Hinweise finden, ist im zweiten Fenster die Wahl zwischen lokalem Drucker und Netzwerkdrucker zu treffen. In unserem Fall muß man sich für den Netzwerkdrucker entscheiden. Im nächsten Fenster ist der Netzwerkpfadname des Druckers anzugeben. Man kann diesen entweder gleich in das entsprechende Feld eintragen (im obigen Beispiel würde der Pfadname \\demopc\hp-demopc lauten) oder auf Durchsuchen drücken. Dies liefert eine Übersicht aller im Netz auffindbaren Rechner (natürlich nur bis zum nächsten Router), die Druckdienste anbieten. Durch einen Doppelklick auf den gewünschten Rechner werden die freigegebenen Drucker sichtbar. Durch Markieren des gesuchten Druckers und Drücken von OK wird der Netzwerkpfadname des Druckers in das Feld eingetragen (siehe Abb. 7 und 8).

Abb. 7 und 8: Auswahl eines freigegebenen Druckers

Die weiteren Fenster des Assistenten für die Druckerinstallation unterscheiden sich nicht von denen bei der Installation eines lokalen Druckers. Sie beschäftigen sich mit der Auswahl des Druckertreibers, der Vergabe eines Namens für den neu definierten Drucker und der Frage, ob eine Testseite gedruckt werden soll oder nicht.

Jenseits des Routers...

Rechner, die TCP/IP als Protokoll unterstützen, können im Rahmen des Microsoft Netzwerks auch über die Grenzen des eigenen Subnetzes hinaus miteinander kommunizieren. Sofern man nur einzelne Rechner jenseits des Routers ansprechen will, empfiehlt sich die Verwendung einer Datei mit Namen LMHOSTS (keine Extension), die mit jedem Texteditor erstellt werden kann. Man speichert sie im Windows 95-Verzeichnis. Die Datei enthält in unserem (sehr einfachen) Fall nur die IP-Adresse und den Microsoft Netzwerk-Namen jener Rechner, die man außerhalb seines Subnetzes erreichen will. Zum Beispiel

122.13.213.45   pcmayer

96.234.2.9 server32

Nun kann man diese Rechner mit ihren Namen ansprechen. Allerdings muß man die Netzwerkpfadnamen über die Tastatur eingeben - sie sind in der vom Programm Netzwerkumgebung erzeugten Übersicht nicht angeführt.