Rechensysteme im Neuen Institutsgebäude

(Ausgabe 94/1, Juni 1994)


Die Großrechenanlage IBM ES/9000 Mod. 720 VF

Die Zentraleinheit des Systems wurde im November 1991 installiert. Alle sechs Prozessoren sind mit Vector Facilities ausgestattet, das sind Einrichtungen, die durch die Unterstützung zusätzlicher Instruktionen für viele numerisch intensive Programme einen deutlichen Geschwindigkeitsgewinn bringen. Mit 256 MB Hauptspeicher und 512 MB Erweiterungsspeicher ist der Rechner auch hinsichtlich Memory hinreichend ausgerüstet. Der Plattenplatz wurde im Lauf der Zeit mehrmals aufgestockt. Derzeit sind 135 GB installiert.

Während die Anzahl der für Datensicherung und Archivierung verwendeten Kassettenbandeinheiten vom Typ 3480 von zwei auf sechs angehoben wurde, konnten die Spulenbandeinheiten um eine Einheit reduziert werden. (Da 800bpi-Bänder kaum noch verwendet werden, die Wartung von Bandeinheiten aber eher kostspielig ist, wurde auf die Möglichkeit der Verarbeitung von Bändern dieser Dichte verzichtet.) Die zwei verbliebenen Bandeinheiten für konventionelle Bänder können Bänder der Dichte 1600bpi und 6250bpi verarbeiten.

Im Bereich der Kommunikationsrechner sind Einheiten hinzugekommen, die die Anbindung von Local Area Networks (LANs) erlauben. So unterstützen Kommunikationsrechner des Typs IBM 3174 den Anschluß von PCs über TokenRing. Die Kommunikationsrechner IBM 3172 und OCS M2030 dienen zur Anbindung an Ethernet und TokenRing. Durch die Installation von TCP/IP unter VM ist die Großrechenanlage voll in das Internet integriert.

Die Entwicklung am Softwaresektor war eher ruhig: Das Betriebssystem VM/XA lief in den letzten Jahren sehr stabil, es gab daher wenig Anlaß zu Änderungen. Ein Umstieg auf die momentan aktuellste Variante der VM-Betriebssysteme, VM/ESA, ist vor allem aus finanziellen Erwägungen in unmittelbarer Zukunft nicht geplant.

Der Workstation-Cluster

Seit dem Frühjahr 1992 betreibt das EDV-Zentrum einen Workstation-Cluster, bestehend aus sechs Maschinen des Typs IBM RISC System/6000 Modell 550. Der Cluster wird vor allem für numerisch intensive Programme eingesetzt, die in Form von Batchjobs auf dem Rechnersystem abgearbeitet werden. Obwohl jede der Maschinen auch unabhängig von den anderen arbeiten könnte, ist der Cluster eher als Einheit denn als Ansammlung von sechs individuellen Maschinen zu betrachten. Alle Rechner sind miteinander vernetzt und werden von einem gemeinsamen Batchsystem mit Batchjobs beschickt. Ein von allen Maschinen über NFS zugreifbarer Fileserver enthält die Benutzerdaten und die Software; die an diesen Server angeschlossenen Bandeinheiten dienen zur Sicherung der Benutzerdateien. Die Netzverbindung zwischen den Maschinen erfolgt mittels Ethernet und FDDI unter dem Protokoll TCP/IP. Von außen ist nur eine Maschine des Clusters erreichbar, die es dem Benutzer ermöglicht, seine Batchjobs vorzubereiten und abzuschicken, Programme auszutesten sowie die Ergebnisse und Daten von und zu seinem Arbeitsplatz zu übertragen. Alle anderen Rechner können nur über das Batchsystem benutzt werden.

Der Workstation-Cluster läuft unter dem Betriebssystem AIX (die IBM-Variante von Unix). Das Batchsystem VQS wurde vom EDV-Zentrum entwickelt, da die im Unixbereich verbreiteten Batchsysteme für diesen Einsatz nur beschränkt geeignet sind. Das System, das bei numerisch intensiven Jobs einer Großrechenanlage vergleichbare Leistungen erbringt, hat sich im Laufe der letzten zwei Jahre sehr bewährt; es ist daher geplant, in Zukunft im numerisch intensiven Bereich primär RISC-Rechner einzusetzen.