Neue zentrale Rechensysteme am EDV-Zentrum

(Ausgabe 94/3, Dezember 1994)

 

Im kommenden Jahr wird es zur Aufstellung von neuen zentralen Rechnersystemen am EDV-Zentrum kommen. Einerseits wird die IBM-Großrechenanlage durch einen anderen, voll kompatiblen Rechner ersetzt, andererseits ist die Anschaffung eines Systems für numerisch intensive Aufgaben geplant. Die jetzige Großrechenanlage IBM ES/9000 Modell 720 VF, die über 6 Prozessoren verfügt, hat vier große Aufgabengebiete:

  • Rechnen von Batchjobs mit Programmen aus dem Bereich des numerisch intensiven Computing,
  • allgemeiner Timesharing-Betrieb für Benutzer aus dem Bereich der Forschung und Lehre,
  • Betrieb der Applikationen der Universitätsverwaltung (Inskriptionswesen, Personaldatenbank, Prüfungsverwaltung usw.),
  • Betrieb des Verbundsystems der österreichischen wissenschaftlichen Bibliotheken (BIBOS) unter dem Betriebssystem VSE.

Gegenwärtig belegen die numerisch intensiven Batchjobs an einem normalen Werktag etwa 4 Prozessoren, während die anderen Aufgabenbereiche zusammen nicht mehr als 2 Prozessoren benötigen. Wenn nun - durch die Neuanschaffung eines speziell numerisch intensiven Programmen gewidmeten Systems - dieser Aufgabenbereich von der Großrechenanlage abwandert, liegt es nahe, diese durch ein kleineres Modell zu ersetzen.

Austausch der Großrechenanlage

Voraussichtlich am 6. Jänner 1995 wird die jetzige IBMGroßrechenanlage durch einen Rechner der Type Comparex 99/711 ersetzt. Die neue Anlage ist voll IBMkompatibel. Das bedeutet, daß alle Programme und auch das Betriebssystem VM/XA unverändert weiterverwendet werden können - getauscht wird nur der Zentralrechner. Alle anderen Peripheriegeräte, wie Platten, Bänder, Drucker und Kommunikationsrechner, bleiben bestehen. Bei dem neuen Rechner handelt es sich um eine Einprozessor- Anlage, die jedoch etwa die dreifache Leistung eines Prozessors der IBM-Großrechenanlage hat. Somit steht etwa die halbe Gesamtleistung der jetzigen Anlage zur Verfügung, was für den Timesharing-Betrieb und den Betrieb der Verwaltungs- und Bibliotheksapplikationen ausreichend sein sollte. Im Falle von BIBOS sollte die höhere Einzelprozessorleistung (VSE kann derzeit nur einen Prozessor nutzen) sogar zu einem besseren Antwortzeitverhalten führen.

Auf die Anschaffung von Vector Facilities, wie sie die derzeitige Anlage besitzt, wurde bewußt verzichtet: Diese Einrichtungen werden nur von jenen Benutzern verwendet, die in Kürze ohnehin auf das für sie dedizierte neue Rechnersystem für numerisch intensive Anwendungen übersiedeln werden.

Die Hauptvorteile des neuen Rechners sind die geringere Stellfläche, die deutlich reduzierten Anforderungen an Strom- und Kühlleistung, die geringeren Wartungskosten und - als kleinere Anlage - die günstigere Preiskategorie bei der Anschaffung von Software. Der so gewonnene Platz und die freiwerdenden Kapazitäten bei Stromversorgung und Klimaanlage schaffen Spielraum für die Installation des neuen Rechnersystems für numerisch intensive Aufgaben.

Neubeschaffung eines Rechners für numerisch intensive Anwendungen

In der letzten Nummer des Comment wurde berichtet, daß das EDV-Zentrum plant, ein neues Rechnersystem für numerisch intensive Anwendungen zu beschaffen. Von geringfügigen Verzögerungen abgesehen, laufen die Vorbereitungen nach Plan: Vom EDV-Zentrum wurde ein umfangreiches "Leistungsverzeichnis" erstellt, das detaillierte technische Angaben über die geforderten Eigenschaften des Rechnersystems enthält; die Wirtschaftsabteilung der Universität Wien erledigte die rechtlichen und administrativen Details einer EWR-weiten Ausschreibung; das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung bewilligte die nötigen Geldmittel (vorbehaltlich der budgetären Bedeckung im Budget 1995).

Am 4. November 1994 wurde die Ausschreibung im Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften in Luxemburg veröffentlicht. Mit diesem Datum beginnt die offizielle Frist von 52 Tagen, in der Firmen Angebote legen können. Am 15. November 1994 erschien eine entsprechende Annonce im Amtsblatt zur Wiener Zeitung.

Angebote können bis zum 27. Dezember 1994 abgegeben werden, am 28. Dezember um 9 Uhr findet die Anbotseröffnung statt. Damit beginnt eine dreimonatige Frist, in der das beste Angebot ausgewählt und schließlich der Zuschlag erteilt wird. Zur Ermittlung des Bestbieters werden vom EDV-Zentrum im Jänner und im Februar 1995 Leistungstests (Benchmarks) an den angebotenen Rechnern durchgeführt. Es ist zu hoffen, daß die Bewertung der Angebote schon lange vor Ablauf der Dreimonatsfrist abgeschlossen sein wird; angestrebt wird ein Zeitpunkt noch im Februar 1995. Nach der Auftragserteilung muß man noch mit einer Frist von etwa zwei Monaten für Lieferung, Aufstellung, Installation und Testen des Systems rechnen, sodaß der Rechner voraussichtlich im zweiten Quartal 1995 in Betrieb genommen werden kann.