Wann gibt es eMail für alle Uni-Angehörigen?

von Peter Rastl (Ausgabe 95/2, Juni 1995)

 

Der Ausbau der EDV-Infrastruktur an der Universität Wien ermöglicht zunehmend auch den Einsatz elektronischer Kommunikation bei der täglichen Arbeit an unserer Universität. Obwohl noch nicht alle Bereiche der Universität Wien flächendeckend vernetzt sind und vor allem Studierende vielfach keinen befriedigenden Zugang zur EDV haben, verfügen dennoch bereits zahlreiche Universitätsangehörige über einen Anschluß an das Datennetz der Universität Wien und können somit die vielfältigen weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten im Internet nutzen - z.B. mittels eMail Informationen mit ihren Fachkollegen austauschen. Aber auch für die Verwaltungsabläufe innerhalb der Uni gewinnt die elektronische Kommunikation (mit ihren Möglichkeiten wie Datenbankzugriff, Info-Server und eMail) immer mehr an Bedeutung.

eMail für Universitätsbedienstete

Einen wichtigen Schritt zur Verbreitung von eMail als Routinewerkzeug des Universitätsbetriebs setzte das EDV-Zentrum im Vorjahr mit der Einführung seines Mailbox-Service und der Inbetriebnahme eines eigenen Mailbox-Rechners (siehe Das Mailbox-Service des EDV-Zentrums, Comment 94/2 ). Jeder Universitätsangehörige - vorerst mit Ausnahme der Studierenden - hat somit die Möglichkeit, eine persönliche Mailbox auf diesem Rechner sowie eine universitätsweit einheitliche eMail-Adresse der Form vorname.nachname@univie.ac.at zu erhalten. Dadurch ist er im allgemeinen auch ohne Zuhilfenahme eines Adreßverzeichnisses mittels eMail adressierbar, unabhängig davon, auf welchem Computer er seine eMail tatsächlich bearbeitet.

Alle Benutzer des Mailbox-Rechners haben aber zusätzlich noch eine Reihe weiterer wichtiger Kommunikationsmöglichkeiten im Internet: Vom Mailbox-Rechner aus kann mittels Telnet oder Datex-P auf andere Rechner sowie mittels FTP auf die Software-Server des EDV-Zentrums zugegriffen werden. Auch ein Newsreader zum Zugriff auf die NetworkNews steht am Mailbox-Rechner zur Verfügung. All jene, die ohne graphische Benutzerführung auskommen, können unter der Unix-Oberfläche mit dem zeichenorientierten Browser Lynx auf den Info-Server der Universität Wien zugreifen. Gleichzeitig erhalten alle Benutzer des Mailbox-Rechners mit ihrer Benutzungsbewilligung für diesen Rechner auch eine Berechtigung für den Zugang zum Internet über Wählleitung.

eMail für Studierende

Die Bereitstellung eines ähnlichen Service für die Studierenden an der Universität Wien ist natürlich ebenfalls sehr wünschenswert, setzt allerdings die Bewältigung zweier fundamentaler Probleme voraus: Einerseits müssen die Studenten einen praktikablen Zugang zu den erforderlichen EDV-Geräten erhalten, andererseits muß eine sachkundige Betreuung und Beratung geboten werden. Diese beiden Forderungen stoßen im Vergleich zu anderen Universitäten aber gerade an der Uni Wien auf beträchtliche Schwierigkeiten.

Das EDV-Zentrum betrachtet es grundsätzlich als seine Aufgabe, an geeigneten Standorten allgemein zugängliche PC-Labors für all jene Universitätsangehörigen zu betreiben, die über keinen eigenen EDV-Arbeitsplatz verfügen, ähnlich wie die Universitätsbibliothek Lesesäle zur Verfügung stellt. Die EDV ist ja heute in jedem Fachbereich, nicht nur in den technischen oder wirtschaftsorientierten Disziplinen, ein unentbehrliches Werkzeug geworden - man denke nur an die allgegenwärtige Textverarbeitung, aber auch an die Nutzung von Datenbanken oder die Erstellung von Graphiken und Statistiken. Infolge der allgemeinen Raumnot an der Universität Wien ist es dem EDV-Zentrum allerdings trotz jahrelanger Bemühungen bisher nicht gelungen, Räume ausreichender Größe für derartige PC-Labors zugewiesen zu bekommen; letztlich eine Konsequenz der Schwerpunktsetzung an einer Universität, deren Studienpläne eine EDV-Ausbildung für die meisten Studienrichtungen nicht verpflichtend vorschreiben. Wenn auch an dem einen oder anderen Institut eigene PC-Arbeitsplätze für Studenten geschaffen worden sind, steht deren Anzahl doch in einem eklatanten Mißverhältnis zur Gesamtzahl der Studierenden an der Uni Wien. In EDV-ferneren Fachbereichen haben die Studenten im allgemeinen kaum eine Chance, für ihre Arbeit an ein von der Universität bereitgestelltes EDV-Gerät heranzukommen. Unter der simplen Annahme, daß im Durchschnitt jeder Student nur eine Stunde pro Woche auf einem PC arbeiten möchte, würde das die Bereitstellung von etwa 1000 PCs für die studentische Nutzung erfordern - das EDV-Zentrum entspricht diesem Bedarf mit seinen 18 PCs im derzeitigen PC-Raum im NIG jedoch keineswegs.

Daß die Studenten trotz dieser Verhältnisse irgendwie zurechtkommen, liegt daran, daß sich mittlerweile die meisten von ihnen entweder ihren eigenen PC gekauft haben oder zumindest irgendwo einen PC mitbenutzen können. Das mag für Textverarbeitung und ähnliche Anwendungen völlig ausreichen, bietet jedoch im allgemeinen keinen Anschluß an das Universitätsdatennetz. Zwar ist grundsätzlich mit einem PC (bei Anschaffung eines Modems) ein Zugang zum Datennetz auch von zuhause über einen Telefonanschluß möglich, doch verlagert das unser Problem nur auf die zweite genannte Voraussetzung: die sachkundige Betreuung. Kaum einem EDV-Anwender gelingt es auf Anhieb (trotz Handbüchern und Betriebsanleitungen), ohne fremde Hilfe seinen PC und sein Modem über eine Wählleitung an das Datennetz anzuschließen (siehe SLIP sliding away, Comment 95/1 ). Das EDV-Zentrum ist aber in der gegenwärtigen Situation personell einfach nicht in der Lage, diesen Umfang an Betreuung zu leisten: Wenn nur jeder zehnte Student der Uni Wien tatsächlich einen Netzzugang herstellen will und wenn jede dieser Personen sich nur ein einziges Mal im Jahr an das EDV-Zentrum um Hilfe wendet, bedeutet das bereits mehr als 20 Beratungsfälle pro Tag, Sonn- und Feiertage eingeschlossen.

Das EDV-Zentrum beabsichtigt daher, dieses Betreuungsproblem gemeinsam mit der Österreichischen Hochschülerschaft anzupacken und den Studenten als primäre Anlaufstelle bei Schwierigkeiten im Gebrauch des Datennetzes die Beratungsstellen der ÖH anzubieten. Auch die Firma Comp Delphin, der Computershop des ÖH-eigenen Universitätsverlages WUV, könnte den Studenten durch ein günstiges Paket-Angebot eines "Internet-PC" mit passend eingestelltem Modem und vorkonfigurierter Kommunikationssoftware den Datennetz-Zugang via Wählleitung erleichtern. Das EDV-Zentrum hat kürzlich zusätzliche Wählleitungsanschlüsse in Betrieb genommen und mit leistungsfähigen Modems ausgestattet und wird diesen Netzzugang dem Bedarf entsprechend auch noch weiter ausbauen. Sofern das Betreuungsproblem in Zusammenarbeit mit der ÖH gelöst werden kann, soll bis zum Wintersemester 1995/96 ein eigener Mailbox-Rechner für Studierende in Betrieb genommen werden, damit zumindest alle Studenten der Universität Wien, die Zugang zu einem PC mit Netzanschluß haben (sei es in Räumen der Universität oder über Wählleitung), in halbwegs befriedigender Weise die Services des Internet nutzen und eMail für ihre Arbeit einsetzen können.

eMail für alle ...

Die faszinierenden Möglichkeiten, welche die elektronische Kommunikation heutzutage für den Universitätsbetrieb bietet, lassen geradezu ein "Grundrecht auf einen Internet-Anschluß" für alle Universitätsangehörigen fordern. Der Akademische Senat der Universität Wien hat daher kürzlich (in seiner Sitzung vom 23. März 1995) einen umfassenden Grundsatzbeschluß über die Telekommunikation an der Uni Wien gefaßt, in welchem das EDV-Zentrum unter anderem beauftragt wird, das in den letzten Jahren begonnene Innovationsprogramm zur Verbesserung der universitären Kommunikationsinfrastruktur mit folgenden Schwerpunkten zu verwirklichen:

  • flächendeckende Verkabelung aller Universitätsgebäude unter Einbeziehung der gesamten kommunikationstechnischen Infrastruktur;
  • vollständige Vernetzung der Universitätsgebäude untereinander mit einem leistungsfähigen Backbone-Netz, einschließlich der Integration des Telefon-Nebenstellennetzes der Universität;
  • leistungsfähige Anbindung des Universitäts-Datennetzes an externe Netze (im Raum Wien, in Österreich, international);
  • Datennetzzugang für alle Universitätsangehörigen in allgemein zugänglichen Räumen;
  • Schaffung von Zugangsmöglichkeiten zum universitären Datennetz von außerhalb der Universität (Netzzugänge von Privatwohnungen aus, Netzanbindung von Studentenheimen, etc.);
  • Einsatz elektronischer Dienste (eMail usw.) für die inneruniversitäre und die externe Kommunikation;
  • Aufbau und Betrieb zentraler Informationsservices der Universität ("Info-Server").

Wem sollen nun diese elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten zugute kommen, wer sind die "Universitätsangehörigen", für die ein "Grundrecht auf einen Internet-Anschluß" postuliert wurde? Das Universitätsorganisationsgesetz gibt präzise Auskunft über den Kreis der Universitätsangehörigen (§22 UOG bzw. §19 UOG'93): Wissenschaftliches Personal (Universitätsprofessoren, emeritierte Universitätsprofessoren, Gastprofessoren, Honorarprofessoren, Universitätsdozenten, Universitätsassistenten, Lehrbeauftragte, Ärzte in Ausbildung zum Facharzt, Studienassistenten einschließlich Demonstratoren und Tutoren sowie Gastvortragende), Allgemeine Universitätsbedienstete und Studierende.

Alle diese Personen sollen sich also auch mit ihrer persönlichen eMail-Adresse als Angehörige der Universität Wien ausweisen. Das EDV-Zentrum hat daher ein entsprechendes Konzept für die universitätsweit einheitliche Vergabe von eMail-Adressen entwickelt, um die Verwendung von eMail zu erleichtern und die "Corporate Identity" der Universität Wien zu betonen. Wie bereits erwähnt, erhalten alle Bediensteten der Universität, aber auch die meisten übrigen, nicht im Dienststand der Universität befindlichen Universitätsangehörigen (Lehrbeauftragte, Gastprofessoren, etc.) eine aus ihrem Vor- und Zunamen gebildete Mailadresse. Nur die zahlenmäßig dominierende Gruppe der Studierenden kann nicht einfach mit Personennamen adressiert werden - nicht zuletzt wegen der allzu häufigen Namensgleichheiten. Hier bildet die Matrikelnummer eine mögliche Adressierungs-Alternative, die auch auf dem zukünftigen Studenten-Mailbox-Rechner implementiert werden wird.

Gleichzeitig muß den Studenten eine "automatische" Vergabe der Benutzungsberechtigungen zur Verfügung stehen, die es den künftigen Netzbenutzern erlaubt, gewissermaßen in Selbstbedienung ihre Benutzeridentifikationen und Paßwörter für den Netzzugang zu erhalten, ohne Antragsformulare ausfüllen oder an irgendeiner Servicestelle vorsprechen zu müssen - die administrative Bewältigung der großen Zahl potentieller Benutzer ist einfach nicht anders möglich. Andererseits müssen die nötigen Vorkehrungen zum Datenschutz und zur Verhinderung eines mißbräuchlichen Netzzuganges getroffen werden, was insgesamt das EDV-Zentrum vor keine leichte Aufgabe stellt. Sobald hiefür eine befriedigende Lösung entwickelt wurde, wird auch den Universitätsbediensteten eine ähnliche automatische Vergabe ihrer Benutzungsberechtigungen auf dem Mailbox-Rechner zur Verfügung gestellt werden - vorerst sind die eMail-Adressen für diesen Personenkreis noch mit dem entsprechenden Anmeldeformular (Ansuchen um Rechnerbenutzung) am EDV-Zentrum zu beantragen. Grundlage für diese automatische Vergabe von Benutzungsberechtigungen ist die von der Universitätsdirektion verwaltete Datenbank der Studenten- bzw. Personaldaten, die den "offiziellen" Stand der zur Universität Wien gehörigen Personen widerspiegelt. Wer in dieser Datenbank nicht aufscheint, aber dennoch Universitätsangehöriger im Sinne des UOG ist (z.B. Privatangestellter eines Universitätsinstituts), wird seine Benutzungsberechtigung auch weiterhin via Antragsformular erhalten.

... auch für "Unpersonen"

Nicht nur physische Personen können Empfänger von eMail sein. Oft möchte man eine eMail an eine Universitätseinrichtung senden, ohne den konkreten Namen des Empfängers zu kennen - etwa an ein Institut, an die ÖH, an den Dienststellenausschuß, an eine Studienkommission, an die Redaktion der Universitätszeitung, an den Akademischen Senat usw. Das EDV-Zentrum vergibt daher auf Antrag auch eMail-Adressen an "juridische Personen", die im Universitätsbetrieb eine entsprechende Rolle spielen. An welche konkrete Person (oder auch an mehrere Personen gleichzeitig) dann unter solchen Adressen einlangende Nachrichten tatsächlich zugestellt werden, liegt in der Entscheidung des Antragstellers und kann von diesem ohne Einschaltung des EDV-Zentrums am Mailbox-Rechner eingetragen und geändert werden (siehe Forwarding: Automatisches Weiterleiten von eMail und "Service-Mailadressen" für Institute ).

Alle Institute und sonstigen Dienststellen der Universität Wien haben jedenfalls mit dem EDV-Zentrum bereits eine für ihre "institutionelle" eMail-Adresse geeignete Kurzbezeichnung vereinbart, unter der sie künftig elektronisch erreichbar sein sollen. Bevor dieses Service allerdings tatsächlich in Betrieb gehen kann, müssen noch Maßnahmen für die Zustellung von eMail getroffen werden, die für Institute ohne eMail-Anschluß einlangt - etwa Übersendung der ausgedruckten eMail per Post oder per Fax (das EDV-Zentrum wird darüber zum gegebenen Zeitpunkt näher informieren). In Vorbereitung befindet sich am EDV-Zentrum ferner ein neuer "Listserver", um die elektronische Kommunikation in den diversen Kommissionen und Arbeitsgruppen der Universität mit Hilfe von Mailinglisten besser zu unterstützen.

Die Entwicklung der Universität Wien zu einem Unternehmen, dessen Angehörige sich in allen Bereichen der täglichen Arbeit ganz selbstverständlich der elektronischen Kommunikation bedienen, erfordert zugegebenermaßen noch manche Anstrengungen. Aber ganz im Sinne des Grundsatzbeschlusses des Akademischen Senats hat das EDV-Zentrum schon seit mehreren Jahren sein Augenmerk auf den Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur der Universität Wien gerichtet und bereits wesentliche Teilaspekte dieses Innovationsprogramms verwirklicht. Eine wichtige Unterstützung hiebei verdanken wir Rektor Ebenbauer, für den - als ersten Rektor in der 630jährigen Geschichte der Universität Wien - electronic Mail ein selbstverständliches Kommunikationsmittel geworden ist.

Es gehört jedenfalls heute an der Universität Wien bereits zum guten Ton, am Netz zu hängen und via eMail zu korrespondieren: Auf den Visitenkarten der Führungskräfte der Universität steht neuerdings neben der Telefon- und der Fax-Nummer auch die persönliche eMail-Adresse.