Dürfen wir vorstellen: Fronter

von Nicole Jezek & Peter Marksteiner (Ausgabe 08/3, November 2008)

 

Fronter - ein virtuelles Gebäude

Fronter wurde bis jetzt hauptsächlich in den skandinavischen Ländern eingesetzt, vor allem im Schulbetrieb hat Fronter dort fast ein Monopol. Die norwegischen Softwareentwickler beschreiben Fronter im übertragenen Sinne als ein virtuelles Gebäude mit Korridoren und Räumen.

Korridore sind die Eingangsbereiche und bilden für die Universität Wien die Struktur der einzelnen Studienprogrammleitungen ab. Bei den Räumen handelt es sich um die jeweiligen Kurse bzw. Lehrveranstaltungen. Bei Anmeldung einer E-Learning-Lehrveranstaltung wird für diese ein Raum erstellt, dessen Benennung automatisch entsprechend dem Semester, der VLZ-Nummer und dem Titel erfolgt.

Generell sind die Korridore und Räume in Fronter bezugsfertig. Die Grundausstattung steht für die Besitzer (so werden die Administratoren/-innen bzw. LV-Leiter/-innen in Fronter bezeichnet) bereit. Lehrende können ihre Räume jetzt schon nach Lust und Laune mit dem Werkzeugpaket einrichten und mit Inhalten befüllen (Abb. 1).

Im Laufe der Zeit wird in manchen Bereichen (z.B. Gruppenmanagement) ein Ausbau des Fronter-Gebäudes von Nöten sein, um es optimal an die Bedürfnisse der Benutzer/-innen anpassen zu können. Einige Tools und Werkzeuge müssen noch getestet und dann implementiert werden.

Die Abbildung curricularer Strukturen in der neuen Lernplattform wird in den nächsten Semestern ausführlich erprobt. Auch die sprachliche Anpassung an genderkonforme Formulierungen wird sobald wie möglich in Angriff genommen, aber natürlich stehen die technischen Anforderungen zum jetzigen Zeitpunkt im Vordergrund.

Mehr als eine Lernplattform

Die Schokoladenseite von Fronter ist das neue persönliche Portal. Wozu StudiVZ oder eine andere webbasierte Plattform, wenn es Fronter gibt? Kontaktkarte mit Foto, Adresse und Telefonnummer einrichten und Nutzer/-innen, die gleichzeitig online sind, einfach kontaktieren. Kontakte knüpfen, Kommunikation und Kooperation - Fronter hat das Potenzial, künftig ein wichtiges Networking-Werkzeug an der Universität Wien zu werden.

Die Heute-Seite

Nach dem Einstieg in die Plattform präsentiert sich die persönliche Fronter-Startseite, die sogenannte Heute-Seite. Diese kann von jedem/r User/-in individuell eingerichtet und durch Weiterleitung an eine in der Kontaktkarte angegebene E-Mail-Adresse abonniert werden. Auf dieser Seite können aktuelle Mitteilungen, Dokumente, Forenbeiträge, News, Favoriten aber auch Erinnerungen aus den Räumen, für die man angemeldet ist, angezeigt werden (Abb. 2).

Abb. 2: Heute-Seite: Layout und angezeigte Elemente können frei gewählt werden, z.B. aktuelle Mitteilungen, Dokumente, News, Favoriten und Kalender.

 

Der/die Nutzer/-in bestimmt das Layout und die Elemente, welche aktiviert sind, und wie viele Beiträge jeweils angezeigt werden. Mit einem Klick auf eine neue Mitteilung gelangt man gleich in den entsprechenden Raum. Aber es sollte beachtet werden, dass nur jeweils die fünf neuesten Beiträge (bzw. so viele wie eingestellt wurden) angezeigt werden. Dadurch kann es passieren, dass eine Mitteilung verpasst wird, weil sie von aktuelleren verdrängt wurde. Neue Inhalte oder Beiträge, welche noch nicht geöffnet wurden, sind mit einem roten Fähnchen gekennzeichnet.

Auf der Heute-Seite finden sich die persönlichen Tools, also jene Werkzeuge, die personenbezogen sind und nur dem/der User/-in zugänglich sind, welche/r eingeloggt ist. Hilfreich ist, dass Sie diese Heute-Seite abonnieren und an die in Ihrem Profil angegebene E-Mail-Adresse schicken lassen können.

In der Inbox befindet sich ein Posteingang für Notizen. Neue Notizen können an einzelne oder mehrere Personen gesendet werden. Dieses Tool ist allerdings nicht mit einem internen E-Mail-System vergleichbar, denn es gibt keinen Postausgang für versendete Notizen, was bedeutet, dass die verschickte Notiz nirgends verwaltet wird, es sei denn, man schickt sie an sich selbst. Zusätzlich stehen beantwortete Notizen in keinem Zusammenhang zur Ausgangsnotiz. Notizen dienen zur kurzen Benachrichtigung oder Erinnerung und können auch interne oder externe Verweise (Links) enthalten.

Weiters gibt es einen Zugang zum Kalender, um private oder öffentliche, raumbezogene Einträge zu erstellen und per E-Mail an die eingeladenen Teilnehmer/-innen zu versenden. Im Werkzeug Mein Archiv können eigene Dokumente verwaltet und zu einem späteren Zeitpunkt in einen Raum kopiert werden. Über Meine Leistungen können Studierende ihre Aktivitäten und Erfolge auf einen Blick verfolgen. Die beiden letzten Tools Suchen und Nutzer online dienen der universitätsweiten Vernetzung und Kontaktsuche.

Anders als von anderen Lernplattformen gewöhnt, präsentiert sich die Kursliste in Fronter als Drop-Down-Menü zur Raumauswahl. Dies hat den Vorteil, dass man ohne Zwischenschritt von einem Raum in einen anderen Raum wechseln kann. Der Nachteil ist, dass mit der Zeit eine sehr lange Liste an Räumen entsteht. Um dies zu umgehen, kann man auf der Heute-Seite das Element Favoriten einbinden und bestimmte Räume auswählen. Auf diese Art und Weise kann man jedes Semester seine persönliche, aktuelle Kursliste erstellen.

Tipp: Hilfreiche Elemente für die Heute-Seite sind Favoriten, Infobox, Dokumente und Abo!

Inhaltsmanagement und Filesharing mit dem Ressourcen-Werkzeug

Vielen hat in Blackboard Vista ein Werkzeug gefehlt, wo Studierende ihre Unterlagen austauschen oder gemeinsam an einem Dokument arbeiten können. Fronter bietet hier Abhilfe. Erhalten Studierende Schreibrechte für ein Ressourcen-Werkzeug, können sie dort Ordner erstellen, Dokumente hochladen, Dokumente direkt in Fronter erstellen, Foren eröffnen usw. Es entsteht sozusagen ein Bereich, wo Studierende Verantwortung übernehmen können und selbständiges Arbeiten gefördert wird. Studierende dürfen nur ihre eigenen Dokumente wieder löschen, aber nicht fremde Dateien.

Lehrende können als Raumbesitzer/-innen alles editieren oder entfernen. Erhalten Studierende lediglich Leserechte für ein Ressourcen-Werkzeug, können Lehrende hier die Unterlagen zum Downloaden und Lesen zur Verfügung stellen. In einen Raum können so viele Ressourcen-Ordner wie notwendig eingebunden werden (Abb. 3).

Abb. 3: Ressourcen-Werkzeug: Hiermit bekommen Studierende endlich die Möglichkeit, Dokumente untereinander auszutauschen oder gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten.

 

Gemeinsames Dokument

In Fronter können mehrere Autoren/-innen an einem Dokument arbeiten. Dieses Tool ist mit einem einfachen Wiki vergleichbar und hat auch eine Versionierungsmöglichkeit. Es können mehrere Absätze erstellt und auch Bilder eingefügt werden. Für kleinere Gruppenarbeiten stellt das Gemeinsame Dokument ein nützliches Werkzeug dar. Arbeitsschritte oder Forschungsabläufe können in kurzen Absätzen wie in einem Blog dokumentiert werden.

Seiten in Fronter

Die Lernplattform bietet ein eigenes System an, mit dem direkt in Fronter Seiten erstellt werden können. Dies bietet den Vorteil, dass man unabhängig von anderen Betriebssystemen Dokumente erstellen kann, welche sich in dem LMS verwalten lassen. Diese Seiten können aus mehreren Elementen bestehen und immer wieder erweitert werden, wobei sie auf Wunsch auch einer Versionierungskontrolle unterliegen. Es können Bilder und Videos eingefügt, Verknüpfungen zu Foren, Aufgaben oder andere Seiten erzeugt werden. Aber es lässt sich auch ein einfacher Text mittels HTML-Editor erstellen. So kann unter anderem eine spezielle "Startseite" mit den wichtigsten Informationen zur Lehrveranstaltung gestaltet werden.

Informations- und Kommunikationstools

Fronter bietet verschiedene Tools zur Information und Kommunikation. Um alle Teilnehmer/-innen eines Raumes gleichzeitig oder einzeln zu kontaktieren eignet sich das Schreiben von kurzen Notizen über die Teilnehmerliste. Wenn man allgemeine Informationen, welche die Lehrveranstaltung betreffen, veröffentlichen will, können folgende Werkzeuge verwendet werden: Mitteilungen über die Raum-Seite oder News als eigenes Werkzeug im Menü. News können sogar von Studierenden verfasst werden, müssen aber dann von den Lehrenden aktiviert bzw. veröffentlicht werden. Raumbezogene Termine können in den Kalender eingetragen werden, um die Studierenden über Lehrveranstaltungseinheiten oder Sprechstunden zu informieren.

Debatte oder Brainstorming im Forum

Das Forum-Tool in Fronter bietet neben dem gängigen Diskussionsforum in "Baumstruktur" auch neue Forumstypen. So kann z.B. eine einfache Unterhaltung mit einzelnen Forumsbeiträgen, welche untereinander gelistet werden, geführt werden, ein Brainstorm-Forum als anonyme Ideensammlung bzw. Feedbackmöglichkeit in einen Kurs integriert werden oder ein Debatten-Forum, wo von den Teilnehmer/-innen voreingestellte Positionen eingenommen werden müssen, eingesetzt werden. Beim Forumstyp Frage & Antwort können spezielle Moderatoren/-innen ausgewählt werden, welche auf Fragen von allen anderen Teilnehmern/-innen antworten dürfen (Abb. 4 und. Abb. 5).

Abb. 4: Debatten-Forum: Bei diesem Typ des Forums wird in der Position einer vorgegebenen Meinung diskutiert, z.B. ?Wer war zuerst, das Huhn oder das Ei??
Abb. 5: Brainstorm-Forum: Anonyme Ideensammlung

 

Das Aktivitäten-Archiv

Dieses Werkzeug verspricht eine Strukturierung der Lehrveranstaltung in einer Kalenderübersicht sowie in bestimmten Ordnern. Hier kann der Lehrplan nach einem individuellen Schema aufbereitet und den Studierenden übersichtlich dargeboten werden (Abb. 6).

Abb. 6: Das Aktivitäten-Archiv strukturiert die Lehrveranstaltung.

 

Lernpfade

Lehrende können auch Lernpfade erstellen. Hier ist ein strukturiertes und überlegtes Vorgehen notwendig. Zuerst sollten alle einzelnen Seiten (Seiten in Fronter) erstellt werden. Es können ebenfalls Zwischentests erstellt werden, um die Studierenden nach bestimmten Phasen zu prüfen, bevor sie den Lernpfad weiter beschreiten dürfen. Sind alle Einzelteile eines Lernpfades fertig, werden die jeweiligen Elemente (Seiten, Tests) zu einem Lernpfad verbunden, welcher von den Studierenden begleitend zur Lehrveranstaltung durchlaufen oder zu Übungszwecken öfter wiederholt werden kann (Abb. 7).

Abb. 7: Über Lernpfade kann der Stoff einer LV durchlaufen werden.

 

Abgaben

Das Abgabe-Werkzeug ist ein Aufgaben-Tool. Es kann im Werkzeugmenü oder in einem Ressourcen-Werkzeug integriert werden. Hier können Studierende ihre Aufgabe als Upload oder als Fronter-Seite abgeben. Aufgaben können, müssen aber nicht nach einem eigenen Notensystem, nach Punkten oder mittels Kommentar beurteilt werden.

Fragendatenbank und Tests

Die Fragendatenbank dient dazu, Testfragen zu erstellen und zu verwalten. Die eingegebenen Fragen können kategorisiert und in unterschiedlichen Tests wieder verwendet werden. Es können Tests zur Benotung, aber auch anonyme Tests zum Üben in einen Raum eingebunden werden. Es gibt unter anderem folgende Fragetypen: Textzeile, Textfeld, Mehrfachauswahl, Einfachauswahl und Auswahlmenü (Abb. 8).

Abb. 8: Fragendatenbank als Test-Instrument

 

Blick nach vorne und nicht zurück

So schwer eine Veränderung auch sein mag, bietet diese auch immer die Möglichkeit, neu anzufangen und andere Wege zu gehen. Es können neue didaktische Ansätze entwickelt und erprobt werden. Fronter bietet viele ähnliche aber auch ganz andere Funktionalitäten als die auslaufende Plattform Blackboard Vista. Wie gesagt, es ist erst der Anfang und aller Anfang ist schwer. Natürlich sollen die "Kinderkrankheiten" so rasch wie möglich "geheilt" werden, um einen reibungslosen Betrieb zu ermöglichen.

Für das Wintersemester werden folgende Weiterentwicklungen angestrebt: Bis Dezember 2008 ist der Notenexport in die Verwaltungssoftware i3v auch über Fronter geplant. Außerdem soll es bald ein Anmeldeformular für Gruppen geben, mit dem Ziel, ein adäquates Gruppenmanagement in Fronter zu gewährleisten. Zusätzlich wird an einer automatisierten Übertragung von Lerninhalten, Lernmodulen und Tests von Blackboard Vista auf Fronter gearbeitet.

Weitere Features, wie ein anonymes Forum, ein anonymer Chat, die Einbindungsmöglichkeit eines externen Blogs oder die Umsetzung von curricularen Strukturen stehen noch zur Diskussion. Genderkonforme Formulierungen, eine optimierte deutsche Übersetzung sowie die Sprachauswahl gehören noch zu den Pflichten, die bald erledigt werden sollten.

Da das Team des Supportbüros Neue Medien mit dem üblichen Supportaufkommen des Semesterbeginns und dem umfangreichen Schulungsangebot durch den Lernplattformwechsel sehr eingespannt ist, konnten viele Aufgaben noch nicht erledigt werden. Deshalb wird unter anderem die Vervollständigung der Schulungsunterlagen oder die Erweiterung der FAQ-Liste ebenfalls erst im Laufe des Semesters erfolgen.

 

 

Kurzinfo: Content-Migration

  1. Statische Inhalte, wie z.B. Word-Dokumente, die in Blackboard Vista-Kursen im Datei-Manager abgelegt sind, werden vom ZID für Lehrende wie Studierende gleichermaßen zur Wiederverwendung auf ein Filesystem übertragen.
  2. Lernmodule können von Lehrenden im Laufe des Wintersemesters 2008 im IMS Content Package-Format aus Blackboard exportiert und in Fronter importiert werden.
  3. Die Kursstruktur ganzer Blackboard-Kurse liegt in einem Format vor, das für die Weiterverwendung in anderen Lernplattformen leider nicht geeignet ist.
  4. Gemeinsam mit Fronter wird an einer Lösung gearbeitet, Tests weitgehend automatisch zu übertragen. Ein Großteil des Imports kann vermutlich automatisiert erfolgen, händische Nachbearbeitungen sind erforderlich.
  5. Für die Zuweisung von E-Tutoren/-innen zur Unterstützung bei der technischen und didaktischen Umstellung von Blackboard Vista auf Fronter wenden Sie sich bitte an Sylvia Logar (Projektzentrum Lehrentwicklung; sylvia.logar@univie.ac.at).

Allgemeine Informationen:
www.univie.ac.at/ZID/elearning/

Schulungstermine:
https://data.univie.ac.at/elearning-schulungen/

Dokumentationen:
www.univie.ac.at/ZID/elearning-dokumentationen/