Tips zur Erstellung von HTML-Seiten

von Raphael Kirchner (Ausgabe 95/2, Juni 1995)

 

Das WWW ist "in", und dementsprechend viele Benutzer möchten ihr Institut am Netz präsentieren. In dieser Einführung sollen die häufigsten Fragen zu diesem Thema zumindest in Grundzügen beantwortet werden, wobei im folgenden nur die benötigte Software für Macintosh angeführt wird. Die erforderlichen Programme für andere Plattformen folgen im nächsten Comment bzw. werden in der (vorliegenden) elektronischen Ausgabe dieses Artikels bereits vor Erscheinen der nächsten Zeitschrift berücksichtigt werden.

Die Sprache, in der WWW-Seiten geschrieben werden, heißt HTML ("HyperText Markup Language"). HTML-Dokumente sind reine Text-Dateien; Verknüpfungen ("Links") und Formatierungen werden mittels eingefügter HTML-Befehle ("Tags") erzeugt. Man kann daher mit jedem Trivial-Editor (wie Notepad, TeachText, XEdit usw.) HTML-Seiten erstellen - sofern man nicht zu faul ist, die teilweise lästig komplexen HTML-Tags von Hand zu tippen.

Arbeitsmethode

Die für Anfänger zielführendste Methode, zu akzeptablen Ergebnissen zu kommen, ist das abgewandelte Plagiat: Die gängigen WWW-Browser können das zu plagiierende Dokument sowohl als "Source" (d.h. in HTML) abspeichern als auch mit einem Menübefehl wie "View/Source" direkt in einem Editor anzeigen. Eigene Dokumente erzeugt man dann durch Verändern der Vorlage. Bis funktionstüchtige Browser/Editor-Kombinationen auf dem Markt erscheinen (was kurzfristig nicht zu erwarten ist), besteht die sinnvollste Arbeitsweise darin, die zu bearbeitende Seite gleichzeitig in einem Editor-Fenster und einem Browser-Fenster geöffnet zu haben, um die Wirkung von Änderungen schnell überprüfen zu können.

Textbearbeitung

Der - nach Meinung des Autors - einzige brauchbare HTML-Editor ist der Text-Editor BBEdit, ausgestattet mit den HTML-Extensions (welche man sich auch selbst schreiben kann, sofern man die Vollversion von BBEdit durch Bezahlung der Shareware-Gebühr erworben hat). Alle HTML-Befehle lassen sich nach Belieben mit Tastaturkürzeln versehen, was die Arbeitsgeschwindigkeit beträchtlich steigern kann. Das Programm ist leicht zu bedienen und vor allem - daher die Empfehlung - der einzige wirklich logisch konzipierte und fehlerfrei laufende Editor, der zur Zeit erhältlich ist.

Die mittlerweile für Textverarbeitungsprogramme wie MS-Word oder WordPerfect verfügbaren HTML-AddOns sind noch weit vom Stabilitätsniveau eines BBEdit entfernt und erleichtern - wieder nach Meinung des Autors - die Arbeit nicht wirklich.

Ein sehr praktisches Hilfsmittel, um aus existierenden Texten HTML-Seiten zu machen, ist jedoch der Konverter RTFtoHTML: Der Konverter, der für MacOS, Unix und MS-Windows erhältlich ist, wandelt RTF-Dateien (die mit allen gebräuchlichen Textverarbeitungsprogrammen durch "Sichern als..." erzeugt werden können) in HTML-Sourcen um, welche natürlich noch weiterer Bearbeitung bedürfen. Für gute Ergebnisse ist es erforderlich, daß man sich bei der Formatierung im Textverarbeitungsprogramm an die Standard-Druckformate hält (z.B. Überschrift 1; fett; kursiv).

Einbinden von Bildern

Um eine HTML-Seite mit Bildern schmücken zu können, müssen diese vorher im GIF-Format gespeichert werden. Zur Erzeugung von "transparenten" GIF-Bildern empfiehlt sich das Programm Transparency, mit dem man auf einfachste Weise die Bereiche anwählen kann, die den jeweiligen Bildschirmhintergrund annehmen sollen. Ein weiteres, mittlerweile sehr beliebtes Feature des WWW sind "clickable images", die aus einer Bilddatei und einer Tabelle bestehen, in der festgelegt ist, bei welchem Pixel zu welchem URL weitergeschaltet werden soll. Das Programm WebMap erleichtert die Herstellung dieser Tabellen enorm: Die "sensitiven" Bereiche können einfach mit der Maus ausgewählt werden.

Überprüfen der Ergebnisse

Um HTML-Seiten zu testen, braucht man an sich keine zusätzliche Software - die Dokumente können mit dem Menübefehl "Open File..." (oder "Open local...") mit dem WWW-Browser direkt von der lokalen Platte gelesen werden. Um allerdings Features wie "clickable images" zu testen, ist ein WWW-Server wie MacHTTP erforderlich. Die Bedienung des Servers ist sehr einfach, die Bedienung des beigepackten Hilfsprogramms "imagemap.cgi" (für "clickable images") oder der Skripting-Werkzeuge (siehe die mitgelieferten READMEs) kann jedoch einiges an Geduld und Hirnschmalz verbrauchen.

Hilfe

Weitere Informationen findet man u.a. auf den Servern der WWW-Erfinder und der Browser-Hersteller: bei CERN, bei NCSA oder bei Netscape. Für Bücherfreunde empfiehlt sich die Einführung Spinning the Web , die viele Beispiele und Tips enthält und auch auf Detailfragen eingeht (Ford, Andrew: "Spinning the Web", Thomson Publishing, London e.a. 1995, 227 S.).