Vom RS/6000-Cluster zum Unix-Timesharingrechner

von Peter Marksteiner (Ausgabe 97/1, Jänner 1997)

 

Der RS/6000-Cluster ...

Vor fünf Jahren erwarb das EDV-Zentrum im Rahmen der "European Academic Supercomputing Initiative" 20 Workstations des Typs IBM RS/6000-550. Von diesen Workstations wurden sechs - später sieben - zu einem Cluster zusammengefaßt, der in ähnlicher Weise wie die zur gleichen Zeit erworbene IBM-Großrechenanlage als Batchrechner für numerisch intensive Aufgaben eingesetzt wurde. Dabei stellte sich heraus, daß die Rechenleistung des RS/6000-Clusters durchaus mit der der wesentlich teureren Großrechenanlage vergleichbar war. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten konnte auch eine zufriedenstellende Stabilität und Verläßlichkeit des Clusters erreicht werden.

Vor fünf Jahren zählte die IBM RS/6000-550 zu den schnellsten Workstations überhaupt, im Lauf der Jahre kamen jedoch um einiges schnellere Rechner auf den Markt, die bei niedrigerem Preis ein Mehrfaches an Rechenleistung erbringen können.

Nachdem 1995 für numerisch intensive Anwendungen der wesentlich leistungsfähigere Alpha-Cluster angeschafft wurde, verlor der RS/6000-Cluster weitgehend an Bedeutung. Die Kosten und der Aufwand für den Betrieb des Clusters sind, gemessen an der Rechenleistung, unverhältnismäßig hoch, sodaß ein Weiterführen des Betriebs in der bisherigen Form nicht mehr gerechtfertigt ist. Der Batch-Betrieb wurde daher Anfang Dezember 1996 weitgehend eingeschränkt und wird demnächst ganz eingestellt.

... wird zum Timesharingrechner

Der Cluster hat jedoch im Laufe der Jahre eine Reihe von Aufgaben übernommen, für die auch in Zukunft eine geeignete Plattform zur Verfügung stehen soll. Dafür wurde ein Rechner des Typs IBM RS/6000-R40 angeschafft. Dieser Rechner hat zwei PowerPC 604-Prozessoren, 256 MB Hauptspeicher und eine Plattenkapazität von 20 GB. (Zum Vergleich: Jeder Knoten des RS/6000-Clusters hat 64 MB Hauptspeicher, und für Benutzerdaten stehen insgesamt 4 GB zur Verfügung.)

Nachdem die Bezeichnung "Workstation-Cluster für numerisch intensive Anwendungen" für den neuen Rechner doppelt unpassend ist - weder ist er ein Cluster, noch ist er für numerisch intensive Anwendungen gedacht - soll er als "Unix-Timesharingrechner" bezeichnet werden. Dieser Rechner übernimmt sämtliche Benutzer-Accounts und Benutzerdaten sowie einen Großteil der Aufgaben des bisherigen RS/6000-Clusters. Zu diesen Aufgaben zählen unter anderem:

Generelles Unix-Timesharing

Der klassische Timesharing-Betrieb hat an Bedeutung verloren, nachdem immer mehr Applikationen auf Arbeitsplatzrechnern durchgeführt werden können und zentrale Services üblicherweise mittels Client/Server-Anwendungen in Anspruch genommen werden. Dennoch besteht immer wieder Bedarf an interaktivem Zugang zu einem Unix-Rechner. Insbesondere kann der Timesharingrechner für Lehrveranstaltungen und Übungen eingesetzt werden.

Netzwerkzugang und Netzwerkdienste für universitätsnahe Personen und Einrichtungen

Für Netzwerkzugang und Netzwerkdienste stehen in erster Linie das Unet- und das Mailbox-Service zur Verfügung. Wer zu diesen Services keinen Zugang hat, beispielsweise Gäste, kann stattdessen den Timesharingrechner benutzen.

WorldWideWeb- und Datenbankprojekte

Der Unix-Timesharingrechner soll auch einige neue Aufgaben übernehmen - insbesondere aufwendigere WorldWideWeb-Projekte mit speziellen Anforderungen an Ressourcen und Software (z.B. Datenbanken), die nicht auf dem WWW-Server WWW.UNIVIE.AC.AT durchgeführt werden können.

Numerisch intensive Anwendungen können auf dem neuen Rechner nur in geringem Ausmaß durchgeführt werden und beschränken sich hauptsächlich auf das Entwickeln und Testen von Programmen. Das Batchsystem VQS und Programmpakete wie Gaussian werden nicht auf den neuen Rechner übernommen. Für numerisch intensive Anwendungen steht weiterhin der Alpha-Cluster zur Verfügung.

Wie soll nun die Migration vom alten Cluster auf den neuen Timesharingrechner erfolgen? Der Cluster wurde bereits auf eine einzige Maschine reduziert: Es ist nur mehr der Rechner, auf dem der Timesharing-Betrieb läuft, in Betrieb. Das Batchsystem VQS wurde entsprechend eingeschränkt und wird nach rechtzeitiger Vorankündigung abgeschaltet werden. Zur Zeit wird der neue Rechner aufgebaut und installiert. Sobald die Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen sind, wird der Hostname RS600.UNIVIE.AC.AT nicht mehr den alten Cluster, sondern den neuen Timesharingrechner bezeichnen. Für die Benutzer sollte sich diese Umstellung kaum bemerkbar machen - man merkt höchstens, daß der neue Rechner schneller ist, daß mehr Hauptspeicher und Plattenplatz sowie neuere Versionen des Betriebssystems und diverser Softwarepakete zur Verfügung stehen.