WOW - Wechseln Oder Warten?
Windows Vista & MS-Office 2007 sind da

von Elisabeth Zoppoth (Ausgabe 07/1, März 2007)

 

Ende Jänner 2007 hat Microsoft sein lange angekündigtes neues Betriebssystem Windows Vista - das Nachfolgepro­dukt von Windows XP - auf den Markt gebracht, gleichzeitig mit einer neuen Version seines Softwarepakets MS-Office.1) An der Uni Wien werden Windows Vista und Office 2007 allerdings nur langsam Einzug halten: Obwohl beide Pro­dukte bereits als Stan­dard­software erhältlich sind, werden sie auf den vom ZID betreuten Rechnern vorläufig nicht installiert.

  • Software-Updates in den PC-Räumen und Kursräumen sind aufgrund der großen Anzahl an zu versorgenden Rechnern und der notwendigen identischen Aus­stattung aller PCs mit langen Vorlaufzeiten verbunden. Die nächste Software-Aktualisierung in den PC- und Kurs­räumen ist für Sommer 2007 vorgesehen und seit längerem in Arbeit. Im Zuge dessen sollen auch die Konverter installiert werden, die erforderlich sind, um Office 2007- Dokumente in den PC-Räumen bearbeiten zu können (mehr dazu weiter unten). Der Umstieg auf Windows Vista und Office 2007 wird jedoch ? wenn überhaupt ? frühestens mit dem nächsten größeren Software-Update erfolgen, das voraussichtlich Mitte 2009 stattfindet.
  • Im Bereich der Verwaltungs-PCs ist die Situation ähnlich. Die nächste Software-Aktualisierung dieser Rechner ist für Mitte 2008 vorgesehen; ob Windows Vista und Office 2007 dann zum Einsatz kommen werden, ist aber noch unklar. Dies kann nur auf Basis von gründlichen Tests und (noch nicht vorhandenen) Erfahrungswerten im Umgang mit der Software entschieden werden. So viel sei verraten: Zur Zeit sprechen nicht allzu viele Fak­toren für einen Abschied vom bewährten Windows XP. Erschwerend kommt hinzu, dass im Falle eines Umstiegs auch ein Teil der vorhandenen Hardware getauscht werden müsste (siehe unten).
  • Für die von der Fakultätsunterstützung des ZID betreuten Rechner wird Office 2007 voraussichtlich schon im März 2007 zur Verfügung stehen, allerdings nicht in vollem Umfang - beispielsweise fehlt die Teamarbeits-Funktion Groove. Das Exchange-Service des ZID unterstützt bereits Office 2007. Eine automatisierte PC-Beschickung für Windows Vista ist in Vorbe­rei­tung, kann aber erst gegen Ende des Sommersemesters angeboten werden.

Wo gehobelt wird...

Wer auf Windows Vista und/oder Office 2007 umsteigen möchte, sollte sich einiger möglicher Problembereiche bewusst sein: Zunächst einmal stellt Windows Vista große An­forderungen an die Hardware. Empfehlenswert sind u.a. mindestens ein 1-GHz-Prozessor (32-Bit oder 64-Bit), 1 GB Arbeits­speicher, ein Microsoft DirectX 9-fähiger Grafik­prozessor, 15 GB freier Speicher auf der Festplatte und ein DVD-Laufwerk. Auf aktueller Hardware sollte Windows Vista problemlos funktionieren, bei älteren Modellen kann die Performance aber höchst unbefriedigend ausfallen. Ob Ihr Rechner Vista-tauglich ist, können Sie mit einem Tool überprüfen, das unter www.microsoft.com/austria/windowsvista/getready/upgradeadvisor/default.mspx zur Verfügung steht.

Die nächste Hürde betrifft die Bedienung: Windows Vista und vor allem Office 2007 haben eine komplett überarbeitete und entsprechend gewöhnungsbedürftige Benutzer­oberfläche. Für das Arbeiten mit den neuen Produkten sollten Sie daher anfangs etwas mehr Zeit als üblich veranschlagen. Der Besuch von Schulungen ist sicherlich hilfreich. Am ZID werden solche Kurse frühestens ab dem Win­tersemester 2007 angeboten, entsprechende Handbücher sind aber bereits am Helpdesk erhältlich (siehe Artikel Neue Schulungen & Handbücher).

Microsoft hat bei Office 2007 - das übrigens auch unter Windows XP (SR2) läuft - jedoch nicht nur die grafische Oberfläche der Programme verändert, sondern auch ein neues Dateiformat eingeführt. Dies trifft vor allem jene BenutzerInnen, die weiterhin mit älteren Office-Versionen arbeiten - sie können Office 2007-Dateien nicht öffnen. Wenn Sie Office 2007 verwenden, sollten Sie daher zumindest in den nächsten Monaten alle Dokumente, die zur Weitergabe bestimmt sind (z.B. PowerPoint-Dateien, die auf der Lernplattform zur Verfügung gestellt werden), im bisherigen Format abspeichern. Dazu klicken Sie beispielsweise in Word links oben auf das Office-Symbol, wählen die Funktion Speichern unter und anschließend den Punkt Word 97-2003-Dokument (siehe Abb. 1). Bei den anderen Office-Programmen funktioniert es analog.

MS-Word 2007
Abb. 1: Funktion Speichern unter in MS-Word 2007

Die gute Nachricht für BenutzerInnen älterer Office-Ver­sionen: Wenn Sie das Microsoft Office Compatibility Pack für Dateiformate von Word, Excel und PowerPoint 2007 nachinstallieren, können Sie auch Office 2007-Dokumente öffnen, bearbeiten und sogar speichern. Dieses Konverter-Pack erhalten Sie am einfachsten, indem Sie unter http://office.microsoft.com/downloads/ nach dem Be­griff Compatibility suchen. Be­achten Sie aber, dass Sie vorher alle anderen Microsoft-Updates mit höherer Priorität installieren müssen! Außerdem ist zu be­denken, dass Office 2007 selbstverständlich wieder mit etlichen neuen Features ausgestattet ist (z.B. neue Diagramm-Funktionen in Excel), die trotz installierter Kon­verter mit älteren Office-Versionen nicht bearbeitet werden können.

Ein weiterer Punkt, der Probleme bereiten kann, betrifft all jene, die sich mittels Remote­desktop mit einem Vista-Rechner verbinden möchten: Windows Vista benutzt für den Fernzugriff eine neue Au­then­tifizierungs­me­thode, die so genannte Network Level Authen­tication (NLA). Das hat zur Folge, dass sich nur Vista-Rechner miteinander "unterhalten" können, wenn man sich bei den Remote-Ein­stel­lungen für eine höhere Sicherheit entscheidet. Hier hat man zwei Möglichkeiten, um das Problem zu umgehen: Wenn man mit einem Win­dows XP-Rechner auf Vista zugreifen will, kann man NLA am eigenen PC nachinstallieren. Der zweite und umfassendere Lösungs­ansatz besteht darin, die Einstellungen von Vista dahingehend zu ändern, dass NLA nicht zum Einsatz kommt - damit wird auch ein Zugriff von anderen Betriebs­systemen aus ermöglicht. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf das Windows-Symbol links unten am Bild­schirm (das ehemalige Start-Menü), wählen Sie aus der Liste den Punkt Computer und dann Remote­ein­stel­lungen. Es erscheint die Registerkarte Remote der System­einstellun­gen. Hier muss im unteren Bereich Remote­desk­top die zweite Option gewählt werden: Verbindungen von Computern zulassen, auf denen eine beliebige Ver­sion von Re­mote­desktop ausgeführt wird (weniger Sicherheit). Das war's. Falls man das Programm rdesktop für den Zu­griff verwendet, muss man dieses eventuell noch aktualisieren: Die Zusammenarbeit mit Windows Vista funktioniert hier erst ab Version 1.5.

Zu guter Letzt sei noch das Thema "Kinderkrankheiten" angesprochen: Die erste verfügbare Version einer neuen Soft­ware ist in der Regel noch nicht wirklich ausgereift; viele Un­gereimtheiten bzw. Programmierfehler werden erst beim tatsächlichen Einsatz entdeckt und vom Hersteller nach und nach korrigiert. Wer schon jetzt auf die neuen Microsoft-Produkte umsteigt, sollte sich darauf einstellen, dass noch nicht alles perfekt funktioniert. Ein Bei­spiel: Nicht alle Viren­scanner sind bereits Vista-tauglich. Von den unter www.univie.ac.at/ZID/gratissoftware/ aufgelisteten Produkten hinkt vor allem AntiVir hinterher - neue, für Windows Vista geeignete Versionen sind hier für April 2007 angekündigt. Mit McAfee Enterprise 8.5i sollte es keine Probleme geben; Avast! funktioniert ab Ver­sion 4.7.892, AVG Anti-Virus ab Version 7.5.432. Alle Links zu diesen Produkten finden Sie auf der oben angegebenen Webseite.

Von der während der Entwicklungsphase des neuen Be­triebs­systems suggerierten Vorstellung, dass sich mit Win­dows Vista alle Computersicherheits-Probleme dieser Welt quasi von selbst erledigen, sollte man sich verabschieden: Soweit sich das bisher beurteilen lässt, hat Micro­soft im Security-Bereich zwar durchaus Fortschritte gemacht, die Neuerungen dürften aber bei weitem nicht so durchschlagskräftig sein, wie anfangs in Aussicht gestellt wurde. Ein Betriebssystem-Wechsel auf Windows Vista aufgrund von Sicher­heits­überlegungen wäre derzeit jedenfalls verfrüht.

Ich will Vista - aber welches?

Wenn Sie sich entschlossen haben, allen Schwierigkeiten zum Trotz auf Windows Vista umzusteigen, bleibt noch ein Problem zu lösen: Microsoft möchte für jeden Anwendungs­bereich das passende Betriebssystem bereitstellen und bietet Windows Vista daher in acht Varianten an. Als erste Orien­tierungshilfe hier die wichtigsten Unterschiede:

  • Windows Vista Starter - die Minimal-Variante - ist nur in den so genannten Schwellenländern erhältlich und schei­det für heimische BenutzerInnen somit aus.
  • Vista Home Basic ist von den hierzulande verfügba­ren Vista-Versionen diejenige mit dem geringsten Funk­tions­umfang. Im Vergleich zu Windows XP weist es im We­sent­lichen folgende neue Features auf: verbesserte Schutz­mechanismen gegen Gefahren aus dem Inter­net (Windows Defender inkl. Firewall), die praktische Vista-Sofortsuche und den Internet Explorer 7.
  • Vista Home Premium bietet zusätzlich die neue Aero-Benutzeroberfläche, das Windows Mobili­täts­center, Win­dows Teamarbeit, Geplante Sicherung, Win­dows Media Center einschließlich Media Center Extender, Windows DVD Maker und Windows Movie Maker HD.
  • Vista Business entspricht Vista Home Premium, allerdings fehlen das Media Center inkl. Extender, DVD Maker und Movie Maker HD. Enthalten sind dafür eine Funktion zur Sicherung/Wiederherstellung aller Da­ten auf dem PC, das Netzwerkcenter und Remotedesktop.
  • Vista Ultimate bietet alle Vista Business-Funktionen und darüber hinaus die Windows Bitlocker-Laufwerkver­schlüsselung, aber auch das Media Center mit Extender, DVD Maker und Movie Maker HD.
  • Vista Enterprise ist wie Vista Ultimate eine Vollversion, aber ausschließlich für große Unternehmen mit bestehendem Volu­men­lizenzierungs-Vertrag verfügbar. Dem­­entsprechend bietet es einige zusätzliche Features speziell für Konzerne mit komplexer IT-Struktur - jedoch kein Media Center. Vista Enterprise ist am ZID als Stan­dardsoftware erhältlich.
  • Außerdem gibt es noch Vista Home Basic N und Vista Business N. Der Unterschied dieser beiden Versionen zu ihrem jeweiligen Namensvetter ohne N besteht darin, dass hier der Windows Media Player nicht enthalten ist - eine Maßnahme, die Microsoft setzen musste, um dem EU-Recht zu entsprechen.

Wer es genauer wissen möchte, kann sich unter dem URL www.microsoft.com/austria/windows/products/windowsvista/ informieren: Auf dieser Webseite versucht der Softwarehersteller - allerdings mit mäßigem Erfolg - Licht in den Vista-Dschungel zu bringen. Eine detailliertere Tabelle ist z.B. auf der Webseite www.netzwerktotal.de/vistaversionen.htm zu finden.

 

1) Die wichtigsten Neuerungen von Windows Vista wurden anhand einer Beta-Version des Betriebssystems bereits im Juni 2006 im Comment vorgestellt (siehe Artikel Veni, vidi - und testete Vista!). Ein ausführlicher Beitrag zu MS-Office 2007 ist für die nächste Ausgabe geplant.