Die Zukunft der Lernplattform
Modulares eLearning

von Annabell Lorenz (Ausgabe 07/3, Oktober 2007)

 

Endlich Vista 4!

Das lang ersehnte und längst fällige Upgrade von WebCT Vista 3 auf die Version 4, das im Vorjahr aufgrund von Produktschwierigkeiten von der Herstellerfirma Blackboard zurückgezogen wurde und die eLearning-Entwicklungen nicht nur in Wien verzögerte, ist nun endlich verfügbar. Im Juli 2007 wurde ein Testcluster mit einer Vista 4-Betaversion und allen bestehenden eLearning-Lehrveranstaltungen der Uni Wien eingerichtet. Die dreiwöchige Evaluierungsphase und das Feedback der die Installation testenden Lehrenden gaben den Ausschlag für die tatsächliche Migration auf das neue System. Am 10. August fiel der Startschuss, mit erfreulichem Ergebnis: Der neue Vista 4-Cluster läuft stabil, und mit relativ geringem Schulungsaufwand freunden sich sowohl AnfängerInnen als auch Fortgeschrittene mit dem neuen Interface an, das durch den Wegfall einiger redundanter Strukturen in Bedienung und Dateiablage (z.B. Bestand und Dateimanager) mehr Usability aufweist.1) Kürzlich wurde zur Behebung einiger Softwarefehler noch ein Upgrade eingespielt; aktuell läuft die Lernplattform der Uni Wien damit unter Blackboard Vista 4 Service Pack 2 (siehe Abb. 1).

Wiki-Powerlinks

Mittlerweile sind die so genannten Powerlinks (Schnittstellen zur Einbindung externer Applikationen) für die Integration eines Mediawiki in die Blackboard Vista-Lehrveranstaltungen ebenfalls auf Version 4 umgestellt und aktiviert. Die entsprechenden Tools unter Inhaltsverknüpfung hinzufügen heißen jetzt Create Wiki und Login Wiki. Eine genaue Anleitung ist unter www.univie.ac.at/ZID/bb-wiki/ zu finden. Leider war es nicht möglich, die in Vista 3 bestehenden Wikis automatisch zu migrieren, sie können aber gesondert reaktiviert werden. Das Supportbüro Neue Medien (siehe www.univie.ac.at/ZID/elearning/) ist dabei gerne behilflich.

Moodle

Aufgrund zahlreicher Anfragen seitens der Lehrenden gibt es ab dem Wintersemester 2007/2008 zusätzlich zu Blackboard Vista eine Installation der Open Source-Lernplattform Moodle. Das Angebot richtet sich an jene Lehrenden, die bereits mit Moodle gearbeitet haben bzw. damit vertraut sind. Das Supportbüro Neue Medien steht zwar für technische Anfragen zur Verfügung, Moodle-Schulungen für Lehrende werden jedoch nicht abgehalten! Die unter http://moodle.univie.ac.at/ erreichbare Plattform ist eine Standardinstallation, wobei auch hier die Registrierung der Studierenden über das Online-Vorlesungsverzeichnis bzw. das Lehrenden-Interface unter https://java.univie.ac.at/lvleiter erfolgt. Das Login ist auch bei Moodle mittels u:net- bzw. Mailbox-UserID durchzuführen.

Externe BenutzerInnen & externe Plattformen

Lehrende, die Gast-Accounts wünschen, senden bitte eine Personenliste (bestehend aus den Feldern Vorname, Nachname und eMail-Adresse) per eMail an elearning.zid@univie.ac.at. Die neuen BenutzerInnen werden in die Lernplattform übernommen und gesondert verständigt. Die betreffenden Lehrenden erhalten eine Liste der User-IDs, die sie wiederum für das Lehrenden-Interface verwenden können.

Zusätzlich zu den vom Supportbüro Neue Medien betreuten Plattformen Blackboard Vista und Moodle können ab dem Wintersemester 2007/2008 auch jene Lehrveranstaltungen im Online-Vorlesungsverzeichnis als eLearning-Lehrveranstaltungen gekennzeichnet werden, die ein anderes Tool verwenden - z.B. eine institutseigene Plattform. Solche Lehrveranstaltungen sollten ebenfalls unter www.univie.ac.at/ZID/elearning-elv/ (Option Andere Plattform) angemeldet werden: Abgesehen vom eLearning-Link im Online-Vorlesungsverzeichnis hilft diese Registrierung bei der statistischen Erfassung jener Lehrveranstaltungen der Universität Wien, die Blended Learning umsetzen.

Bleibt Blackboard?

Allen, die an der Uni Wien eLearning anwenden, brennt diese Frage schon seit geraumer Zeit unter den Nägeln. Wie bereits im Comment 07/1 berichtet, läuft der Lizenzvertrag für die Lernplattform im Februar 2009 aus (siehe http://comment.univie.ac.at/07-1/22/). In den vergangenen Monaten war eine eigene Arbeitsgruppe - bestehend aus MitarbeiterInnen des ZID und des Projektzentrums Lehrentwicklung - mit der Ausarbeitung von Leistungsverzeichnissen und der Evaluierung verschiedener Learning Management Systeme (LMS) beschäftigt, wobei auch der Input der Lehrenden berücksichtigt wurde. Die Ergebnisse dieser Erhebungen werden im November 2007 in einer entsprechenden Ausschreibung ihren Niederschlag finden und auch der Firma Blackboard die Chance geben, sich zu bewerben. So kann anhand von Leistungskriterien objektiv festgestellt werden, ob es sich für die Universität Wien auch weiterhin lohnt, Blackboard als Vertragspartner zu halten, oder ob es sinnvoller ist, das Learning Management System zu wechseln.

Diese Frage wird auch deshalb immer wichtiger, weil eLearning an sich einen Paradigmenwechsel durchläuft: Besonderer Wert wird mittlerweile nicht mehr auf den Einsatz eines einzelnen LMS gelegt, sondern auf die Interoperabilität (die viel- und wechselseitige Einsetzbarkeit) und die modulare Wiederverwendbarkeit der Inhalte, sowie zunehmend auch auf internationale Standards wie SCORM oder QTI2). Welches LMS zugrunde liegt, wird damit zweitrangig - nicht zuletzt auch im Lichte der so genannten Web 2.0-Entwicklungen3), in denen Internet-Nutzung zunehmend zu Plattform-Nutzung evolviert.

 

 

1) Eine Beschreibung der wichtigsten Änderungen wurde bereits im Comment 06/3 veröffentlicht (siehe Abschnitt Vorschau: Was bietet Vista 4? unter http://comment.univie.ac.at/06-3/9/).

2) SCORM (Sharable Content Object Reference Model): siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Scorm; QTI (Question & Test Interoperability): siehe www.imsproject.org/question/

3) siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0