Computerunterstützte Prüfungsverwaltung an der Uni Wien

(Ausgabe 94/1, Juni 1994)

 

Im Oktober 1992 langte in der Universitätsdirektion der Durchführungserlaß des Wissenschaftsministeriums zur Novelle des Familienlastenausgleichsgesetzes (FLAG) ein, der die Universitäten verpflichtet, künftig Nachweise des Studienerfolgs für alle Studenten auszustellen, die eine Familienbeihilfe beziehen wollen. Das war nun leichter gesagt als getan, zumal es doch an der Universität Wien noch keine EDV-unterstützte Prüfungsverwaltung gab und eine Bewältigung dieser Aufgabe ohne EDV bei geschätzten 300.000 Prüfungen pro Semester auch nicht recht vorstellbar schien. Der Rektor setzte daher unverzüglich ein Projektteam mit dem Auftrag ein, an der Uni eine EDV-unterstützte Prüfungsverwaltung aufzubauen. Die erste Idee ist natürlich, an allen Instituten ein entsprechendes System zur Erfassung der Prüfungsdaten auf PC-Basis zu installieren. Allerdings würde eine verteilte Applikation bei uneinheitlicher Systemumgebung in den einzelnen Instituten unweigerlich zu Inkonsistenzen in den Daten und zu enormen Betreuungsproblemen führen, während eine einheitliche EDV-Ausstattung weder kurzfristig zu installieren noch zu finanzieren ist. Auch eine zentrale Lösung kommt wegen des zu erwartenden hohen Dateneingabevolumens an der Uni Wien nicht ernstlich in Betracht. Alle Hoffnungen konzentrierten sich daher auf eine mäßig dezentralisierte Lösung zur Eingabe von Prüfungsdaten an wenigen, mit den zentralen Datenbanken vernetzten "FLAG-Servicestellen", die in der Folge schrittweise auf immer mehr Institute erweitert werden sollten.

Nach eingehendem Studium der Erfordernisse an der Uni Wien und der an anderen Universitäten verwendeten Prüfungsverwaltungssysteme entschied sich das Projektteam für die Übernahme des an der TU Graz eingesetzten Softwarepakets, das für die Wiener Uni entsprechend adaptiert und erweitert werden mußte. Das Wissenschaftsministerium stimmte dem vorgelegten Projektplan zu, stellte die benötigten Budgetmittel zur Verfügung und bewilligte insgesamt 9 zusätzliche Planstellen für die ADV-Abteilung der Universitätsdirektion und für die Prüfungsämter der Dekanate. Seit Juli 1993 wird intensiv an der Realisierung des Systems gearbeitet.

Mittlerweile läuft das Prüfungsverwaltungssystem der Uni Wien bereits im Testbetrieb, und die ersten "Pioniere" an den Instituten machen sich mit den neuen Möglichkeiten vertraut. Gleichzeitig werden vom "FLAGTeam" die umfangreichen organisatorischen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einsatz des Prüfungsverwaltungssystems geschaffen: Es sollen damit ja nicht nur Studienerfolgsnachweise erstellt, sondern auch alle anderen Bereiche des Prüfungswesens automatisiert werden, wie die Prüfungsanmeldung durch die Studenten oder die Abrechnung der Prüfungstaxen. Das Projektteam ist zuversichtlich, offene Probleme noch so zeitgerecht lösen zu können, daß programmgemäß im Wintersemester 1994/95 das neue System in Produktion gehen kann und die "FLAG-Bestätigungen" erstmals vom Computer erstellt werden.