Anschluß universitätsfremder Einrichtungen an ACOnet

von Peter Rastl (Ausgabe 96/1, Jänner 1996)

 

Kasten: Regelungen betreffend den Anschluß "Dritter" an ACOnet

Das österreichische akademische Computernetz (ACOnet), dessen Aufgabe es ist, die zwölf Universitäten untereinander und nach außen zu verbinden, stellt nunmehr schon seit einigen Jahren den Universitätsangehörigen einen kostenlosen Zugang zum Internet zur Verfügung: Nachdem das EDV-Zentrum der Universität Wien bereits 1990 den ersten österreichischen Leitungsanschluß ans Internet errichten konnte und sich damit in Österreich an die Spitze einer rasanten Entwicklung setzte, wurde im Jahr 1992 das gesamte ACOnet-Backbonenetz auf das Internet-Protokoll umgestellt, sodaß seither alle heimischen Universitäten über einen Internet-Zugang verfügen (siehe Comment 94/1). Aus diesem Grund hat das BMWFK damals auch im Einvernehmen mit den übrigen Universitäten die Verantwortung für den Betrieb von ACOnet dem EDV-Zentrum der Universität Wien übertragen.

Selbstverständlich waren außer den österreichischen Universitäten auch andere Stellen an einem Zugang zum Internet interessiert, und man gestattete es einer ganzen Reihe von sonstigen Bildungs- und Forschungseinrichtungen, ihre Datennetze über Standleitungsverbindungen an ACOnet anzuschließen. Eine solche Mitnutzung lag durchaus auch im Interesse der Universitäten, weil ein vermehrtes öffentliches Engagement am Internet den Universitäten willkommene Unterstützung in ihren ständigen Bemühungen um zusätzliche Ressourcen für die neue Technologie versprach. Auch die EUnet GmbH, der erste kommerzielle Internet-Provider in Österreich, profitierte in ihrer Aufbauphase von der Kooperation mit ACOnet und konnte - gegen entsprechende Kostenbeteiligung - die Datenleitung der Universität Wien nach Genf mitbenutzen, sodaß das EDV-Zentrum eine Aufstockung dieser Leitungsverbindung vornehmen konnte. Im allgemeinen macht es durchaus Sinn, gegen Kostenbeteiligung auch anderen Stellen den Internet-Zugang über ACOnet zu ermöglichen, weil sich infolge der Tarifgestaltung bei Datenleitungen in Abhängigkeit von der Bandbreite Kostenvorteile für die Universitäten ergeben, wenn durch die Drittnutzer Kapazitätserweiterungen finanziert werden.

Heutzutage ist ein zusätzliches Lobbying für das Internet kaum mehr erforderlich: Täglich warten die Medien mit Berichten über das Internet auf und selbst die Politik hat sich Schlagwörter wie "Datenhighway" und "Informationsgesellschaft" längst zu eigen gemacht. Obwohl es noch einen enormen Nachholbedarf an den Universitäten gibt (trotz aller Popularität des Internet macht erst ein kleiner Teil der Studierenden von den neuen Möglichkeiten Gebrauch, und auch unter den Professoren gibt es noch so manche Berührungsängste mit diesem Kommunikationsmedium), stößt ACOnet bereits laufend an die Kapazitätsgrenzen seines derzeitigen Backbonenetzes. Nicht zuletzt durch die bevorstehende Einführung des UOG '93, das den Universitäten mehr budgetäre Autonomie gewährt, hat sich auch hinsichtlich der Betriebskosten von ACOnet ein stärkeres Kostenbewußtsein entwickelt. Das BMWFK wird vermutlich künftig nicht mehr ohne weiteres alle Mehrkosten übernehmen können, und gerade weil das Wissenschaftsministerium einer klaren Antwort auf die Frage, für welche der angeschlossenen Institutionen es die ACOnet-Betriebskosten in welcher Höhe zu zahlen bereit ist, seit vielen Monaten ausweicht, müssen die Universitäten künftig eine entsprechende Kostenbeteiligung auch von den Institutionen fordern, die ACOnet bisher kostenlos mitbenutzten.

Die Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der EDV-Zentren der österreichischen Universitäten (ARGE EDV-Leiter) hat daher die Initiative ergriffen und eine Regelung beschlossen, nach welcher seither alle Anschlüsse "Dritter" an ACOnet abgehandelt werden. ACOnet hat nicht das Bestreben, als kommerzieller Internet-Provider auf dem österreichischen Markt aufzutreten, und hat daher kein Interesse, durch niedrige Preise den kommerziellen Providern Konkurrenz zu machen. Allen jenen Institutionen, die sich dennoch über eine Universität ans Internet anschließen möchten, wird ein monatliches Entgelt (ein Fixbetrag je nach Bandbreite des Anschlusses, aber unabhängig von der tatsächlichen Benutzung) in gleicher Höhe wie bei einem Anschluß an Ebone in Rechnung gestellt. ACOnet will jedoch durchaus den gemeinnützigen Einrichtungen der Forschung und Bildung behilflich sein, Zugang zum Internet zu erhalten, und gewährt daher solchen Institutionen einen substantiellen Preisnachlaß - schließlich profitieren auch die Universitäten von deren Teilnahme am Internet.

Regelungen betreffend den Anschluß "Dritter" an ACOnet

Beschluß der Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der EDV-Zentren der österreichischen Universitäten (ARGE EDV-Leiter) vom 12. Juni 1995(Version 1996-02-14)


§ 1 Die Hauptaufgabe von ACOnet ist die Bereitstellung der Netzwerkinfrastruktur zur Verbindung der zwölf österreichischen Universitäten und der sechs Hochschulen künstlerischer Richtung nach außen (national, international) sowie untereinander. Der Anschluß anderer Einrichtungen ("Dritter") an ACOnet ist grundsätzlich zulässig, jedoch nur gegen Entgelt.

§ 2 Als "Dritte" im Sinne dieser Regelungen gelten zunächst sämtliche nicht zur eigenen Universität bzw. Hochschule gehörigen Einrichtungen unabhängig davon, ob sie kommerziell oder gemeinnützig tätig sind, einschließlich auch aller übrigen vom BMWFK finanzierten Institutionen. Das BMWFK kann durch Erlaß festsetzen, welchen Institutionen ein Anschluß an ACOnet ohne Verrechnung eines Entgelts bzw. gegen ein reduziertes Entgelt gestattet wird.

§ 3 Der Anschluß "Dritter" an ACOnet kann an jeder Universität vorgenommen werden und erfolgt grundsätzlich mit einem Anschluß - in der Regel mit einer Standleitung - an einem ACOnet-Knotenrechner (d.h. ACOnet-Router). Nur in besonders begründeten Fällen ist ein Netzanschluß "hinter" einer Universitätseinrichtung zulässig.

§ 4 Als Entgelt für einen ACOnet-Anschluß wird grundsätzlich ein monatliches Entgelt in Abhängigkeit von der Bandbreite des Standleitungsanschlusses in Rechnung gestellt ("flat rate"), dessen Höhe mit den entsprechenden (gerundeten) Ebone-Tarifen für kommerzielle Nutzer übereinstimmt (siehe Anhang). Gemeinnützigen Einrichtungen der Forschung und Bildung wird auf das monatliche Entgelt ein Preisnachlaß von 50% gewährt.

§ 5 Im Falle einer kommerziellen Nutzung des ACOnet-Anschlusses erhöht sich das monatliche Entgelt um jenen Betrag ("Transit-Entgelt"), den die österreichische Post (bzw. ein künftiger alternativer Anbieter) für eine Standleitung gleicher Bandbreite vom Ort des Anschlusses an ACOnet zum ACOnet-Router in Wien in Rechnung stellt. Erfolgt der Anschluß unmittelbar am ACOnet-Router in Wien, entfällt das Transit-Entgelt. Eine kommerzielle Nutzung liegt vor, wenn der Anschluß "Dritter" entgeltlich weiteren Nutzern zugänglich gemacht wird. Dies umfaßt auch die entgeltliche Bereitstellung von WWW-Seiten.

§ 6 Den an ACOnet angeschlossenen Einrichtungen ist es nur bei Vereinbarung einer kommerziellen Nutzung gestattet, weitere Nutzer "hinter" ihrem eigenen Anschluß ohne ausdrücklicher schriftlicher Zustimmung an ACOnet anzuschließen.

§ 7 In besonders begründeten Fällen kann als Grundlage für die Festsetzung des monatlichen Entgelts anstelle der tatsächlichen Bandbreite des Standleitungsanschlusses auch eine geringere "vertragliche" Bandbreite vereinbart werden, sofern folgende beiden Bedingungen erfüllt sind:

(a) Das übertragene Datenvolumen bleibt im Monatsdurchschnitt stets unter einem Drittel des bei der vertraglichen Bandbreite übertragbaren theoretischen Maximalvolumens. Das theoretische Maximalvolumen für einen Anschluß mit 64 kbps beträgt 21 GByte/Monat.

(b) Die Verkehrsspitzen überschreiten nicht öfter als dreimal im Monat die vertragliche Bandbreite. Die Verkehrsspitzen werden hierzu auf der Basis des übertragenen Datenvolumens in Viertelstundenintervallen ermittelt.

§ 8 Ferner wird als Entgelt für die ACOnet-seitigen Geräte (z.B. anteilige Router-Kosten) je Anschluß ein einmaliges Installationsentgelt (siehe Anhang) in Rechnung gestellt. Die Kosten für die allenfalls nötige Anschaffung bzw. Erweiterung eines ACOnet-Knotenrechners trägt ACOnet, sämtliche Kosten für Errichtung und Betrieb der zum Anschluß erforderlichen Standleitung trägt die angeschlossene Institution.

§ 9 Die vertraglichen Vereinbarungen "Dritter" mit ACOnet werden formal mit dem EDV-Zentrum der Universität Wien abgeschlossen und können von beiden Vertragspartnern unter Einhaltung einer sechsmonatigen Kündigungsfrist jeweils zum Ende eines Quartals gekündigt werden, frühestens jedoch erst nach einem Jahr.

§ 10 Das Entgelt (monatliches und einmaliges Entgelt) wird im Namen von ACOnet vom EDV-Zentrum der Universität Wien in Rechnung gestellt. Ein Drittel dieser Einnahmen wird an das EDV-Zentrum derjenigen Universität ausbezahlt, bei dem der betreffende Leitungsanschluß realisiert wurde. Die übrigen zwei Drittel des Entgelts werden auf ein eigenes ACOnet-Konto des EDV-Zentrums der Universität Wien verbucht und sind zweckgebunden für den Betrieb und Ausbau von ACOnet zu verwenden. Das EDV-Zentrum der Universität Wien wird im jährlichen ACOnet-Bericht die Verwendung ausführlich offenlegen.

§ 11 Die Entscheidung, in welchem Umfang den Universitätsangehörigen (im Sinne des § 22 UOG bzw. § 19 UOG '93, also einschließlich der Studenten) ein kostenloser Zugang zu ACOnet auch über Wählleitungen gestattet wird, liegt bei der betreffenden Universität. Dies gilt insbesondere auch für den Anschluß von Studentenheimen zum Zwecke der Nutzung der universitären EDV-Infrastruktur im Rahmen der jeweils geltenden EDV-Ordnung (Betriebs- und Benutzungsordnung) der Universität.

§ 12 In Sonderfällen kann es im Interesse der Universität gelegen sein, auch bestimmten Einzelpersonen außerhalb des Kreises ihrer Universitätsangehörigen einen Netzzugang über Wählleitung (z.B. analoge Modems, ISDN, Datex-P, ...) zu ermöglichen. Solche Anschlüsse sind grundsätzlich zulässig, dürfen jedoch nicht dazu führen, daß die vorliegende allgemeine Regelung dadurch unterlaufen wird. Jedenfalls ist vom betreffenden EDV-Zentrum in solchen Fällen ein entsprechendes Benutzungsentgelt (ohne Verrechnung mit ACOnet) einzuheben. In analoger Weise ist auch bei der Erteilung von Benutzungsbewilligungen auf Rechnersystemen des EDV-Zentrums vorzugehen, die "Dritten" einen Zugang zum Internet erlauben.

§ 13 Diese Regelung tritt mit sofortiger Wirkung für alle künftigen Anschlüsse in Kraft. Die bereits bestehenden Anschlüsse werden mit Stichtag 13. Juni 1995 von jedem EDV-Zentrum erhoben und bis 1. Juli 1995 an das EDV-Zentrum der Universität Wien gemeldet. Für die Überführung aller bestehenden Anschlüsse "Dritter" in eine der vorliegenden Regelung entsprechende Entgeltverrechnung wird eine einjährige Frist (d.h. bis 1. Juli 1996) gesetzt, wobei innerhalb eines halben Jahres (d.h. bis 1. Jänner 1996) eine Überführung auf mindestens 50 Prozent des regulären Entgelts erfolgt sein muß.

Anhang: Entgelt

Einmaliges Installationsentgelt (§ 8): öS 50.000,-

Monatliches Entgelt (§ 4, ohne Transit-Entgelt gemäß § 5):

Bandbreite (kbps) 9,6 19,2 64 128 256 512 1024 1536 2048
Entgelt (KöS/Monat) 15 22 36 65 127 221 312 444 592

Das von ACOnet in Rechnung gestellte Entgelt enthält keine Mehrwertsteuer.