Was dahinter steckt:
Technisches zur neuen Startseite der Universität Wien

von Peter Marksteiner (Ausgabe 08/1, März 2008)

 

Mit Beginn des Jahres wurde sowohl das Erscheinungsbild als auch die technische Funktionalität der Startseite der Universität Wien (www.univie.ac.at) erneuert. Auf den ersten Blick betrifft diese Veränderung die Neugestaltung des Layouts. Weniger deutlich, jedoch für den Betrieb der Website unerlässlich, sind die Neuerungen im technischen Bereich. Dabei gab es eine grundlegende Entscheidung zu treffen:

Fertige Softwareprodukte verwenden oder selber entwickeln?

Diese Frage stellt sich bei allen EDV-Projekten, so auch bei der Wahl eines Redaktionssystems (Content Management System, CMS) für die "Startseite neu". Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile: Bei Eigenentwicklungen kann man die Software genau nach seinen Wünschen und Bedürfnissen schreiben. Bei fertigen Produkten erspart man sich eine Menge Arbeit, bekommt aber oft nicht genau das, was man will und begibt sich manchmal in Abhängigkeiten von Herstellern. Auch das Implementieren und Anpassen an die eigenen Anforderungen ist oft ein beträchtlicher Aufwand.

Im Jahr 2002, als an der Erstellung der damals neuen Homepage1) gearbeitet wurde, war die Antwort klar: Es gab zwar bereits eine Menge Content Management Systeme auf dem Markt, diese steckten aber damals noch in den Kinderschuhen - beispielsweise war die erste offizielle Version von Typo3 gerade erst am 24. Mai 2002 veröffentlicht worden. Auch waren die Anforderungen an das CMS relativ gering: Die automatische Einbindung von aktuellen Artikeln der Universitätszeitung und ein einfaches Redaktionssystem für aktuelle Meldungen. Die entsprechende Programmierung nahm nur wenige Tage in Anspruch.

Fünf Jahre später sieht die Welt ganz anders aus: Eine große Auswahl an ausgereiften und leistungsfähigen Content Management Systemen steht zur Verfügung, Open Source-Systeme ebenso wie kommerzielle Produkte. Auch sollten wesentlich mehr dynamische Inhalte wie der Veranstaltungskalender (siehe im Kasten) in die Seiten eingebunden werden. Es bestand nunmehr keinerlei Grund, das Rad neu zu erfinden. Nachdem Typo3 (siehe http://typo3.org/) bereits erfolgreich für die Webpräsenzen zahlreicher Institute und Einrichtungen der Universität Wien eingesetzt wird, fiel uns die Entscheidung zugunsten von Typo3 leicht.

Typo3 ist ein Open Source-Produkt, das modular und flexibel aufgebaut ist: Durch zahlreiche Erweiterungen (Extensions) kann die Funktionalität von Typo3 an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. So stehen Extensions für die verschiedensten Zwecke (z. B. Gästebücher, Diskussionsforen, Webshops usw.) zur Verfügung. Mit Hilfe der Programmiersprache PHP kann man zudem auch selber welche schreiben2).

Performance und Stabilität

Zwei Aspekte waren bei der technischen Umsetzung besonders wichtig: Performance und Stabilität. Typo3 generiert alle Webseiten dynamisch mittels PHP aus einer Datenbank, was für einen Webserver eine viel höhere Belastung darstellt als die bisherigen statischen Seiten. Um mehrere Hunderttausend oder sogar Millionen dynamisch generierter Dokumente pro Tag verlässlich ausliefern zu können, waren eine Reihe von Maßnahmen erforderlich. Einerseits wurden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die Typo3 bietet, vor allem die Zwischenspeicherung (Caching) von Daten. Andererseits wird der Webserver WWW.UNIVIE.AC.AT seit vorigem Jahr schrittweise umgebaut, um ein leistungsfähigeres, stabileres und skalierbareres System zu erhalten: Anstelle eines einzelnen Servers tritt nunmehr ein ganzer Cluster von Servern. Die neue Cluster-Architektur ist im Comment-Artikel WWW.UNIVIE.AC.AT: Alte Adresse, neue Architektur detailliert beschrieben. Der bisherige Webserver bleibt als "Frontend" erhalten, der die Anfragen entgegennimmt, er beantwortet sie jedoch nicht unmittelbar selber, sondern leitet sie an einen der Knoten ("Nodes") im Cluster weiter. Diese "Backend-Server" leisten den Großteil der Arbeit.

Verfügbarkeit und hohe Verlässlichkeit

Die Startseite ist das Aushängeschild der Universität Wien: Ständige Verfügbarkeit und hohe Verlässlichkeit sind hier unbedingt erforderlich. Aus diesem Grund wurde für die Startseite ein eigener Node im Cluster reserviert, damit eventuelle Probleme bei anderen Seiten (z. B. durch fehlerhafte Skripts) nicht die Startseite beeinträchtigen können. Bis jetzt hat sich das Konzept hervorragend bewährt: Die Performance ist mehr als zufrieden stellend; die Auslastung des Backend-Servers liegt unter 20 %, sodass hier noch reichlich Platz für Wachstum ist.

Zum Abschluss noch ein paar Zahlen

Am ersten Tag, dem 9. Jänner 2008, wurde die deutsche Version der neuen Homepage 82.961 Mal aufgerufen, die englische 1.225 Mal. Die beliebtesten Unterseiten sind "Studium" (15.789 Aufrufe) und "Services" (12.395 Aufrufe). Von den Quicklinks wurde am häufigsten "Webmail" angeklickt (5.428 Mal), gefolgt von "Bibliothekskatalog" (4.583 Mal) und "Vorlesungsverzeichnis" (4.458 Mal). Insgesamt hat der für die neue Startseite zuständige Cluster-Node 2.402.208 Dateien ausgeliefert (HTML-Dokumente, Style Sheets, Grafiken usw.).

 

 

Die Startseite der Universität Wien als Informationsportal

Ziel einer Überarbeitung der Startseite der Universität Wien war es, einerseits durch ein modernes und "aufgeräumtes" Design die Informationsstruktur der Seite deutlich zu verbessern. Dabei sollte das Corporate Design der Universität Wien für den Webbereich weiterentwickelt und somit ein homogener Auftritt der Universität Wien nach außen geschaffen werden3).

Andererseits sollte der technische Aufbau der Webseiten so gestaltet werden, dass dieser den immer höheren Anforderungen an eine entsprechende Internetpräsenz auch gerecht wird. Dazu zählen unter anderem die Barrierefreiheit der Webseiten, die korrekte Darstellung der Seiten in allen gängigen Browsern (Browserkompatibilität) sowie die flexibel einstellbare Fensterbreite (minimal 800 x 600 Pixel), um auch auf kleineren oder älteren Bildschirmen die Inhalte benutzerfreundlich darzustellen. Entsprechende Inhalte müssen jedoch zuerst erstellt und später auch wieder bearbeitet werden. Ein Anspruch an den neuen Webauftritt war daher die Etablierung eines neuen, modernen Redaktionssystems - eines Content Management Systems -, was mit der Einführung von Typo3 auch gelungen ist.

Typo3 an der Universität Wien

Typo3 kann an der Universität Wien auf eine über dreijährige Geschichte zurückblicken. Anfangs nur von wenigen einzelnen Abteilungen verwendet, setzen heute zahlreiche Organisationseinheiten dieses System für die Veröffentlichung ihrer Webseiten ein. Seit März 2007 wird vom Zentralen Informatikdienst der Universität Wien der technische Support des Typo3-Systems als Service angeboten (www.univie.ac.at/ZID/typo3/).

Momentan betreiben über 140 Organisationseinheiten der Universität Wien Webseiten basierend auf Typo3, darunter die Online-Zeitung der Universität Wien (www.dieuniversitaet-online.at) und auch der Comment. Demzufolge war es ein logischer Schritt, im Zuge der Modernisierung die Startseite der Universität Wien auf dieses bereits eingeführte System umzustellen. Die neu formierte Webredaktion, bestehend aus Mitarbeiterinnern der DLE Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement, bringt bereits einiges Know-how im Umgang mit Typo3 mit. Vorteil des Typo3-Redaktionssystems ist zudem die schnell erlernbare Handhabung und einfache Bedienung mittels Webbrowser sowie eine umfassende Rechteverwaltung für das Publizieren von Inhalten4).

Neues Feature: Veranstaltungskalender

Der Veranstaltungskalender ist eine Neuerung auf der Startseite und dient als zentrales Informationsmedium für Veranstaltungen an der Universität Wien. Alle Universitätsangehörigen sind berechtigt, diesen Kalender zu verwenden, um Veranstaltungen einzutragen und diese zu verwalten. Die eingegebenen Termine werden nach Freigabe durch die DLE Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement auf der Kalenderseite (http://kalender.univie.ac.at) in einer Liste - geordnet nach Datum beginnend mit dem jüngsten - veröffentlicht. Über die integrierte Suchfunktion können Veranstaltungen auch nach Themenbereich bzw. nach Veranstaltungsmonat oder -jahr angezeigt werden. Weiters werden redaktionell ausgewählte Termine direkt auf der Homepage der Universität Wien (www.univie.ac.at) im linken Bereich angekündigt.

Die Internetapplikation, die hinter diesem Kalender steht, wurde vom Zentralen Informatikdienst der Universität Wien entwickelt. Als so genannte Typo3-Extension entworfen (siehe auch Abschnitt Fertige Softwareprodukte verwenden oder selber entwickeln?), funktioniert sie nahtlos mit dem Redaktionssystem der Seite. Das hat den Vorteil, dass die Administration der Veranstaltungen direkt im Content Management System geschehen kann und somit ein zentrales System für die Verwaltung aller Daten an einem Ort zur Verfügung steht.

André Seirafi

 

1) siehe www.univie.ac.at/neue_homepage.html

2) siehe hierzu auch Comment-Artikel Webauftritte leicht gemacht - Typo3 an der Universität Wien in Comment 06/3, Seite 37

3) mehr dazu siehe Artikel Zur Modernisierung des Webauftritts der Universität Wien unter www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/news/zur-modernisierung-des-webauftritts-der-universitat-wien/10/neste/1.html

4) siehe Fußnote 2)