Datennetze in Österreich & weltweit

(Ausgabe 94/1, Juni 1994)

 

Das Datennetz der Universität Wien ist in mehreren Stufen an die Außenwelt angebunden: Innerhalb Wiens ist es mit den anderen Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen vernetzt. Für die Verbindung zwischen den verschiedenen Universitätsstandorten Österreichs sorgt ACOnet (das österreichische Wissenschaftsnetz), welches wiederum an die internationalen Netze angeschlossen ist.

Als Basisprotokoll wird derzeit IP eingesetzt. Da es aber möglich ist, aufbauend auf IP auch andere Protokolle wie Novell IPX, X.25, SNA oder DECnet/Phase IV zu unterstützen, stehen nicht nur die üblichen TCP/IP-Dienste (telnet, FTP, Mailing nach SMTP usw.) zur Verfügung, sondern es können zum Beispiel auch OSI-Dienste wie X.400 oder X.500 angeboten werden.

Universitätsdatennetz Wien

Seit einigen Jahren ist eine Arbeitsgruppe bemüht, die Netzwerkverbindungen innerhalb Wiens zu koordinieren und den Bedürfnissen entsprechend auszubauen. Das Projekt, bei dem das EDV-Zentrum der TU Wien federführend ist, läuft unter dem Titel "Universitätsdatennetz Wien" (UDN-Wien). Angeschlossen sind nicht nur die Wiener Universitäten, sondern auch andere Einrichtungen des Bundes. Jeder der Teilnehmer betreibt in seinem Bereich ein eigenes Datennetz, das über einen Router in das UDN-Wien eingebunden wird.

Derzeit sind folgende Institutionen integriert:

  • Akademie der Bildenden Künste
  • Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
  • Hochschule für Angewandte Kunst
  • Naturhistorisches Museum
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften
  • Österreichische Nationalbibliothek
  • Österreichisches Statistisches Zentralamt
  • Technische Universität Wien
  • Universität für Bodenkultur
  • Universität Wien
  • Veterinärmedizinische Universität
  • Wirtschaftsuniversität Wien
  • Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik

Alle Teilnehmer des UDN-Wien sind entweder an die TU oder die Universität mittels Glasfaserkabel oder 128 kb/sec-Leitungen angebunden. Zwischen diesen beiden Standorten existiert eine Glasfaserverbindung, die mittels FDDI mit einer Geschwindigkeit von 100 Mb/sec betrieben wird. An der Universität Wien ist das UDN-Wien an das ACOnet und die internationalen Netze angeschlossen.

ACOnet

1990 hat ACOnet (Austrian Academic Computer Network), ein nationales Datennetz für den Wissenschafts- und Forschungsbereich, seinen Betrieb aufgenommen. ACOnet ist vor allem für die Verbindung zwischen den einzelnen Universitätsstädten und für die Anbindung Österreichs an die internationalen Netze zuständig.

Der steigende Verkehr sowie die Notwendigkeit der Einführung neuer Dienste, die höhere Bandbreiten benötigen, machen einen ständigen Ausbau des ACOnet erforderlich. Im Juni 1994 konnte die jüngste Erweiterung abgeschlossen werden, welche die Übertragungsgeschwindigkeit auf ein Vielfaches erhöht:

Basis des neuen ACOnet-Trägernetzes ist das öffentliche Hochgeschwindigkeitsnetz der österreichischen Post. Dieses hat den Namen MAN (Metropolitan Area Network - in diesem Fall jedoch ein österreichweites Netz) und wird mit einer Geschwindigkeit von 34 Mb/sec betrieben. Die Universitätsstandorte Wien, Linz, Graz, Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt sind über leistungsfähige Router mit 2 Mb/sec-Verbindungen an das MAN angebunden. Leoben ist mit einer 64 kb/sec-Leitung (demnächst 128 kb/sec) über Graz angekoppelt.

Damit die einzelnen Standorte bei einem Ausfall des MAN nicht vollkommen von der Welt abgeschnitten sind, sind Backup-Verbindungen über ISDN (Integrated Services Digital Network, ein öffentlicher Dienst der Post) geplant, die bei Ausfällen automatisch aktiviert werden.

Zugang zu internationalen Netzen

Das derzeit nicht nur im wissenschaftlichen Bereich absolut dominierende Netz ist das Internet. Mehr als 2 Millionen Rechner in über 60 Ländern sind an das Internet angeschlossen. Das Internet ist kein in sich geschlossenes Netz, sondern besteht aus vielen regionalen Subnetzen. Während in den USA durch die Verwendung des NSFnet als Backbone eine relativ klare Struktur gegeben ist, ist die Situation in Europa weniger eindeutig.

So gibt es einerseits "EBONE", eine Interessensgemeinschaft der Betreiber europäischer Wissenschaftsnetze, die in den letzten Jahren eine leistungsfähige europäische Kommunikationsinfrastruktur aufgebaut hat und auch adäquate Transatlantikverbindungen betreibt. Andererseits wird von der Europäischen Union "EuropaNET" gefördert, das ebenfalls Zugang zu Internet und Kommunikation innerhalb Europas bietet. Eine Folge der uneinheitlichen Struktur und des differierenden Aufbaus der nationalen Netze sind starke Qualitätsunterschiede bei den Netzverbindungen innerhalb Europas.

Selbstverständlich gibt es neben dem Internet noch eine Reihe anderer Netzwerke. Seit Jahren in Österreich in Verwendung ist EARN/Bitnet, ein Wissenschaftsnetz, das im wesentlichen Großrechenanlagen oder zentrale Server verbindet. Durch die starke Dezentralisierung der wissenschaftlichen EDV ist die Bedeutung von EARN/ Bitnet in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Das EDV-Zentrum der Universität Wien betreibt auf seiner IBM-Großrechenanlage gegenwärtig (und wohl noch einige Zeit) den österreichischen Landesknoten AEARN.

Derzeit ist das Datennetz der Universität Wien über ACOnet an folgende internationale Datennetze angebunden:

  • Internet: zwei EBONE-Anschlüsse, die Wien mit Genf (CERN) und Amsterdam über je eine 256 kb/sec-Leitung verbinden, sowie ein Anschluß an EuropaNET über eine 64 kb/sec-Leitung nach Bern

  • EARN/Bitnet: Anschluß über den österreichischen EARN-Landesknoten AEARN an der Universität Wien, unter Verwendung der Infrastruktur des Internet

Ein weiterer Schwerpunkt Österreichs bei der Errichtung internationaler Verbindungen ist die Anbindung der zentral- und osteuropäischen Staaten, deren Netzwerkaktivitäten im Rahmen von CEENet (Central and Eastern European Networking Association) koordiniert werden.

Zur Zeit existieren Leitungsverbindungen zwischen der Universität Wien/ACOnet und folgenden Ländern:

  • 128 kb/sec:
    CZ (Wien - Prag)

  • 64 kb/sec:
    HR (Wien - Zagreb)
    HU (Wien - Budapest; 2 Leitungen)
    PL (Wien - Warschau)
    SI (Wien - Ljubljana; in Vorbereitung)
    SK (Wien - Bratislava)

  • Leitungen mit niedrigerer Geschwindigkeit:
    Wien - Bukarest
    Wien - Sofia
    Wien - Teheran

Das Datennetz der Universität Wien bietet auch Zugang zum X.25/Datex-P-Netz der Post (dafür ist jedoch eine User-ID erforderlich; die anfallenden Datex-P-Kosten werden verrechnet):

  • Benutzer, die an einem PC bzw. ASCII-Rechner arbeiten und an das Datennetz der Universität angeschlossen sind, können mittels Telnet den Servicerechner ACCESS.CC.UNIVIE.AC.ATund über diesen das X.25/Datex-P-Netz der Post erreichen.
  • Benutzer, die ein an die VM-Rechenanlage angeschlossenes 3270-Terminal verwenden, können mit Hilfe des Programmes SNAPAD in das X.25/Datex-P-Netz der Post gelangen.

Einige Informationsdienste, wie die Datenbank des Statistischen Zentralamts (ISIS) oder das Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), sind über die VM-Rechenanlage mittels SNA erreichbar.

Modem-Zugang zum Datennetz der Universität

Um den Zugriff auf das Datennetz der Universität Wien auch von zu Hause oder unterwegs mittels eines Modems zu ermöglichen, hat das EDV-Zentrum eine Modemserie eingerichtet, die aus 9 Modems besteht und unter der Telefonnummer 0222/438971 angewählt werden kann. Im Informationsblatt Wählleitungszugang zu den Services des EDV-Zentrums ist die empfohlene Vorgangsweise (Kopieren des teilweise vorkonfigurierten Datenkommunikationsprogrammes "Kermit" vom FTP-Server der Universität Wien, Konfigurieren von Programm und Modem, Verbindungsaufbau und -abbau) detailliert beschrieben. Das Informationsblatt ist in der Servicestelle des EDV-Zentrums bzw. als PostScript-Datei am FTP-Server der Universität Wien  erhältlich.