Datenbanken
Überblick über die als Standardsoftware erhältlichen Systeme

(Ausgabe 96/2, Juni 1996)

 

Hauptkonkurrenten am Desktop-Datenbankmarkt sind Borland (Paradox, dBase) und Microsoft (Access, FoxPro). Auch Oracle mit seiner starken Position im Midrange und Großrechnerbereich bietet seit einiger Zeit mit Personal Oracle für Windows eine PC-Datenbank an, die vor allem dann interessant ist, wenn die Option der einfachen Portierung auf größere Maschinen benötigt wird. Auf leistungsfähigeren Plattformen steht in der Standardsoftware eine Reihe von Produkten von Oracle (DBMS und Werkzeuge für Entwickler und Endbenutzer) zur Verfügung.

Access

Access von Microsoft gilt als das unter Windows am weitesten entwickelte Datenbanksystem. Durch zahlreiche Assistenten bietet es dem Einsteiger vielfältige Unterstützung und dem Programmierer völlige Kontrolle über die Eigenschaften der verwendeten Objekte. Die hohe Abfragegeschwindigkeit ist der von FoxPro übernommenen Rushmore-Technologie zu verdanken. Der integrierte Datenbankstandard ODBC ermöglicht den Zugriff auf Datenbankserver. Access ist in zwei Versionen erhältlich: Access 2.0 für Windows und Access 7.0 für Windows 95. Access 7.0 bietet neben zusätzlichen Assistenten, Netzwerkfunktionen und Sperrmechanismen als derzeit einzige Desktop-Datenbank die Fähigkeit der Datenreplikation. Diese Funktion unterstützt den automatischen Abgleich zweier unabhängig voneinander veränderter Datenbanken. Die Synchronisation erfolgt auf Datensatzebene, Datenkonflikte werden nach Abschluß der Synchronisation angezeigt und können manuell bereinigt werden. (Ein Handbuch mit einer Einführung in Access 2.0 ist in der Servicestelle erhältlich.)

Borland Paradox

Paradox ist als objektorientierte Datenbank von Borland gegenüber Access von Microsoft etwas ins Hintertreffen geraten. Obwohl die Windows-Version Paradox 5.0 gegen über der DOS-Version Paradox 4.5 technisch gründlich überholt wurde, konnte die Benutzerfreundlichkeit von Access nicht erreicht werden. Mit der seit kurzem erhältlichen Version Paradox 7.0 für Windows 95 und Windows NT könnte sich dies jedoch durchaus ändern. Die Benutzerfreundlichkeit von Paradox wurde durch ein übersichtlicheres Menüsystem und die Integration weiterer Experten deutlich verbessert, ODBC-Treiber werden unterstützt und eine leistungsfähige Verbindung zu SQL-Servern ist mittels Borland SQL-Links möglich.

xBase-Datenbanken unter DOS: dBase 5.0 und FoxPro 2.6a

Die beiden xBase-Systems Borland dBase 5.0 und MS-FoxPro 2.6a (Standard Edition) sind für alle, welche unter DOS arbeiten, noch als Standardsoftware erhältlich, während die entsprechenden Windows-Systeme durch neuere Versionen abgelöst wurden (Visual FoxPro und Visual dBase). dBase 5.0 enthält einen integrierten Compiler zur Erstellung von eigenständigen exe-Dateien. (FoxPro 2.6 ist als Sammellizenz auch für den Mac erhältlich.)

Visual FoxPro 3.0 und Visual dBase 5.5

Unter neuem Namen und nach einer gründlichen Überholung sollen die neuesten Erbfolger die Überlebensfähigkeit der xBase-Familie sicherstellen. Die Änderungen machen aus den beiden Systemen zwar noch keine objektorientierten Datenbanken, bedeuten aber doch eine sehr gute objektorientierte Erweiterung der xBase-Sprache, was auch durch den Namenszusatz "Visual" signalisiert werden soll. Visual dBase besitzt 16-Bit Architektur, während Visual FoxPro unter Windows 95 und NT mit 32-Bit-Code läuft, mit Hilfe der beiliegenden Win32s-Erweiterung auch unter älteren Windows-Versionen. Konvertierungsprogramme unterstützen den Transport bestehender Anwendungen. (Es besteht jedoch keine volle Kompatibilität mit den früheren Versionen und man wird um ein Redesign nicht herumkommen, wenn die neuen Features und der Komfort der neuen Oberflächen voll genutzt werden sollen). Visual FoxPro und Visual dBase bieten durch die ODBC-Schnittstelle SQL-Connectivity und unterstützen die referentielle Integrität sowie die Übertragung und Integration lokaler Anwendungen auf der Basis eines SQL-Servers (Data Pump, Upsizing Assistant). Der Compiler zu Visual dBase ist ein eigenes Produkt und als Standardsoftware erhältlich. Visual FoxPro bietet in der Professionalversion ebenfalls die Möglichkeit, Anwendungen gebührenfrei zu vertreiben. Für Entwickler, die den xBase-Ansatz bevorzugen, stellen beide Systeme mit ihren objektorientierten Erweiterungen eine gute Wahl dar, wobei Visual FoxPro mit seinem Data Dictionary (Datenbank-Container) und dem 32-Bit Kernel gewisse Vorzüge hat.

Personal Oracle 7 für Windows

Personal Oracle 7 ist eine nahezu vollständige Version von Oracle 7 für den Single-User-Einsatz; eine Version für den Mac ist angekündigt. Die Vollinstallation erfordert 30 MB auf der Festplatte. Im Gegensatz zu anderen Versionen von Oracle 7 bietet es nicht die Möglichkeit der Datenreplikation und kann nicht als SQL-Server eingesetzt werden. Es ist für den Endbenutzer nicht so umfassend ausgestattet wie die oben angeführten Produkte (keine Assistenten, kein Reportgenerator), bietet aber durch die mitgelieferte ODBC-Schnittstelle den Zugriff für Programme wie Access, dBase, PowerBuilder an. Personal Oracle 7 ist somit besonders geeignet als Entwicklungswerkzeug für das Prototyping und die Demonstration von Client/Server Anwendungen.

Oracle 7

Die neuesten Versionen des DBMS Oracle sind sowohl als Oracle Workgroup Server (für Windows NT, NetWare etc.) als auch als Oracle 7 Server für leistungsfähige Unix-Plattformen (RS/6000, Sun, HP ...) in dem vom BMWVK mit Oracle abgeschlossenen Rahmenvertrag enthalten. (Ein Teil dieser Versionen ist derzeit von Oracle noch nicht freigegeben.) Dieser Vertrag schließt auch eine Vielzahl von Werkzeugen für den Einsatz in Client-Server-Umgebungen ein.