News - Das "Schwarze Brett" im Internet

von Gerhard Winkler (Ausgabe 95/2, Juni 1995)

 

In einem großen Netzwerk wie dem Internet stellt die Informationsverteilung zwischen sehr vielen Benutzern besondere Anforderungen an das einzusetzende System: Eben diese große Anzahl an Benutzern erzeugt ja auch eine große Menge an Informationen, die durch das Netzwerk zu transportieren sind. Ein solches System zur Informationsverteilung sind die NetworkNews oder kurz News (ursprünglich hießen sie UsenetNews). In wenigen Worten kann dieses System als weltweites "Schwarzes Brett" zum Austausch von Informationen aller Art charakterisiert werden, wobei die Themengebiete hierarchisch gegliedert sind - doch dazu später.

Die Anfänge der NetworkNews reichen in das Jahr 1979 zurück, als Studenten der Duke University und der University of North Carolina ein System zum Austausch von Informationen zwischen Unix-Rechnern entwickelten. Das damals entwickelte Grundprinzip bildet nach wie vor die Basis der News, wobei allerdings die verwendete Software viele Verbesserungen und Neuentwicklungen erfahren hat.

Einsatzmöglichkeiten

Die in den News verschickten Informationseinheiten werden als Artikel bezeichnet. Ein Artikel hat eine begrenzte Lebensdauer - das bedeutet, daß er nach einer bestimmten Zeitspanne aus dem System gelöscht wird. Diese Frist wird vom Administrator des jeweiligen News-Servers definiert und kann sich von wenigen Tagen bis hin zu einigen Wochen erstrecken.

Das Grundprinzip der News beruht darauf, daß jeder Teilnehmer einen Artikel verschicken kann, jeder Teilnehmer diesen Artikel lesen kann und jeder Teilnehmer eine Antwort (eine Mitteilung, einen Kommentar, etc.) auf einen solchen Artikel zurückschicken kann, welche ebenfalls jeder lesen kann, ..., sodaß typischerweise Diskussionen über ein bestimmtes Thema entstehen.

Die Anwendungsmöglichkeiten beschränken sich aber keineswegs nur auf Diskussionen. Sehr oft werden die News auch zur Distribution von Informationen (meistens Programme oder Softwarepakete bzw. Updates zu schon verteilten Programmen und Paketen) verwendet. Ein Großteil der Public Domain Software und Freeware wird über dieses Medium verteilt. Weiters eignen sich die News hervorragend dazu, Lösungen für bestimmte Probleme zu ermitteln. Hat man zum Beispiel Schwierigkeiten beim Installieren einer Software, so kann über die News Hilfe erfragt werden - durch die große Teilnehmerzahl ist es leicht möglich, daß irgendwo jemand bereits dasselbe Problem hatte und eine Lösung dafür weiß. Dieser Vorgang läuft dann etwa folgendermaßen ab:

Der Benutzer Meier verschickt einen Artikel mit seiner Frage (z.B.: "Ich habe das Rechnersystem X und die Software Y. Beim Installieren erscheint der Fehler Z. Was mache ich falsch?"). Ein anderer Benutzer liest diesen Artikel und hat das Problem bereits gelöst, also sendet er eine Antwort (z.B.: "Du mußt einen weiteren Parameter angeben"). Meier findet diese Antwort in den News und hat dadurch sein Problem einfach und rasch gelöst. Alle anderen Teilnehmer können den Informationsaustausch mitverfolgen, sodaß eventuell weitere Benutzer, die ebenfalls diese Software installieren wollen, von der Antwort profitieren. Hat Meier von mehreren Teilnehmern Antworten mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten erhalten, könnte er noch eine Zusammenfassung aller verschiedenen Varianten erstellen und diese als eigenen Artikel versenden, um die gesammelten Informationen allen Teilnehmern zur Verfügung zu stellen. Die meisten News-Reader bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, mit den einzelnen Artikeln und den verschiedenen Newsgruppen umzugehen - beispielsweise die Funktion, eine eMail direkt an den Autor eines Artikels zu senden. Damit kann eine Antwort auch "privat" gegeben und die Veröffentlichung derselben in den News vermieden werden.

Dieses Beispiel sollte eine Vorstellung von den Einsatzmöglichkeiten der News vermitteln. In einigen Schlagworten zusammengefaßt, kann man sie folgendermaßen charakterisieren:

  • Diskussionsforum
  • Informationssystem
  • Distributionssystem für Programme, Updates, Neuigkeiten, ...
  • Anfragemöglichkeit bei Problemen

Die NetworkNews - mit all ihren Teilnehmern - stellen jedenfalls ein enormes Wissenspotential dar, auf das relativ schnell zugegriffen werden kann; sie sind allerdings kein Abfragesystem im Sinne einer Datenbank und auch kein Archiv der versendeten Artikel. Getrennt davon könnten die Informationen durchaus in ein Archiv übergeleitet werden. Dabei wäre eine Aufbereitung für Volltextsuche in aktuellen und archivierten Artikeln vorstellbar, die Menge der Informationen ist dabei jedoch ein stark beschränkender Faktor.

Wie funktioniert es technisch?

Die News arbeiten nach dem Client/Server-Prinzip. Das heißt, der Benutzer verwendet ein Programm ("Klient", in diesem Zusammenhang auch News-Reader genannt), welches ihm das Lesen, Erstellen und Abschicken eigener Artikel ermöglicht; für die Speicherung, Verwaltung und Verteilung der Artikel ist hingegen ein sogenannter News-Server zuständig. Durch diese Aufgabenteilung von Klienten und Servern ist es möglich, auf die riesige Menge an verfügbaren Informationen zuzugreifen. Die News sind ein stark dezentrales System, das aus einer Unzahl von untereinander kommunizierenden News-Servern besteht.

Ein Artikel wird nun also mit Hilfe des Klienten erstellt und danach dem zuständigen News-Server übergeben. Dieser Vorgang heißt Posting. Der Server übernimmt den Artikel und speichert ihn für eine bestimmte Zeit in seinem lokalen Artikelbereich. Während dieser Zeit, die vom Administrator des jeweiligen News-Servers festgelegt wird und die für verschiedene Themengebiete unterschiedlich sein kann, können alle an diesen Server angeschlossenen Klienten den Artikel lesen. Nach Ablauf der Frist wird der Artikel aus dem lokalen System gelöscht.

Beim Posting wird der Artikel in einem parallelen Schritt auch an alle am News-Server definierten Partnersysteme weitergeleitet. Erhält ein "Partner-Server" einen Artikel, trägt er ihn seinerseits in seinen Artikelbereich ein und leitet ihn zusätzlich wiederum an seine Partnersysteme weiter. Durch dieses Schneeballprinzip wird der Artikel über das Netzwerk an alle angeschlossenen News-Systeme verteilt. Die meisten News-Server sind mit mehreren Partnern verbunden, wodurch redundante Übertragungswege gewährleistet sind. Es muß aber verhindert werden, daß Artikel mehrfach an ein System übertragen werden. Dies wird mit Hilfe einer Message-ID erreicht, die beim Erstellen eines Artikels erzeugt wird und weltweit eindeutig ist: Vor der Übertragung eines Artikels wird zunächst geprüft, ob seine Message-ID am System schon bekannt ist; ist dies der Fall, wird er nicht übertragen.

Im Internet wird zur Übertragung von NetworkNews-Artikeln ein eigenes Protokoll verwendet, das NNTP (NetworkNews Transfer Protocol) genannt wird.

Organisation der Themengebiete

Da in den News sehr viele verschiedene Themengebiete behandelt werden, braucht man eine bestimmte Struktur, um sich darin zurechtzufinden. Ein einzelnes, spezifisches Themengebiet wird Newsgruppe genannt. Diese Newsgruppen sind Bestandteil einer Hierarchie von einzelnen Ober- und vielen Untergruppen. Die wichtigsten Klassen von Gruppen sind:

  • alt (Alternative Gruppe zu Themen verschiedenster Art)
  • comp (Themen rund um den Computer)
  • misc ("Verschiedenes")
  • news (Diskussionen über das News-System selbst, z.B. Software, Administrativa)
  • rec ("recreation"; Themenbereich Freizeit, Sport, Musik)
  • sci ("science"; verschiedene wissenschaftliche Themen)
  • soc ("social"; Themenbereich soziales Umfeld, Kultur)

Zusätzlich existiert noch eine Vielzahl von anderen Gruppenhierarchien, wobei hier vor allem zwei Bereiche erwähnt werden sollen: Für Themengebiete von primär lokalem Interesse gibt es länderspezifische Gruppen, das sind lokale Hierarchien, die mit einem Ländercode bezeichnet werden (etwa at für Österreich oder de für Deutschland). Weiters werden viele Mailinglisten in die News eingespeist - insbesonders die im EARN/Bitnet verteilten Listserver-Listen, die unter der Hierarchie bit zu finden sind.

Der Name einer Newsgruppe setzt sich aus den einzelnen Gruppennamen innerhalb der Hierarchie zusammen, z.B. comp.sources.unix (Themenbereich Computer, Sourceprogramme für Unix) oder at.network.aconet (lokaler Bereich Österreich, Informationen über das ACOnet). Hier noch einige weitere Beispiele:

  • alt.tv.muppets (Thema: die Muppets-Show)
  • comp.binaries.ibm.pc (Verteilung von IBM PC/MS-DOS-Programmen)
  • comp.sys.ibm.pc.hardware (Diskussion über PC-Hardware)
  • news.admin (Informationen für News-Administratoren)
  • rec.music.cd (Diskussion über CDs)
  • sci.astronomy (Diskussion über Astronomie)
  • soc.culture.african (Diskussion über afrikanische Kultur; es gibt auch soc.culture.austria)

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen unmoderierten und moderierten Newsgruppen. Bei einer unmoderierten Gruppe wird ein Artikel im oben beschriebenen Verfahren direkt an alle Teilnehmer weitergeleitet. Im Gegensatz dazu wird bei einer moderierten Gruppe der Artikel zuerst an einen Moderator geschickt, der entscheidet, ob dieser Artikel wirklich in die News gestellt werden soll. Es gibt verschiedenste Gründe, eine Newsgruppe zu moderieren, z.B. große Anzahl von Artikeln in einer Gruppe, Steuerung einer Diskussion, Verhinderung von nichtrelevanten Artikeln.

Über die Einrichtung einer bestimmten neuen Gruppe entscheiden die News-Teilnehmer in einem genau definierten Verfahren, dem Voting. Dabei wird nach einer Diskussionsphase über die Einrichtung der neuen Gruppe abgestimmt. Davon ausgenommen sind entweder Landesgruppen, wo eigene Verfahren existieren können, sowie Gruppen, die unter der "alt"-Hierarchie eingerichtet werden: Dort gibt es kein Voting, jeder darf selbständig eine Gruppe einrichten. (Bitte halten Sie aber für alle Fälle dennoch Rücksprache mit dem EDV-Zentrum, bevor Sie eine solche Gruppe anlegen!)

Allgemeine Bemerkungen

Derzeit werden am News-Server der Universität Wien ungefähr 6.000 Newsgruppen angeboten. Dafür werden täglich ungefähr 130.000 Artikel auf den News-Server übertragen, was einem Datenaufkommen von etwa 300 MB entspricht. Mit diesen Zahlen soll verdeutlicht werden, wie immens groß das Informationsangebot ist. Gerade deshalb ist aber bei der Verwendung darauf zu achten, daß man nur einen kleinen, wesentlichen Teil dieses Angebots konsumiert - jeder einzelne Benutzer muß genau entscheiden, welche Gruppen für ihn wirklich wertvolle Informationen enthalten. Diese Auswahl wird für verschiedene Benutzer ganz unterschiedlich ausfallen, da aufgrund der jeweiligen Arbeits- und Interessensgebiete bestimmte Gruppen für einen Benutzer interessant und für einen anderen völlig wertlos sind.

In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß das EDV-Zentrum keinerlei inhaltliche Verantwortung übernehmen kann.

Wie nimmt man am News-Service teil?

Der News-Server der Universität Wien steht all jenen Benutzern zur Verfügung, die einen entsprechend ausgestatteten Rechner haben und sich damit unter der Domain univie.ac.at oder akh-wien.ac.at befinden. (Das bedeutet auch, daß jeder Rechner, von dem aus auf die News zugegriffen werden soll, in einem Nameserver eingetragen sein muß!) Auch über einige Rechner des EDV-Zentrums - z.B. Mailbox-Rechner - kann an den News teilgenommen werden; Vorbedingung dabei ist natürlich eine gültige Benutzungsberechtigung.

Benutzern von PCs unter MS-Windows wird die Verwendung des News-Readers "WinVN" empfohlen. Das Programm, für das auch eine Installationsanleitung verfügbar ist, kann vom FTP-Server der Universität Wien kopiert werden. Im selben Verzeichnis befinden sich auch die entsprechende Installationsanleitung im PostScript-Format (in gedruckter Form kann sie über die Servicestelle des EDV-Zentrums bezogen werden) sowie der unter DOS verwendbare News-Reader "Trumpet" samt Installationsanleitung. Mac-Benutzer können beispielsweise das Programm "Nuntius" einsetzen, das ebenfalls am FTP-Server der Uni Wien zu finden ist.

Der Hostname des News-Servers der Universität Wien lautet: news.univie.ac.at

Zur Überprüfung der Konfiguration sollte unbedingt zunächst ein Testartikel an die Gruppe at.test gepostet werden (bitte nur an diese Gruppe - Testartikel sind in anderen Gruppen nicht gerne gesehen!). Alle in at.test eintreffenden Artikel werden mittels eMail an den Sender zurückgeschickt. Die Voraussetzung dafür ist - neben einer gültigen eMail-Adresse - natürlich ein bereits soweit funktionierender News-Reader, daß überhaupt ein Artikel abgesendet werden kann.