Ruf an, ich pfeif' Dir was!
Wählleitungszugang zum Datennetz der Universität Wien

von Robert Meixner (Ausgabe 94/2, September 1994)

 

=============== Seit dem Erscheinen dieses Artikels (September 1994) wurden einige grundlegende Änderungen am Terminalserver vorgenommen, sodaß unter anderem auch das nachfolgend beschriebene Anwählverhalten nicht mehr den Gegebenheiten entspricht. Die Modifikationen und die aktuelle Vorgangsweise entnehmen Sie bitte den Artikeln 4068971: Odyssee im Internet (erschienen im Comment 95/1 vom Februar 1995), Änderungen am Wählleitungszugang (erschienen im Comment 95/2 vom Juni 1995) und Weitere Änderungen am Wählleitungszugang (erschienen im Comment 96/1 vom Jänner 1996). ===============

 

Sie haben genug von der Raumnot an der Universität und den langen Anfahrtszeiten zu Ihrem Büro? Sie kommen mit Ihren Kollegen nicht zurecht? Sie möchten auch in Ihrer Freizeit Ihre eMail lesen und auf Computernetzwerke zugreifen, ohne Ihren Arbeitsplatz aufsuchen zu müssen? Sie sind im Ausland - und nicht immer steht ein Internet-Zugang zur Verfügung - und haben das Bedürfnis, mit Ihrer Workstation zu kommunizieren?

In diesen und in vielen weiteren Fällen kann Ihnen geholfen werden, besser gesagt, Sie können sich selbst helfen! Denn der Zugang zum Datennetz der Universität Wien und von dort weiter zu anderen Computernetzen ist - die entsprechende Geräteausstattung vorausgesetzt - auch in den eigenen vier Wänden oder von unterwegs möglich. Und Sie können alle Dienste von Rechnern in Anspruch nehmen, die im Universitätsdatennetz integriert sind, einen Zugang über Telnet gestatten und auf denen Sie über eine Benutzungsberechtigung verfügen.

Es wird nicht viel benötigt, um sich Zugriff zur Welt der Computernetze zu verschaffen, und über einige Bestandteile der notwendigen Infrastruktur werden Sie sicher schon verfügen. Zur Selbsthilfe brauchen Sie konkret:

  • einen Arbeitsplatzrechner (PC, Mac, ...) mit einem entsprechenden Terminalprogramm oder ein Terminal,
  • ein asynchrones, externes Modem oder eine asynchrone Modemsteckkarte (natürlich postzugelassen),
  • einen ganzen Telefonanschluß mit Modemsteckdose und
  • eine Benutzungsberechtigung auf einem Computer, der im Datennetz der Universität Wien integriert ist und mittels Telnet erreicht werden kann.

Am EDV-Zentrum harrt eine Modemserie Ihres Anrufs bzw. des Anrufs Ihres Modems. Die Modemserie ist unter der Telefonnummer 0222/4068971 (Serie) erreichbar. "Serie" bedeutet, daß Ihr Anruf bei Wahl der Kopfnummer automatisch zur nächsten freien Nummer weitergeschaltet wird.

Bevor Sie jedoch persönlich am Hörer lauschen, sollten Sie sich im klaren sein, daß das Pfeifkonzert, welches Sie von der anderen Seite zu hören bekommen werden, auch den geringsten musikalischen Ansprüchen nicht genügt. Es ist vielmehr ein Versuch unserer Modems, mit einem eventuell anrufenden Modem Kontakt aufzunehmen, um mit diesem die Datenübertragungsgeschwindigkeit auszuhandeln.

Die Modems des EDV-Zentrums unterstützen folgende Einstellungen:

  • Datenformat: 8 Datenbits, 1 Stopbit, No Parity
  • Datenübertragungsgeschwindigkeit: 28800, ..., 300 bit/s
  • Protokolle: V.FastClass, V.34bis, ..., V.22bis
  • Kompressionsverfahren (optional): V.42bis, MNP Class 5
  • Fehlerkorrekturverfahren (optional): V.42 LAP-M, MNP Class 4

Alle Modems der Serie sind an einem Terminalserver namens "Homer" angeschlossen, wodurch eine einheitliche Benutzeroberfläche gewährleistet wird. Vom Terminalserver aus können Sie dann unter Zuhilfenahme des Telnet-Programmes die Computer im Datennetz der Universität Wien erreichen. Der Zugang zu "Homer" ist ohne Benutzungsberechtigung möglich. Auf Grund internationaler Übereinkommen kann jedoch ein direkter Zugriff auf Computer außerhalb des Datennetzes der Universität Wien nicht zugelassen werden. Wollen Sie andere im Internet befindliche Rechner erreichen, so müssen Sie auf die Dienste eines im Universitätsdatennetz befindlichen Computers, auf dem Sie eine Benutzungsberechtigung haben und sich mit User-ID und Paßwort identifizieren können, zurückgreifen. Universitätsangehörige, die keinen Zugang zu einem solchen Computer haben, können am EDV-Zentrum entweder für den Mailbox-Rechner (Hostname: MAILBOX.UNIVIE.AC.AT) oder für die IBM-Großrechenanlage (Hostname: VM.UNIVIE.AC.AT) eine User-ID beantragen. Verwenden Sie dazu das Ansuchen um Rechnerbenutzung , das in der Servicestelle des EDV-Zentrums bzw. als PostScript-Datei am FTP-Server der Universität Wien erhältlich ist.

Modem

Das Wort Modem kommt - wie so viele in der EDV-Branche - aus dem Englischen und ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus den Begriffen MOdulator und DEModulator. Modems dienen dazu, die digitalen Signale, die von den Computern intern zur Datendarstellung und -übermittlung verwendet werden - die aber aus verschiedensten Gründen nicht über längere Distanzen und schon gar nicht über Telefonleitungen geschickt werden können -, für die Datenübertragung in analoge Signale beziehungsweise Tonfolgen umzuwandeln (zu modulieren). Auf der anderen Seite der Telefonverbindung muß ein weiteres Modem vorhanden sein, welches die Tonfolgen wieder in die ursprünglichen Daten zurückverwandelt (demoduliert). Diese können dann vom Computer weiterverarbeitet werden. Da die Datenübertragung über das Telefonnetz im allgemeinen sehr störungsanfällig - als Stichworte seien nur Rauschen und Übersprechen genannt - und auch sehr langsam ist, sind heute die meisten handelsüblichen Modems in der Lage, einerseits Übertragungsfehler selbsttätig zu korrigieren und andererseits die zu übertragenden Daten zu komprimieren, um die Übertragungsgeschwindigkeit zu erhöhen.

Wenn Sie sich ein Modem beschaffen wollen, sollten Sie darauf achten, daß es

  • schnell ist (14400 bps sind Ihnen sicher ganz angenehm),
  • ein Datensicherungsverfahren unterstützt,
  • womöglich Datenkompression erlaubt,
  • postzugelassen ist und
  • über einen Hayes-kompatiblen Befehlssatz (AT-Kommandos) verfügt. AT-Kommandos dienen der Steuerung von Modems im Kommandomodus. Der Name kommt vom Präfix AT (für "attention"), welches jedem Modembefehl vorangestellt wird. Die grundlegenden Steuersequenzen (wie z.B. zum Wählen) sind bei fast allen Modems identisch, und so hat sich der AT-Befehlssatz als de-facto-Standard etabliert.

Terminalprogramm

Ein Terminalprogramm (auch unter den Bezeichnungen Terminalemulation bzw. Terminalemulationsprogramm bekannt) degradiert Ihren Computer zu einem einfachen seriellen Terminal, d.h. Ihr Computer verhält sich wie ein Terminal eines bestimmten Typs (vt100, vt220, ...), welches direkt an einen Host-Computer angeschlossen ist. Doch keine Angst, bleibende Schäden - zumindest an Ihrem Computer - sind nicht zu erwarten. Das Beenden des Terminalprogrammes reicht, um Ihren Computer wieder "normal" werden zu lassen. Zusätzlich bieten die meisten Terminalprogramme Funktionen zum Ansprechen des Modems und Möglichkeiten zum Dateitransfer in beide Richtungen an.

Für Benutzer von IBM-PCs und kompatiblen Computern stellt das EDV-Zentrum das vorkonfigurierte Terminalprogramm "Kermit" zur Verfügung. Hinweise zur Bezugsquelle, zur Installation und Verwendung finden Sie im Informationsblatt Wählleitungszugang zu den Services des EDV-Zentrums , das in Form einer PostScript-Datei vom FTP-Server der Universität Wien (Dateiname: term_dos.ps) oder in Papierform von der Servicestelle des EDV-Zentrums bezogen werden kann.

Wenn Sie über Modem auf den Online-Katalog (OPAC) des Österreichischen Bibliothekenverbundes zugreifen möchten, müssen Sie eine speziell vorkonfigurierte Version von "Kermit" verwenden, die ebenfalls vom FTP-Server der Universität Wien bezogen werden kann (Dateiname: bibkerm.exe). Diese Version von "Kermit" ist für die korrekte Anpassung der Zeichendarstellung und Funktionstasten erforderlich - Sie sollten daher für den Zugang zum OPAC keine andere Kermit-Version und kein anderes Terminalprogramm einsetzen! Das Informationsblatt Online-Katalog (OPAC) des Österreichischen Bibliothekenverbundes - Zugang über asynchrone Leitung mittels PC und Kermit , das in der Servicestelle bzw. am FTP-Server erhältlich ist, erläutert den Verbindungsaufbau und -abbau.

Konfiguration

Nachdem Sie alle notwendigen Steckverbindungen (Modem an Computer bzw. Modemsteckkarte in Computer, Modem an Telefonleitung) hergestellt und das Terminalprogramm installiert haben, kommen Sie zum schwierigsten, jedoch lehrreichsten Teil Ihrer Netzwerkaktivitäten: der richtigen Konfiguration des Modems und des Terminalprogramms. Aufgrund der großen Vielfalt an Modems und Terminalprogrammen können hier keine allgemeingültigen Hinweise zur Konfiguration gegeben werden. Der angehende Netzwerkbenutzer wird nicht umhinkommen, sich ausführlichst mit den entsprechenden Dokumentationen, Handbüchern, Installations- und Bedienungsanleitungen auseinanderzusetzen, verschiedenste Einstellungen auszuprobieren und sich in Geduld zu üben...

Verbindungsaufbau und -abbau

Wenn Sie schließlich über die nötige Infrastruktur verfügen und diese richtig konfiguriert haben, steht dem Verbindungsaufbau zum EDV-Zentrum nichts mehr im Wege:

  1. Starten Sie das Terminalprogramm.

  2. Wählen Sie die Modemserie des EDV-Zentrums an.

  3. Warten Sie solange, bis Ihnen der Terminalserver des EDV-Zentrums seinen Begrüßungsbildschirm präsentiert, und lesen Sie diesen aufmerksam durch.

  4. a) Wollen Sie an der IBM ES/9021 arbeiten, tippen Sie nach der Eingabeaufforderung Username: die Ziffer 1 oder IBM ein. Daraufhin wird von Ihnen erwartet, daß Sie bei ENTER TERMINAL TYPE: mit der Eingabe von vt102 antworten.

    b) Wenn Sie einen anderen Computer im Netzwerk der Universität Wien verwenden wollen, tippen Sie 4 oder UNI ein. Daraufhin meldet sich der Terminalserver mit Homer> und Sie können entweder telnet hostname oder telnet ip-address verwenden, um mit dem gewünschten Computer im Datennetz der Universität Wien in Verbindung zu treten.

Irgendwann werden Sie sicher genug von den Netzwerkdiensten haben und eventuell auch um Ihre Telefonrechnung fürchten. Dann ist es schön langsam Zeit, die Verbindung zu beenden, was wie folgt durchgeführt werden kann:

  1. a) Beenden Sie Ihre Sitzung auf der IBM ES/9021 mit logoff, wird die Modemverbindung automatisch unterbrochen.

    b) Beschließen Sie die Sitzung auf einem anderen Computer mit logout (oder einem entsprechenden Kommando), kommen Sie wieder an den Terminalserver zurück, der sich mit Homer> meldet und den Sie durch Eingabe von exit, quit oder logout verlassen können, womit auch die Modemverbindung unterbrochen wird.

  2. Beenden Sie das Terminalprogramm.

Wenn Ihnen Ihr Modem was pfeift...

... ist es naheliegend, daß Sie irgend etwas nicht richtig gemacht haben. Dann müssen Sie auch weiterhin die Raumnot an der Universität, die langen Anfahrtszeiten zu Ihrem Büro und Ihre Kollegen ertragen. Es sei denn, der Autor dieses Artikels ist bereit, Ihnen zuzuhören und ein paar Tips zu geben. Sie erreichen ihn in seiner Sprechstunde (Freitag 10 - 11 Uhr) unter der Telefonnummer 4065822-352 bzw. über eMail.