X.25 und Datex-P

(Ausgabe 94/3, Dezember 1994)

 

Kasten: Aufbau von X.25-Adressen

 

Trotz der mittlerweile dominierenden Stellung des Internet im akademischen Bereich können nicht alle Rechner, die für universitäre Benutzer interessant sind, über das Internet-Protokoll TCP/IP angesprochen werden. Manche Services, wie etwa

  • verschiedene Bibliothekssysteme,
  • kommerzielle Datenbanken oder
  • Nachrichtenagenturen

sind nur über X.25 bzw. Datex-P erreichbar.

X.25

X.25 ist wie TCP/IP ein Datenfernverarbeitungsprotokoll - also ein Regelwerk, das festlegt, wie die Kommunikation zwischen den beteiligten Rechnern zu erfolgen hat. Entwickelt und genormt wurde X.25 von der CCITT, einem internationalen Normenkomitee der Postverwaltungen. Auf Basis dieses Protokolls kann eine Reihe von Netzwerkdiensten wie File Transfer, Mailing oder interaktiver Zugang betrieben werden.

X.25 wird oft gemeinsam mit anderer Netzwerksoftware eingesetzt. So ist es zum Beispiel möglich, TCP/IP oder DECnet so zu konfigurieren, daß sie sich einer X.25-Verbindung zwischen zwei Rechnern bedienen, ohne daß der Benutzer davon etwas merkt. Dieser kann dann etwa eine Verbindung über X.25 mit vertrauten Befehlen wie telnet (TCP/IP) bzw. set host (DECnet) aufbauen - natürlich vorausgesetzt, daß auf beiden Rechnern die dafür erforderliche Netzwerksoftware läuft und entsprechend konfiguriert ist. Um direkt über eine X.25-Leitung interaktiv arbeiten zu können, bedient man sich der Protokollfamilie X.3, X.28, X.29. Das sind auf X.25 aufbauende Protokolle, die das interaktive Arbeiten über X.25 regeln und etwa dem Telnet-Protokoll unter TCP/IP entsprechen.

Eine X.25-Leitung kann nicht an die üblichen seriellen oder parallelen Ausgänge eines PCs oder einer Workstation angeschlossen werden, sondern es ist entweder ein spezielles Gerät oder eine X.25-Adapterkarte im Rechner erforderlich. Da bei der Datenübertragung nach X.25 die Daten zu Paketen zusammengefaßt und in dieser Form durch das Netz transportiert werden, benötigt man eine Komponente namens PAD ("Packet Assembler Disassembler"), die vor allem die Aufgabe hat, die abgehenden Daten zu Paketen zu bündeln und die ankommenden Pakete entsprechend auszupacken. Bei Rechnern, die über eine X.25-Adapterkarte verfügen, werden die Funktionen des PAD durch ein Programm realisiert. Im anderen Fall führt die X.25-Leitung zu einem Gerät, das über eine serielle Leitung (V24/RS232) mit dem Rechner verbunden ist. Dieses Gerät muß die Aufgaben des PAD übernehmen, aber auch die asynchrone serielle Leitung auf die im X.25 verwendete synchrone Verbindung umsetzen. Über den PAD können auch die anzuwählende X.25-Adresse und diverse Parameter der Leitungsverbindung gesetzt werden.

Datex-P

Das X.25-Netz der Post heißt Datex-P. Dem Telefonbuch entsprechend gibt die Post auch ein Verzeichnis der Datex-P-Anschlüsse heraus. Die Datex-P-Gebühren errechnen sich aus der Entfernung der verbundenen Rechner, aus der Dauer der Verbindung und aus der Anzahl der übertragenen Pakete.

Das folgende Beispiel zeigt die Gebühren (in öS) für eine interaktive Datenbankabfrage, wobei die Dauer der Verbindung 60 Minuten beträgt und hundert durchschnittlich gefüllte Bildschirmseiten (ca. 2000 Segmente) übertragen werden:

(VK = Verbindungskosten / ÜK = Übertragungskosten / GK = Gesamtkosten (ca.))

  • Inland: VK 5,40 / ÜK 30,- / GK 35,-
  • Europa: VK 42,- / ÜK 80,- / GK 120,-
  • USA, Kanada: VK 120,- / ÜK 240,- / GK 360,-
  • andere Länder: VK 180,- / ÜK 360,- / GK 540,-

X.25-Adressen

Jeder an ein X.25-Netz angeschlossene Rechner hat eine X.25-Adresse. Diese setzt sich aus Ziffern zusammen und beginnt - ähnlich wie eine Telefonnummer - mit einer Ziffernfolge, die das Land angibt, in dem sich der jeweilige Rechner befindet (siehe Kasten). Bei Rechnern im Inland muß man den Landescode im allgemeinen nicht angeben.

Für Rechner, die an ACOnet/X.25 angeschlossen sind, gilt folgende Sonderregelung: Alle anderen Rechner im ACOnet/X.25 sind kostenfrei ohne Angabe des Landescodes erreichbar; alle Rechner im öffentlichen X.25-Netz (Datex-P) müssen hingegen mit Landescode adressiert werden, auch wenn sie sich in Österreich befinden.

Ein X.25-Anschluß kann in der Regel von mehreren Benutzern gleichzeitig verwendet werden - man beantragt bei der Errichtung, wieviele gleichzeitige Verbindungen über den X.25-Anschluß möglich sein sollen.

X.25-Services im Datennetz der Universität Wien

Das EDV-Zentrum betreibt ein öffentliches X.25-Service gegenwärtig auf drei Rechnern, die mittels TCP/IP unter folgenden Namen erreichbar sind:

  • ACCESS.CC.UNIVIE.AC.AT
    X.25-Service für ASCII-Terminals wie PCs, Macs
  • APAP2.PAP.UNIVIE.AC.AT
    X.25-Service der Rechenanlage Physik
  • VM.UNIVIE.AC.AT
    X.25-Service für Benutzer von 3270-Terminals

Das folgende Beispiel zeigt, wie Sie ein solches X.25-Service über den Rechner ACCESS.CC.UNIVIE.AC.AT in Anspruch nehmen können:

Zuerst baut man mittels Telnet eine Verbindung zum Servicerechner auf. Von diesem Servicerechner aus kann man alle im ACOnet/X.25 befindlichen Rechner erreichen, indem man als Username <tt>PAD</tt> angibt; ein Paßwort ist nicht erforderlich. (Achtung: Um Verbindungen zu Rechnern im Datex-P-Netz der Post oder internationale Verbindungen aufbauen zu können, muß man zuvor am EDV-Zentrum um eine User-ID - Username und Paßwort - ansuchen, da in diesem Fall die anfallenden Postgebühren dem Benutzer weiterverrechnet werden. Ein entsprechendes Formular ist in der Servicestelle des EDV-Zentrums erhältlich.)

Verwendet man als Username PAD, kann man nun mit dem Befehl A nnnnnnnn den Rechner mit der Adresse nnnnnnnn anwählen. Obwohl nach erfolgreichem Verbindungsaufbau die Meldung
%PAD-I-COM, call connected to remote DTE
erscheint, sieht man am Schirm noch nichts vom angewählten Rechner. Vielmehr zeigt der Prompt PAD> (der meist noch vor der obigen Meldung auftaucht), daß man sich noch am lokalen PAD befindet und die Möglichkeit hat, weitere PAD-Befehle einzugeben - etwa um erforderliche Parameter zu setzen. Um den lokalen PAD zu verlassen und zum angewählten Rechner zu wechseln, muß man entweder <CTRL/Z> drücken ("CTRL/" bezeichnet die "Strg"- bzw. "Ctrl"-Taste) oder den Befehl exit eingeben. Dann erst meldet sich der angewählte Rechner, z.B. ein Terminalserver des EDV-Zentrums.

Will man während der Terminalsession Befehle an den lokalen PAD eingeben, so kann man mit <CTRL/P> in den PAD gelangen und anschließend mit <CTRL/Z> wieder zum angewählten Rechner zurückkehren.

Die wichtigsten PAD-Befehle

CLRbricht die Verbindung zum angewählten Rechner ab. Dieser Befehl wird z.B. dann benötigt, wenn der angewählte Rechner nicht mehr antwortet.

STAT
gibt eine kurze Statusinformation.

PAR?
zeigt die gesetzten Parameter, allerdings in einer für den nicht geschulten Benutzer unverständlichen Weise.

SET
erlaubt das Setzen von Parametern. (Über Wirkung und unerwünschte Nebenwirkungen fragen Sie Ihren X.25-Spezialisten.)

Hinweise zum Betrieb von X.25-Verbindungen

Setzen von Parametern

Beim Verbindungsaufbau werden zwischen dem angewählten X.25-Zielrechner und dem lokalen PAD die PAD-Parameter ausgehandelt. Diese ermöglichen im allgemeinen ein vernünftiges Arbeiten. Benutzer, die sehr viel über Datex-P arbeiten und entsprechend hohe Gebühren zu entrichten haben, sollten aber eventuell (gemeinsam mit einem Fachmann des EDV-Zentrums) versuchen, die Parameter ihrer X.25-Verbindung zu optimieren - manchmal können die anfallenden Datex-P-Kosten bei nur geringfügigen Komfortverlusten drastisch gesenkt werden.

Zurückschalten zum lokalen PAD

Wie bereits erwähnt, kann man bei aufrechter Leitungsverbindung durch die Eingabe eines Steuerzeichens in den lokalen PAD zurückkehren, um dort PAD-Befehle abzusetzen. Im obigen Beispiel war dies das Steuerzeichen <CTRL/P>. Es ist daher nicht möglich, dem angewählten Rechner ein <CTRL/P> zu schicken, da dieses Zeichen schon vom PAD abgefangen wird. Benötigt man aber ein <CTRL/P> am angewählten Rechner, so muß man durch Setzen des entsprechenden Parameters diese Funktion einem anderen Steuerzeichen zuweisen. (Ansonsten sollte sich eine X.25-Verbindung vollkommen transparent verhalten und alle Zeichen unverändert an den angewählten Rechner weiterschicken.) Da manche Servicerechner beim Aushandeln der PAD-Parameter das Zurückschalten in den lokalen PAD unterbinden, sei hier noch eine zweite Methode erwähnt: Zweimaliges <CTRL/Y> in kurzer Abfolge bringt die folgende Frage auf den Schirm:Are you repeating ^Y to enter command mode?Antworten Sie darauf mit YES <Enter>, so meldet sich der lokale PAD.

Verbindungsabbau bei Störungen

Kommt es während einer Terminalsession über eine X.25-Verbindung zu einer Störung am angewählten Rechner, so empfiehlt es sich, die X.25-Verbindung sicherheitshalber mit dem PAD-Befehl CLR abzubauen. Schwierigkeiten, die beim X.25-Servicerechner oder beim Terminal des Benutzers liegen, führen in der Regel automatisch zum Abbau der X.25-Verbindung. Wenn z.B. die Terminalemulation am PC Probleme bereitet, kann man den PC einfach ausschalten - der Servicerechner bemerkt, daß die Verbindung mit dem PC des Benutzers abgebrochen ist und baut daraufhin die Verbindung zum angewählten Rechner ab. Man muß also nicht befürchten, daß die X.25-Verbindung unbemerkt aufrecht bleibt und entsprechende Kosten verursacht.

Sollten Sie Fragen zu X.25 bzw. Datex-P haben, wenden Sie sich bitte an Christian Panigl (per eMail oder telefonisch: 4065822-383).

Aufbau von X.25-Adressen

    +cccinnnnnnnsss (mit Angabe des Landescodes)
    innnnnnnsss (ohne Angabe des Landescodes)

+Diese Kennziffer, die nicht in allen Ländern einheitlich ist, bewirkt, daß die folgenden drei Ziffern als Landescode interpretiert werden. In Österreich ist die Kennziffer 0. Jede X.25-Adresse, die mit 0 beginnt, enthält also den Landescode; alle anderen werden als Adressen innerhalb Österreichs interpretiert.

ccc
Diese drei Ziffern bilden den Landescode (z.B. 232 für Österreich, 262 für Deutschland, 204 für Holland, ...).

i
Innerhalb eines Landes können mehrere öffentliche Netzwerke bestehen, die durch diese Stelle der X.25-Adresse unterschieden werden. In Österreich hat zum Beispiel das Datex-P-Netz der Post hier die Ziffer 2, das Netz von Radio Austria die Ziffer 9.

nnnnnnn
ist die eigentliche Nummer des Datex-P-Anschlusses.

sss
Die letzten drei Ziffern bezeichnen die Subadresse. Diese ist vergleichbar mit einer Nebenstelle im Telefonnetz und ermöglicht es einer Institution, mit nur einem Datex-P-Anschluß mehrere Services anzubieten (z.B. Zugang zu verschiedenen Datenbanken oder Rechnern).

Die Aufteilung siebenstellige Anschlußnummer / dreistellige Subadresse gilt für das österreichische Datex-P-Netz und kann in anderen Netzen verschieden sein.

Die X.25-Adresse des Rechners ACCESS.CC.UNIVIE.AC.AT, der im Datennetz der Uni Wien für X.25-Services eingesetzt wird, kann z.B. wie folgt aufgeschlüsselt werden:

    023226201024600: X.25-Adresse inkl. Landescode

    232: Landescode für Österreich
    2: Datex-P-Netz der Post
    6201024: Nummer des X.25-Anschlusses
    600: Subadresse des Rechners innerhalb des EDV-Zentrums

Innerhalb von ACOnet wird der Landescode allerdings weggelassen - die Adresse lautet dann 26201024600.