Die neue "kleine" VM-Rechenanlage

(Ausgabe 95/1, Februar 1995)

 

Wie im letzten Comment angekündigt, fand vom 6. bis 8. Jänner 1995 - also an dem durch den Festtag der Heiligen Drei Könige verlängerten Wochenende - der Austausch der VM-Rechenanlage statt: Die bisherige Großrechenanlage IBM ES/9000 Mod. 720VF wurde abgebaut und durch einen Rechner des Typs Comparex CPX 99/711 ersetzt. Einen solchen Umbau ohne wesentliche Verzögerungen über die Bühne zu bringen ist nicht einfach und beschäftigte einen guten Teil der EDV-Zentrums-Mitarbeiter. Es mußten nicht nur die Technikerteams der beiden Computerfirmen und die Spedition koordiniert werden, sondern auch die erforderlichen Anpassungen der Strom- und Klimaversorgung veranlaßt werden.

Großrechenanlagen sind noch immer recht schwere und energiefressende Geräte. Zwar ist die neue Anlage mit 6,4 t gegenüber dem alten Rechner (der über 13,7 t wog) direkt ein Leichtgewicht; mit einer Stromaufnahme von 37 kW (früher 90 kW) kann aber auch der neue Rechner nicht einfach an die nächste Steckdose angeschlossen werden. Da die dem Computer zugeführte Energie in Wärme umgesetzt wird, müssen diese nicht unbeträchtlichen Wärmemengen wieder abgeführt werden. Die Kühlung einer solchen Rechenanlage - sowohl der alte als auch der neue Rechner sind wassergekühlt - erfordert somit eine sehr leistungsfähige Klimaanlage.

Insgesamt verlief der Austausch der Hardware jedoch ohne größere Probleme, sodaß die neue Anlage am Montag, den 9. Jänner, wie geplant voll zu Verfügung stand. Etwas langwieriger wird die Anpassung des Betriebssystems: Besaß die alte Anlage sechs Prozessoren, so müssen sich die auf der neuen Anlage verbliebenen Applikationen nun einen (jedoch dreimal so schnellen) Prozessor teilen. Hier das Betriebssystem so einzurichten, daß all die höchst unterschiedlichen Anwendungen - wie das Bibliothekssystem BIBOS, die diversen Datenbanken, Statistik- und Netzwerkanwendungen - einen fairen Anteil an den Ressourcen des Systems bekommen, wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Änderungen am Batchbetrieb

Während der überwiegende Anteil an Rechenleistung der früheren IBM-Großrechenanlage für numerisch intensive Applikationen verwendet wurde, soll der neue Zentralrechner Comparex CPX 99/711 hauptsächlich den Timesharing-Betrieb sowie die Bibliotheks- und Verwaltungsapplikationen unterstützen. Weil es auch keine Vector Facilities mehr gibt, können vektorisierte Programme, die vektorisierten Versionen der numerischen Programmbibliotheken und vektorisierte Applikationen (Gaussian 92) nicht mehr verwendet werden. Für numerisch intensive Anwendungen wird ein eigenes Rechnersystem angeschafft.

Dementsprechend wurde der Batchbetrieb auf der VM-Rechenanlage stark reduziert. Insbesondere können längere Jobs (Klasse R) nur mehr in der Nacht und am Wochenende rechnen. Die Priorität von Batchjobs gegenüber dem Timesharing-Betrieb wurde erheblich gesenkt. Die Jobklasse I wurde aufgelassen; für Jobs mit großem Hauptspeicherbedarf (bisher Klasse X) kann nunmehr auch die Klasse R verwendet werden. Die neuen Jobklassen sind in der folgenden Tabelle zusammengefaßt (genauere Informationen erhalten Sie mit dem Befehl RZHELP VMBATCH CLASSES):

Jobklasse A

  • CPU-Zeit (Sek.): 200
  • Plattenplatz (Zylinder): 50
  • Hauptspeicher (Mbyte): 64

Jobklasse R

  • CPU-Zeit (Sek.): 20.000
  • Plattenplatz (Zylinder): 100
  • Hauptspeicher (Mbyte): 256

Obwohl noch einige Zeit ein IBM-kompatibler Rechner vorhanden sein wird, der in gewissem Ausmaß für numerische Anwendungen genutzt werden kann, wird dennoch allen Benutzern numerisch intensiver Applikationen empfohlen, ihre Programme allmählich auf andere Architekturen (vor allem Unix-Plattformen) umzustellen.