Happy Birthday, Unet!

von Robert Meixner (Ausgabe 97/1, Jänner 1997)

 

Am 28. Oktober 1996 feierte Unet [ju:net], das Internet-Service für alle Studierenden an der Universität Wien, seinen ersten Geburtstag. Da Unet an diesem Tag bereits von rund 9000 Studierenden verwendet wurde und zusätzlich noch einige "Geburtstagsüberraschungen" zu bieten hat (4 neue, noch schnellere Prozessoren, 15 zusätzliche Wählleitungszugänge, Personal-Homepages für alle und ein Adreßbuch!), soll anläßlich dieses Jubiläums hier ein kurzer Rück- und Ausblick geboten werden.

Das erste Lebensjahr

Nach den üblichen Geburtswehen erblickte Unet Ende Oktober 1995 das Licht der Welt. Kaum auf den Beinen, mußte es bereits (probeweise) interessierten Studierenden standhalten, und nach erfolgreicher Behandlung der ärgsten Kinderkrankheiten begann schließlich der Ernst des Lebens: Am 1. Februar 1996 wurde der offizielle Betrieb aufgenommen. Bis zu seinem ersten Wiegenfest hatten sich dann schon annähernd 9000 Studierende über das WWW-basierte Unet-Anmeldesystem (URL http://www.univie.ac.at/ZID/unet/#anmeldung) eine Unet-Benutzungsberechtigung besorgt, was einem Tagesschnitt von ca. 25 Anmeldungen entspricht. Somit nutzen heute bereits mehr als 10% aller an der Uni Wien inskribierten StudentInnen die Gelegenheit, mittels Unet auf das Internet und all seine Möglichkeiten zuzugreifen.

Unet läuft seit seinen ersten Schritten im großen und ganzen sehr stabil (erst in letzter Zeit kam es mit zunehmender Regelmäßigkeit zu rätselhaften Systemabstürzen, die möglicherweise auf eine altbekannte IBM-Erbkrankheit zurückzuführen sind) und steht werk-, sonn- und feiertags rund um die Uhr zur Verfügung. Zur Veranschaulichung seiner Leistungen bieten wir im folgenden einen knappen Überblick über die Hauptaufgabenbereiche während eines durchschnittlichen Werktages im letzten Quartal des Jahres 1996:

  • Interaktive Zugriffe 1100 bis 1900
  • Versendete eMail 11000 bis 23000
  • Wählleitungsverbindungen 2000 bis 3500

Die größten Schwierigkeiten beim Betrieb von Unet bereiten nach wie vor die BenutzerInnenbetreuung und die Bereitstellung von EDV-Arbeitsplätzen für Studierende - in diesen Bereichen sind zwar Verbesserungen, aber noch keine wirklichen Lösungen zu verzeichnen:

  • Die Betreuung der Unet-BenutzerInnen kann aufgrund von Personalknappheit nicht vom EDV-Zentrum selbst durchgeführt werden und wurde daher an externe Partner (die Firmen Comp Delphin und WellComp) vergeben, deren Kapazitäten leider nicht immer ausreichen, um die geballte Ratlosigkeit vieler Studierender zu beseitigen. Das Unet-Helpdesk (eMail: helpdesk.zid@univie.ac.at) wurde von der HochschülerInnenschaft an der Universität Wien übernommen. Die von der ÖH angekündigte Bereitstellung von themenspezifischem Informationsmaterial läßt noch auf sich warten; laut Auskunft der HochschülerInnenschaft laufen jedoch bereits Vorbereitungen, um mit Hilfe der auflagenstarken Publikationen der ÖH zumindest die gravierendsten Informationsdefizite bezüglich Internet und Unet zu beheben.
  • Die "Arbeitsplatzsituation" konnte aufgrund der stark anwachsenden BenutzerInnenzahlen kaum verbessert werden, obwohl die PC-Räume des EDV-Zentrums - in denen mittels Telnet (also ohne grafische Benutzeroberfläche) auf den Unet-Servicerechner zugegriffen werden kann - im Laufe des Jahres mehrmals erweitert wurden und sich darüber hinaus einige Institute zur Öffnung der institutseigenen EDV-Arbeitsräume für alle Studierenden bereit erklärten. Auch das ursprüngliche Konzept, die fehlenden EDV-Arbeitsplätze durch ein vermehrtes Angebot an Wählleitungen zu kompensieren, war aufgrund des großen Andrangs nur teilweise erfolgreich.

Zur Feier des Tages ...

... wurden einige Verbesserungen am System vorgenommen:

Schnellere Prozessoren

Bereits bei der Anschaffung des Unet-Servicerechners wurde mit der Firma IBM vereinbart, daß die ursprünglich ausgelieferten 4 Prozessoren vom Typ 601 durch schnellere Prozessoren (Typ 604) ersetzt werden, sobald diese verfügbar sind. Der Prozessortausch, der die Installation neuer Systemsoftware erforderlich machte, wurde Ende Oktober 1996 durchgeführt und erweiterte die ohnehin schon ausreichenden Leistungsreserven im Prozessorbereich noch zusätzlich. Infolgedessen sind auch bei anhaltend starkem Wachstum des zu verarbeitenden Datenvolumens keine Engpässe in der Prozessorleistung zu befürchten.

15 neue Wählleitungszugänge

In zwei Wachstumsschüben wurden die anfänglich 20 Wählleitungszugänge auf mittlerweile 45 erweitert. Dieser Ausbau hielt jedoch mit dem Anstieg der BenutzerInnenzahlen nicht Schritt, so daß auch die letzte Erweiterung, die Ende Oktober 1996 vorgenommen wurde, nur kurzfristig eine Entlastung brachte. Binnen kurzer Zeit wurde wieder der ursprüngliche Belegungsgrad der Leitungen von ca. 66% erreicht; das bedeutet, daß 2/3 der täglich zur Verfügung stehenden Zeit (in Summe 720 Stunden) ausgeschöpft werden.

Anhand der Grafik läßt sich leicht der Schwerpunkt der studentischen Aktivitäten zwischen 10 Uhr vormittags und 2 Uhr nachts erkennen (auch der Beginn des nachmittäglichen Kinderprogramms sowie die Ausstrahlungszeiten der Nachrichtensendungen im ORF sind deutlich ersichtlich). An der Behebung des offensichtlichen Engpasses im Leitungsangebot - zu den Spitzenzeiten ist es beinahe unmöglich, in vertretbarem Zeitaufwand eine freie Wählleitung zu bekommen - wird bereits gearbeitet. Für die kommende Ausbaustufe ist eine Aufstockung auf 96 Wählleitungszugänge geplant, wobei die 96 neuen Modems schneller (33600 bit/s) und ISDN-tauglich sein werden.

Abb. 1: Tageszeitliche Schwankungen in der Auslastung der Wählleitungszugänge (gemittelt über den gesamten Oktober 1996)

Personal Homepages für alle

Seit Ende Oktober 1996 wird Studierenden die Möglichkeit geboten, via Unet eigene Homepages im WWW zu publizieren. Allgemeine Informationen zu diesem Thema finden Sie im Artikel Die anderen Seiten der Heimat. Unet-spezifische Anleitungen zum Publizieren von Homepages können unter dem URL abgerufen werden. Beim Anlegen der Homepages ist zu beachten, daß den BenutzerInnen für dieses Service kein zusätzlicher Plattenspeicher zur Verfügung gestellt werden kann. Die Dokumente müssen somit in dem vorhandenen Speicherplatz (5 MB) untergebracht werden. Dieser sollte jedoch keinesfalls vollständig mit Dokumenten gefüllt werden, da ansonsten einlangende eMail nicht empfangen werden kann, sondern als "unzustellbar" an den Absender retourniert wird.

Adreßbuch

Aus Datenschutzgründen wurde bei der Inbetriebnahme von Unet beschlossen, die Namen der BenutzerInnen nicht zu veröffentlichen. Infolgedessen waren bisher alle Unet-BenutzerInnen anonym, d.h. man mußte die User-ID eines Benutzers kennen, um ihm eine eMail senden zu können. Seit Ende Oktober 1996 besteht die Möglichkeit, auf die Anonymität zu verzichten: Mittels des Adreßbuch-Registrierungs-Formulars können sich Unet-BenutzerInnen auf freiwilliger Basis in das neue Unet-Adreßbuch eintragen. Standardmäßig wird nur die eMail-Adresse registriert; es kann aber auch ein Verweis auf die eigene Homepage am Unet-Servicerechner sowie ein beliebiger 40stelliger Kommentar (z.B. die inskribierte Studienrichtung) in das Adreßbuch aufgenommen werden. Mit demselben Formular kann man jederzeit Änderungen an seinem Adreßbuch-Eintrag vornehmen oder auch diesen wieder entfernen.

Mit einem weiteren Formular - dem Adreßbuch-Abfrage-Formular - kann man im Unet-Adreßbuch nach registrierten BenutzerInnen suchen. Das Formular unterstützt zwei unterschiedliche Suchmöglichkeiten: Einerseits erlaubt es das Blättern in einer Liste von BenutzerInnen, deren Nachnamen mit demselben Anfangsbuchstaben beginnen, und andererseits ist eine gezielte Suche nach Vor- und Nachnamen möglich.

Abb. 2: WWW-Formular zur Adreßbuch-Registrierung

Der weitere Lebensweg

In der zukünftigen Sozialisation von Unet bedürfen die Problemkreise Computerarbeitsplätze und BenutzerInnenbetreuung weiterhin besonderer Anstrengungen, da die Situation in diesen beiden Bereichen noch immer alles andere als zufriedenstellend ist. Wie sich jedoch gezeigt hat, sind diese Probleme - wenn überhaupt - nur auf längere Sicht und in Zusammenarbeit mit Partnern zu lösen. Weitere Arbeitsschwerpunkte für die nächste Zeit sind der bereits erwähnte Ausbau der Unet-Wählleitungszugänge, die Bereitstellung von Internet-Software für Studierende sowie die laufende Aktualisierung und Erweiterung des Unet-Informationssystems auf Basis der Anfragen an das Unet-Helpdesk und entsprechend der Entwicklungen von Unet.

An der Erforschung der eingangs erwähnten Erbkrankheit und der Entwicklung einer adäquaten Therapie werden SpezialistInnen des EDV-Zentrums und von IBM mit Hochdruck arbeiten, um in Hinkunft die erforderliche Servicequalität gewährleisten zu können.

Fragen, Anregungen und Beschwerden sind auch weiterhin an den Helpdesk zu richten. Bitte bedenken Sie jedoch, daß die Betreuung von fast 10000 BenutzerInnen hohe Anforderungen an die wenigen Helpdesk-MitarbeiterInnen stellt, und konsultieren Sie das Unet-Informationssystem, bevor Sie Fragen an das Helpdesk richten, deren Antworten möglicherweise bereits im Informationssystem zu finden sind.