Handy entlaufen
Was nun?

von Alexander Talos-Zens (Ausgabe 10/1, März 2010)

 

Ob aus eigener Erfahrung oder durch Erzählung von Bekannten, fast jeder kennt die Situation: Das Mobiltelefon ist – vielleicht sogar durch „Fremdeinwirkung“ – abhanden gekommen. Dennoch ist vielen kaum bewusst, was einen zusätzlich zum Verlust des Gerätes erwarten kann bzw. welche vorbeugenden Maßnahmen man für den Fall des Handyverlustes treffen sollte. Mit ein wenig Wissen kann nämlich verhindert werden, dass sich zum vorübergehenden Verzicht auf die gewohnte ständige Erreichbarkeit noch weit schmerzlichere Erfahrungen gesellen.

Den Teufel an die Wand gemalt

Finanzieller Verlust

Wie könnte die Schadensbilanz im schlimmsten Fall aussehen? Zunächst einmal ist das wohldesignte Gerät samt Zubehör wie dem modischen Case und dem eben erst nachgekauften Akku weg. Der Preis für die Neuanschaffung kann dabei zwischen null und – wenn der laufende Vertrag noch keinen subventionierten Kauf erlaubt – mehreren hundert Euro liegen. Außerdem wird eine neue SIM-Karte (Subscriber Identity Module) fällig. Die Kosten dafür liegen bei üblichen Providerverträgen bei 10 bis 20 Euro.

Apropos SIM: Wussten Sie, dass dies sozusagen die Kreditkarte Ihres Mobiltelefons ist? Was bei der Kreditkarte die Kartennummer und das Ablaufdatum sind, ist beim SIM die sogenannte IMSI (International Mobile Subscriber Identity), über die die genutzten Dienste abgerechnet werden.1) Zwischen Kreditkarte und SIM-Karte besteht jedoch ein entscheidender Unterschied: Wenn man nämlich den Diebstahl oder Verlust nicht gleich bemerkt, haftet man bei der Kreditkarte nur für maximal 150 Euro2). Bei der SIM-Karte hingegen muss man alle Gebühren, die vor der Sperre anfallen, in voller Höhe bezahlen! Das steht auch ganz deutlich in den AGB der Provider.

Kriminelle Banden könnten sich ein Körberlgeld verschaffen, indem sie mit gestohlenen Mobiltelefonen von ihnen selbst betriebene, kostenpflichtige Hotlines anrufen oder diverse Mehrwertdienste3) nutzen. Die dabei anfallenden Gebühren können richtig heftig werden: In Einzelfällen wurde über Rechnungen von mehreren tausend Euro berichtet!4) Die gute Nachricht: Bislang ist die Professio­nalisierung in diesem Sektor offenbar noch nicht weit fortgeschritten und die drastischen Fälle bleiben noch die Ausnahme. Bei den wenigen gestohlenen Diensthandys der Universität Wien blieben die vertelefonierten Beträge bisher im zweistelligen Bereich.

Je mehr Dienste Sie mit Ihrem Handy nutzen, desto mehr Probleme kommen hinzu. Dazu nur zwei Beispiele: Haben Sie Paybox eingerichtet? Die Haftung beträgt je nach Nutzungsart zwischen 150 oder 750 Euro.5) Wird z. B. eine Tasche mit Telefon und Bankomatkarte gestohlen und steht im Telefonbuch unter dem Eintrag Bankomat eine vierstellige Zahl, braucht ein Dieb kein Einstein zu sein, um das Konto zu plündern.

Oft als „Handy ohne Vertrag“ fehlbezeichnet6), ist auch bei Wertkarten das Risiko nicht immer mit dem aufgeladenen Guthaben begrenzt. Das liegt daran, dass je nach technischer Umsetzung – also je nach Provider – manche Dienste verspätet abgerechnet werden können: Telefonate aus dem Ausland, im Ausland angerufen werden, Mehr­wert­dienste wie Klingeltonabonnements usw. Es ist also auch bei Prepaid-Verträgen durchaus möglich, dass Forderungen weit über das aufgeladene Guthaben hinaus entstehen und auch eingefordert werden.7)

Datenverlust

Zum direkt materiellen Schaden kommt noch, dass die am Handy gespeicherten Daten – Telefonnummern, Kalender­einträge, SMS-Nachrichten, Bilder, Musik etc. – weg sind, und zwar gleich in zweierlei Hinsicht. Erstens kann der/die berechtigte Benutzer/Benutzerin nicht mehr darauf zugreifen, was sich z. B. durch geplatzte Termine und verlorene Klingeltöne wieder in finanziellem Schaden äußern kann. Zweitens kann jetzt jemand anderer diese Daten lesen. Glücklicherweise mangelt es den meisten Krimi­nellen an Kreativität und Fähigkeit zu planmäßigem Han­deln – aber oft lassen sich die gespeicherten Infor­mationen gewinnbringend nutzen.

Es wurden auch schon bekannte Personen erpresst, die sehr private und nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Bildchen am Telefon gespeichert hatten.8) Merke: In den Speicher des Mobiltelefons gehören keine Heimlichkeiten und keine Peinlichkeiten! Zu guter Letzt: Nicht auszudenken, welche Scherereien auf Sie zukommen, wenn das Telefon für kriminelle Handlungen missbraucht wird!

Schadensbegrenzung

Für ein paar Euro im Monat kann man sein Mobiltelefon versichern. Üblicherweise decken diese Versicherungen aber keine Gesprächsgebühren, sondern nur den Wert des Geräts – und das nicht einmal bei einfachem Verlust. Bei stark subventionierten Vertragsgeräten wird sich eine Versicherung also kaum auszahlen, allenfalls bei teuren Endgeräten, zumal die Versicherung auch Schäden durch Feuchtigkeit, Herunterfallen und ähnliches deckt.

Mehrwertdienste sperren

Eine wirksame Maßnahme zur Kostenvermeidung besteht darin, Nummernbereiche von teuren Mehrwertdiensten9) zu sperren, wobei man wählen kann, ob das für Sprach­telefonie, SMS oder beide Dienste gelten soll. Das Sperren dieser Nummern kann je nach Provider bis zu 20 Euro kos­ten. Erkundigen Sie sich über Gebühren und Modalitäten der Sperre beim Kundenservice Ihres Providers! Das Sperren von Mehrwertdiensten bei Diensthandys der Universität Wien ist kostenlos. Senden Sie bitte eine E-Mail an Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailhandy.zid@univie.ac.at und geben Sie bitte genau an, ob Sie Sprache, SMS oder beide Dienste gesperrt bekommen möchten.

Handy-Notfallkarte

Sobald Sie den Verlust Ihres Handys bemerken, sollten Sie sofort handeln. Hilfreich ist in dieser Situation, alle erforderlichen Daten zur Sperrung des Gerätes bei der Hand zu haben. Bei der Übernahme Ihres Diensthandys erhalten Sie eine Notfallkarte, auf der die Nummern Ihres Handys (intern & extern), die Modellbezeichnung, IMEI und SIM-Nummer sowie die Rufnummern zur Sperrung angegeben sind.

Bei Verlust Ihres Diensthandys rufen Sie bitte umgehend eine der dort aufgeführten Nummern an und lassen Ihre interne Rufnummer sperren.

Schreiben Sie nach diesem Telefonat schnellstmöglich eine Verlustmeldung an Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailhandy.zid@univie.ac.at. Geben Sie dabei sowohl die offizielle als auch die interne Rufnummer des Handys an. Falls Sie eine der beiden Rufnummern nicht wissen, können Sie sich unter dem Link Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttps://www.univie.ac.at/ZID/handy-­webmaske/ mit Ihrem Mailbox-Account einloggen und Ihre Rufnummer dort ablesen.

Falls das Gerät wieder gefunden wird, werden die Berechtigungen wieder aktiviert; anderenfalls muss ein Duplikat der SIM-Karte beantragt werden. Weitere Informationen dazu finden Sie unterÖffnet einen externen Link in einem neuen Fenster www.univie.ac.at/ZID/hardwarereplacement/.

SIM-Karte mit PIN

Wie viele andere Chipkarten auch haben die in das Mobiltelefon eingesetzten SIM-Karten10) den bekannten Zugriffsschutz mittels Geheimzahl, die als PIN (Personal Identification Number) bekannt ist, in den Mobiltelefon­standards aber eigentlich CHV (Card Holder Verification Information) genannt wird.Diese muss beim Einschalten des Mobiltelefons eingegeben werden, andernfalls verweigert die SIM-Karte die Zusammenarbeit, insbesondere die zum Einbuchen in das Mobilfunknetz notwendige Authentifizierung.

Um das Knacken der PIN mittels Durchprobieren zu verhindern, sperrt sich die Karte nach drei Fehlversuchen selbst und kann nur mittels Personal Unblocking Key (PUK) wieder freigeschaltet werden. Die Sicherung von Chipkarten mittels PIN und PUK ist an sich bekannt und bewährt. Dass sich die Karte selbst schützt und sich nicht auf das Handy verlässt, verhindert auch, dass etwa ein Dieb/eine Diebin sie einfach in ein anderes Gerät einsetzt und damit nach Herzenslust telefoniert.

Tastensperre mit Code? Ja bitte!

Gelangt ein Telefon in fremde Hände und ist es, wie wohl meistens in so einer Situation, bereits eingeschaltet, greift der PIN-Schutz der SIM-Karte nicht: Die PIN wurde ja bereits eingegeben und die SIM-Karte damit entsperrt. In dieser Situation muss das Telefon selbst den Missbrauch verhindern, und dafür gibt es bei vielen Modellen eine einfache Lösung: Die sich selbst aktivierende Tastensperre mit Sicherheitscode.

Wenn eine bestimmte Zeit lang keine Tasten gedrückt wurden, blockiert eine Tastensperre alle Funktionen des Tele­fons. Ist zusätzlich noch der Sicher­heits­code aktiviert, werden die Tasten erst frei­­gegeben, nachdem man einen geheimen Code einge­geben hat – mit der nützlichen Ausnahme, dass eingehende An­rufe weiterhin wie gewohnt entgegen ge­­­nom­men werden können.11)

Im Kasten Einstellen der Tastensperre mit Code am Beispiel des Nokia 2630 wird erklärt, wie sich bei vielen Nokia-Modellen diese Funktion ak­tivieren lässt. Leider verfügt nicht jedes Handy über eine Tas­ten­sperre mit Code, und werksseitig aktiviert ist sie schon gar nicht. Mit­unter lässt sich diese Funk­tion jedoch mit Software von Dritt­an­bie­­tern nach­rüsten.12)

 

Einstellen der Tastensperre mit Code am Beispiel des Nokia 2630

1. Sicherheitscode wählen

Wählen Sie den Code, mit dem Sie hinkünftig Ihr Telefon entsperren. Dieser sollte mindestens fünf Ziffern lang und einigermaßen originell sein:
12345, 55555 oder Ihr Geburtsdatum wären eine weniger gute Wahl. Merken Sie sich den Sicherheitscode gut; wenn Sie ihn aufschreiben möchten, hinterlegen Sie ihn bitte an einem sicheren Ort (z. B. Tresor) und keinesfalls in der Schreibtischlade.

2. Sicherheitscode einstellen

Drücken Sie die Navigationstaste, um ins Menü zu gelangen. Wählen Sie dann Einstellungen – Sicherheit – Zugriffscodes – Sicherheitscode ändern. Geben Sie den alten Sicherheitscode ein – die Voreinstellung bei Nokia ist 12345 – und dann zwei Mal den von Ihnen gewählten Code. Bestätigen Sie jedes Mal die Eingabe mit der Naviga­tions­taste. Danach drücken Sie die Beenden-Taste, um das Menü zu verlassen.

3. Optional: PIN einstellen

Wenn Sie möchten, können Sie die PIN der SIM-Karte auf den selben Wert wie den Sicherheitscode setzen. Dazu drücken Sie die Navigationstaste, um ins Menü zu gelangen. Wählen Sie dann Einstellungen – Sicherheit – Zugriffscodes – PIN ändern. Geben Sie die alte PIN ein und dann zwei Mal Ihren Sicherheitscode. Bestätigen Sie jedes Mal die Eingabe mit der Navigationstaste. Danach drücken Sie die Beenden-Taste, um das Menü zu verlassen.

4. Automatische Tastensperre aktivieren

Drücken Sie die Navigationstaste, um ins Menü zu gelangen. Wählen Sie dann Einstellungen – Telefon – Automatische Tastensperre. Bestätigen Sie die Einstellung Ein, dann stellen Sie die Zeit bis zur Aktivierung ein und bestätigen Sie mit der Navigationstaste. Drücken Sie die Beenden-Taste, um das Menü zu verlassen.

5. Sicherheits-Tastensperre aktivieren

Drücken Sie die Navigationstaste, um ins Menü zu gelangen. Wählen Sie dann Einstellungen – Telefon – Sicherheits-Tastensperre. Bestätigen Sie die Einstellung Ein drücken Sie die Beenden-Taste, um das Menü zu verlassen.

Die Tas­tensperre ist nicht Fort Knox: Spezialisten haben realistische Chancen, sie zu umgehen, aber ein Standarddieb wird mit einem mit Code gesicherten Gerät kaum etwas anfangen. Sollte der das Handy tatsächlich einem Fachkundigen zur weiteren Verwertung übergeben, haben Sie in der Zwischenzeit hoffentlich den Verlust bemerkt und die SIM-Karte gesperrt. Dieser Zeitgewinn kann bares Geld wert sein!

Haltet den Dieb!

Handyortung, Sperrlisten & Co: Die Chancen, ein gestohlenes oder unehrlich gefundenes Mobiltelefon wiederzuerhalten, stehen schlecht. Eine Hoffnung sei gleich zunichte gemacht: Die Ortung durch den Provider wäre nicht genau genug, um direkt in die Wohnung des Diebes zu führen. Obendrein wäre das administrative Prozedere zu aufwendig und die Kosten stünden in keinem tragbaren Verhältnis zum Wert des Geräts.

Wenn man dem Dieb/der Diebin doch wenigstens die Freude verderben könnte! Mobilfunknetze können End­ge­räte anhand ihrer IMEI (Inter­national Mobile Equip­­ment Identity, so etwas wie die Fahr­ge­stell­­num­mer beim Auto) aussperren. Damit das effektiv ist, müsste man weltweit bei jedem Provider einzeln diese Sperre beantragen. Die Realität ist ernüchternd: Eine IMEI-Sperre ist in Österreich nur bei Orange möglich13), bei allen anderen Providern kann ein gesperrtes Telefon also ungehindert benutzt werden.

Es gibt zumindest einen plausiblen Grund, warum so viele Provider Sperrmuffel sind und warum nicht schon längst internationale Sperrlisten geführt werden: Die IMEI im Gerät kann man umprogrammieren. Mit sogenannten Flashern, die das Handy über die für Softwareupgrades vorgesehene Schnittstelle ansprechen, ist das bei den meisten Geräten relativ leicht möglich. Eigentlich logisch: Da die Systemsoftware dem Netz beim Einbuchen die IMEI bekanntgibt, kann eine als „Upgrade“ eingespielte, andere Software auch eine andere IMEI angeben.14)

Übrigens: Wenn Sie ein gebrauchtes Telefon kaufen, können Sie die im Batteriefach angebrachte IMEI mit der im Display erscheinenden Nummer durch Eingabe von *#06# vergleichen. Stimmen sie nicht überein, handelt es sich wohl um Hehlerware.

Auch wenn die Aufklärungsquote gering ist, sollte man einen Diebstahl bei der Polizei anzeigen und dabei die IMEI des Gerätes angeben, damit diese in die sogenannte Sachfahndungsliste aufgenommen wird. Sollte das Telefon beispielsweise mit anderem Diebesgut irgendwo auftauchen, kann es dadurch dem/der rechtmäßigen Besitzer/Besitzerin zurückgegeben werden.

„Anti-Diebstahl“-Software

Eine Handvoll Produkte verspricht15), bestohlenen Handyeigentümern zu helfen. Der Funktionsumfang dieser „Anti-Diebstahl“-Software ist unterschiedlich, hat aber zwei Kernbereiche: Fernsteuern und Heim­tele­fonieren.

Zum einen lässt sich das Telefon über spezielle SMS-Nachrichten in gewissem Maße fernsteuern: Man kann Kontakte, Bilder oder gespeicherte Nachrichten löschen, das Gerät sperren oder über den Lautsprecher eine Alarmsirene ertönen lassen. Erfahrungsgemäß lassen Diebe das Telefon oft noch eine Zeit lang eingeschaltet, daher sind die Aussichten, damit noch etwas ausrichten zu können, gar nicht so gering.

Wechselt der Dieb die SIM-Karte, erkennt spezielle Software das und sendet eine SMS mit der neuen Tele­fonnummer und der Kennung der gerade aktiven Basisstation (quasi des nächstgelegenen Sende­masts) an eine zuvor festgelegte Nummer. Das soll die Aus­forschung des Bösewichts ermöglichen, ob das in der Praxis funktioniert, mag bezweifelt werden. Man behält aber zumindest die Möglichkeit der Fernsteuerung.

Selbstverständlich funktioniert die Software nur solange sie nicht entfernt wird. Auch wenn sie sich noch so gut versteckt: Spätestens wenn die Firmware upgedatet wird, – hier kommt wieder der Flasher ins Spiel – ist auch die Software dahin.

Verwandte, Bekannte und sonstige Insider

Bisher sind wir von zwielichtigen, vor allem aber fremden Personen ausgegangen, die Handys entwenden. Als Täter kommen jedoch auch Bekannte oder Verwandte in Betracht: Sie können das Mobiltelefon an sich nehmen und später unbemerkt wieder zurückgeben. Die Gründe dafür können verschieden sein:

So ist es sicher keine Seltenheit, wenn Kinder mit dem Handy ihrer Eltern Unfug treiben – das Spektrum reicht hier vom Abrufen von Spielen und Klingeltönen über Anrufe bei Sexhotlines bis zu diversen Streichen.

Ein häufiger16) und ernst zu nehmender Missbrauch im engen Familien- oder Be­kanntenkreis ist das Herum­­schnüffeln in SMS und Anruf­protokollen des Partners/der Partnerin.

Auch im Büro oder im Lokal lauern Gefahren: Hier könnte sich schnell jemand unbemerkt an ei­nem herumliegenden Mobil­te­le­fon zu schaffen machen. Dazu nur ein Beispiel:

Ein rivalisierender Kollege ruft bei Vorgesetzten oder Kunden an oder sendet ihnen eine SMS-Nachricht, deren Inhalt weniger dem guten Ton entspricht. Anhand der Rufnummer wird der nichtsahnende Handy­eigentümer als Urheber identifiziert. Dieser wird zumindest einige Mühe haben, die Beleidigten davon zu überzeugen, dass nicht er, sondern der große Unbekannte sich einen Scherz erlaubt hat. Der Kollege könnte auch raffinierter und perfider vorgehen: Er könnte falsche Informationen verbreiten, deren Auswirkungen nicht sofort auffallen. Der Betroffene hätte kaum eine Chance zu erkennen, wie es zu den ihm zugerechneten Fehlleistungen gekommen ist und könnte sich auch nicht angemessen gegen die aufkommenden Vorwürfe verteidigen.

Das Handy wird gerade im E-Commerce gerne als vertrauenswürdiger Kanal zur Bestätigung von Trans­aktionen verwendet. Der Bezahldienst Paybox setzt ein Musterbeispiel einer Zwei-Faktor-Authentifizierung ein: Soll eine Zahlung getätigt werden, ruft Paybox das Mobiltelefon an: Nun muss der Besitzer/die Besitzerin den Auftrag durch Drücken auf OK oder Eingabe einer PIN freigeben. Diese Vorgangsweise geht davon aus, dass es kaum jemanden gelingen wird, sowohl die PIN auszuspähen, als auch das Gerät in Besitz zu bringen. Ein Insider kann aber einen Schwachpunkt ausnützen: Um von Paybox eine neue PIN zu erhalten17), braucht man nur das Telefon und die Kenntnis einer Sicher­heitsfrage, z. B.: Wie hieß Ihr erstes Haustier? Genau dies kann man als Bekannter aber völlig unverdächtig in einer Plauderei erfahren oder vielleicht sogar auf der Homepage nachlesen, dann die PIN neu setzen, nach Belieben shoppen und das Mobiltelefon wieder zurückgeben. Aus Sicherheitssicht können wir nur empfehlen, derartige (Un)Sicherheitsfragen nie wahrheitsgemäß zu beantworten, sondern als das zu behandeln, was sie sind: Als Passwort, und das darf nicht unsicherer sein, als die PIN, die es schützen soll.

Gegen all dies hilft die bereits empfohlene Tastensperre – Zugangscodes und Passwörter gehören übrigens auch im Familienkreis zur Privatsphäre.

Fazit

Im Mobiltelefon steckt nicht nur ein Haufen Hoch­technologie, sondern auch eine Menge Geld in verschiedenen Erscheinungsformen. Daher sollte man es nicht als ein Gerät der Unterhaltungselektronik18) unterschätzen, sondern wie einen Wertgegenstand behandeln und alle zur Verfügung stehenden Sicherheits­vor­kehrungen nutzen.

 

10 + 5 praktische Tipps

Im Vorfeld

  1. Achten Sie bereits bei der Anschaffung darauf, dass das Gerät über eine automatische Tastensperre mit Sicherheitscode verfügt.
  2. Aktivieren Sie die Tastensperre mit Sicherheitscode und deaktivieren Sie keinesfalls die Abfrage der PIN beim Einschalten des Geräts. Wählen Sie einen guten Code – nicht etwa 1234 oder 0000.
  3.  Kleben Sie eine Kontakttelefonnummer in das Batterie­fach (bei Geräten, die über dieses verfügen). Das erhöht Ihre Chance, dass ein ehrlicher Finder das Gerät schnell retourniert.
  4. Hinterlegen Sie die für die Sperre benötigten Daten, Sperrnotrufnummer und IMEI an sicherer Stelle, möglichst so, dass Sie auch auf Reisen darauf zugreifen können. Was Sie für eine Sperre benötigen, erfahren Sie auf der Homepage Ihres Providers, ür Diensthandys der Universität Wien informieren Sie sich bitte unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.univie.ac.at/ZID/handy-verlust/.
  5. Hinterlegen Sie auf gleiche Weise alle Informationen, die Sie benötigen, um mit dem Mobiltelefon verbundene Services wie z. B. PayBox zu sperren.
  6. Notieren Sie die genaue Modellbezeichnung, Serien­nummer, Farbe und Ausstattung Ihres Telefons.
  7. Speichern Sie keine vertraulichen Informationen auf dem Handy und sorgen Sie regelmäßig für Backups der wichtigen Daten.
  8. Lassen Sie Dienste, die Sie nicht benötigen, durch Ihren Pro­vider sperren (z. B. Mehrwertrufnummern, Roaming, GPRS, MMS).
  9. Verwahren Sie Ihr Handy ebenso sorgfältig wie Bargeld, z. B. in einer verschlossenen Gürteltasche.
  10. Sollten Sie Ihr Mobiltelefon samt (Prepaid-)SIM-Karte verkaufen, melden Sie das bei Ihrem Provider.

Wenn es passiert ist

Sobald Sie bemerken, dass das Mobiltelefon abhanden gekommen ist, gilt es, rasch zu reagieren.

  1. Wenn Sie nicht ganz sicher sind, dass Sie es nicht bloß verlegt haben: Rufen Sie es an und horchen Sie, ob Sie es läuten hören. Wenn Sie Bluetooth konfiguriert und eingeschaltet haben, können Sie auch bei einem lautlos gestellten Gerät feststellen, ob es sich in Ihrer Nähe befindet.
  2. Lassen Sie die SIM-Karte sofort sperren.
  3. Lassen Sie zusätzliche Dienste, z. B. PayBox, sperren.
  4. Wenn das Telefon gestohlen wurde: Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und geben Sie die IMEI an.
  5. Wenn das Telefon bei einem Wohnungseinbruch gestohlen wurde: Melden Sie den Schaden bei der Haushalts­versicherung.

1) So wie auf Ihrer Kreditkarte nicht die Nummer Ihre Girokontos steht, speichert nicht die SIM-Karte Ihre Telefonnummer(n), sondern der Provider in einer Datenbank. Dadurch ist es z. B. möglich, ohne SIM-Tausch Rufnummern zu ändern, hinzuzufügen etc. bzw. umgekehrt die Rufnummer zu behalten, auch wenn die SIM-Karte verloren geht oder defekt wird.

2) Das ist zumindest bei den hierzulande üblichen Karten Visa und Mastercard der Fall. Mehr dazu unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttps://www.kreditkarte.at/web/content/de/Notfall/Notfall_Kreditkarte/Kartensperre/index.html

3) Vgl. das Kapitel „Mehrwertdienste“ der Broschüre „Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) im Alltag: Auswirkungen auf Individuum und Gesellschaft“, online unter: Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.rtr.at/de/komp/SchriftenreiheNr32007

4) In Extremfällen erreichen die Gebühren horrende Höhen, etwa $16,388 und $26,000 in Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.turn.org/article.php?id=572 oder £ 8000 in Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.theregister.co.uk/2004/01/09/­tmobile_waives/

5) Die höhere Grenze von EURO 750,- gilt, wenn der Missbrauch mit PIN-Eingabe erfolgt. Details stehen in den AGB unter Punkt 13.3 und 13.4, online unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.paybox.at/287.php

6) In einer übereinstimmenden Willenserklärung verpflichten sich der Netzbetreiber zu einer Leistung, der Kunde zur Zahlung eines fixen Betrags, dabei gelten festgelegte Regeln – das ist ein ganz typischer Vertrag nach § 863 ABGB.

7) Das wurde u.a. im c‘t-TV am 7. Februar 2009 unter dem Titel „Kostenfalle Kostenkontrolle“ deutlich erklärt. Online abrufbar unter: Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.heise.de/ct-tv/video/Das-c-t-magazin-im-Fernsehen-393689.html

8) siehe Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.sueddeutsche.de/panorama/550/463162/text/

9) Von dieser Sperre sind nur 09xx-Nummern erfasst, die bis zu EUR 3,64 oder EUR 10,00 pro Anruf/Event kosten dürfen. Dienste unter 118xx (Auskunft) und 08xx bleiben weiterhin erreichbar. Die genauen Tarife sind für Österreich in der Kommunikationsparameter-, Entgelt- und Mehrwertdiensteverordnung 2009 – KEM-V 2009 geregelt, online unterÖffnet einen externen Link in einem neuen Fenster www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=BgblAuth&Dokumentnummer=BGBLA_2009_II_212­. Laut Auskunft der Regulierungsbehörde RTR dürfen Provider den Kunden die für die jeweilige Fernzone angegebenen Tarife verrechnen, dürfen aber im Gegenzug ausländische Mehrwertdienste filtern.

10) Von den Abmessungen der kleineren Plugin-SIMs abgesehen spezifiziert GSM nur unwesentliche Abweichungen von SmartCards nach ISO 7816, siehe ETS 300 977 (GSM 11.11).

11) Auch der Bildschirmschoner am PC sollte so eingestellt sein, dass er verhindert, dass Vorübergehende während der Kaffeepause oder einer Besprechung in Mail und vertraulichen Dokumenten herumstöbern oder etwas verändern können.

12 Über praktische Erfahrungsberichte mit solcher Software würde sich der Autor freuen, bitte Mail an: Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailat@univie.ac.at

13) laut Auskunft der Pressestelle von Orange

14) Schlecht informierte, aber wohlmeinende Geister fordern gelegentlich, die IMEI müsse in einem unveränderbaren Speicher abgelegt werden. Über diese Idee können Techniker und Kriminelle nur müde lächeln: Manipulierte Software würde diese unveränderbare Nummer ganz einfach nicht auslesen, sondern eine andere verwenden.

15) Mangels praktischer Erfahrungen können wir keine konkreten Produkte empfehlen, freuen uns aber über Erfahrungsberichte an Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailat@univie.ac.at

16) Einer Umfrage der Partnervermittlung Elitepartner zufolge haben 15% der Frauen und 10% der Männer bereits in den SMS ihrer Partnerin/ihres Partners gestöbert, abrufbar unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.elitepartner.de/presse/studien/LiebesTrendMonitor_2007.pdf

17) Laut Auskunft von Paybox

18) Der Unterhaltungswert für die Mitreisenden, die nach der für sie nicht informativen Einleitung „Ja, ich bin im 48A!“ lautstark mit allen möglichen intimen Details ihnen unbekannter Personen versorgt werden, bleibt allerdings fragwürdig.