Der FTP-Server der Universität Wien

(Ausgabe 94/1, Juni 1994)

 

FTP (File Transfer Protocol) ist das gebräuchlichste Programm zur Dateiübertragung unter dem Protokoll TCP/IP, auf dem auch das Datennetz der Universität beruht. Der folgende Artikel soll eine Einführung in die Verwendung des FTP-Servers der Universität Wien bieten; eine ausführliche Beschreibung finden Sie im Handbuch Dateiübertragung im Datennetz der Universität Wien (erhältlich in der Servicestelle des EDV-Zentrums).

FTP-Server im allgemeinen

FTP-Server sind Einrichtungen, die den Zugriff über das Netz auf vielfältige Softwareprodukte und Dokumentationen ermöglichen. Viele Institutionen (EDV-Zentren, Institute, Firmen usw.) bieten solche Server kostenlos an. Der Zugang ist für jeden Benutzer frei möglich, allerdings übernehmen die Betreiber keine Garantien für die Qualität der angebotenen Produkte.

Mit dem Zugang zum Internet steht jedem Benutzer eine riesige Menge von Dateien auf diesen Servern zur Verfügung. Man findet Programme für die unterschiedlichsten Rechner, Dokumentationen, Normen, Tutorials, Zeitschriften, zum Teil ganze Bücher, Bilder und Geräusche, die in digitaler Form gespeichert sind, sowie Daten aus den unterschiedlichsten Bereichen. Alle diese Dateien können von den diversen Servern zumeist mittels Anonymous FTP abgerufen werden. Anonymous FTP ist eine Variante von FTP, bei der der Benutzer weder User-Identifikation noch Paßwort am fremden Rechner benötigt.

Das Angebot an Programmen ist sehr groß und am Anfang oft nicht überschaubar. Die Auswahl reicht von kleinen, wenige tausend Byte umfassenden Utilities bis zu Programmsystemen mit mehr als 10 000 Dateien und einem Plattenplatzbedarf von über 100 MB. Programme für PCs und Macs sind zumeist bereits in übersetzter Form verfügbar, Programme für Unix-Rechner liegen jedoch üblicherweise in Quellenform vor. Programme für virusanfällige Rechner (primär PCs und Macs) werden von den meisten Betreibern großer FTP-Server vor der Veröffentlichung auf Virenfreiheit überprüft. So kann man zwar in der Regel davon ausgehen, daß die Programme virenfrei sind; trotzdem ist aber eine Überprüfung mit einem entsprechenden Schutzprogramm zu empfehlen.

Die meisten FTP-Server haben ihre Dateien in einem ausgeklügelten System von Directories und Subdirectories angelegt. Es ist nicht immer leicht, die gewünschten Daten zu finden. Eine Hilfe bieten verschiedene Informationsdateien (meist README genannt), die in den jeweiligen Subdirectories abgelegt sind und in denen der Inhalt der Dateien bzw. Subdirectories beschrieben ist. Oft enthält jenes Directory, in dem man sich nach dem Verbindungsaufbau befindet, ein Gesamtverzeichnis aller verfügbaren Dateien (häufig unter dem Namen INDEX oder ls-lR - nach dem Unix-Befehl "ls -lR", der nicht nur die Dateien eines Directory, sondern auch jene aller darunter befindlichen Subdirectories listet). Hilfreich sind auch sogenannte "Archie-Server", die Datenbanken mit Dateiverzeichnissen der wichtigsten öffentlich zugänglichen FTP-Server der Welt enthalten. Es ist geplant, den Archie-Server der Uni Wien in einer der nächsten Nummern des Comment ausführlich vorzustellen.

Das Internet ist ein weltweites Netz. Dementsprechend sind zwar die verschiedenen FTP-Server über die ganze Welt verstreut; das bedeutet aber keineswegs, daß sie sich auch im Inhalt völlig unterscheiden. Im Gegenteil, bei den meisten FTP-Servern besteht der Großteil der Programme aus Kopien, die von anderen FTP-Servern übernommen wurden. Das Ziel ist, die Belastung des Netzwerks zu senken - es gehört zum guten Ton, daß jeder Benutzer, der an einem bestimmten Programm interessiert ist, es zuerst am nächstgelegenen Server sucht. Selbstverständlich gibt es Programme, die nur auf einem oder wenigen FTP-Servern der Welt existieren, und selbstverständlich kann man sich dann dieser Server bedienen. Unerwünscht ist jedoch, daß Dateien, die ohnehin auf dem lokalen FTP-Server liegen, aus bloßer Ignoranz über die internationalen Leitungen geholt werden.

Bitte bedenken Sie, daß dieses Netzwerkservice auf der freiwilligen Kooperation vieler unterschiedlicher Institutionen beruht, deren guten Willen man nicht überstrapazieren sollte. Oft zitiert wird in diesem Zusammenhang der Satz: "Anonymous FTP is a privilege, not a right."

Der FTP-Server der Uni Wien

Der Zweck des FTP-Servers der Universität Wien ist es, populäre und häufig gefragte Programme anzubieten und so zur Schonung des Netzwerkes beizutragen. Die angebotenen Programme und Dateien stammen fast ausschließlich von anderen, in dem entsprechenden Bereich führenden FTP-Servern. Automatische Prozeduren überprüfen in kurzen Zeitabständen, ob diese Server neue Versionen und neue Programme enthalten. Ist das der Fall, werden diese auf den FTP-Server der Uni Wien übertragen. Damit ist sichergestellt, daß die angebotenen Programme immer am aktuellen Stand gehalten werden.

Die Internet-Adresse des FTP-Servers der Universität Wien ist FTP.UNIVIE.AC.AT. Man muß daher den Befehl ftp ftp.univie.ac.at eingeben, um die Verbindung aufzubauen. (Bei Netzwerkadressen ist Groß-/Kleinschreibung belanglos.)

Die Datenübertragung erfolgt mittels Anonymous FTP. Bei dieser Variante von FTP gibt man als User-Identifikation anonymous an; da dies aber zu Tippfehlern geradezu einlädt, wird auch die einfachere User-Identifikation ftp akzeptiert. Danach wird man aufgefordert, als Paßwort seine eMail-Adresse einzugeben (z.B. BENUTZER@PCX.XY.UNIVIE.AC.AT). Obwohl der Server der Universität Wien im Gegensatz zu manchen anderen FTP-Servern nicht auf einer korrekten Antwort besteht, sollte man dies tun. Es ermöglicht nämlich dem Administrator des Servers einen Überblick über seinen Kundenkreis.

Wie der überwiegende Teil aller FTP-Server ist auch der FTP-Server der Universität Wien ein Unix-Rechner und es gelten die im Unix-Bereich üblichen Konventionen:

  • Groß-/Kleinschreibung ist signifikant. Die Bezeichnungen Xdata, XDATA und xdata sind unter Unix nicht wie unter MS-DOS drei verschiedene Schreibweisen für ein und dieselbe Datei, sondern drei völlig unterschiedliche Dateinamen.

  • Das Filesystem ist baumartig, wie etwa auch unter MS-DOS. Allerdings werden in Pfadnamen die Directories mit Schrägstrichen ("/") getrennt, während in MS-DOS der inverse Schrägstrich ("\") verwendet wird.

Die Unmenge der vorhandenen Dateien übersichtlich und nach einheitlichen Kriterien abzulegen, ist nicht leicht und macht von Zeit zu Zeit eine Umstrukturierung erforderlich. Gegenwärtig ist der FTP-Server der Uni Wien so gegliedert, daß man nach dem Verbindungsaufbau folgende wichtigen Directories findet:

  • archive (Sammlung von interessanten Artikeln aus UsenetNews-Gruppen)
  • doc (Dokumentation des FTP-Servers)
  • journals (elektronische Zeitschriften)
  • mac (Software für Macintosh; enthält hauptsächlich das "Sumex Archive of Macintosh Software" der Stanford University)
  • netinfo (Informationen über verschiedene Netzwerke, Netzwerknormen usw.)
  • os2 (Software für OS/2)
  • packages (wichtige Softwarepakete wie TEX, GNU, X11, LAPACK)
  • pc (Software für PCs unter MS-DOS, MS-Windows und Novell; enthält u.a. den kompletten PC-Teil des SIMTEL-Archivs)
  • security (Software und Informationen zum Thema Sicherheit von Rechnern und Netzwerken)
  • systems (Software zu verschiedenen Betriebssystemen ; z.B. Linux, AIX, HP/UX, ...)
  • univie (lokale Informationen der Universität Wien)

Gewisse Directories sind über verschiedene Pfadnamen erreichbar. So führen zum Beispiel die folgenden Pfadnamen zu den identen Directories:

  • pc/antivirus = systems/dos/antivirus
  • pc/dos = systems/dos/simtel
  • pc/fileutil = systems/dos/fileutil
  • pc/novell = systems/novell
  • pc/windows = systems/win3

Zu einem Programm gehören so gut wie immer mehrere Dateien. Auch wenn das Programm selbst nur aus einer Datei besteht, sind üblicherweise weitere Dateien mit Benutzungsanleitungen, Installationshinweisen, Beispielen usw. vorhanden. Sie alle sind zumeist mit entsprechenden Programmen in einer einzigen Datei zusammengefaßt und komprimiert worden; das bietet den Vorteil, daß weniger Platz am Server benötigt wird und der Transport über das Netzwerk schneller erfolgt. Der Benutzer muß dann allerdings die Dateien auf seinem Rechner wieder "auspacken". Eine Übersicht der gebräuchlichsten Dateiformate sowie der dazugehörigen Programme ist für die nächste Nummer des Comment geplant.

Rechtslage

Man bezeichnet die auf den verschiedenen Servern abgelegten Programme oft pauschal als "Public Domain Software". Das ist jedoch nicht ganz richtig: Tatsächlich ist der urheberrechtliche Status der einzelnen Programme oft völlig unterschiedlich und nicht alle Fragen bezüglich Copyright lassen sich einfach und einheitlich beantworten. Manche Programme sind vollkommen frei und man kann damit tun, was immer man will. Andere Programme können beliebig verändert und weitergegeben werden; die Autoren behalten sich lediglich vor, daß die im Programm oder der Dokumentation enthaltenen urheberrechtlichen Vorbehalte nicht entfernt werden dürfen. Häufig wird auch jede Weitergabe gegen ein Entgelt, das mehr als die reinen Kopier- und Distributionskosten abdeckt, untersagt.

Im PC- und Mac-Bereich zählt ein bedeutender Teil der angebotenen Programme zur sogenannten Shareware. Shareware ist Software, die zwar auch dem Urheberrecht unterliegt, der Autor selbst gestattet aber ausdrücklich, sie zu kopieren und weiterzugeben. Er erwartet sich im allgemeinen eine kleine finanzielle Anerkennung, wenn dem Benutzer die Software gefällt und er sie weiterhin verwenden will. Nach Zahlung dieser meist relativ geringen Gebühr erhält man Unterlagen, Fehlerkorrekturen und verbesserte Versionen.

Fazit: Es ist so gut wie immer legal, die auf den verschiedenen FTP-Servern abgelegte Software auf seine Maschine zu übertragen. Der urheberrechtliche Status des jeweiligen Produkts ist üblicherweise aus der Dokumentation zu ersehen. Fast allen Programmen ist gemeinsam, daß der Autor jede Art der Gewährleistung ablehnt und jegliche Leistung von Schadenersatz für Fehler des Programmes ausschließt.

Der FTP-Server der Uni Wien in Zahlen

  • Zahl der durchschnittlichen Anwahlvorgänge pro Werktag: 2 000
  • Durchschnittlich übertragene Datenmenge pro Werktag: 1 Gigabyte
  • Anzahl der gespeicherten Dateien: 60 000
  • Gesamtgröße aller gespeicherten Dateien: 10 Gigabytes
  • Die beliebtesten Directories:
    pc/windows
    systems/linux
    pc/dos
    mac/info-mac
    pc/fileutil