Triple Play im Uninetz
Fernsehen über das Datennetz der Universität Wien

von Ulrich Kiermayr (Ausgabe 09/2, Oktober 2009)

 

Unter dem Begriff Triple Play verteiben seit Kurzem Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen die früher stets voneinander getrennten Services Fernsehen, Internet und Telefonie aus einer Hand an.

An der Universität Wien hat der Zentrale Informatikdienst bisher schon die beiden Services Internet und Telefonie bereitgestellt. Trotz der vielfältigen Aktivitäten des ZID im Bereich (Video-)Streaming gehörte das klassische Fernsehen bisher jedoch nicht zum Angebot.

Fernsehen an der Universität?

Das heißt jedoch nicht, dass im Bereich der Universität bisher nicht ferngesehen wurde – ganz im Gegenteil – Fern­sehen wird in vielen Bereichen genutzt: Von Nachrich­ten­kanälen bis hin zu einer ganzen Palette fremdsprachiger Sender reicht der Bedarf an Fernsehen an den Einrichtungen der Universität. Bisher bedeutete diese Anforderung aber immer, dass an den betroffenen Standorten die geeigneten Satellitenanlagen errichtet und die entsprechenden Lei­tung­en vom Dach bis in alle Räume, in denen ferngesehen werden sollte, verlegt werden mussten. Das ist nicht nur teuer sondern auch vergleichsweise unflexibel, falls sich an der Nutzung der Räume etwas ändert. Und die berechtigte Frage ist natürlich: „Wozu muss man für das Fernsehen noch extra Leitungen verlegen, wenn es doch Fernsehen über das Internet gibt?”

Internet ist nicht gleich Internet

Fernsehen übers Internet kennt man in vielen Fällen von Webstreams. Hierbei wird das (Live-)Video von einem Server an jeden einzelnen Teilnehmer gesendet, der zusehen möchte. So ein Server muss daher eine ganze Menge gleichzeitiger Datenströme verschicken. Damit diese mit der zur Verfügung stehenden Bandbreite auskommen, hat jeder einzelne Videostream eine dementsprechend geringe Band­breite (< 1 MBit/s) und damit auch oftmals eine eher bescheidene Qualität. Diese mag zwar für die Übertragung einer Parlaments­debatte ausreichend sein, sobald aber höhere Anforderungen an Bild und Ton gestellt werden, stößt diese Technolo­gie für Live-Übertragungen sehr schnell ihre Grenzen.

Auch das klassische Fernsehen wird heutzutage ausschließlich als digitales Signal verbreitet (z. B. DVB-T). Um aber die gewohnte Fernsehqualität oder vielleicht gar HD-Qualität zu erreichen, sind deutlich höhere Bandbreiten notwendig. ORF1 HD benötigt bis zu 20 MBit/s, ein normaler TV-Kanal zwischen 2 und 8 MBit/s. Dieser Bedarf stellt für den typischen Heimanschluss schon eine gewisse Herausforderung dar, und auch für das Netzwerk der Universität wäre das bei einer größeren Zahl von Sehern nicht ohne Weiteres zu bewältigen.

Multicast: Einer spricht, viele hören zu

Bei Fernsehen über Satellit oder Antenne sind diese Bandbreiten auch bei vielen TV-Kanäle (ASTRA derzeit > 2500 Kanäle) und Millionen Seher kein Problem. Denn im Gegensatz zum oben beschriebenen Streaming wird nicht für jeden einzelnen Seher eine eigene Übertragung gesendet. Der Sender (Satellit) sendet für jeden Kanal genau ein Signal und jeder Empfänger des Kanals hört genau auf dieses eine Signal und stellt es dar. Damit ist der Bandbreiten­bedarf beim Sender unabhängig von der Zahl der Seher.

Im Internet ist so etwas aber eher untypisch, es kommt selten vor, dass massenhaft BenutzerInnen gleichzeitig auf den selben Inhalt zugreifen. Für diese Fälle, wenn sie noch dazu  wie Fernsehen besonders bandbreitenhungrig sind, wurde IP-Multicast entwickelt. Statt wie sonst üblich für jeden Empfänger einen eigenen Datenstrom zu senden, wird hier ein TV-Kanal genau einmal ins Netz eingespeist. Empfänger, die an diesem Kanal interessiert sind, melden sich ebenfalls im Netz an. Danach sorgen dann die Router und Switches dafür, das Signal an alle Empfänger zu verteilen (indem die Daten wo nötig dupliziert werden). Dadurch wird der Band­breitenbedarf auch für qualitativ hochwertige Über­tra­gungen beherrschbar.

Fernsehen leicht gemacht?

Multicast macht zwar die Übertragung der TV-Signale möglich, aber das Signal muss auch einmal ins Netz eingespeist werden. Nachdem Fernsehen auch über Satellit ja bereits digital übertragen wird, ist es im Prinzip möglich, diesen Datenstrom zu empfangen und dann 1:1 ins Netzwerk weiterzusenden. Nachdem aber die Sender alle auch gleichzeitig zur Verfügung stehen sollen, ist für jeden einzelnen Kanal eine eigene Empfangseinheit erforderlich. Nachdem der Betrieb eines solchen „Headends” für sich schon recht aufwändig ist, hat sich der ZID dazu entschieden, diese Aufgabe in die Hände von Experten zu legen. Im Rahmen von Blizznet wird durch die Firma Wienstrom bereits eine solche Infrastruktur für ihre Kunden und Kundinnen betrieben und die Universität Wien kann dieses TV-Angebot für sich nutzen. Dadurch stehen den BenutzerInnen über 200 Radio- und Fernsehstationen zur Verfügung.

Wie kann ich TV-Streaming nutzen?

Mit der Aktivierung von Multicast besteht ab sofort in Teilen des Datennetzes der Universität Wien die Möglichkeit, viele internationale Radio- und Fernsehsender in Form von Streamings zu empfangen.

Das TV-Angebot wird für jedes Institut separat freigeschaltet. Dazu ist aus rechtlichen Gründen eine vom Institutsvorstand unterschriebene Anmeldung erforderlich. Sobald die Formalitäten erledigt sind, kann auf jedem Rechner des Instituts ferngesehen werden.

Ist TV-Streaming an Ihrem Institut verfügbar, benötigen Sie für den Empfang auf Ihrem Rechner die Software VLC Media Player. Diese kann unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.videolan.org/vlc/ kostenlos heruntergeladen werden.

Wählen Sie dazu unter dem Punkt Download VLC Ihr Betriebssystem (z. B. Windows, Mac OS  X). Sie gelangen nun auf die entsprechende Download-Seite. Wählen Sie das gewünschte Package aus und klicken auf Down­load. Laden Sie das Installationspaket herunter, entpacken Sie es und instal­lieren Sie es gemäß An­lei­tung des Installations­assistenten.

Eine ausführliche Installationsanleitung für den VLC Media Player finden Sie auf der TV-Streaming-Anleitungsseite des ZID unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.univie.ac.at/ZID/anleitungen-sonstiges/tv-streaming/.

Zusätzlich gibt es aber auch die Möglichkeit, für bestehende TV-Geräte spezielle Set-Top-Boxen zu beziehen. Damit kann nun auch Fernsehen überall an der Universität zur Verfügung gestellt werden, ohne dass dazu aufwändige Installationen oder Verkabelungsarbeiten notwendig wären.

Infos zum Service TV-Streaming an der Universität Wien sind unter Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.univie.ac.at/ZID/tv-streaming/ abrufbar.