Schrödinger IV

von Peter Marksteiner (Ausgabe 08/2, Juni 2008)

 

Obwohl das Supercomputer-Projekt "Schrödinger" seit der letzten Ausbaustufe im Sommer 2005 beendet ist, leistet der Cluster "Schrödinger III" noch immer gute Dienste. Allerdings veraltet er rasch - in drei Jahren vervierfacht sich die Rechenleistung handelsüblicher Prozessoren - wodurch es immer schwerer fällt, mit dem Nutzen des Clusters für die wissenschaftliche Gemeinschaft die sehr hohen Betriebskosten zu rechtfertigen. Eine Erneuerung ist daher dringend erforderlich.

Der Versuch, ein großes Supercomputing-Projekt aus den "Infrastruktur IV"-Mitteln des Wissenschaftsministeriums zu finanzieren, ist gescheitert: Von vier Universitäten wurden ähnliche Projekte eingereicht, die allesamt mit dem Hinweis abgelehnt wurden, dass es ineffizient wäre, vier gleichartige Projekte zu unterstützen; das Ministerium empfiehlt statt dessen eine Kooperation der beteiligten Universitäten.

Es gilt daher, die Zeit bis zu einer möglichen gesamtösterreichischen Lösung - mit der frühestens in zwei Jahren zu rechnen ist - zu überbrücken. Aus Mitteln der Universität Wien kann ein weiterer Ausbau des Schrödinger erfolgen, sodass voraussichtlich noch heuer ein wesentlich leistungsfähigerer "Schrödinger IV" zur Verfügung stehen wird.

Wie schon bei den früheren Ausbaustufen wird es mehr ein Austausch als ein Ausbau sein: Praktisch alle Komponenten werden erneuert, es werden mehr und schnellere Prozessoren, mehr Hauptspeicher und mehr Plattenplatz zur Verfügung stehen. Auch die Vernetzung der Rechenknoten untereinander, die bisher auf Gigabit Ethernet beruht, soll für einen Teil des Clusters durch ein leistungsfähigeres Netzwerk ersetzt werden (z. B. InfiniBand). Die grundlegende Architektur bleibt jedoch unverändert, es wird in jedem Fall ein Cluster von x86-Prozessoren (Intel oder AMD) werden, bei der Bauweise (Blade-Server, Rack-Server, Tower) haben die Anbieter freie Hand.

Ein Novum ist, dass nicht nur der Cluster selbst ausgeschrieben wird, sondern auch der gesamte Betrieb für zwei Jahre inklusive Support und Housing, also den Kosten für Stellfläche, Strom und Klimatisierung. Damit ist eine Vergleichbarkeit der Angebote gewährleistet: So manche Kosteneinsparung bei der Anschaffung lässt sich nur mit höheren Betriebskosten erkaufen. Die Ausschreibung soll Anfang Juli 2008 veröffentlicht werden.