Wer betreut die EDV an den Instituten?

von Peter Rastl (Ausgabe 94/2, September 1994)

 

In den letzten Jahren hat die EDV in praktisch alle Institute und Institutionen der Universität Wien Einzug gehalten. Ob es sich nun aber um einen einzelnen PC für die Textverarbeitung, um eine leistungsfähige Unix-Workstation für Forschungsanwendungen oder um ein lokales Netzwerk mit vielen Arbeitsplatzsystemen handelt: In jedem Fall funktioniert die Hard- und Software auf Dauer nicht von selbst, sondern erfordert eine entsprechende Betreuung. Auch wenn es nur um den persönlichen Arbeitsplatzrechner geht, auf dem kein Fremder unerwartet seine Dateien hinterläßt, versehentlich Systemeinstellungen verändert oder gar Viren einschleppt, wird man regelmäßig seine Daten sichern, gelegentlich die Festplatte "aufräumen" und fallweise eine neue (selbstverständlich lizenzierte) Software-Version installieren wollen. Vielleicht hat auch einmal die Hardware eine Störung, oder es gibt Ärger mit dem Drucker, oder ein Programm verhält sich nicht so wie es sollte - in all diesen Fällen hätte man gerne einen versierten "EDV-Betreuer" zur Verfügung.

Als die EDV-Pioniere an den Instituten ihre ersten PCs in Betrieb nahmen, wurden solche Schwierigkeiten naturgemäß erwartet, und wer sich damals nicht selbst zu helfen wußte, war eben kein EDV-Pionier und verzichtete daher lieber auf ein eigenes Gerät (zumindest wenn kein hilfsbereiter Kollege zur Hand war). Inzwischen stehen jedoch die PCs an der Universität auf dem Schreibtisch des Institutsvorstands ebenso wie im Institutssekretariat, beim Sachbearbeiter in der Universitätsverwaltung ebenso wie am Arbeitsplatz des Wissenschaftlers, und in etlichen Fällen haben Institute auch für die Studenten PC-Labors eingerichtet. Alle diese PC-Anwender wollen heute zu Recht in der EDV ein leistungsfähiges Arbeitshilfsmittel, aber kein technisches Spielzeug sehen; und seit neuerdings die Universitätsgebäude auch noch eine flächendeckende EDV-Verkabelung erhalten, die an jedem Arbeitsplatz einen Datennetz-Anschluß bereitstellt, ist die EDV-Betreuung an den Instituten sicher keine Aufgabe mehr, die mit Pioniergeist allein zu bewältigen wäre.

Services des EDV-Zentrums

"Wer kümmert sich um meine EDV-Probleme?" ist daher an jedem Universitätsinstitut eine durchaus berechtigte Frage. Die Universität verfügt über ein EDV-Zentrum mit dem gesetzlichen Auftrag zur "Betreuung und Koordinierung der an der Universität anfallenden Aufgaben der elektronischen Datenverarbeitung" (§ 90 UOG). Tatsächlich bietet das EDV-Zentrum neben seinen traditionellen, zentralen EDV-Services (Großrechenanlage, Datennetz, etc.) auch Dienstleistungen für die dezentralen EDV-Benutzer in den Universitätsinstituten: Der vom EDV-Zentrum verwaltete EDV-Reparaturfonds kann von den Instituten und sonstigen Universitätseinrichtungen zur Begleichung der Reparaturkosten von EDV-Geräten in Anspruch genommen werden. Im Bereich der Standardsoftware für PCs, Macintosh-Computer und Unix-Workstations hat das EDV-Zentrum universitätsweite Lizenzen für zahlreiche häufig verwendete Softwareprodukte erworben, welche die Institute gegen eine Schutzgebühr über das EDV-Zentrum beziehen können. Für alle Universitätsangehörigen veranstaltet das EDV-Zentrum regelmäßig verschiedene Kurse, und es betreibt im Neuen Institutsgebäude einen allgemein zugänglichen PC-Raum, in dem Universitätsangehörige kostenlos auf PCs arbeiten können (Textverarbeitung, Statistik, Datennetz-Anwendungen, etc.).

EDV-Betreuer an Instituten

Nur in Sonderfällen allerdings kann eine Beratung und Betreuung der individuellen PC-Anwender geboten werden. Während das EDV-Zentrum im Bereich der Verwaltungsdienststellen der Universität zumindest die Erstinstallation der Hard- und Software vornimmt und die PC-Netzwerke einrichtet, ist aufgrund der beschränkten Personalkapazität des EDV-Zentrums eine über eine gelegentliche Auskunft hinausgehende Unterstützung der Institute bei Anschaffung, Installation und Betrieb ihrer PC-Systeme kaum möglich. An der Universität Wien gibt es derzeit etwa 4000 Arbeitsplatzrechner, und mittelfristig ist mit einem weiteren Zuwachs von etwa 500 Geräten pro Jahr zu rechnen. Erfahrungen anderer Unternehmen zeigen, daß - je nach Anwendungsprofil - für je 20 bis 50 PCs ein vollbeschäftigter EDV-Betreuer für einen geordneten Betrieb erforderlich ist. Es ist unmittelbar einsichtig, daß das EDV-Zentrum diese personellen Ressourcen nicht aufbringen kann, aber auch, daß es naiv wäre, eine Lösung dieses Problems durch eine bloße Planstellenvermehrung zu erwarten.

Vielmehr muß die primäre EDV-Betreuung der Arbeitsplatzsysteme in ihrem eigenen Bereich von den jeweiligen Universitätsinstituten bewältigt werden. Eine wichtige Aufgabe des EDV-Zentrums besteht allerdings darin, diesen lokalen EDV-Betreuern die erforderliche Ausbildung und Unterstützung zu bieten. Während also die Betreuung der Endbenutzer lokal in die Verantwortung des Instituts delegiert werden muß, hat das EDV-Zentrum den "second level support" für die Institute zu erbringen. Es ist klar, daß eine solche mehrstufige Betreuungsstruktur an der Universität nicht schlagartig eingeführt werden kann, zumal die Institute ja auch nicht ohne weiteres über die personellen Voraussetzungen für eine entsprechende EDV-Betreuung in ihrem Bereich verfügen. Trotzdem haben sich - der Not gehorchend - an allen Fakultäten und an zahlreichen Instituten "ehrenamtliche" EDV-Betreuer gefunden, die sich nach Kräften um die Aufrechterhaltung des lokalen EDV-Betriebs kümmern, meist unter einer gewissen Beeinträchtigung ihrer eigentlichen universitären Pflichten. Das EDV-Zentrum hat in einer Ende 1993 durchgeführten Umfrage diese Personen erhoben und etwa 300 Rückmeldungen erhalten. Insbesondere für diesen Personenkreis organisiert das EDV-Zentrum regelmäßige Informationsveranstaltungen zu speziellen Themen und versucht auf solche Weise, die EDV-Betreuer in Fachfragen zu unterstützen und zu einem gegenseitigen Wissensaustausch zu ermuntern.

Außenstellen des EDV-Zentrums

Das Problem einer adäquaten EDV-Betreuung der Universitätsinstitute wird zusätzlich verschärft durch die räumliche Aufsplitterung der Universität Wien auf mehr als 100 Standorte in der ganzen Stadt. Es ist kaum möglich, eine halbwegs effiziente Betreuung zu gewährleisten, wenn das Betreuungspersonal des EDV-Zentrums nicht vor Ort verfügbar ist (und somit ständigen Kontakt zu den lokalen EDV-Betreuern halten und sich regelmäßig um die lokalen EDV-Einrichtungen kümmern kann), sondern erst im Störungsfall von anderswo herbeigerufen werden muß. Aus diesem Grund hat das EDV-Zentrum damit begonnen, an wichtigen Standorten - das sind solche mit großer EDV-Konzentration und entsprechender Entfernung zur "Zentrale" im NIG - sogenannte Außenstellen zu errichten: Neben der seit vielen Jahren bestehenden Rechenanlage Physik, die für die Institute der Physik, Chemie und Mathematik im Gebäudekomplex Währingerstraße/Boltzmanngasse/ Strudlhofgasse zuständig und mit drei Mitarbeitern besetzt ist, wurde im Jahre 1992 im neuen Biozentrum in der Dr. Bohr-Gasse die Rechenanlage Biochemie als Außenstelle für die dort befindlichen Institute eingerichtet. Für diese Außenstelle hat das BMWF dem EDV-Zentrum zwei zusätzliche Planstellen mit EDV-Sonderverträgen bewilligt.

An der Universität Wien ist aber in unmittelbarer Zukunft eine ganze Reihe weiterer Außenstellen des EDV-Zentrums erforderlich, und zwar an folgenden Standorten:

  • Im Universitätszentrum Althanstraße (UZA), in dessen Erweiterungsbau - zusätzlich zu den bereits dort befindlichen drei biologischen Instituten - auch die Institute der Fachrichtungen Pharmazie und Erdwissenschaften in den nächsten Monaten übersiedeln werden, ist angesichts der umfangreichen EDV-Ausstattung (ein lokales Netzwerk mit etwa 300 Segmenten und knapp 1000 EDV-Geräten sowie mehrere PC-Labors) eine mit mindestens zwei Fachleuten besetzte Außenstelle unentbehrlich.

  • Im Juridicum, wo kürzlich die Installation des lokalen Netzwerks fertiggestellt werden konnte und nun alle PCs an das Datennetz der Universität Wien angeschlossen sind, ist zur Betreuung dieser Infrastruktur zumindest ein lokaler Mitarbeiter des EDV-Zentrums nötig.

  • Gleiches gilt für den Gebäudekomplex der "Vorklinischen Institute" der Medizinischen Fakultät (Schwarzspanierstraße/Währinger Straße), wo ebenfalls heuer ein flächendeckendes lokales Netzwerk in Betrieb genommen wurde, zu dessen Aufrechterhaltung ein lokaler EDV-Betreuer erforderlich ist.

  • Auch im Archäologiezentrum in der Franz Klein-Gasse (im selben Gebäudekomplex ist auch das Institut für Übersetzer- und Dolmetscherausbildung untergebracht) wird nach Abschluß der EDV-Verkabelungsarbeiten ein lokaler Betreuer des EDV-Zentrums vonnöten sein.

  • Der Bereich des Alten AKH, wohin in den nächsten Jahren der Großteil der Institute der Geisteswissenschaftlichen Fakultät übersiedeln wird, ist wegen der geplanten umfangreichen EDV-Ausstattung (Netzwerk, Geräte, PC-Labors, lokale Services) nur mit einer Außenstelle des EDV-Zentrums zu betreuen, die über mindestens vier Mitarbeiter verfügt. Die gegenwärtig stattfindenden Planungs- und Vorbereitungsarbeiten würden bereits jetzt die Mitwirkung eines Teils dieser Fachleute erfordern.

  • Auch im Betriebswirtschaftlichen Zentrum in der Brünner Straße, wo zur Zeit weitere Bauteile errichtet werden, wird spätestens nach Abschluß der Bauarbeiten eine Außenstelle des EDV-Zentrums eingerichtet werden müssen.

  • Schließlich erfordert auch die in letzter Zeit massiv erweiterte EDV-Infrastruktur im Hauptgebäude einen entsprechenden Personalstand zur lokalen EDV-Betreuung - vor allem im Verwaltungs- und Bibliotheksbereich. Hier ist wegen der Nähe zum Neuen Institutsgebäude zwar keine eigene Außenstelle, wohl aber zusätzliches Personal im EDV-Zentrum erforderlich.

Das Wissenschaftsministerium, das in den letzten beiden Jahren dem Bedarf an zusätzlichem EDV-Personal an der Universität Wien durch Zuweisung mehrerer Planstellen Rechnung getragen hat (z.B. für die Einführung einer computerunterstützten Prüfungsverwaltung), erwartet jedoch - wohl mit Recht - auch gewisse Anstrengungen der Universität, dem ständigen Mehrbedarf an EDV-Betreuung durch Personalumschichtungen im eigenen Bereich zu begegnen. Allerdings ist innerhalb der Universität das Verständnis für die Ressourcen, die zur Bereitstellung und Betreuung einer flächendeckenden EDV-Infrastruktur erforderlich sind, noch nicht genügend entwickelt, und vielfach wird der Personal- und Raumbedarf der universitären Dienstleistungseinrichtungen (also auch des EDV-Zentrums) in eine Reihe mit dem Bedarf der Universitätsinstitute gestellt. Der Personal- und Raumbedarf des EDV-Zentrums rechtfertigt sich aber nicht abstrakt durch die Bedeutung der EDV an sich, sondern ausschließlich aus den Dienstleistungen, die zu erbringen die Universität vom EDV-Zentrum erwartet. Wollen also die Universitätsinstitute, daß das EDV-Zentrum unter anderem die oben erwähnten Außenstellen errichtet, so müssen sie sich dafür auch bei den maßgeblichen Entscheidungsträgern einsetzen. Das EDV-Zentrum allein ist sicherlich nicht in der Lage, hiefür immer neue Ressourcen zu beschaffen, während die eigentlichen Nutznießer gleichzeitig einen konkurrierenden Bedarf anmelden. Das Problem, die EDV an den Universitätsinstituten zu betreuen, kann daher nur gemeinsam bewältigt werden. Das EDV-Zentrum wird seinen Teil dazu gerne beitragen.