Windows 95 an der Uni Wien

von Peter Wienerroither (Ausgabe 96/1, Jänner 1996)

 

Windows 95 kann seit einiger Zeit von den Instituten der Universität Wien über das EDV-Zentrum bezogen werden. Eine Lizenz kostet wie üblich öS 300,-; das Update von Windows 3.x oder Windows for Workgroups 3.x ist jedoch gratis. Einzelheiten zur Bestellung und Abholung der Software entnehmen Sie bitte dem Informationsblatt über den Bezug von Standardsoftware vom EDV-Zentrum . Voraussetzung zur Installation ist laut Microsoft ein PC mit 80386-Prozessor, 4 MB RAM und 40 MB Plattenplatz; empfohlen wird aber zumindest ein 80486-Prozessor mit 8 MB RAM und 80 MB Plattenplatz. Für jedes zusätzliche Anwendungsprogramm braucht man natürlich weitere Plattenkapazität.

Windows 95 ist in zwei Versionen erhältlich: Am SWD-Server steht die Diskettenversion zur Verfügung; die CD-Version kann entweder am EDV-Zentrum entlehnt oder als CD-ROM-Kopie angefordert werden. Die Diskettenversion enthält nicht alle Dateien der CD-Version - auf einige Hintergrundbilder, animierte Mauszeiger, Musik- und Videodateien, aber auch auf diverse Treiber, Programme und Dienste (z.B. Fremdsprachentastaturen) muß man verzichten.

Installation und Konfiguration

Zur Installation müssen Sie die CD bzw. die zweite Diskette (die erste ist die Bootdiskette) einlegen und Setup starten. Sie werden vom Programm durch die beinahe vollautomatische Installation geführt; beachten Sie aber bitte folgendes:

  • Sie können Windows 95 über Ihr bisheriges Windows installieren (dadurch bleiben alle Einstellungen und Programme erhalten), oder Sie geben für Windows 95 ein neues Verzeichnis an. Mit dieser Methode müssen Sie zwar auch alle Anwendungsprogramme unter Windows 95 neu installieren, können aber später den Startvorgang von Windows 95 abbrechen (bei Erscheinen der Startmeldung Starten von Windows 95 die Taste F4 oder F8 drücken) und wie bisher mit Ihrem alten DOS und Windows arbeiten. Für Testzwecke empfiehlt sich die zweite Methode.
  • Standardmäßig werden nicht alle Programme und Dienste automatisch installiert. Gehen Sie die Liste der verfügbaren Programme Punkt für Punkt durch und kennzeichnen Sie alle, die Sie installieren wollen.
  • Wenn Sie PC/TCP installiert haben, sollten Sie alle diesbezüglichen Einträge aus den Dateien config.sys und autoexec.bat entfernen, den Computer neu starten und dann erst Windows 95 sowie die entsprechenden Dienste für das Netzwerk installieren.
  • Die Erkennung der Hardware durch das Installationsprogramm ist grundsätzlich sehr zuverlässig, kann aber bei alten bzw. exotischen Bauteilen oder bei komplizierten Konfigurationen zum Problem werden. Wenden Sie sich in diesem Fall an Ihren Lieferanten um entsprechende Treiber für Windows 95. Eine Liste der unterstützten Hardware und weitere Dokumentationen finden Sie nach der Installation von Windows 95 als .txt-Dateien im Windows 95-Verzeichnis.

Mit Windows 95 im Netzwerk

Das Arbeiten im Netzwerk mit PCs ist unter Windows 95 einfacher geworden. Die Netzwerksoftware ist in das Betriebssystem integriert und infolgedessen leichter zu installieren und zu konfigurieren; darüber hinaus läuft sie meist auch deutlich stabiler als die entsprechenden Produkte unter MS-DOS und MS-Windows. Windows 95 unterstützt eine große Palette von Netzwerkadaptern und Protokollen - z.B. alle Ethernetkarten, die in den letzten Jahren vom EDV-Zentrum distributiert wurden (NE 2000, SMC). Die größte Schwierigkeit besteht darin, aus der großen Anzahl der vom Installationsprogramm angebotenen Netzwerkkarten die richtige auszuwählen. Einige Versuche mit TokenRing-Adaptern hatten durchwegs positive Ergebnisse; allerdings hat das EDV-Zentrum noch zu wenige Tests für diese Anschlußart durchgeführt, um ein wirklich profundes Urteil abgeben zu können.

Weiters werden alle für das Datennetz der Uni Wien wichtigen Protokolle von Windows 95 unterstützt. Für TCP/IP braucht man keine zusätzliche Software mehr, die Netzwerkroutinen der Bibliotheksdatei wsock32.dll, auf die die meisten Klienten unter Windows aufsetzen, scheinen einwandfrei zu funktionieren. Eine Unterstützung für Novell NetWare ist ebenfalls vorhanden, sodaß ein PC unter Windows 95 sehr einfach auf Festplatten von Novellservern zugreifen kann (mittels Attach-Funktion). Es können sowohl NDIS- als auch ODI-Treiber verwendet werden, und selbstverständlich wird auch das Microsoft-LAN-Protokoll (SMB) unterstützt. Die angeführten Protokolle funktionieren nicht nur einzeln, sondern auch in beliebiger Kombination gemeinsam (nur mit Ethernet getestet).

Wenn Ihr PC an ein Novell-Netzwerk bzw. an das Internet angeschlossen ist, müssen Sie - sofern dies nicht bereits durch das Installationsprogramm erledigt wurde - Windows 95 wie folgt konfigurieren: Starten Sie die Systemsteuerung und dort die Anwendung Netzwerk. Installieren Sie mit Hilfe der Schaltfläche Hinzufügen den Client für Microsoft-Netzwerke und den Client für Netware-Netzwerke. Für die Anbindung an Novell NetWare benötigen Sie ferner die Protokolle IPX/SPX, NetBEUI und Novell IPX ODI, für die Verwendung des Internet das Protokoll TCP/IP. Diese Protokolle können, falls sie nicht ohnehin in der Liste aufscheinen, ebenfalls durch Betätigen der Schaltfläche Hinzufügen installiert werden. Anschließend können Sie die einzelnen Dienste mit Hilfe der Schaltfläche Eigenschaften gesondert konfigurieren. Wie Sie vorgehen müssen, wenn Sie unter Windows 95 mittels Wählleitung auf das Internet zugreifen wollen, ist im Artikel Dial-Me-Up detailliert beschrieben.

Im Lieferumfang von Windows 95 sind einige Netzwerkklienten enthalten. Auch das Programmpaket MS-Plus!, das über das EDV-Zentrum bezogen werden kann, enthält entsprechende Software (z.B. für eMail und WWW). Es zeigte sich jedoch, daß in diesem Bereich vielfach Public Domain- und Shareware-Produkte vorzuziehen sind. Eine Liste derjenigen Freeware-Netzwerkklienten, die sich in den Tests des EDV-Zentrums unter Windows 95 gut bewährt haben (wobei meist sowohl 16bit- als auch 32bit-Anwendungen einwandfrei funktionieren), finden Sie hier.

Kompatibilität

Grundsätzlich legt Microsoft viel Wert auf Kompatibilität mit den alten Windows- und DOS-Versionen (DOS-Programme werden unter Windows 95 besser unterstützt als bisher), aber dennoch gibt es lange Listen von Hard- und Software, die mit dem neuen Betriebssystem nicht mehr funktionieren. Dazu zählen z.B. alle Anwendungsprogramme, die direkt auf die Hardware zugreifen. Hilfsprogramme (z.B. Norton Utilities, PC-Tools), die nicht für Windows 95 geschrieben wurden, sollte man unbedingt meiden, auch wenn man sie unter DOS benutzt - im schlimmsten Fall vernichten sie den Inhalt der gesamten Festplatte! Auch können alte Backup-Programme mit den langen Dateinamen nicht umgehen und verursachen beim Zurücksichern (Restore) irreparable Schäden.

Maximale Kompatibilität und maximale Performance erreicht man nur mit Software, die speziell für Windows 95 geschrieben wurde. Das EDV-Zentrum distributiert derzeit im Rahmen der Standardsoftware folgende Programme für Windows 95: FTP OnNet, MS-Access, MS-Excel, MS-Plus!, MS-PowerPoint, MS-Project, MS-Schedule, MS-Visual Basic, MS-Word, MS-Works sowie Norton Utilities. Zusätzlich finden sich am FTP-Server der Universität Wien bereits viele Shareware- und Freeware-Programme für Windows 95 (siehe Tabelle).

Arbeitsweise

Wenn Sie Windows 95 erfolgreich installiert haben, müssen Sie sich mit der neuen Oberfläche vertraut machen. Viele gewohnte Dienste gibt es entweder nicht mehr oder aber in veränderter Form: Beispielsweise wurde der Programm-Manager durch den Desktop ersetzt (auf Wunsch kann aber auch der Programm-Manager installiert werden), Unterverzeichnisse werden als Ordner dargestellt, der Datei-Manager mußte dem Explorer weichen etc. Sehr angenehm sind die neuen, langen Dateinamen, die endlich aussagekräftige Bezeichnungen erlauben und die durch einfaches Anklicken und Neuschreiben geändert werden können. Weitere Pluspunkte: Die Zeichen- und Tastaturunterstützung für Fremdsprachen sowie die Möglichkeit, daß mehrere Benutzer mit ihrer jeweils eigenen Konfiguration auf einem einzigen Rechner arbeiten können.

Windows 95 bietet also einige neue Features, jedoch weniges, das es nicht schon unter Windows for Workgroups gibt. Sollten Sie feststellen, daß Windows 95 nicht ihren Erwartungen entspricht, so können Sie es wieder deinstallieren. Nach der Deinstallation müssen jedoch alle Dateien auf der Festplatte umkopiert werden, damit die Dateistruktur zurückgesetzt wird und keine Probleme mit Hilfsprogrammen wie den Norton Utilities auftreten. Um z.B. alle Dateien im Verzeichnis \daten\ umzukopieren, gehen Sie wie folgt vor:

xcopy \daten \tempdat\ /s/e
deltree \daten
move \tempdat \daten

Ein einführendes Handbuch zu Windows 95 ist um öS 30,- in der Servicestelle des EDV-Zentrums erhältlich. Innerhalb von 90 Tagen ab dem Zeitpunkt der Lizenzierung kann auch die Hotline von Microsoft in Anspruch genommen werden (Tel.: 0660-6510; Stichwort: "Select-Vertrag der Uni Wien").