Das CD-ROM-Netzwerk an der UB Wien

von Dipl.-Ing. Gerhard Kneidinger (UB Wien), (Ausgabe 95/1, Februar 1995)

 

Kasten: Wie funktioniert das CD-ROM-Netzwerk?

 

In den letzten Jahren war mit dem Ausbau weitreichender Datennetze erneut ein wesentlicher Fortschritt in der Informationstechnologie zu verzeichnen. Diese ständig steigende Vernetzung der PCs, wenn sie auch manchmal fast unbemerkt und wenig spektakulär geschieht, stellt einen noch bedeutungsvolleren Durchbruch dar als die Entwicklung und massive Verbreitung der Mikrocomputer. Es gibt schon jetzt kaum mehr ein Büro, in dem nicht zumindest ein PC als Hilfsmittel eingesetzt wird. Aber so vielseitig dieses Werkzeug auch sein mag, so sind doch die Möglichkeiten eines isolierten PCs beschränkt. Dagegen scheinen die Anwendungsgebiete eines vernetzten Computers schier unbegrenzt, denn so wie in jedem System das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, so ist auch ein Datennetz mehr als eine Ansammlung von Computern, die durch irgendwelche Leitungen verbunden sind. Es wird vielmehr zu einer gewaltigen und unaufhaltsam wachsenden Quelle von Informationen, Kommunikationsmitteln und Dienstleistungen. Eine dieser Dienstleistungen im Datennetz der Universität Wien ist das CD-ROM-Netzwerk der Universitätsbibliothek.

Schon seit einem Jahr wird über das Datennetz der Universität Wien im Testbetrieb ein Dienst der Universitätsbibliothek angeboten, der jedem Universitätsangehörigen den Zugang zum ständig wachsenden Angebot an CD-ROM-Datenbanken an der Bibliothek ermöglicht. Die zugrundeliegende Technik (siehe Kasten) hat ein Stadium erreicht, in dem auch eine größere Menge von Benutzern ohne Probleme bedient werden kann; und auch die Anzahl der Datenbanken braucht einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Im Gegenteil, das CD-ROM-Netzwerk ist bereits im Begriff, die europaweit größte Installation dieser Art zu werden.

Obwohl noch kleinere Instabilitäten zu verzeichnen sind, verlangte doch das riesige Angebot an verfügbaren CDs, ab 1. Jänner 1995 endgültig den offiziellen Betrieb aufzunehmen. Die noch vorhandenen Instabilitäten, die natürlich laufend ausgemerzt werden, resultieren vor allem aus der Verwendung neuester Hard- und Softwaresysteme, die leider in den letzten Jahren in zunehmendem Maß den Anschein von überhastet ausgelieferten Prototypen erwecken. Andererseits erhält man aber damit ein System, das ohne wesentliche Umbauten und trotz der rasenden Entwicklung in allen Bereichen der Computerbranche über einen längeren Zeitraum hinweg dem Stand der Technik entsprechen dürfte.

Was bedeutet das CD-ROM-Netzwerk für den Benutzer?

Zur Zeit stehen 66 verschiedene Datenbanken zur Verfügung, die bibliographische Werke, Datenbanken mit Abstracts und Volltextdatenbanken aller Wissensgebiete umfassen. (Eine Liste befindet sich am Ende dieses Artikels.) Das CD-ROM-Netz selbst ist 365 Tage im Jahr und üblicherweise 24 Stunden pro Tag in Betrieb. Nur jeden Dienstag von 15.00 bis 22.00 Uhr ist der Server wegen Wartungsarbeiten nicht verfügbar.

Wer darf und kann diesen Dienst benutzen?

Zuerst einmal aus lizenzrechtlichen Gründen nur die Angehörigen der Universität Wien. In technischer Hinsicht besteht die Einschränkung in erster Linie in der Zugangsmöglichkeit zum Datennetz der Universität Wien und in der Verfügbarkeit eines PCs. (Leider ist der Zugang von einem Apple-Computer oder einem Unix-Rechner aus nicht möglich.) Darüber hinaus muß dieser PC in einem sorgfältig konfigurierten Zustand sein, da ein Großteil der Abfragesoftware sehr viel Speicher im konventionellen Memory benötigt. Die vorhandene TCP/IP-Software muß natürlich ebenfalls geladen sein. Die einzige zusätzliche Software kann man sich sehr leicht vom CD-ROM-Server selbst mittels FTP besorgen:

ftp cdnet.ub.univie.ac.at
User-ID=
CDNET (bitte unbedingt groß schreiben)
Paßwort=
CDNET (bitte ebenfalls groß schreiben)
binary
get ultra2.exe
quit

Sinnvollerweise transferiert man diese Datei in ein zuvor erstelltes Verzeichnis mit Namen \ultra2 und ruft sie dort einfach auf, damit sie sich selbst entpacken kann. Auf die oben angegebene Weise kann man sich auch die verfügbaren Beschreibungen zum CD-ROM-Netzwerk beschaffen. Die Namen der Dateien lauten:

* cdinst.doc Installationsanleitung
* cdliste.doc Liste der verfügbaren CD-ROM-Datenbanken
* cdanleit.doc Sammlung von Kurzanleitungen zur Benutzung dieser Datenbanken

Sollten all diese Voraussetzungen erfüllt sein, muß man sich nur noch mit der betreffenden Stelle an der Universitätsbibliothek in Verbindung setzen, um seinen PC für den Zugang zum CD-ROM-Server freigeben zu lassen. Diese Anmeldung erfolgt in der

Universitätsbibliothek Wien
Abteilung ADV
Dipl.-Ing. Gerhard Kneidinger oder Günther Müller
Tel.: 40103-2257

Die dafür benötigten Informationen sind die IP-Adresse des betreffenden Computers sowie Name und Adresse des zugehörigen Benutzers. Die IP-Adresse findet man z.B. beim Programmpaket PC/TCP im gleichlautenden Verzeichnis in einer .ini-Datei, die meistens "pctcp.ini" oder "pcneu.ini" heißt. Eine andere Möglichkeit, diese Adresse zu erfahren, bietet der Befehl inet stat, der in der Rubrik "address" die geforderte Information anzeigt.

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Die bis jetzt gesammelten Erfahrungswerte zeigen, daß das CD-ROM-Netzwerk von seiten der Benutzer mit großem Interesse, ja mit Enthusiasmus angenommen wird, obwohl hinsichtlich Betreuung und Schulung aufgrund des eklatanten Personalmangels sicherlich noch erheblicher Nachholbedarf besteht. Die Universitätsbibliothek Wien, die die Wartung und Betreuung des CD-ROM-Netzwerks und die erheblichen Kosten für die Anschaffung der CD-ROMs übernimmt, und das EDV-Zentrum der Universität Wien, das die Hardwarekosten trägt, sind aber trotz aller Widrigkeiten bemüht, dieses Service auch in Zukunft noch weiter auszubauen und zu verbessern.

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Bibliographien, Bibliothekskataloge, Nachschlagewerke, ...

* Art Index
* Bibliografía Nacional Española desde 1976
* Bibliographie Nationale Française sur CD-ROM
* Bibliography of Biography on CD-ROM
* Biography Index
* BNB - British National Bibliography on CD-ROM
* Books Out of Print Plus
* Boston Spa Serials on CD-ROM
* British Library General Catalogue of Printed Books to 1975 on CD-ROM
* CDMARC Bibliographic
* Deutsche Hochschulschriften
* Deutsche Nationalbibliographie - Musik
* Deutsche Nationalbibliographie on CD-ROM
* Deutsche Zeitschriftendatenbank
* Èlectre Biblio
* Film Index International
* Global Books in Print Plus
* IBZ - Internationale Bibliographie der Zeitschriftenliteratur
* Index translationum
* ISBN - Spanish Books in Print
* ISSN Compact
* Music Index
* MYRIADE - Le Catalogue Collectif National des Publications En Série sur CD-ROM
* Österreichische Historische Bibliographie
* Österreichischer Verbundkatalog auf CD-ROM (OPAC)
* RBIP - Russian Books in Print
* Serials Directory
* SIGLE
* Ulrichs Plus
* VLB Aktuell - Verzeichnis lieferbarer Bücher
* VLZ - Verzeichnis lieferbarer Zeitschriften
* VVB - Verzeichnis vergriffener Bücher
* Zeitungsindex

Fachspezifische Datenbanken

* AGELINE
* America: History and Life
* Arbeitsrecht
* Arts & Humanities Citation Index
* Cross Cultural
* Current Contents (AGRI, LIFE, PHYS)
* Dissertation Abstracts OnDisc
* ERIC on Silverplatter
* EUROCAT
* GEOBASE
* GeoRef
* Historical Abstracts on Disc
* In Principio, Incipit Index of Latin Texts
* Information Science Abstracts Plus
* Kants gesammelte Schriften
* LISA Plus
* Literaturdokumentation Bildung
* MLA - International Bibliography
* Past Masters
* PHI CD Classical Texts (Latin, Greek)
* PSYNDEX on Silverplatter
* PycLIT on Silverplatter
* Robert Electronique
* SCAD + CD
* Sophia - European Databases in the Humanities
* Sport Discus (incl. Héraclès)
* UKOP - United Kingdom Official Publications
* WISO 1,2,3

Wie funktioniert das CD-ROM-Netzwerk?

Die Technologie, die derzeit hinter dem CD-ROM-Netzwerk der Universitätsbibliothek Wien steckt, besteht im wesentlichen aus einem einfachen PC, der als Server fungiert. Allerdings ist dieser PC mit einem Multiprozessor-Board ausgestattet, das wiederum mit zwei 90 MHz-Pentium-Prozessoren und 96 MByte RAM bestückt ist. Schnelle PCI-SCSI-Controller kontrollieren mehrere Festplattentürme, die insgesamt eine Kapazität von über 68 GB aufweisen. Eine leistungsfähige Netzwerkkarte verbindet den Server mit dem lokalen Ethernet und damit auch mit dem Universitätsdatennetz. Zwei externe Pioneer-Juke-Boxen (6fach CD-Wechsler) und ein internes CD-ROM-Laufwerk vervollständigen den Hardware-Pool. Als Betriebssystem des Servers wird WindowsNT 3.5 eingesetzt, unter dem die eigentliche CD-ROM-Netzwerk-Software der Firma R&R-Meßtechnik aus Graz läuft, die den Verbindungsaufbau zwischen den einzelnen Clients und den Datenbanken steuert.

Die Funktion des CD-ROM-Netzwerkes besteht nun darin, beliebige CDs mittels eines speziellen Programms auf die Festplatten zu übertragen und dort auf diese Weise virtuelle CDs zu erzeugen. Die ebenfalls notwendige Abfragesoftware (Retrieval) für eine spezielle CD wird ebenfalls in gepackter Form auf einer der Festplatten abgelegt. Versucht nun ein Universitätsangehöriger, von seinem PC aus über das Netz auf eine (virtuelle) CD-ROM-Datenbank zuzugreifen, wird zuerst die IP-Adresse des PCs mit den gespeicherten Adressen der berechtigten Benutzer verglichen. Bei Übereinstimmung wird danach das gepackte Retrieval an den anfragenden PC übermittelt, dort lokal entpackt und aufgerufen. Spezielle Netzwerktreiber simulieren dabei für diese Software, daß die Zugriffe auf die entfernte virtuelle Datenbank eigentlich Zugriffe auf ein lokales CD-ROM-Laufwerk darstellen. Nach Beenden der Recherche wird die Verbindung zum Server unterbrochen, alle Spuren des Retrievals auf der lokalen Festplatte werden beseitigt - einer erneuten Auswahl einer Datenbank aus dem Menü steht nichts mehr im Weg.

Man erkennt allerdings bereits das Hauptproblem bei dieser Vorgangsweise: Da ein bestimmtes Retrieval dafür konzipiert wurde, allein die gesamten Ressourcen eines PCs verwenden zu können, wurde keinerlei Rücksicht auf speicherplatzsparende Programmierung genommen. Somit ist die Bereitstellung von ausreichend Arbeitsspeicher nach Laden der Netzwerksoftware und aller benötigten Treiber unverkennbar das Hauptproblem beim Betrieb. Die Erfahrungen im letzten Jahr haben allerdings gezeigt, daß fast alle modernen PCs (ausgestattet mit entsprechend neuen Betriebssystem-Versionen) so konfigurierbar sind, daß genügend Speicher unter 640 KB freigemacht werden kann.