Fronter
E-Learning der Universität Wien bekommt ein neues Zuhause

von Nicole Jezek & Peter Marksteiner (Ausgabe 08/3, Novemver 2008)

 

Seit im letzten comment1) über die Auswahl der neuen Lernplattform Fronter berichtet wurde, haben wir sehr hart daran gearbeitet, die Plattform aufzusetzen, zu konfigurieren, zu dokumentieren, ihre Möglichkeiten zu erforschen, Schnittstellen für die Administration zu schaffen, Schulungen abzuhalten - kurz, alles zu tun, um rechtzeitig zu Semesterbeginn eine funktionierende Lernplattform anzubieten.

Wie gut uns das gelungen ist, können nur die Lehrenden und Studierenden beurteilen, die die Plattform verwenden - wir glauben aber schon, dass wir auf unsere Arbeit, die unter großem Zeitdruck erfolgen musste, ein bisschen stolz sein können.

In diesem Artikel soll über die Fortschritte bei der Implementierung von Fronter berichtet werden und eine Entscheidungshilfe bei der Wahl der Plattform geboten werden, denn neben Fronter wird an der Universität Wien auch alternativ Moodle angeboten. Der Hauptteil des Artikels stellt die Möglichkeiten und Werkzeuge vor, die in Fronter zur Verfügung stehen.

Fronter auf dem Vormarsch

Trotz langer Vorbereitungszeit für die Auswahl einer neuen Lernplattform - insgesamt fast zwei Jahre - stand für die Inbetriebnahme von Fronter nur sehr wenig Zeit zur Verfügung. Das ist hauptsächlich eine Folge der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen, die bei Ausschreibungen einzuhalten sind. Nachdem sich Fronter erfolgreich gegenüber der Konkurrenz durchgesetzt hatte, wurde nach der 14-tägigen Stillhaltefrist am 23. Juni der Zuschlag erteilt.

Es ist eine schwierige Aufgabe, ein so komplexes System in drei Monaten in allen Einzelheiten kennen zu lernen und an die lokalen Bedürfnisse anzupassen. Diverse Funktionalitäten von Fronter konnten noch gar nicht getestet werden, und es ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich, das gesamte Potential der neuen Lernplattform auszuschöpfen.

Aus diesem Grund ist das Wintersemester 2008/09 eine Test- und Aufbauphase, in der noch mit fehlenden Funktionalitäten und diversen kleineren Unzulänglichkeiten zu rechnen ist. Auch wir sind noch keine Experten/-innen im Umgang mit der neuen Software - für uns lautet das Motto Learning by doing. Um Fehler zu beseitigen, sind wir auf das Feedback der Nutzer/-innen angewiesen: Helfen Sie uns, die Plattform zu verbessern (Details siehe Kasten "Bug-Report für alle")!

Trotz der einen oder anderen Unzulänglichkeit läuft die Plattform weitgehend zuverlässig und stabil. Wir erwarten, dass dieses Semester bereits mehr als 800 Lehrveranstaltungen über Fronter abgehalten werden - eine respektable Zahl für einen Pilotbetrieb! Zum Vergleich: In Blackboard Vista gab es nach drei Jahren noch nicht so viele Lehrveranstaltungen.

Entscheidungshilfe für Lehrende

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Im Wintersemester 2008/09 besteht die Möglichkeit, zwischen den drei Lernplattformen Fronter, Blackboard Vista und Moodle zu wählen. Ab dem Sommersemester 2009 wird Fronter als offizielle universitätsweite Lernplattform und Moodle als Alternative angeboten. Blackboard Vista hingegen wird Mitte März 2009 komplett eingestellt: Nach Auslaufen der Lizenz kann die Plattform nicht mehr verwendet werden. Da es keine Blackboard Vista-Schulungen mehr gibt, wurde die Schulungsinstanz von Blackboard Vista bereits am 6. Oktober 2008 abgestellt.

Der Zugriff auf die Inhalte in Blackboard wird nach dem Abschalten der Plattform nur mit erheblichem Aufwand möglich sein: Die Datenbank, in der diese Inhalte gespeichert sind, bleibt uns natürlich erhalten, sodass im Notfall auch nach Jahren Inhalte von dort ausgelesen werden können. Solange die Plattform noch läuft, geht das allerdings viel einfacher!

Für Vorsichtige und Traditionalisten

Lehrende, deren Lehrveranstaltungen nur bis Ende Februar 2009 andauern, sollten Blackboard Vista im Wintersemester 2008/09 nochmals nutzen, sofern sie mit dem LMS zufrieden waren. Dies ist vorläufig die einfachste Lösung. Es können Lehrveranstaltungen aber auch im Parallelbetrieb auf beiden Lernplattformen (Blackboard Vista und Fronter) laufen, d.h. es wird mit Blackboard Vista begonnen und während des Semesters werden Schritt für Schritt von den Lehrenden oder Tutoren/-innen die Lerninhalte von Blackboard Vista auf Fronter übertragen.

Ab Jänner 2009 soll es - so weit wie möglich - automatisierte Lösungen geben, um die Inhalte von Blackboard Vista auf Fronter zu übermitteln. Aktuell stehen den Lehrenden E-Tutoren/-innen der Lehrentwicklung zur Verfügung, die Ihnen punktuelle technische und didaktische Unterstützung beim Umstieg von Blackboard Vista auf Fronter anbieten. Genauere Informationen zu den E-Tutoren/-innen und Bedarfsanmeldungen können bei Sylvia Logar (sylvia.logar@univie.ac.at, Tel: +43 1 4277-12060) von der Lehrentwicklung bzw. bei den E-Learning-Beauftragten der Fakultäten erfragt werden (die Liste aller E-Learning-Beauftragten finden Sie unter http://elearningcenter.univie.ac.at/index.php?id=465).

Für Mutige und Pioniere

Lehrende, die mutig und voller Tatendrang sind, haben bereits jetzt die Möglichkeit auf Fronter oder die alternative Plattform Moodle umzusatteln. Nun wird oft die Frage gestellt: "Welche Lernplattform ist besser?" bzw. "Warum gibt es zwei LMS?" Generell kann man sagen, beide LMS haben ihre Vor- und Nachteile (siehe tabellarische Übersicht; PDF) und letztendlich ist es auch Geschmackssache, welches LMS man bevorzugt. Der Großteil der Ressourcen des ZID fließt in die Betreuung und Weiterentwicklung von Fronter, der offiziellen Lernplattform der Universität Wien.

Fronter-Sicherheiten

Fronter ist ein kommerzielles Produkt. Der Vertrag mit der Anbieter-Firma ist wieder für fünf Jahre abgeschlossen worden und beinhaltet unter anderem Support durch Fronter sowie ein Mitspracherecht der Universität Wien bei der Weiterentwicklung. Der Unterschied zum Vorgänger Blackboard Vista liegt allerdings darin, dass die Universität Wien diesmal im Besitz des Source-Codes ist und damit die Möglichkeit hat, auch nach Ablauf des fünfjährigen Vertrages das Produkt weiterzuführen. Somit ist ausgeschlossen, dass von den Lehrenden der Universität auf Fronter entwickelter Content nach dem Auslaufen der Supportlizenz wieder mühsam auf eine andere Plattform übertragen werden muss, wie dies im Moment für Blackboard Vista der Fall ist.

Moodle ist ein Open-Source-Produkt, welches als Testlauf und auf Anfrage einiger Lehrenden neben Blackboard Vista schon im WS 2007 installiert wurde. Die Software ist einfach zu handhaben und wird auch an Schulen und anderen Universitäten eingesetzt. Viele Lehrende kennen sich bereits mit dieser Plattform aus und kommen auch ohne spezielle Schulungen durch den Zentralen Informatikdienst zurecht. Für Support sind wir auf die - sehr große und aktive - Moodle-Community angewiesen.

Wenn Sie sich nicht für Fronter oder Moodle entscheiden können, wird es in Kürze noch eine Lösung geben: Beides. Fronter verwendet bereits die Single Sign-On-Infrastruktur der Universität Wien. Diese praktische Anmeldemöglichkeit soll natürlich noch auf andere Systeme erweitert werden und wird ab dem nächsten Semester auch für Moodle zur Verfügung stehen. Damit ist es beispielsweise möglich, aus einem Fronter-Kurs direkt zu einem Werkzeug in Moodle zu verlinken.

Fronter-Info-Days

Am Montag, 15. September 2008 fand der 1. Fronter-Info-Day von 9:00 - 18:00 Uhr im Marietta-Blau-Saal im Hauptgebäude der Universität Wien statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde die neue Lernplattform Fronter präsentiert. Mitarbeiter/-innen der Lehrentwicklung, des Supportbüros Neue Medien sowie Vertreter/-innen von Fronter informierten Lehrende und Tutoren/-innen über die Möglichkeiten dieser neuen Software. Unter den zahlreichen Besuchern/-innen befand sich auch Vizerektor Arthur Mettinger. Der Erfolg dieses Info-Days führte schließlich zur Ausrichtung zweier weiterer Informationstage, welche in einem etwas kleineren Rahmen am 22. September bzw. am 1. Oktober 2008 in der Lehrentwicklung stattfanden.

 

Bug-Report für alle

Bitte informieren Sie uns mittels E-Mail an die Adresse elearning.zid@univie.ac.at über alle Bugs und Fehler, die in Fronter auftreten. Schicken Sie eine möglichst detaillierte Beschreibung, damit wir den Fehler reproduzieren können: Betriebssystem und Browser; Aktion, bei der der Fehler auftritt; Screenshot).

Auf der Schulungsinstanz im Demokurs "Einführung in Fronter" wurde im Werkzeugmenü ein "Fronter-REPORT" eingerichtet. Hier wurden "gemeinsame Dokumente" in Fronter erstellt, welche von jedem bearbeitet und ergänzt werden können, der sich für einen Testkurs auf der Fronter-Schulungsinstanz angemeldet hat. Damit soll die Weiterentwicklung der Lernplattform transparent gemacht und jedem eine Mitwirkung ermöglicht werden (Anmeldung für einen Fronter-Testkurs unter www.univie.ac.at/ZID/fronter-schulung/).

 

1) Fronter: Die neue Lernplattform der Universität Wien in comment 08/2, http://comment.univie.ac.at/08-2/14/