Unet - Internet for Students

von Robert Meixner (Ausgabe 96/1, Jänner 1996)

 

Unet [ju:net] ist das neue Internet-Service für alle Studierenden an der Uni Wien. Es handelt sich dabei um ein Projekt des EDV-Zentrums und der HochschülerInnenschaft an der Universität Wien, das den Studierenden das Internet als neues Medium und als Werkzeug für wissenschaftliches Arbeiten näherbringen soll. Unet läuft seit Ende Oktober 1995 im Probebetrieb, und obwohl das Service kaum angekündigt wurde, haben sich bis Ende Dezember 1995 bereits rund 800 Studenten angemeldet. Die offizielle Betriebsaufnahme soll zu Beginn des Sommersemesters 1996 erfolgen.

Unet bietet allen Studierenden der Universität Wien folgende Services, die zum Großteil mit Hilfe des Unet-Servicerechners und des Unet-Wählleitungszugangs realisiert werden:

  • Zugriff auf sämtliche Services des Internet, wie z.B. NetworkNews, WWW und FTP;
  • eine weltweit eindeutige eMail-Adresse der Form aMatrikelnummer@unet.univie.ac.at (z.B. a7700815@unet.univie.ac.at) zur Kommunikation mittels electronic mail;
  • freier Internet-Wählleitungszugang, d.h. Zugriff von zu Hause über das Telefonnetz auf die genannten Services;
  • die Möglichkeit zur Publikation eigener WWW-Seiten (= Homepages; derzeit in Vorbereitung); und
  • unbürokratische und einfache Beantragung der Services über ein WWW-Anmeldesystem.

Unet kann von allen an der Universität Wien inskribierten Studierenden verwendet werden; aus organisatorischen Gründen ist die Anmeldung jedoch nicht im Semester der erstmaligen Inskription an der Universität Wien, sondern erst im Folgesemester möglich. Da die Zahl öffentlich zugänglicher PCs an vielen Instituten der Uni Wien leider verschwindend gering ist, kann Unet außerdem nur von Personen in Anspruch genommen werden, die entweder von zu Hause mittels PC und Modem über das Telefonnetz (Wählleitungszugang) auf Unet zugreifen können oder aber die Möglichkeit haben, einen PC-Arbeitsplatz mit Netzwerkanschluß an einem Institut zu nützen.

Der Unet-Servicerechner

Beim Unet-Servicerechner handelt es sich um einen Server der Type IBM RS/6000 J30 mit 4 Prozessoren, der unter AIX, dem Unix-Betriebssystem von IBM, betrieben wird. Er beherbergt das WWW-basierte Unet-Infosystem, das Informationen über Unet bietet, sowie das Unet-Anmeldesystem, mit dessen Hilfe die Anmeldung zum Unet-Service durchgeführt werden muß.

Die Hauptaufgabe des Unet-Servicerechners ist jedoch die Bereitstellung von Internet-Services (eMail etc.) und die Verwaltung der dafür notwendigen Benutzerdateien. Zu diesem Zweck erhält jeder Benutzer bei der Anmeldung eine Benutzungsberechtigung (User-ID und Paßwort) am Unet-Servicerechner. Unter dieser Benutzungsberechtigung werden alle für den jeweiligen Benutzer eintreffenden eMail-Nachrichten gespeichert; darüber hinaus können aber auch weitere Daten abgelegt werden. Insgesamt stehen jedem Benutzer 5 MB Speicherplatz zur Verfügung.

Auf die eMail-Nachrichten kann entweder im Client/Server-Betrieb oder im interaktiven Betrieb zugegriffen werden. Neben dem für den interaktiven Zugriff notwendigen eMail-Programm sind auch Programme installiert, mit denen andere Internet-Services (z.B. NetworkNews, WWW) interaktiv genützt werden können. Im allgemeinen ist aber die Verwendung dieser Netzdienste im Client/Server-Betrieb direkt vom Arbeitsplatzrechner aus benutzerfreundlicher und daher vorzuziehen.

Client/Server-Betrieb

Beim Client/Server-Betrieb arbeiten zwei Programme über das Netzwerk zusammen - im betrachteten Fall ein am Unet-Servicerechner installiertes Server-Programm und ein am Arbeitsplatzrechner installierter Netzwerkklient. Die für die Benutzer wohl wichtigsten, am Unet-Servicerechner verfügbaren Server sind der WWW- und der POP3-Server: Der WWW-Server, der mit jedem gängigen WWW-Klienten - z.B. Netscape ñ angesprochen werden kann, ermöglicht den Zugriff auf das Infosystem und das Anmeldesystem. Der POP3-Server erlaubt die Übertragung von eingelangter eMail mit Hilfe eines POP3-fähigen Mail-Klienten - z.B. WinPMail, Eudora - vom Unet-Servicerechner auf den lokalen Arbeitsplatzrechner, um sie dort weiterbearbeiten zu können. Weiters sind am Unet-Servicerechner auch ein SMTP-Server (zur Weiterleitung von eMail, die mit Hilfe eines Mail-Klienten am Arbeitsplatzrechner erstellt wurde, an das Internet) und ein FTP-Server (für den Datentransfer von und zum Unet-Servicerechner) installiert.

Interaktiver Betrieb

Dabei baut man mittels eines am Arbeitsplatzrechner installierten Telnet-Programms (z.B. TNVT, EWAN, SimpTerm, NCSA-Telnet) über das Netzwerk eine Verbindung zu einem Rechner im Internet auf - z.B. zum Unet-Servicerechner. Mit Hilfe dieses Programms kann man den Rechner wie über ein direkt angeschlossenes Terminal bedienen. Dabei ist jedoch zu beachten, daß beim interaktiven Arbeiten auf die Annehmlichkeiten einer graphischen Benutzerschnittstelle verzichtet und mit rein zeichenbasierten (Unix-)Anwendungen vorliebgenommen werden muß.

Um die Benutzer zumindest ein wenig vor den Unbilden des Unix-Betriebssystems zu schützen, wird gleich nach dem interaktiven Einstieg in den Unet-Servicerechner ein Menü aktiviert, von dem aus die wichtigsten Programme und Funktionen aufgerufen werden können. Zur Verfügung stehen ein Mail-Programm (Pine), ein News-Reader (Tin) und ein WWW-Klient (Lynx). Darüber hinaus kann man sein Paßwort ändern und nachsehen, wieviel Speicherplatz noch verfügbar ist. Es ist auch möglich, das Menü zu verlassen und sich auf die Betriebssystemebene (Unix-Shell) zu begeben, wo man einen Unix-Befehlssatz anwenden kann. Es sei jedoch darauf hingewiesen, daß die Unix-Shell nur versierten Benutzern anzuraten ist.

Der Unet-Wählleitungszugang

Solange an der Universität nicht genügend Computerarbeitsplätze für Studierende zur Verfügung stehen, stellt für die meisten Studierenden der Unet-Wählleitungszugang das eigentliche Tor zum Internet dar: Mit Hilfe des Unet-Wählleitungszuganges ist es möglich, von zu Hause über das Telefonnetz eine temporäre Anbindung an das Internet zu erlangen. Bei der Unet-Anmeldung erhält jeder Student auch eine Benutzungsberechtigung für den Unet-Wählleitungszugang, der unter der Telefonnummer 40122 mit derselben User-ID/Paßwort-Kombination in Anspruch genommen werden kann wie der Unet-Servicerechner.

Der Unet-Wählleitungszugang unterstützt im Prinzip zwei Services: Einerseits kann man sich mit Hilfe eines Terminalprogramms (z.B. HyperTerminal, Zterm) einwählen und dann mittels Telnet von den Terminalservern ausgehend auf alle Rechner im Internet zugreifen, die dies erlauben - natürlich auch auf den Unet-Servicerechner. Andererseits wird auch SLIP und PPP unterstützt, sodaß man - das Vorhandensein der entsprechenden SLIP-/PPP-Software (z.B. Trumpet Winsock, InterSLIP, MacPPP) vorausgesetzt - temporär eine vollwertige Anbindung an das Internet herstellen kann. Damit ist es möglich, sämtliche am lokalen Arbeitsplatzrechner installierten Netzwerkklienten in gleicher Weise wie bei einem direkten Anschluß an das Internet einzusetzen.

Das Unet-Anmeldesystem

Studenten, die seit mindestens einem Semester an der Universität Wien inskribiert sind, können unbürokratisch und einfach mit Hilfe des WWW-basierten Unet-Anmeldesystems eine Benutzungsberechtigung für die beschriebenen Services beantragen. Die Benutzungsberechtigung tritt sofort nach der Anmeldung in Kraft und behält während der gesamten Studiendauer an der Universität Wien ihre Gültigkeit.

Das Unet-Anmeldesystem kann aus dem gesamten Internet mit jedem gängigen WWW-Klienten (z.B. Netscape) erreicht werden. Wenn Sie über keine Zugangsmöglichkeit zum WWW verfügen, können Sie sich an die Tutoren im PC-Raum des EDV-Zentrums wenden, die bei der Anmeldung behilflich sind.

Zugangsmöglichkeiten & Betreuung

Die beiden fundamentalen Probleme, die seit jeher der Einführung des Internet-Services für Studierende an der Universität Wien entgegenstanden, konnten leider bis heute nur ansatzweise in den Griff bekommen werden:

Einerseits stellt der einfache Zugang zu EDV-Geräten, mit denen das Internet-Service in Anspruch genommen werden kann, derzeit eine fast unüberwindliche Hürde dar. Da die Lösung der Raumproblematik an der Universität nicht im Einflußbereich des EDV-Zentrums liegt, kann nicht unmittelbar mit einer Erleichterung dieser Situation gerechnet werden. Als Alternativen stehen derzeit die Nutzung der an einigen Instituten vorhandenen PC-Arbeitsplätze sowie der Zugang von zu Hause über eine Wählleitungsverbindung zur Auswahl.

Das zweite, nicht minder gravierende Problem ist die Betreuung und Beratung der Benutzer. Aufgrund der großen Zahl der potentiellen Benutzer (derzeit sind rund 90000 Personen an der Uni Wien inskribiert) sieht sich das EDV-Zentrum außerstande, neben der Wartung der für das Unet-Service benötigten EDV-Infrastruktur auch diese Aufgaben zu übernehmen. Deshalb wurden bereits vor längerer Zeit mit der HochschülerInnenschaft an der Universität Wien und mit der Firma Comp Delphin Vereinbarungen getroffen, in denen sich diese zur Durchführung der allgemeinen Benutzerbetreuung (Bereitstellung von Informationsmaterial und geeigneter Software, Beratung bei Problemen mit der Nutzung des Unet-Service von PCs aus etc.) bereit erklärten. Die Unet-spezifische Betreuung von Macintosh-Besitzern soll von einem Macintosh-Fachhändler durchgeführt werden; entsprechende Gespräche sind derzeit im Gange. Das EDV-Zentrum ist in diesem Zusammenhang für den "second level support" zuständig, also für die Schulung und Beratung der Betreuer.

Trotz intensiver Bemühungen des EDV-Zentrums war jedoch bei Drucklegung dieser Comment-Ausgabe weder bei der ÖH noch bei Comp Delphin vom Aufbau einer Benutzerbetreuung etwas zu bemerken. Es ist daher zu befürchten, daß zum Zeitpunkt der regulären Betriebsaufnahme des Unet-Service (Beginn des Sommersemesters 1996) weder eine kompetente Beratungsstelle noch themenspezifisches Informationsmaterial oder geeignete Software verfügbar sein werden.

Deshalb ist es derzeit notwendig und sicher auch in Zukunft von Vorteil, daß sich Benutzer vor der Verwendung des Unet-Service zumindest mit den Grundbegriffen der EDV und des Internet vertraut machen und (falls erforderlich) insbesondere über den richtigen Umgang mit dem Wählleitungszugang informieren. Ein erster Überblick wird in den Kursen (z.B. Einführung in das Datennetz der Universität Wien, Teil I & II ) und Informationsveranstaltungen des EDV-Zentrums vermittelt, die nötigen Kenntnisse können aber auch durch das Studium fachspezifischer Literatur erworben werden, die teilweise am EDV-Zentrum erhältlich ist (z.B. Internet-Handbuch, Sammelmappe Netzwerk, diverse Informationsblätter). Empfehlenswert ist weiters die Lektüre relevanter Comment-Artikel, die auch als Sonderdrucke in der Servicestelle des EDV-Zentrums erhältlich sind.

Zusätzlich werden in den folgenden Semestern jeweils einige Präsentationen zum Thema Unet veranstaltet.

Anregungen & Beschwerden

Unet ist als Internet-Service für Studierende konzipiert, und das EDV-Zentrum ist natürlich bestrebt, das Service im Rahmen des Zwecks von Unet laufend zu verbessern und auszuweiten. Anregungen, Beschwerden und Fehlermeldungen (aber keine allgemeinen Fragen zur Benutzung von Unet - vgl. Zugangsmöglichkeiten & Betreuung !) können an das Unet-Helpdesk gerichtet werden, das unter der eMail-Adresse helpdesk.zid@univie.ac.at erreichbar ist.