Die Universität Wien im WorldWideWeb
Der neue Info-Server steht kurz vor der Eröffnung

von Raphael Kirchner (Ausgabe 95/1, Februar 1995)

 

Kasten: Was ist ein URL? II
Kasten: Stichworte zum WWW (Kurzlexikon)
Kasten: Was heißt Client-Server?

 

Zu Beginn des Sommersemesters 1995 wird ein allgemeiner Info-Server der Universität Wien offiziell zur Verwendung freigegeben werden. Nach eingehenden Überlegungen wurde zur Realisierung dieses Projektes die sich weltweit rasant etablierende "WorldWideWeb"-Technologie (kurz "WWW" oder auch "W3") gewählt, da sie eine ganze Reihe von Vorteilen bietet.

Was ist das WorldWideWeb?

Ursprünglich am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf zur internen Informationsverteilung auf Basis des Internet ersonnen, fand die Idee schnell Anklang und breitete sich mit beeindruckender Geschwindigkeit im ganzen Netz aus. Wesentlichen Anteil an dieser rasanten Entwicklung hatte auch Mosaic, die am National Center for Supercomputing Applications (NCSA) in Urbana/Illinois für das WorldWideWeb entwickelte Browser-Software.

Das Konzept ist einfach: Man stelle sich ein Programm vor, das Texte anzeigen kann wie ein einfaches Textverarbeitungsprogramm (also in verschiedenen Größen, fett, kursiv usw.), außerdem Bilder zur Auflockerung bzw. Veranschaulichung. Dann erinnere man sich an die aus Lexika bekannte Methode, Verweise auf andere Passagen im Text selber oder in anderen Bänden des Lexikons mit Pfeilen und dergleichen zu markieren. Das WWW realisiert dies nun auf elektronischem Weg, sodaß bestimmte Wörter im Text "aktiv" sind, d.h. mit der Maus angeklickt werden können, und das Blättern zur verwiesenen Textstelle oder der Griff ins Bücherbord automatisch erledigt werden (der "Griff in das Regal" findet im WWW durch das Herstellen einer Verbindung zu einem entfernten Rechner und das Übertragen der gesuchten Dokumente auf den eigenen, lokalen Arbeitsplatzrechner statt).

Inzwischen kann das WWW noch einiges mehr, als nur Texte mit elektronischen Verweisen zu präsentieren, aber das grundlegende Prinzip (welches auch "Hypertext" genannt wird) ist geblieben.

Vorteile des WWW

Der Grund für die wachsende Popularität liegt einerseits in der Möglichkeit der ansprechenden Gestaltung und der sehr einfachen Bedienung - selbst völlig Ungeübte finden sich auch in einem umfangreichen WWW-Informationssystem ohne Bedienungsanweisung rasch zurecht -, andererseits in der "Offenheit" des Systems in mehrfacher Hinsicht:

  • Benutzer können mit jedem beliebigen Computer in das WWW einsteigen, und Bedienung wie Aussehen sind auf einer High-End-Workstation gleich wie auf einem kleinen Macintosh - nur bei völlig graphikunfähigen Geräten muß man auf etwas Ästhetik verzichten. Dieser Vorteil ist eine Folge der Client/Server-Technik, die vom WWW verwendet wird.
  • Innerhalb eines Info-Servers auf WWW-Basis können verschiedene andere Internet-Services (wie Gopher, FTP, Archie, WAIS und News) den Benutzern zugänglich gemacht werden, ohne daß sich die Bedienung ändert - was zu einer merklichen Reduktion von Verwirrung und Frustration beitragen kann.
  • Ein WWW-Server kann "fremde" Services mitverwenden (z.B. Datenbanken, die auf einem ganz anderen System laufen und deren Bedienung Nicht-Computerfreaks überfordern würde), und sie den Benutzern so präsentieren, daß diese vielleicht gar nicht bemerken, daß im Hintergrund "heimlich" ein komplexer Vorgang abläuft.

Der Info-Server der Universität

Die Idee eines Info-Servers für die Universität Wien ist nicht ganz neu. Seit etwa zwei Jahren läuft das Gerüst eines solchen Systems in gleich dreifacher Ausfertigung (als Gopher-, Hyper-G- und WWW-Server) - allerdings wurde es nur für Softwaretests benutzt und enthielt kaum Informationen. Da inzwischen immer mehr Universitäten über weitaus repräsentativere und nutzbringendere Info-Server verfügen, scheint der Zeitpunkt mehr als gekommen zu sein, diesen unrühmlichen Zustand zu ändern.

Was bietet der Info-Server?

Unter einer einheitlichen, leicht zu bedienenden Oberfläche, wie sie durch den Einsatz der WWW-Technologie möglich ist, werden im Laufe des Jahres unter anderem die folgenden Informationsquellen verfügbar sein (bzw. können teilweise bereits verwendet werden):

  • Die Personaldatenbank der gesamten Universität (die mittlerweile neben dem Personal im Dienststand der Universität auch die Lehrbeauftragten enthält),
  • ein Verzeichnis der Institute und sonstigen Universitätseinrichtungen,
  • das Vorlesungsverzeichnis (geplant ist eine elektronische Herausgabe der Vorlesungsverzeichnisse der letzten zehn Jahre, um etwa die Suche nach Veranstaltungsnummern für die Einreichung von Zeugnissen zu erleichtern),
  • Informationen über die Organisationsstruktur der Universität (auch in graphischer Form),
  • Informationen über die Bibliotheken (mit der Möglichkeit, das altbekannte BIBOS in moderner, leichter zu bedienender Form abzufragen),
  • die Publikationen des EDV-Zentrums (Bedienungsanleitungen, Formulare usw.) als PostScript-Dateien und - allerdings nur die wichtigsten - in direkt lesbarer WWW-Form (wenn alles klappt, auch der Comment),
  • Zugang zu den "klassischen" Services wie Archie, News, dem FTP-Server der Uni, und - nicht zuletzt! -
  • übersichtliche und getestete Ausfahrten auf den Info-Highway in Österreich und der ganzen Welt (d.h. Sie können sich vom Info-Server der Universität Wien aus zu beliebigen Servern "durchklicken").

Welche Software braucht man?

Es ist inzwischen eine ganze Reihe von WWW-Browsern für alle üblichen Plattformen erhältlich (beim neuen OS/2 ist ein solcher sogar im Lieferumfang enthalten) und über den FTP-Server der Universität Wien zu beziehen:

IBM-kompatible PCs

MS-DOS: Wer ausschließlich unter DOS arbeiten muß, da sich sein PC nicht mit Windows aufrüsten läßt, hätte an sich die Möglichkeit, den rein textorientierten Browser "Lynx" zu verwenden. Leider kann dies nicht empfohlen werden, da Lynx für DOS im Gegensatz zu seinem Unix-Pendant nicht ernsthaft funktioniert.

MS-Windows: Hier beginnt die eigentliche Domäne des WorldWideWeb, d.h. es gibt mehrere Programme, die mehr oder weniger alle Möglichkeiten des WWW ausschöpfen (nebenbei bemerkt: Es gibt derzeit kein einziges Programm, das wirklich alle zur Zeit machbaren Stückerln spielt, was einfach an der rasanten Geschwindigkeit der Entwicklung liegt). Der klassische Web-Browser schlechthin ist "NCSA Mosaic", ein - obwohl einer Universität entstammend - sehr professionelles Werkzeug, das am FTP-Server der Uni Wien im Verzeichnis /pc/windows/mosaic gefunden werden kann.

Noch empfehlenswerter ist derzeit allerdings eine kommerzielle Entwicklung namens "Netscape", die um einiges stabiler läuft als Mosaic und darüber hinaus ein paar nützliche Fähigkeiten mehr bietet. Netscape ist beispielsweise ein vollwertiger News-Reader - vor allem einer der wenigen, die in der Lage sind, die Flut der Artikel logisch zu ordnen und übersichtlich darzustellen. Eine für den Info-Server der Universität Wien vorkonfigurierte Version (www_win.exe), die von allen Universitätsangehörigen kostenlos verwendet werden kann, befindet sich am FTP-Server im Verzeichnis /univie/edvz/progs. Die dazugehörige Installationsanleitung liegt gleich daneben und heißt www_win.ps.

Apple Macintosh

Für den Mac gilt dasselbe wie für Windows - die entsprechenden Programme sind NCSAMosaicxxx.sit.hqx (Verzeichnis: /mac/mosaic) und www_mac.sea.hqx (= Netscape; Verzeichnis: /univie/edvz/progs).

Unix

X-Windows: Auch unter X-Windows sind Mosaic und Netscape die verbreitetsten Klienten; Netscape ist vor allem in der Geschwindigkeit deutlich überlegen. In Anbetracht der Zahl der verschiedenen X-Plattformen wird hier auf die genaue Angabe der einzelnen Quellen verzichtet. Auf folgenden Servern sind Binaries für eine Reihe von Systemen zu finden: ftp.ncsa.uiuc.edu (Verzeichnis: /Web/Mosaic/Unix/binaries) und ftp.mcom.com (Verzeichnis: /netscape/unix).

Terminal: Wer auf einem rein terminalorientierten Unix-Rechner arbeitet, braucht auf den Komfort des WWW trotzdem nicht zu verzichten. Der WWW-Klient "Lynx" kann mehr, als man vielleicht glauben würde. Sogar die Suche in verschiedenen Datenbanken (die sogenannte "Formulare" benötigt, auf denen sich ankreuzbare Check-Boxen, Eingabefelder, Knöpfe und Pull-down-Menüs befinden können) kann ohne Probleme ausgeführt werden. Ein hartnäckiger, sich jedem Lösungsversuch widersetzender Schönheitsfehler ist leider die Zerstörung der Umlaute. Lynx ist auch für diejenigen interessant, die über Modem auf dem Mailbox-Rechner arbeiten - via Modem ist der Verlust der Graphiken sogar eher ein Vorteil.

VM-Rechenanlage

Benutzer der VM-Rechenanlage des EDV-Zentrums müssen beim derzeitigen Stand der Technik leider auf den WWW-Zugang zum Info-Server verzichten.

Stichworte zum WWW

Wer unvorbereitet mit dem WorldWideWeb in Berührung kommt, sieht sich trotz aller hübschen Graphik und Benutzerfreundlichkeit mit einigen unverständlichen Begriffen konfrontiert. Die wichtigsten versucht das folgende Kurzwörterbuch zu klären.

Browser - engl. "to browse" abgrasen, herumlesen; aufgrund der Eigentümlichkeit des Lesestils im Internet hat sich für WWW--->Klienten auch die Bezeichnung B. eingebürgert.

clickable image (auch "sensitive map") - ein Bild (z.B. eine Landkarte), in dem verschiedene Bereiche als -->Links zu anderen Dokumenten fungieren (z.B. zu einem vergrößerten Ausschnitt der Landkarte). Im WWW wegen der Möglichkeit übersichtlicher Darstellung von komplexen Informationen weit verbreitet.

Formular - auf WWW-Seiten können (etwa zur Datenbankabfrage) Felder plaziert werden, in die man z.B. Suchbegriffe schreiben und durch Anklicken eines Knopfes an den -->Server zur Weiterverarbeitung durch -->Gateways abschicken kann. Ein F. kann auch vorgegebene, mit Pull-Down-Menüs oder Check-Boxen aktivierbare Wahlmöglichkeiten enthalten.

Gateway - engl. Tor(weg), Einfahrt; im Zusammenhang mit WWW versteht man darunter spezielle Programme, die den -->Server in die Lage versetzen, mit beliebigen anderen Programmen zu kommunizieren und diese somit in ein WWW-System einzubinden (ohne dabei zusätzliche Anforderungen an den -->Klienten zu stellen!). Über ein G. kann z.B. ein "Leserbrief" an die Redaktion des neuen Info-Servers geschickt werden: Man schreibt den Brief in ein -->Formular und drückt den "Brief abschicken"-Knopf, worauf der Inhalt des Formulars an den Server übermittelt wird. Dieser reicht ihn an das G. weiter, welches den Text ein wenig aufbereitet und ein Mailprogramm aufruft, um den Text an die Redaktion weiterzuleiten. Auf dieselbe Weise können auch die Datenbanken des Info-Servers abgefragt werden, wobei das G. die Suchergebnisse zusätzlich in übersichtlich gestaltete WWW-Seiten verwandelt.

HTML - engl. "hypertext markup language"; die Sprache, in der WWW-Dokumente verfaßt werden. Das Prinzip ist dem älterer Textverarbeitungsprogramme verwandt: In den eigentlichen Text werden Steuerzeichen eingefügt, die die verschiedenen Überschriften, fette und kursive Passagen sowie das Einfügen von Bildern und -->Links zu anderen Dokumenten festlegen. Es sind mittlerweile spezielle HTML-Editoren erhältlich, die einem die lästige Arbeit des Tippens der Steuerzeichen erleichtern, aber leider (noch) nicht abnehmen.

http - engl. "hypertext transfer protocol"; bezeichnet das -->Protokoll, welches im WWW verwendet wird. http ist speziell auf das Navigieren in -->Hypertexten ausgerichtet und verzichtet auf das Herstellen einer dauerhaften Verbindung zwischen den kommunizierenden Rechnern. Statt dessen werden nur einzelne Anfragen und Antworten hin- und hergeschickt und die Verbindung nach erfolgreicher Übertragung der Antwort wieder abgebrochen. Am Kürzel "http" am Beginn eines -->URL erkennt man, daß dieser auf einen WWW--->Server zeigt.

Hypertext - Das Prinzip ist den üblichen Verweisen in Lexika verwandt: Im Text sind bestimmte Wörter (-->Links) markiert (im WWW meist blau), die auf andere Stellen im selben Text oder in anderen Dokumenten verweisen. Durch einen Mausklick wird man zur betreffenden Stelle weitergeschaltet. H. hat weite Verbreitung in Online-Hilfesystemen wie der MS-Windows-Hilfe gefunden und wurde in -->Multimedia-Systemen wie dem WWW in Richtung auf ein neues Massenmedium erweitert.

Klient - (oder engl. "Client") Programm, das auf einem Arbeitsplatzrechner läuft und die Aufbereitung der Daten sowie die Kommunikation mit dem -->Server übernimmt (siehe Was heißt Client/Server?). Gebräuchliche WWW-Klienten sind NCSA Mosaic und Netscape.

Link - engl. "to link" verbinden; im Zusammenhang mit dem WWW ist darunter eine Textpassage, ein Knopf oder ein Bereich eines -->"clickable image" zu verstehen, der "aktiv" ist, d.h. mit der Maus angeklickt werden kann, worauf man zu einem anderen Dokument "verbunden" wird. In -->Hypertext-Systemen spricht man auch von "Hyperlinks".

Multimedia - die Verbindung von verschiedenen Medien wie Texten, Bildern, Klängen und Filmen in einem Dokument bzw. einer Präsentation. Die inzwischen im WWW mögliche "automatische Erzeugung" von Dokumenten nach Datenbank-Abfragen sollte dem als eigene Kategorie hinzugefügt werden. Im Zusammenhang mit der Verwendung von Multimedia-Präsentationen in -->Hypertext-Systemen wie dem WWW wurde auch der Begriff "Hypermedia" geprägt.

Protokoll - die Sprache, in der zwei Rechner (oder z.B. Faxgeräte, Modems) miteinander "sprechen". Für das Zustandekommen einer Kommunikation zwischen zwei Geräten ist es - wie zwischen Menschen - notwendig, daß beide zumindest eine gemeinsame Sprache sprechen. WWW--->Klienten sprechen mehrere Protokolle, um auch mit "fremdsprachigen" (z.B. Gopher- oder FTP-)-->Servern reden zu können.

Server - engl. "to serve" bedienen; bezeichnet einerseits (physisch) einen Rechner, der nicht zum interaktiven Arbeiten (als "Workstation") verwendet wird, sondern in einem Netzwerk von vielen anderen Rechnern als zentrale Datenbank, als Archiv (z.B. von WWW-Dokumenten) und dergl. genutzt wird; andererseits auch Programme, die auf einer solchen Maschine laufen und alle möglichen Services (wie FTP, Gopher und WWW) anbieten (siehe Was heißt Client/Server?). Über -->Gateways können "fremde" Services (z.B. BIBOS) in einen WWW-Server integriert werden.

URL - engl. "uniform resource locator"; der Adressierungs-Standard im WWW (siehe Was ist ein URL? II).

 

Beiträge für den Info-Server

Wer sich (als Institut oder sonstige Universitätseinrichtung) im Web präsentieren möchte, kann dies ohne Schwierigkeiten tun. In der WWW-Redaktion gibt es Rat und Hilfe, außerdem die erforderliche Editor-Software, Literatur zum Thema und die erforderlichen Server-Accounts. Grundsätzlich ist zu sagen, daß bei kleinen Vorhaben - etwa eine Titelseite mit zwei oder drei Informationsblättern dahinter - diese in Rohform der WWW-Redaktion übergeben werden können (nach vorheriger Absprache, versteht sich). Am besten geeignet sind MS-Word- oder WordPerfect-Dokumente mit konsequent verwendeten Druckformaten, die gerne auch Bilder enthalten können. Die Herkunft (DOS, Windows, Mac) spielt keine Rolle. Komplexere Layouts (mehrspaltig, Textfluß um Bilder herum usw.) machen keinen Sinn, da sie im HTML-Format nicht dargestellt werden können.

Für die Betreuung größerer Informationsangebote, wie sie zur Zeit etwa vom Institut für Philosophie, von der Universitätsbibliothek, vom Institut für Angewandte Informatik und Informationssysteme sowie vom Institut für Völkerkunde betrieben werden, ist die WWW-Redaktion zu klein (sie besteht schlicht aus einer Person). Daher muß sie sich in solchen Fällen auf punktuelle Unterstützung und Koordination beschränken.

Adresse des Info-Servers

Der Info-Server der Universität Wien ist mit jedem WWW-Browser unter dem URL www.univie.ac.at zu erreichen. Bis zur offiziellen Freigabe steht das schon recht ansehnliche System allen Interessierten zum Sightseeing wie zum ernsthaften Benützen probeweise zur Verfügung. Probeweise bedeutet, daß von Tag zu Tag noch Umbauten und - hoffentlich selten - Unterbrechungen stattfinden können, was nach der Eröffnung nur noch nach vorheriger Ankündigung geschehen wird. Selbstverständlich werden die Inhalte und Funktionen bis zur Eröffnung noch vervollständigt und von logischen Fallen befreit.

Ansprechpartner

Bei Fragen zum Info-Server wenden Sie sich bitte an die WWW-Redaktion.

Was ist ein URL? II

Nachdem die kurze Antwort auf die obige Frage im letzten Comment mehr Interesse geweckt als zufriedengestellt hat, soll nun eine etwas ausführlichere folgen.

"URL" bedeutet uniform resource locator (frei übersetzt: einheitliche Methode, den Ort von im Netz erreichbaren Dokumenten - Texten, Bildern, Datenbanken, etc. - anzugeben) und ist der Adressenstandard im WorldWideWeb. "Verstanden" werden URLs von allen WWW-Browsern, von Lynx bis Netscape, und nur von ihnen. Andere Netzwerkklienten wie Gopher, Telnet, FTP und so fort können mit URLs nichts anfangen.

URLs können hauptsächlich an drei Orten verwendet werden: In "Go to..."-Dialogen zum direkten, händischen Aufruf von Informationsquellen im Web, in WWW-Dokumenten (dort verbergen sie sich hinter den aktiven, meist blauen "Links") und in Hotlists (das sind Sammlungen von "Lesezeichen", die von WWW-Klienten angelegt werden können). Die Einheitlichkeit der Adressierung bedeutet, daß alle gebräuchlichen Netzwerkservices auf dieselbe Weise adressiert werden können (was mit einer der Hauptstärken des WWW zusammenhängt, nämlich daß es auf alle gebräuchlichen Services zugreifen kann).

Ein URL besteht aus mehreren Teilen: Am Beginn steht der Typ des anzusprechenden Services, gefolgt vom Namen des Servers, der das Service anbietet. Die beiden Teile werden immer durch einen Doppelpunkt und meistens noch durch zwei Schrägstriche getrennt. Diese Minimalangabe kann durch den Namen eines bestimmten Verzeichnisses und - sofern bekannt - den Namen des gesuchten Dokuments ergänzt werden (oft genügt jedoch der Servername). Verzeichnis- und Dateiname werden jeweils durch einen Schrägstrich von den restlichen Angaben getrennt (siehe Abbildung).

Einige Beispiele sollen das illustrieren:

Soll ein Gopher mit einem WWW-Klienten gelesen werden, wählt man die "Open URL..."- bzw. "Open Location..."-Funktion des Klienten (oft im Menü "File" befindlich, manchmal auch unter der Bezeichnung "Go to URL..."; oder als "Go to..."-Knopf ausgelegt) und gibt im darauf erscheinenden Dialog (z.B.) ein:

gopher://gopher.univie.ac.at

Daraufhin landet man im Hauptmenü des Gopher-Servers gopher.univie.ac.at.

Möchte man einen WWW-Server (z.B. den "klassischen" CERN-Info-Server) besuchen, sieht die Eingabe so aus:

http://info.cern.ch

(Womit auch die einzige Inkonsistenz illustriert wäre: Alle Services werden mit ihrer gebräuchlichen Bezeichnung adressiert - außer das WWW selber; statt "www://..." schreibt man "http://...".)

Ein bestimmtes Dokument auf demselben Server wird folgendermaßen adressiert:

info.cern.ch/hypertext/DataSources/bySubject/Overview.html
(Achtung: Dieser Link ist in der gedrucken Ausgabe falsch !)

Das heißt: "Ich möchte das Dokument 'Overview.html' im Verzeichnis 'BySubject', welches ein Unterverzeichnis von 'hypertext' ist, lesen" - das klingt vielleicht etwas seltsam, macht aber in einer Hotlist oder einem WWW-Dokument als Link durchaus Sinn.

Ein FTP-Server kann auch angesprochen werden:

ftp://ftp.univie.ac.at/univie/edvz/docs/

Das sollte die Liste der vom EDV-Zentrum veröffentlichten Dokumentationen liefern (hier zeigt sich, daß nicht nur Dokumente adressiert werden können, sondern auch ganze Verzeichnisse).

Eine spezielle Möglichkeit ist der Aufruf einer Telnet-Session, welcher so aussieht:

telnet://mailbox.univie.ac.at

Dieser Aufruf macht in WWW-Dokumenten mehr Sinn als in einem "Go to..."-Dialog, weil man mit ihm den WWW-Browser verläßt und in eine gewöhnliche Telnet-Session befördert wird.

Zum Abschluß noch die URLs ohne Schrägstriche (Achtung: Sie können nur von neueren Browsern interpretiert werden!):

Einmal handelt es sich um den Aufruf einer Newsgruppe:

news:at.univie.general

... und dann um das direkte Schreiben einer eMail (was nur in einem Dokument sinnvoll ist):

raphael.kirchner@univie.ac.at

Zu erklären, wie URLs in Dokumente - d.h. in HTML - verpackt werden, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Bei genügend Interesse kann das in einem folgenden Beitrag (als Einführung in HTML) nachgeholt werden; speziell Interessierte können sich an den Autor wenden.

Was heißt Client/Server?

Im Zusammenhang mit dem WorldWideWeb ist unter dem Begriff "Client/Server" die Zusammenarbeit zweier Programme - dem auf dem Arbeitsplatzrechner laufenden Klienten und dem auf einer zentralen Maschine befindlichen Server - über ein Netzwerk zu verstehen. Die Kommunikation zwischen den beiden Programmen geht mit Hilfe eines sogenannten Protokolls vonstatten (siehe Stichworte zum WWW).

Zwischen Klient und Server besteht eine intelligente Aufgabenteilung, die eine Reihe von Vorteilen mit sich bringt: Während der Klient - also NCSA Mosaic, Netscape o.ä - die Gegebenheiten auf dem Arbeitsplatzrechner kennt und mit Ihnen umzugehen weiß (d.h. mit dem jeweiligen Bildschirm, dessen Auflösung und Farbtiefe, mit der Tastatur und deren Sondertasten, Zeichensätzen, etc.), beschränkt sich der Server darauf, die Daten bereit zu halten und die Anfragen der Klienten zu beantworten. Dabei ist es für den Server völlig gleichgültig, ob er einen winzigen Macintosh oder eine große RISC-Workstation mit Daten versorgt. Im WWW übernimmt der Server darüber hinaus auch die Aufgabe, mit diversen externen Datenbanken (und beliebigen anderen Programmen) über sogenannte Gateways zu kommunizieren.

Client/Server-Architektur am Beispiel des Info-Servers: Gateways lassen externe Services wie Teile des WWW-Systems erscheinen