Der Countdown läuft
eLearning-Ausschreibung geht in die heiße Phase

von Peter Marksteiner (Ausgabe 08/1, März 2008)

 

Ende Februar 2009 läuft der fünfjährige Lizenzvertrag für die Lernplattform Blackboard Vista aus. Ab dann muss die Lizenz entweder erneuert oder ein Ersatz gefunden werden. Bis dahin ist zwar noch fast ein Jahr Zeit, aber ein möglicher Wechsel der Lernplattform hat weit reichende Konsequenzen und muss daher sorgfältig von langer Hand geplant werden. Hinter den Kulissen laufen daher schon seit Sommer 2007 intensive Vorbereitungen für den "Tag danach". Im Comment-Artikel Die Zukunft der Lernplattform: Modulares eLearning (http://comment.univie.ac.at/07-3/9/) wurde bereits von den Vorarbeiten zu einer Ausschreibung berichtet, mit der das Nachfolgeprodukt von Blackboard Vista (das natürlich auch wieder Blackboard Vista heißen kann) ermittelt werden soll. Der Anforderungskatalog - der über das hinausgeht, was Vista derzeit bietet - wurde in intensiven Gesprächen mit den eLearning-Beauftragten der Fakultäten erstellt. Zwar wird es wahrscheinlich auch in Zukunft eine einzige zentrale Lernplattform geben, doch steht es den Anbietern frei, mehrere Komponenten anzubieten, sofern mit einem System nicht alle Anforderungen abgedeckt werden können: Wichtig ist, dass diese Komponenten gut integriert sind und sich nach außen einheitlich präsentieren, z. B. durch gemeinsame Authentifizierung (Single Sign-On) und Aussehen (Look and Feel).

Ausschreibung: Was bisher geschah

Von den im Bundesvergabegesetz vorgesehenen Verfahren wurde das zweistufige Verhandlungsverfahren gewählt: In der ersten Stufe werden Anbieter aufgefordert, einen "Antrag zur Teilnahme am Verhandlungsverfahren" zu stellen. Dieses Verfahren ist zwar mitunter langwieriger und arbeitsintensiver als das einstufige offene Verfahren, ist aber bei komplexen Problemstellungen, wo sich die Anforderungen nicht immer bis ins letzte Detail spezifizieren lassen, von Vorteil: Fragestellungen wie z. B. die Anbindung an die Universitätsverwaltungssysteme lassen sich nur in bilateralen Verhandlungen klären und nicht in einem fixen Leistungsverzeichnis, wie es das offene Verfahren vorschreibt. Am 14. November 2007 wurde die Einladung zur Teilnahme am Verhandlungsverfahren veröffentlicht. Nach Ablauf der einmonatigen Teilnahmefrist wurden die Anträge am 17. Dezember 2007 eröffnet. In den Wochen danach folgten die Bewertung der Anträge und die Auswahl der Bieter, die zur Erstangebotslegung eingeladen wurden. Die Einladungen wurden am 13. Februar 2008 ausgeschickt.

Wie geht es weiter?

Die Anbieter, die eingeladen wurden, haben bis 14. März 2008 Zeit, ein Angebot zu legen, danach erfolgen die eigentlichen Verhandlungen. Natürlich würden wir jetzt gerne im Detail über die eingelangten Angebote berichten, doch leider ist das nach § 105 des Bundesvergabegesetzes, in dem der Ablauf eines Verhandlungsverfahrens geregelt wird, nicht zulässig. In Absatz 6 heißt es: Anzahl und Namen der zur Angebotsabgabe aufgeforderten Unternehmer sind bis zur Bekanntgabe der Zuschlagsentscheidung geheim zu halten. Die Verhandlungsrunden und die abschließende Bewertung der Angebote werden einige Monate in Anspruch nehmen. Der Zuschlag soll im Juni erfolgen, sodass wir wahrscheinlich in der nächsten Ausgabe des Comment bekannt geben können, wie die zentrale Lernplattform der Universität Wien in Zukunft heißen wird. Nur soviel sei jetzt schon verraten: Das Interesse an der Ausschreibung war sehr groß, es gab eine Menge interessanter und vielversprechender Bewerber, wobei sowohl kommerzielle Lernplattformen angeboten wurden als auch Open Source-Systeme; bei letzteren besteht die angebotene Leistung vor allem in kommerziellem Support und Systemintegration.

Nachdem ein Wechsel der Plattform keineswegs ausgeschlossen ist, arbeiten wir jetzt schon mit Hochdruck daran, uns auf eine mögliche Migration vorzubereiten. Im Wintersemester 2008/09 steht Blackboard Vista noch auf jeden Fall als zentrale Lernplattform zur Verfügung; im Fall eines Plattformwechsels wird parallel dazu die neue Plattform im Herbst 2008 in Betrieb genommen, in der Anfangsphase möglicherweise noch nicht mit allen Extras (z. B. der Abbildung curricularer Strukturen - ein vielfach gewünschtes Feature). Die wichtigsten lokalen Anpassungen (Authentifizierung über u:net- bzw. Mailbox-Accounts, Einbindung ins Online-Vorlesungsverzeichnis) sollten jedoch sehr schnell verfügbar sein. Wir werden alles tun, um die Einführung einer neuen Plattform so reibungslos wie möglich zu gestalten: Dazu gehören Dokumentationen, Schulungen und Hilfestellung bei der Migration der Lerninhalte.

Moodle

Schon jetzt gibt es ein Service, das von einem möglichen Plattformwechsel unberührt bleibt: Seit dem Wintersemester 2007/08 steht zusätzlich zu Blackboard Vista die Open Source-Plattform Moodle ( http://moodle.org/ bzw. http://moodle.univie.ac.at) zur Verfügung. Ähnlich wie Vista ist die Plattform voll in die Verwaltungssysteme der Universität Wien eingebunden und bietet Funktionen wie Verknüpfung mit dem Vorlesungsverzeichnis und Notenexport ins i3v. Die Plattform hat sich bewährt, sie läuft stabil und zuverlässig. Obwohl sie nicht groß angekündigt und beworben wurde, ist sie recht beliebt: Im Online-Vorlesungsverzeichnis für das Wintersemester 2007/08 sind immerhin 96 Moodle-Lehrveranstaltungen zu finden (verglichen mit 1455 auf Blackboard Vista). Auch Moodle-Schulungen werden seit Februar 2008 angeboten. Das jetzige Moodle-Service wird auf jeden Fall weiterbetrieben und ist vor allem für Lehrende mit Moodle-Erfahrung zu empfehlen.