Arbeiten im Netzwerk unter MS-Windows

(Ausgabe 95/1, Februar 1995)

 

In der Dezember-Ausgabe des Comment wurde die Verwendung der Netzwerksoftware PC/TCP unter MS-DOS vorgestellt. Dasselbe Programmpaket (Version 2.3 ist als Standardsoftware am EDV-Zentrum erhältlich) kann auch unter MS-Windows installiert werden, präsentiert sich dort allerdings etwas anders. Zunächst werden bei der Installation der Software im Programm-Manager zwei Programmgruppen angelegt: Eine Gruppe für DOS-Applikationen und eine für Windows-Applikationen.

In der Programmgruppe PC/TCP DosApps finden sich die bereits besprochenen DOS-Anwendungen (Tn, Ftp, Ftpsrv, Ping) und einige andere, meist seltener benötigte Applikationen:

  • Lpr (Drucken über einen Druckerserver),
  • Lpq (Anzeigen der Druckerwarteschlange),
  • Rloginvt (Remote Login mittels Terminalemulation),
  • Rsh (Remote Shell),
  • Pcmail und Vmail (zwei einfache Mailprogramme, die jedoch mit Klienten wie z.B. Pegasus Mail für Windows nicht konkurrieren können).

Bei Aufruf eines dieser Programme wird dafür unter Windows ein eigenes Fenster geöffnet. Die wichtigsten Anwendungen sind zusätzlich als echte Windows-Applikationen in der Gruppe PC/TCP WinApps vorhanden; will man aber beispielsweise den lokalen FTP-Server aktivieren, so kann das nur mit der DOS-Applikation Ftpsrv erfolgen.

Programmgruppe PC/TCP DosApps

Windows-Applikationen

Die Programmgruppe PC/TCP WinApps enthält einige Anwendungen von PC/TCP in benutzerfreundlicher "Windows-Ausführung". Die wesentlichsten Vorteile: Die Bedienung erfolgt - wie unter Windows üblich - menügesteuert, vorgenommene Einstellungen (z.B. häufig benötigte Hosts) können auch gespeichert werden, das Setzen von Parametern ist einfacher, und es kann jederzeit ein Hilfemenü aufgerufen werden, das alle Funktionen der entsprechenden Anwendung erläutert (die Hilfetexte sind allerdings englisch). Im Hinblick auf diese ausführliche Online-Hilfe wird die Funktionalität der einzelnen Applikationen hier nur kurz umrissen:

Programmgruppe PC/TCP WinApps

 

Wtnvt

ermöglicht das interaktive Arbeiten auf einem über Telnet zugänglichen Rechner mittels einer VT-Terminalemulation (leider deutlich langsamer als unter DOS - die Verwendung der DOS-Applikation Tn in einem Windows-Fenster ist daher eventuell vorzuziehen).

Wtn3270

ist eine 3270-Terminalemulation, die vor allem für das interaktive Arbeiten auf VM-Rechnern eingesetzt wird. Da derzeit jedoch deutsche Keyboards oder die 3270-Farben nicht unterstützt werden, empfehlen wir, das DOS-Programm Tn zu verwenden.

Wftp

überträgt Dateien zwischen zwei Rechnern. Die Bedienung ist um einiges komfortabler als beim DOS-Gegenstück (siehe Abbildung).

Benutzeroberfläche von Wftp

 

Der Transfer ganzer Verzeichnisse ist nicht möglich; man kann jedoch mehrere Dateien gleichzeitig übertragen. Das Markieren der gewünschten Dateien funktioniert dabei wie im Datei-Manager: Hält man die <Shift>-Taste gedrückt, kann ein Block von Dateien ausgewählt werden, mit Hilfe der <Ctrl>-Taste markiert man mehrere nicht aufeinanderfolgende Dateien, mittels <Shift>-Taste und <Ctrl>-Taste werden Blöcke und einzelne Dateien selektiert. (Trotzdem fragt das Programm vor der Übertragung jeder Datei nach einer Bestätigung - dies kann man umgehen, indem man im Menü "Settings" den Menüpunkt "Prompt" deaktiviert.) Die Verzeichnisse wechselt man über das Menü "Commands" oder mittels Doppelklick in der angezeigten Verzeichnisstruktur.

Zu beachten ist, daß Wftp Meldungen des jeweiligen FTP-Servers nicht anzeigt. Dies spielt zwar bei der Dateiübertragung vom Nachbar-PC keine Rolle; bei Servern, die während der Verbindung Mitteilungen an den Benutzer schicken (z.B. der FTP-Server der Universität Wien), kann es aber unangenehme Folgen haben, da man über Änderungen, Abschaltungen usw. nicht informiert wird.

Wmsg

ermöglicht die schriftliche "Unterhaltung" mit anderen Internet-Benutzern - vorausgesetzt, diese haben ebenfalls das Programm Wmsg unter Windows gestartet.

Wping

ermittelt, ob ein bestimmter Rechner prinzipiell erreichbar ist (eine erfolgreiche Kontaktaufnahme wird durch die Anzeige "Success Rate: 100%" im Feld "Statistics" ersichtlich) und ist daher ein wichtiges Hilfsmittel bei der Fehlersuche, wenn es zu Schwierigkeiten beim Verbindungsaufbau kommt. Die Option "Traceroute" im Menü "Settings" zeigt an, über welche Stationen die Verbindung zum gewünschten Rechner hergestellt wird.

Winet

zeigt die Netzwerkkonfiguration des PC's und einige Statistiken. Hinter dem Symbol "System Information" verbirgt sich u.a. die IP-Adresse des lokalen Rechners; die IP-Adressen des Domain Name Servers und der Router sind unter "Configuration" zu finden.

Network

ermöglicht Filesharing über NFS (Network File System), die Anwahl von Netzwerkdruckern und die Definition von Druckerwarteschlangen.

Zusätzliche Treiber und Bibliotheken für Windows

PC/TCP enthält ab Version 2.3 einen sogenannten "Windows Socket" (kurz Winsock). Es handelt sich dabei um eine Bibliothek von Kommunikationsroutinen, die Windows-Programmen eine standardisierte Schnittstelle zur Nutzung des Netzwerks mittels TCP/IP (auf diesem Protokoll basiert auch das Internet) zur Verfügung stellt. Ein Winsock besteht im allgemeinen aus der Datei winsock.dll sowie einigen weiteren Dateien und ermöglicht die Verwendung von Netzwerkklienten unter MS-Windows. Solche Klienten sind z.B. Netscape, WinVN, Pegasus Mail oder HGopher - zu einigen davon existieren auch vom EDV-Zentrum erstellte Installationsanleitungen.

Ein weiteres Plus von PC/TCP ist die Unterstützung von NFS (Network File System) sowohl unter DOS als auch unter Windows, jedoch nur für den Klienten-Teil - ein NFS-Server kann nicht aufgesetzt werden. Die Verwendung von NFS bedingt, daß der Treiber" idrive" geladen ist (dazu ergänzt man die Datei tcp.bat bzw. inter.bat um die Zeile idrive). Unter Windows ist es dann möglich, das Filesystem eines NFS-Servers als Laufwerk zugänglich zu machen, indem man im Datei-Manager im Menü "Datenträger" das Untermenü "Netzwerkverbindungen" auswählt und die erforderlichen Daten einträgt.

Die nötigen Treiber zur Ansteuerung von Netzwerkdruckern über das Lpr-Protokoll werden ebenfalls mitgeliefert, sodaß man unter Windows nicht nur auf lokal angeschlossenen Druckern, sondern auch über das Netzwerk drucken kann.

Error...

Normalerweise erscheinen bei Aufruf von Windows kurz nach dem Windows-Symbol folgende Zeilen:

VPCTCP: FTP Software PC/TCP Virtual Device 2.3 01/07/94 12:38
VPCTCP: Copyright (c) 1990-1993 by FTP Software, Inc. All rights reserved.

Es ist jedoch möglich, daß die Netzwerktreiber nicht geladen sind. In diesem Fall lautet die Meldung:

VPCTCP: FTP Software PC/TCP Virtual Device 2.3 01/07/94 12:38.
VPCTCP: Copyright (c) 1990-1993 by FTP Software, Inc. All rights reserved.
VPCTCP: ****************************************************
VPCTCP: * E R R O R *
VPCTCP: * Cannot locate PC/TCP Kernel. *
VPCTCP: * Network functions will not operate. *
VPCTCP: * Hit any key to continue. *
VPCTCP: ****************************************************

Drückt man hier eine beliebige Taste, so kann man zwar unter Windows wie gewohnt arbeiten, die Netzwerksoftware ist jedoch nicht einsatzfähig. Daher sollte an dieser Stelle der Start von Windows mit <CRTL>-C unterbrochen werden. Mit dem Befehl tcp.bat (in manchen Fällen inter.bat) kann nun die Netzwerksoftware geladen und anschließend Windows erneut aufgerufen werden.

Was geschieht mit den Windows-Konfigurationsdateien?

Die Installation von PC/TCP unter Windows verändert die Windows-Konfigurationsdateien system.ini und progman.ini. Wenn also Windows auf einem PC installiert wird, auf dem PC/TCP (ab Version 2.1) bereits läuft, müssen in diesen beiden Dateien händisch die nachfolgend dargestellten Modifikationen vorgenommen werden, um ein einwandfreies Funktionieren der Netzwerksoftware zu gewährleisten:

Änderungen in der Datei windows\system.ini

Der Abschnitt [386Enh] ist um die ZeileDEVICE=C:\PCTCP\VPCTCP.386zu erweitern.

Am Ende der Datei system.ini sind folgende Zeilen anzufügen:
[vpctcp]
MinimumCopySpace=12
HiTSRFenceSegment=A000h

Im Abschnitt [boot] muß die Zeile network.drv= ergänzt werden:
* wenn mit Lpr unter Windows gedruckt werden soll:
network.drv=c:\pctcp\pctcpnet.drv

* wenn über einen Novell-Server gedruckt werden soll:
network.drv=netware.drv

Änderungen in der Datei windows\progman.ini

Hier sind die beiden letztgenannten Gruppen mit den entsprechenden fortlaufenden Nummern anzufügen - beispielsweise:

Group1=C:\WINDOWS\HAUPTGRU.GRP
Group2=C:\WINDOWS\NETZWERK.GRP
Group3=C:\WINDOWS\SPIELE.GRP
Group4=C:\WINDOWS\AUTOSTAR.GRP
Group5=C:\WINDOWS\ANWENDUN.GRP
GROUP6=C:\PCTCP\PCTCPDOS.GRP
GROUP7=C:\PCTCP\PCTCPWIN.GRP

Weitere Informationen

Informationsblätter bzw. Installationsanleitungen zu verschiedenen Netzwerkdiensten sind in der Servicestelle des EDV-Zentrums erhältlich.

Das EDV-Zentrum veranstaltet auch regelmäßig Kurse über die Verwendung des Datennetzes, die von allen Universitätsangehörigen kostenlos besucht werden können. Das aktuelle Kursprogramm ist in Form einer Broschüre ebenfalls in der Servicestelle erhältlich.

Unsere Servicestelle befindet sich im Erdgeschoß des Neuen Institutsgebäudes bei Stiege III (Tel: 4065822-399). Öffnungszeiten:
Mo, Mi, Fr: 9.30 - 12.00 h
Di, Do: 13.00 - 15.30 h