Die LAN-Misere im UZA2

(Ausgabe 95/3, September 1995)

 

Für die erdwissenschaftlichen und pharmazeutischen Institute der Uni Wien wurde in den letzten Jahren ein neues Universitätsgebäude erbaut, das UZA2 (UZA = Universitätszentrum Althanstraße). In der Planungsphase (1989 - 1992) wurde dabei von seiten des EDV-Zentrums besonderer Wert auf die Errichtung eines leistungsfähigen lokalen Netzwerks (LAN) gelegt; während der Errichtung des LAN hatte das EDV-Zentrum aber keine Parteienstellung gegenüber der Errichtungsgesellschaft. Dies ist einer der Hauptgründe dafür, daß es - obwohl das UZA2 seit fast einem Jahr von Instituten besiedelt ist - bis heute nicht gelungen ist, dort ein funktionierendes LAN in Betrieb zu nehmen.

Die Nichtexistenz eines funktionsfähigen Netzwerks im UZA2 resultiert zum Großteil daraus, daß die Planungsfirma nicht in der Lage war, die an sie herangetragenen Informationen sinnvoll umzusetzen und den Normen entsprechende Pläne zu erstellen. Erfahrungsgemäß bedarf es in der Planungsphase einer engen Zusammenarbeit zwischen der Planungsfirma und dem EDV-Zentrum, da gerade im LAN-Bereich die Berücksichtigung der technologischen Entwicklung von großer Bedeutung ist. Dem EDV-Zentrum wurden jedoch z.B. vor Baubeginn keinerlei den Gesamtkomplex betreffende Planunterlagen übermittelt (wodurch unter Umständen das Schlimmste verhindert hätte werden können); es wurde vielmehr erst dann involviert, als es zu spät war - das LAN war bereits errichtet, aber leider funktionsunfähig.

Es sind vor allem drei Mängel, die verhindern, daß mit dem bestehenden Netzwerk sinnvoll gearbeitet werden kann:

Anzahl der Datensteckdosen
Bei der eingesetzten Verkabelungsart dürfen maximal 6 - 8 Ethernet-Anschlußdosen pro Netzwerksegment installiert werden. In vielen Segmenten wurde die Gesamtanzahl der Anschlußdosen jedoch derart eklatant überschritten, daß es unmöglich ist, die Segmente in dieser Form zu betreiben. Die Notwendigkeit einer Teilung der betroffenen Segmente wurde von der Planungsfirma lange Zeit heftig bestritten; die jahrelangen Erfahrungen des EDV-Zentrums mit solchen Netzwerken wurden als Argument anfänglich nicht akzeptiert. Letztendlich konnte aber doch noch eine Einigung erzielt werden, und im Laufe der letzten Monate wurde die Anzahl der Steckdosen reduziert. Eine der Ursachen für das Nichtfunktionieren des LAN ist somit bereits beseitigt.

Qualität der Crimpstellen
Die Verbindung zwischen Datenleitung und Anschlußdosen wird bei der verwendeten Verkabelungsart durch "Crimpen" hergestellt: Die Koaxialkabel werden mit Hilfe eines Spezialwerkzeugs in die entsprechenden Verbindungsstücke oder Buchsen gequetscht und unlösbar damit verbunden. Die miserable Qualität der Crimpstellen im LAN des UZA2 läßt nun vermuten, daß dieses Spezialwerkzeug entweder gar nicht oder zumindest nicht richtig verwendet wurde. An der Reparatur der mangelhaften Crimpstellen wird zur Zeit gearbeitet.

Verletzung der Repeaterregel
In der Ethernet-Norm gibt es sehr klare Aussagen darüber, wie viele Repeater (Verstärker) maximal hintereinandergeschaltet werden dürfen, ohne daß es zu einem unkontrollierbaren Verhalten des Netzwerks kommt. Eines der Resultate bei Nichtbeachtung dieser Regel sind oszillierende Effekte, die die Gesamtleistung des Netzes reduzieren und die derzeit bei den bereits in Betrieb befindlichen LAN-Bereichen im UZA2 beobachtet werden können. Leider ist hier in bezug auf die Repeaterregel bereits die Planung fehlerhaft. Die Behebung dieses Mangels wird derzeit in Angriff genommen, sodaß die Inbetriebnahme der Segmente, welche die Repeaterregel verletzen, noch auf sich warten lassen wird.

Die leidtragenden Institute sind heute - ein Jahr nach der Übersiedlung - verständlicherweise am Ende ihrer Geduld angelangt. Es wäre auch tatsächlich schon zu einem früheren Zeitpunkt möglich gewesen, die Ursachen für die Fehler im lokalen Netzwerk des UZA2 zu erkennen und entsprechend zu reagieren; stattdessen konnte erst nach heftigem Ringen überhaupt ein Problembewußtsein für die geschilderte Misere bei den beteiligten Firmen geschaffen werden. Die mittlerweile vorhandene Gesprächsbasis läßt aber hoffen, daß die Fehlerbehebung nicht länger hinausgezögert wird.

In Übereinstimmung mit allen betroffenen Stellen konnte festgelegt werden, daß die Reparatur und Inbetriebnahme des LAN im UZA2 ebenenweise erfolgen wird, wobei folgende Übergabetermine vereinbart wurden:

Bauteile 1 & 2:

  • Ebene 4: 16.8.1995
  • Ebenen 2 & 3: 25.8.1995
  • Ebene 1: 1.9.1995
  • Ebene 5: 8.9.1995

Bauteil 3:

  • Ebene 5: 15.9.1995
  • Ebene 4: 22.9.1995
  • Ebene 3: 29.9.1995
  • Ebene 2: 5.10.1995
  • Ebene 1: 12.10.1995

Anschließend müssen vom EDV-Zentrum noch einige Netzwerkbestandteile installiert werden, um das LAN tatsächlich in Betrieb nehmen zu können (geplanter Fertigstellungstermin ist der 16. 10. 1995 - der Tag, an dem das UZA2 feierlich eröffnet wird). Ab Anfang September werden nach und nach auch die erforderlichen EDV-Geräte - 452 PCs, Macs, Novell-Server etc. - geliefert und vom EDV-Zentrum an das LAN angeschlossen. Wir sind daher zuversichtlich, daß spätestens im Dezember 1995 jedem Benutzer im UZA2 an seinem Arbeitsplatz ein funktionsfähiger Netzwerkzugang zur Verfügung steht.