Facebook
Verlieren Sie nicht Ihr Gesicht

von Michaela Bociurko (Ausgabe 09/2, Oktober 2009)

 

Beschreibung: Social Network Plattform (siehe Glossar weiter unten)
WebsiteÖffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.facebook.com
Gründung:  2004 an der Harvard University
Entwickler:  Mark Zuckerberg
Anzahl der BenutzerInnen:  ca. 300 Millionen weltweit
Besitzer:  Firma Facebook Inc.
Finanzierung: geschätzter Umsatz zwischen 150 und 300 Mio. Dollar pro Jahr; das Investitions­kapital stammt von diversen internationalen Firmen

 

Selbst älteren Semestern ist der Begriff Facebook indes vertraut, findet man ihn doch immer häufiger in Zeitungsberichten rund um das Thema Social Network Services. Gerne wird dabei auf die beträchtliche Facebook-„Fangemeinde“ verwiesen. So würden Jahr für Jahr die Nutzerzahlen wachsen, gegenwärtig wären weltweit über eine viertel Milliarde AnwenderInnen registriert. Und wenn wohl auch mit einem hohen Anteil von nicht oder nicht mehr benutzten Accounts und sogenannten „Fake-Accounts“ (Fälschungen, fiktive Ac­counts) zu rechnen ist, so kann doch nicht verleugnet werden, dass sich Facebook bei den BenutzerInnen immer größerer Beliebtheit erfreut.

Eine Beliebtheit, die manchem Dienstgeber ein Dorn im Auge ist, wird doch Facebook zuweilen auch während der Arbeitszeit genutzt. Weshalb etwa viele Ministerien in Österreich und auch manche Firmen den Zugriff auf dieses Service über das eigene Netzwerk unterbinden. Aber nicht alle Betriebe stehen der Nutzung derartiger sozialer Netzwerke negativ gegenüber. Zuweilen setzen Firmen, Institutionen, Medien und Interessens­gruppen diese bewusst ein, um sich zu repräsentieren, um mit Kunden oder Mitgliedern zu kommunizieren oder um Communities zu bilden.

Dem Unbekannten ein Gesicht geben

Facebook… was ist das nun eigentlich, mag sich der/die LeserIn fragen, der/die sich (noch) nicht zu der Schar der eingefleischten Facebook-UserInnen zählt. Was „kann“ diese Anwendung bzw. was macht sie so beliebt? Nun, die Funktiona­li­täten sind schnell erklärt. Mittels dieser Webanwen­dung können Sie u.a.:

  • ein persönliches Profil – optional mit Foto – erstellen
  • sich mit anderen vernetzen (Freunde-Liste erstellen)
  • Personen suchen, die ebenfalls Facebook nutzen, und diese Ihrer Freunde-Liste hinzufügen
  • Beiträge publizieren (teilen)
  • Fotos und Videos hochladen
  • Nachrichten versenden und empfangen
  • mit anderen Personen chatten
  • Gruppen gründen oder Gruppen beitreten
  • an diversen Spielen oder an einem Quiz teilnehmen
  • selber Applikationen erstellen (z. B. ein Spiel oder Quiz)

Schwieriger ist natürlich die Frage zu beantworten, was nun eigentlich den besonderen Reiz von Facebook ausmacht. Aspekte sind hier mutmaßlich die benutzerfreundliche, einfach zu bedienende und ansprechende Oberfläche (Usability, Look & Feel), die Vielfalt an Tools innerhalb EINER Plattform, die Internationalität der Anwendung (Facebook ist indes in vielen Ländern/Sprachen verfügbar und ermöglicht somit den Austausch mit Freunden aus der ganzen Welt) und nicht zuletzt – als verstärkender Faktor – die wachsende BenutzerInnenzahl (sog. Schneeballeffekt – je mehr Freunde/Bekannte/Kollegen das Netzwerk bereits nutzen, umso reizvoller erscheint es wiederum für neue BenutzerInnen).

Glossar

Web 2.0
Der Begriff Web 2.0 bezieht sich neben spezifischen neuen Techno­logien (Schlagworte: Ajax, Javascript, Java, XML, Dynamic HTML, Frame­work etc.) primär auf eine veränderte Nutzung und Wahrnehmung des Internets. Die BenutzerInnen erstellen, bearbeiten und verteilen Inhalte in quantitativ und qualitativ entscheidendem Maße selbst, unterstützt von interaktiven Anwendungen. (Quelle: Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterhttp://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0)

Social Network Services
Das sind webbasierte interaktive Anwendungen (Online-Plattformen, Portale, …), die BenutzerInnen zur Verfügung gestellt werden, um sich online über diese zu vernetzen und zu kommunizieren (z. B. um andere Mitglieder kennenzulernen, um Ge­schäfts­kontakte zu knüpfen, sich über gemeinsame Interessen und/oder Aktivitäten auszutauschen, …). Zentrale Aspekte von Social Network Services sind in der Regel:

  • die Erstellung und Bereitstellung eines persönlichen Profils,
  • die Möglichkeit, sich mit mit anderen BenutzerInnen zu vernetzen
  • sowie die Option, diese Vernetz­ungen sichtbar zu machen (z. B. in Form von Listen).

Facebook polarisiert

Nicht nur auf Betriebsebene divergieren die Meinungen hinsichtlich von Nutzen oder Schaden dieser Weban­wendung. Auch auf BenutzerInnenebene scheiden sich diesbezüglich die Geister. Während die einen Facebook (mehr oder weniger exzessiv) als Plattform zur Pflege sozialer Kontakte nutzen, verdammen es die anderen als diabolus (ex) machina, fürchten die Neben- und Nachwirkungen, die das sukzessive Füttern des Molochen mit persönlichen Daten mit sich bringen könnte. Dabei liegt es freilich im eigenen Ermessen, wie viele persönliche Informationen jeder Mensch von sich preis zu geben bereit ist.

Der Umgang mit persönlichen Daten ist ja traditionell ein sehr unterschiedlicher. Während wir z. B. von dem/der einen Kollegen/-in via Blog erfahren, wo der letzte Urlaub zugebracht wurde, mit welchen neuen Freunden welche alkoholischen Getränke konsumiert wurden und an welchen Körperpartien der Sonnenbrand besonders schlimm ausgeprägt war (in der Regel plus illustrierender Abbildung), schreckt ein/e andere Kollege/-in schon vor der Vorstellung zurück, dem Kontakteintrag in der Personalliste ein kleines Porträtfoto hinzuzufügen. Wir wollen uns deshalb auch nicht anmaßen, in der Spanne des individuellen Umgangs mit persönlichen Daten – die da reicht vom „gläsernen“ Menschen bis zur menschlichen „Black Box“ – ein Optimum auszumachen. Wohl aber sollte sich jeder, der derlei Services nutzt, stets auch möglicher Risiken bewusst sein (siehe hierzu auch Kasten Aufgepasst, Nutzungsbedingungen).

Ein eigenes Profil in Facebook erstellen

Unter dem Link Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.facebook.com gelangt man auf die Homepage von Facebook. Wer Facebook nutzen will, wird auch unweigerlich mit der Frage konfrontiert, welche persönlichen Daten man von sich bereitstellen will. Die Betonung liegt hier auf wollen, denn um Facebook zu nutzen, müssen eigentlich nur die folgenden Daten (bei der Registrierung) bekannt gegeben werden: Vorname, Nachname, E-Mail-Adresse, Geschlecht und Geburtstag – und auch diese Daten werden seitens Facebook nicht auf Richtigkeit überprüft. Einzig die E-Mail-Adresse muss aktiv sein, da die Registrierung ansonsten nicht abgeschlossen werden kann.

Nach der Registrierung können Sie Ihr Profil beliebig mit persönlichen Daten „ausbauen“. Bei dem, was hierbei alles eingetragen werden kann, sträubt es aber wohl auch weniger paranoiden MitbürgerInnen die Nackenhaare: Genaue Anschrift, Familienmitglieder und deren Verwandtschaftsgrad, Schule, Aus­bil­dung, derzeitiger und frühere Arbeitgeber, Hobbies, Aktivitäten, Lieblings­bü­cher, Lieblingsfilme, politische Einstellung, religiöse Ansichten, ...

Auswahlmöglichkeiten, um das eigene Profil zu erstellen (oben) sowie Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre (unten).

 

Auch hier gilt: Sie selbst bestimmen, welche Informationen Sie bekannt geben wollen. Behalten Sie aber stets im Hinterkopf: Selbst ein unvollständiges Profil, gepaart mit Ihren persönlichen Beiträgen, die Sie via Facebook mit Ihren Freunden teilen, Ihren persönlichen Fotos bzw. Videos, die Sie möglicherweise auf die Platt­form hin­aufladen zuzüglich der Infor­mation, welche Per­so­nen mit Ihnen via Face­book ver­netzt sind, ergibt be­reits ein äußerst kompaktes Da­ten­­pa­ket zu Ih­rer Per­son.

 

Aufgepasst, Nutzungsbedingungen!

Bekanntlich lesen nur wenige Be­nutzerInnen die rechtlichen Beding­ungen. Zu finden sind diese sogenannten Statement of Rights and Responsibilities unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.facebook.com/terms.php?ref=pf.

Aber auch wenn man das juristische Kauderwelsch scheut, sollte man sich zumindest einige Aspekte bewusst machen, bevor man sich für die Nutzung der Plattform entscheidet:

  • Facebook erhält von Ihnen die weltweiten (übertragbaren!) Nutzungsrechte an den von Ihnen freigegebenen Inhalten (Fotos, Videos, …):

    2.1. For content that is covered by intellectual property rights, like photos and videos („IP content“), (...) you grant us a non-exclusive, transferable, sub-licensable, royalty-free, worldwide license to use any IP content that you post on or in connection with Facebook (...).
  • Wenn Sie Ihren Account löschen, erlöschen zwar auch diese Nutzungsrechte (ABER die Daten werden NICHT automatisch gelöscht, sondern bleiben noch auf unbestimmte Zeit gespeichert).

    Im Februar dieses Jahres hatte Facebook versucht, die Nutz­ungs­bedingungen abzuändern und sich das Recht zu sichern, die Da­ten auch nach Löschen des Accounts nutzen zu dürfen. Nach Protesten der BenutzerInnen wur­de diese Änderung der Nutz­ungs­­bedingungen jedoch wieder zurückgenommen.
  • Das Risiko der Nutzung von Facebook liegt grundsätzlich bei Ihnen (dem Anwender/der Anwenderin).

    15.3. WE TRY TO KEEP FACEBOOK UP, BUG-FREE, AND SAFE, BUT YOU USE IT AT YOUR OWN RISK. (...)
  • Facebook übernimmt keine Garantie für die Sicherheit seiner Anwendung.

    15.3. (...) WE DO NOT GUARANTEE THAT FACEBOOK WILL BE SAFE OR SECURE. FACEBOOK IS NOT RESPONSIBLE FOR THE ACTIONS OR CONTENT OF THIRD PARTIES. (...)

    Leider gilt auch: Je beliebter eine Anwendung ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie Ziel von Hacker- und Maleware-Attacken wird. So wurde bereits Ende 2008 vom sogenannten Koobface-Virus berichtet, der sich über die BenutzerInnen­konten und deren Freundeslisten in Facebook verbreitete und sich, getarnt als Flash Player-Update, auf vielen Rechnern nichts ahnender UserInnen einnistete. Laut Medienberichten (PC-Welt) kam Facebook mit dem Entfernen der Spam-Links aufgrund der Masse kaum hinterher.

Tipps und Tricks, um Ihre Daten zu schützen

Sollten Sie sich für eine Nutzung der Plattform entscheiden, empfehlen wir Ihnen, die Einstellungen zum Schutz Ihrer Privatsphäre zu nutzen. Facebook ermöglicht Ihnen nämlich sehr genau zu differenzieren, welche Daten, welchem Personenkreis freigegeben werden sollen. Nutzen Sie diese Option, um Ihre Daten vor unerwünschten Zugriffen zu schützen. Unter Einstellungen (engl. Settings) finden Sie den Punkt Privatsphäre. Klicken Sie hier auf verwalten.

Unter Profil (engl. Profile) können Sie festlegen, wer Ihre persönlichen Informationen (z. B. Ihr Profil, Ihre vernetzten Freunde, Ihre Kontaktinformationen wie Telefonnummer etc.) einsehen darf. Zur Auswahl stehen Alle, Freunde von Freunden oder Nur Freunde. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, sensible Daten prinzipiell nur für Freunde freizugeben. Sie können dennoch via Facebook z. B. von alten Schulfreunden, Studien- und Arbeitskollegen aufgefunden und kontaktiert werden. Jene Inhalte, die Sie nur für Freunde freigegeben haben (z. B. Ihre Adresse, Ihre Ausbildungsdaten, …) stehen diesen Personen aber erst zur Verfügung, nachdem Sie sie in Ihre Freundesliste aufgenommen haben.

Zurück zur Privatsphäre-Übersicht. Unter Suche lässt sich bestimmen, wer Ihr Profil auf Facebook finden kann. Wenn Sie z. B. von anderen aufgefunden werden wollen, müssen Sie den Punkt auf Alle belassen. Es empfiehlt sich dann jedoch, weiter unten den Suchergebnisinhalt exakt zu definieren.  Sollten Sie Hans Huber heißen, werden Sie wohl Ihr Profilbild aktiviert lassen, damit Sie Bekannte auch in der Liste der 200 registrierten Hans Huber ausmachen können. Als Tusnelda Engelhardt-Lippenschitz werden Sie wohl auf die Anzeige des Profilbildes verzichten können ;-) Wohl unnötig darauf hinzuweisen, dass – für den Fall, Sie entscheiden sich für die Anzeige eines Profilbildes – Sie eines wählen sollten, für das Sie sich auch nicht bei Ihrem nächsten Vorstellungsgespräch schämen müssen. Denn auch Personalisten könnten vorab einen Blick in Facebook werfen. Auf die Anzeige der Freundesliste kann wohl getrost verzichtet werden, ebenso auf die Anzeige der Seiten, von denen Sie Fan sind. Wenn Sie wollen, dass Sie Bekannte kontaktieren bzw. als Freund hinzufügen können (erfordert anschließend Ihre Bestätigung!), sollten Sie selbstverständlich einen entsprechenden Link belassen.

Ganz unten auf der Seite Suche können Sie zudem entscheiden, ob Sie auch über externe Such­ma­schinen aufgesucht werden wollen (Punkt Öffent­licher Sucheintrag). Da Sie ohnehin nur von Facebook-BenutzerInnen kontaktiert werden kön­nen, würden wir Ihnen hier eher nahelegen, auf diese Option zu verzichten, vorausgesetzt Sie wollen via Google und Co. die Nachricht verbreiten, dass Sie Facebook-NutzerIn sind.

Zudem empfiehlt es sich, in der Privatsphäre-Übersicht einen Blick auf den Punkt Anwendungen zu werfen und die entsprechenden Einstellungen zu personalisieren. Denn, Zitat Facebook: Wenn einer deiner Freunde einer Anwendung den Zugriff auf dessen eigene Informationen erlaubt, kann diese Anwendung unter Umständen auch auf alle Informationen über dich zugreifen, die diese/r FreundIn bereits sehen kann. Um dies einzuschränken, empfiehlt es sich bei allen Punkten, die Sie nicht beliebig „teilen“ wollen, das Häkchen auszu­klicken.

Institutionen & Personen in Facebook

Zahlreiche Institutionen und bekannte Personen haben indes ein offizielles Facebook-Profil. In den USA rangieren auf Platz 1 und Platz 2 der populärsten Universitäten die University of Kansas mit knapp 60.000 Fans (Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.facebook.com/KU) sowie die Stanford University mit über 40.000 Fans (Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.facebook.com/stanford). Aus Österreich ist die Johannes Kepler Universität in Facebook mit ca. 600 Fans vertreten. Der Nachrichtensender CNN kann an die 610.000 Fans aufweisen (Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.facebook.com/cnn), das Europäische Parlament dagegen „nur“ 55.000 (Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.facebook.com/europeanparliament). Beide aber können mit der Fangemeinde von Barack Obama von über 6,7 Mio. Fans nicht mithalten (Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.facebook.com/barackobama). Madonna schafft es immerhin auf 1,2 Mio. Fans (Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.facebook.com/madonna), selbst Marcel Reich-Ranicki, der einflussreichste deutschsprachigen Literaturkritiker der Gegenwart, kann auf ein Profil mit 2.100 Fans zurückgreifen.

 

Abschließend sei noch ein letzter Ratschlag erlaubt:  Das System, Ihre Daten zu schützen, indem Sie diese nur für Ihre Freunde freigeben, setzt voraus, dass Sie die Personen, die Sie in Ihre Freundeliste aufnehmen, auch tatsächlich kennen (bzw. ausreichend über sie wissen, um sie als vertrauenswürdig einzustufen) und nicht beliebig wildfremde Personen, (die bei Ihnen auch anfragen werden) in Ihrer Liste „sammeln“. Denn auch hier gilt – wie im realen Leben: Wähle Deine Freunde klug ;-)

XING - Social Network Service for Business

XING ist ein Jahr älter als Facebook und wird vorwiegend zur Verwaltung von Geschäftskontakten eingesetzt. Ähnlich wie in Facebook erstellen BenutzerInnen von sich ein Profil und können sich über die Plattform mit anderen BenutzerInnen vernetzen bzw. kommunizieren. Ebenso wie in Facebook können die BenutzerInnen festlegen, wer welche Daten einsehen darf. BenutzerInnen können XING kostenlos nutzen, dann jedoch nur als „Light“-Paket mit eingeschränkten Funktionalitäten. Zahlenden KundInnen steht das gesamte Spektrum an Funktionalitäten (z. B. erweiterte Suchmöglichkeiten, Statistiken, Jobbörse, …) zur Verfügung.
Info: Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.xing.com