Die Breitbandzugänge der Uni Wien werden aufgelassen

von Franz Kaltenbrunner (Ausgabe 07/3, Oktober 2007)

 

Seit fast 10 Jahren bietet der Zentrale Informatikdienst in Kooperation mit Telekommunikationsunternehmen den Studierenden und Uni-MitarbeiterInnen Breitbandzugänge zum Internet an (chello student connect, uniADSL, xDSL Uni). Damit ist es nun vorbei: Seit 1. Oktober 2007 können sich am ZID keine neuen TeilnehmerInnen mehr anmelden. Die bestehenden Breitbandzugänge werden weiterhin betreut, mittelfristig ist jedoch geplant, diese Services aufzulassen und den Support dafür einzustellen. Die Wählleitungszugänge via Modem/ISDN sind von diesen Änderungen nicht betroffen.

Eine Ära geht zu Ende

Anfang 1998 konnte der ZID gemeinsam mit der Firma Telekabel (jetzt UPC) den ersten günstigen Breitbandzugang für Universitätsangehörige anbieten: Dank TeleWeb StudentConnect (jetzt chello student connect) durften Studierende und MitarbeiterInnen um öS 390,- über den Proxy-Server der Uni Wien unlimitiert im Web surfen, und zwar mit einer damals beachtlichen Downloadgeschwindigkeit von bis zu 300 kbit/s. Diese Geschwindigkeit hat sich seither versiebenundzwanzigfacht (siehe Tabelle 1), die angebotene Proxy-Lösung über den Server der Universität ist aber nicht mehr zeitgemäß.

Die Angebote uniADSL (mit Telekom Austria) und xDSL@student (mit inode, jetzt UPC - das Produkt wurde inzwischen auf xDSL Uni umbenannt) kamen im Jahr 2002 dazu. uniADSL bot Breitbandzugänge auch jenseits der Wiener Stadtgrenzen an und war anfangs am Markt recht gut positioniert: Fair Use-Downloadvolumen ohne Zusatzkosten bei Überziehung, keine Mindestvertragsdauer und eine fixe IP-Adresse über die Uni Wien waren damals bei anderen Anbietern noch nicht Standard. Diese Rahmenbedingungen und der moderate Preis sorgten dafür, dass sich Studierende auch außerhalb der Großstadt einen Breitbandzugang leisten konnten. Dennoch sind uniADSL und xDSL Uni mit ca. 5300 Anmeldungen seit 2002 weit hinter unseren Erwartungen geblieben; nur chello student connect mit über 22000 Anmeldungen seit Ende 1998 konnte überzeugen.

Mehrere Jahre lang war der ZID bemüht, neue Breitbandangebote für Uni-Angehörige zu lukrieren. Es ist für die wenigen potentiellen Partnerfirmen allerdings nicht ganz einfach, günstige Produkte für Universitäten anzubieten: Zu wenige Kunden, lange Vertragsbindungen und aufwendige Konfigurationen beschränken in einer schnelllebigen Zeit, in der es bei Telekommunikationsunternehmen um Wachstumskurven, Unternehmenskennzahlen, Gewinnprognosen und Marktanteile geht, die Bereitschaft komplizierte Verträge auszuarbeiten auf ein Minimum. Die derzeitigen Breitbandzugänge der Universität Wien (siehe Tabelle 1) unterscheiden sich mittlerweile weder bei Übertragungsgeschwindigkeit und Downloadvolumen noch beim Preis wesentlich von anderen Produkten am österreichischen Markt.

Was die Zukunft bringt

Die beschriebenen Kooperationen wurden hauptsächlich deshalb ins Leben gerufen, weil die "schnellen" Internetzugänge bis vor einigen Jahren sehr teuer waren. Der Zahn der Zeit nagt jedoch in diesem Bereich besonders eifrig - heute locken die Breitbandangebote der Uni Wien niemanden mehr hinter dem Notebook hervor. Leider ist der Support-Aufwand trotzdem beachtlich, sodass sich der ZID entschlossen hat, diese Services schrittweise aufzulassen:

  • Wie eingangs erwähnt, werden am ZID seit 1. Oktober 2007 keine Neuanmeldungen mehr für die Angebote chello student connect, uniADSL und xDSL Uni entgegengenommen. Die bereits bestehenden Breitbandzugänge werden weiterhin betreut.
  • Die Firma UPC (chello student connect, xDSL Uni) bietet weiterhin Studentenprodukte an, hat diese aber österreichweit für alle Universitäten vereinheitlicht. Damit ist für die KundInnen auch bei Zugangsproblemen zum Internet die Zuständigkeit klar vorgegeben: Bei jeder An-/Ab-/Ummeldung, bei Verbindungsproblemen und bei allen anderen Fragen ist UPC nun der alleinige Ansprechpartner. Die Einzelheiten zu den neuen Angeboten für Studierende werden direkt von UPC kommuniziert und beworben.
  • Die bestehenden uniADSL-Zugänge werden weiterhin vom Helpdesk des ZID betreut und in den nächsten zwei Jahren nicht auf andere Provider umgestellt.

Falls Sie also bereits einen Breitbandzugang über die Universität Wien haben: Keine Sorge - Sie haben ihn auch weiterhin, wenn Sie wollen. Wir möchten aber darauf hinweisen, dass bereits günstigere Breitbandzugänge erhältlich sind.

Providerwechsel: Worauf ist zu achten?

Die Angebote für Breitband-Internetzugänge sind zahlreich und ähnlich mühsam zu interpretieren wie Handy-Verträge. Bindungsfristen und anfängliche Ermäßigungen sollten genauso sorgsam überprüft werden wie die Kosten bei Überschreiten des Downloadvolumens. Als Orientierungshilfe hier einige Tipps zu den üblichen Fachausdrücken und zum Leben nach einem Providerwechsel (in alphabetischer Reihenfolge):

Drahtlos

Immer mehr Menschen surfen mittels Datenkarte via GPRS, UMTS oder EDGE. Das ist praktisch und mittlerweile auch schon relativ günstig - allerdings nur im Inland. Verwenden Sie Ihre Datenkarte im Ausland nur dann, wenn Sie sich vorher genau erkundigt haben, über welchen Provider dort die "günstigsten" Verbindungen aufgebaut werden können! Es ist auch im Inland nicht ausgeschlossen, dass sich Ihre Datenkarte über einen ausländischen Dienst mit dem Internet verbindet - stellen Sie deshalb fix ein, mit welchem Netz sich Ihre Karte verbinden soll.

Schneller, gratis und unlimitiert geht es mittels Funknetzwerkkarte und Wireless Local Area Network: WLAN ist in vielen Gebäuden der Universität Wien verfügbar (siehe www.univie.ac.at/ZID/wlan/) und kann im Rahmen des eduroam-Projekts auch an zahlreichen anderen Universitäten in Europa und Australien verwendet werden (siehe www.eduroam.at).

Entbündelt

Ein Internetzugang ist auch ohne Festnetztelefon möglich. Das sonst übliche Grundentgelt für den Telefonanschluss entfällt bzw. wird oft günstig im Paket angeboten.

Fair Use

Bedeutet normalerweise, dass man einen Überziehungsrahmen beim maximalen Downloadvolumen hat. Mittlerweile hat sich aber eingebürgert, dass ein Überschreiten kostenpflichtig ist. Oder der Benutzer wird, wenn er drei Monate lang über dem Fair Use-Downloadvolumen liegt, automatisch auf ein teureres Produkt umgestellt. Es gibt auch Produkte am Markt, bei denen nur die Geschwindigkeit reduziert wird, aber keine weiteren Kosten anfallen.

Flat Rate

Die beste Variante für "Poweruser" - keinerlei Beschränkung des Downloadvolumens.

Kleingedrucktes

Hier stehen die wirklich wichtigen Dinge - Bindungsfristen, Bedingungen und Kosten bei vorzeitiger Vertragsauflösung und vieles mehr. Die meisten Lockangebote enttarnen sich im Kleingedruckten. Seien Sie wachsam, die Klein-Schreiber werden immer gefinkelter. Manchmal werden auch "Kleinigkeiten" vergessen. Bitte keine falsche Scheu: Rufen Sie den Provider Ihrer Wahl an und fragen Sie nach, wenn Ihnen irgendetwas nicht ganz klar ist.

Postausgangsserver der Uni Wien

Egal über welchen Provider Sie sich mit dem Internet verbinden, ob in Alaska oder in Neuseeland - als Universitätsangehörige/r können Sie Ihre eMail-Nachrichten immer über den Server der Universität Wien verschicken. Damit es funktioniert, müssen Sie in Ihrem Mailprogramm beim Punkt Postausgangsserver (SMTP) folgende Einstellungen vornehmen:

  • Postausgangsserver: MAIL.UNIVIE.AC.AT (für MitarbeiterInnen und Studierende!)
  • SSL-Port: 465 (es wird auch TLS am Port 547 unterstützt)
  • mit Authentifizierung (mittels u:net- oder Mailbox-UserID mit dazugehörigem Passwort)
  • Achtung: Bei Windows XP-Rechnern darf die Anmeldung durch gesicherte Kennwortauthentifizierung nicht aktiviert sein!

Genauere Konfigurationsbeschreibungen finden Sie unter www.univie.ac.at/ZID/anleitungen-mailing/.

VPN (Virtual Private Network)

Manche der von der Universitätsbibliothek angebotenen Datenbanken können nur verwendet werden, wenn man mit einer IP-Adresse der Universität Wien darauf zugreift. Von außerhalb des Uni-Datennetzes besteht die einfachste Zugangsmöglichkeit zu diesen Datenbanken darin, mit dem Webbrowser unter https://univpn.univie.ac.at/ eine Verbindung herzustellen. Etwas komplizierter ist es mit einem speziellen VPN-Klienten (siehe www.univie.ac.at/ZID/anleitungen-vpn/).

Should I stay or should I go?

Diese Frage müssen Sie naturgemäß selbst beantworten. Wir können Ihnen zu guter Letzt aber noch verraten, was zu tun ist, wenn Sie sich breitbandbezüglich verändern wollen, und was geschieht, wenn Sie nichts unternehmen: chello student connect und xDSL Uni wurden von UPC durch andere Angebote für Studierende ersetzt; Bestandskunden können, müssen aber nicht umsteigen. Bestehende Verträge können schriftlich per Fax oder eingeschriebenem Brief direkt an UPC gekündigt werden. Bei Ablauf der u:net- oder Mailbox-UserID wird chello student connectautomatisch auf chello classic umgestellt, xDSL Uni wird automatisch zu xDSL small.

uniADSL kann unter https://data.univie.ac.at/adsl jederzeit gekündigt werden. Das ist allerdings nur dann notwendig, wenn Sie Ihren ADSL-Anschluss auflassen, den Festnetz-Telefonanschluss aber behalten wollen (wenn der Telefonanschluss bei der Telekom Austria abgemeldet wird, muss uniADSL nicht extra gekündigt werden). Möchten Sie weg von uniADSL, Ihren ADSL-Zugang jedoch über einen anderen Provider weiter verwenden, so müssen Sie sich lediglich beim neuen Provider anmelden - der Provider informiert dann die Telekom Austria und diese wiederum den ZID. Noch ein Hinweis: KundInnen, denen die Herstellung gratis angeboten wurde, haben meist eine Bindungsfrist von 12 Monaten, die aber nicht für uniADSL, sondern für den ADSL-Zugang gilt. Ein Providerwechsel ist daher auch innerhalb einer eventuellen Bindungsfrist möglich.