Schenkenstraße & Co.
Der ZID als Partner bei Bauprojekten

von Markus Ankner (Ausgabe 07/1, März 2007)

 

Kasten: Das Universitätsgebäude Schenkenstraße 8-10

Die EDV-Infrastruktur am (universitären) Arbeitsplatz ist heute so selbstverständlich wie der Fernsehapparat im Wohnzimmer; ein reibungsloser Bürobetrieb oder effizientes wissenschaftliches Arbeiten ist ohne vernetzten PC, Drucker und Telefon gar nicht mehr vorstellbar. Doch so ohne Weiteres kommt weder der Strom aus der Steckdose noch das Netzwerk aus der Datendose: Damit die im Alltag benötigten Services wie eMail oder Internetzugang überhaupt am Arbeitsplatz verfügbar sind, müssen einige Rah­men­bedingungen erfüllt sein - bzw. im Falle einer Neu­besiedelung oder Adaptierung von Universitätsgebäuden erst geschaffen werden.

Wie in diesem Artikel am Beispiel des neuen Uni­versitäts­gebäudes Schenkenstraße 8-10 (siehe Kasten) gezeigt werden soll, ist es bei Über­sie­delungs­projekten unabdingbar, den Zentralen Informatik­dienst von der ersten Minute an einzubinden: Wichtige grundlegende Punkte wie die Topologie der Netzwerk­infrastruktur, das Festlegen der dafür benötigten Räume, die WLAN-Ver­sorgung, die Errich­tung von PC-Räumen für Studierende oder eines gemeinsamen Serverraumes für Institute müssen bereits zu Beginn der Planung mit den beauftragten ArchitektInnen und Pla­nerIn­nen abgestimmt werden. Gleichzeitig sind detaillierte Gespräche mit VertreterInnen der zukünftigen Nutzer notwendig, um auch etwaige über die Grundausstattung hinausgehende Erfordernisse bei der Planung berücksichtigen zu können: Während der Bauphase sind wesentliche Än­derungen oft nicht mehr oder nur mit hohem finanziellen Aufwand realisierbar.

Für eine möglichst reibungslose Abwicklung von Bau­projekten müssen die Dienstleistungseinrichtungen Raum- und Ressourcenmanagement (RRM), Zentraler Infor­matik­dienst (ZID) und Bibliotheks- und Archivwesen (UB Wien) daher sehr eng zusammenarbeiten - nicht nur untereinander, sondern auch mit den jeweils betroffenen Fakultäten und Zentren der Universität Wien.

Achtung Baustelle: Der Ablauf im Überblick

Im Falle einer Übersiedlung von Universitätseinrichtungen werden seitens des ZID zunächst erste Gespräche mit dem RRM und VertreterInnen der betroffenen Organisa­tionseinheiten geführt, Begehungen vor Ort vorgenommen und alle für eine Besiedelung notwendigen Abläufe und Tätigkeiten eingeleitet.

Zu Beginn eines jeden Projekts steht dabei die Planung der strukturierten Kommunikationsverkabelung (in­klu­sive der benötigten Räumlichkeiten und der Vorgaben für Strom- und Klimaversorgung) im Vordergrund. Je nach Zeithorizont und Ablaufplanung finden dann Detail­ge­spräche zu einzelnen Teilbereichen mit den Nutzern statt. Diese Vorgehensweise garantiert einen raschen und reibungslosen Ablauf der Be- bzw. Übersiedelung.

Beispielsweise werden im Zuge eines so genannten "Kon­figurationsgesprächs" sämtliche Einzelheiten der benötigten Te­lefon- und Datennetz-Infrastruktur festgelegt. Nach der Detail­planung folgen üblicherweise Ausschreibung und Beauftragung der einzelnen "Gewerke" (wie Strom, Lüf­tung/Klima und Baumeisterarbeiten), was bei größeren Pro­jekten wie der Schenkenstraße 8-10 von einem Archi­tek­tur­büro abgewickelt wird. Nach der Durchführung und Ab­nahme der Bauarbeiten steht einer Besiedelung nichts mehr im Wege.

Während die ersten Möbeltransporte anrollen, werden vom ZID bereits die Switches und die für die Telefonie benötigten Komponenten eingebaut. Sobald dann die Kommuni­kationsinfrastruktur mit all ihren Kom­ponenten in Betrieb genommen ist und die Arbeitsplatz-PCs freigeschaltet sind, ist es an der Zeit, sich um die bisherigen Standorte der über­siedelten Organisationsein­heiten zu kümmern.

Manche werden von anderen Einrichtungen der Universität Wien übernommen und müssen zuvor saniert bzw. nachgerüstet werden. Einige werden wiederum aufgelassen; hier gilt es, die verbliebene Telefon- und Datennetz-Infrastruktur abzubauen. Eventuell ist im Mietvertrag auch eine Rückbau­klausel bei Kündigung und Rückgabe enthalten - dann müssen auch diesbezüglich alle notwendigen Schritte koordiniert und beauftragt werden.

 

Das Universitätsgebäude Schenkenstraße 8-10

Im Oktober 2005 erfolgte die Erstbesichtigung des ehemaligen Parlamentsklubsgebäudes (1010 Wien, Schenkenstraße 8-10; siehe Abbildung rechts oben) durch VertreterInnen der Universität Wien. Anschließend wurden Planungsgrundlagen, erste Kostenschätzungen und Machbarkeitsstudien erstellt sowie seitens des Rektorats mögliche Besiedelungsvarianten erwogen. Im Dezember 2005 erfolgte schließlich die Unterzeichnung des Mietvertrags durch die Universität Wien. Nach einer Planungsphase (von Jänner bis April 2006) und den darauf folgenden Ausschreibungen (Anfang Mai 2006) blieben für sämtliche Adaptierungs- und Renovierungsarbeiten nur noch vier Monate bis zur Übergabe und Besiedelung der ersten Geschosse, die Mitte September 2006 erfolgte.

Das Gebäude Schenkenstraße 8-10 verfügt über eine Bruttogeschossfläche von 14500 m2; dies entspricht einer Netto­geschossfläche von 11500 m2. Auf insgesamt sieben Geschossen und zwei Kellergeschossen wurden sämtliche Institute der Evangelisch-Theologischen Fakultät und der Katholisch-Theologischen Fakultät sowie einige Institute der Rechts­wissenschaftlichen Fakultät zusammengefasst, wobei die dazugehörigen Fachbereichsbibliotheken, die Leseplätze und ein PC-Raum für Studierende mit 76 PCs in den Kellergeschossen untergebracht sind. Die Besiedelung der Obergeschosse durch die Institute konnte bis Mitte Dezember 2006 abgeschlossen werden, die Kellergeschosse wurden erst Mitte De­zember der Universität Wien übergeben und bis Ende Dezember besiedelt.

Die betroffenen Institute sind von insgesamt acht Standorten in die Schenkenstraße 8-10 über­siedelt. Davon wurden die Universitätsstand­orte Heß­­gasse 1, Schottenring 21 und Universitäts­straße 2 endgültig aufgelassen; die frei gewor­denen Räumlichkeiten an den Standorten Ferstel­gasse 5, Freyung 6, Uni­versitätsstraße 10, Maria-Theresien-Straße 3 und Rooseveltplatz 10 werden teilweise durch Projekte und Einrichtungen der Universität Wien neu besiedelt.

Netzwerkinfrastruktur - was ist das?

Damit das Telefon- und Datennetz der Universität Wien am Arbeitsplatz zur Verfügung steht, sind mehrere Kompo­nen­ten erforderlich:

  • Als Basis benötigt man eine strukturierte Kommu­nika­tionsverkabelung, bestehend aus Datenkabeln (Glas­faser- oder Kupferkabel), Anschlussdosen und Netz­werkschränken.
  • An diese Verkabelung werden in den Netzwerkschränken Switches angeschlossen, welche für die Weiterleitung der Daten im Netz sorgen. Jeder vernetzte PC oder Netz­werkdrucker ist an einen Switch angeschlossen; alle Server (z.B. Mail- oder Webserver) sind ebenfalls über Switches mit dem Datennetz verbunden.
  • Zusätzlich braucht man für ein funktionierendes Netz auch Router. Ein Router ist das Sprungbrett in andere lokale oder externe Netze bzw. ins Internet: Er entscheidet, auf welchen Weg ein Datenpaket ge­schickt werden muss, um an seinen Bestimmungsort zu gelangen.
  • Abschließend seien hier noch die Firewalls angeführt. Diese regeln - vereinfacht ausgedrückt - den Datenver­kehr zwischen einem zu schützenden lokalen Netzwerk und dem Internet.

Die Erweiterung bzw. Planung und Errichtung dieses komplexen Systems aus passiven und aktiven Netz­werk­kom­po­nenten erfordert sowohl technisches Fach­wissen als auch entsprechende Detailkenntnisse über das Uni-Datennetz. Aus diesem Grund ist es bei jeglichen universitären Bau- bzw. Übersiede­lungs­projekten unbedingt notwendig, den ZID bereits zu Beginn der Planungsphase zu informieren und einzubinden.

Strukturierte Kommunikationsverkabelung

Bei einer strukturierten Kommunikationsverkabelung unterscheidet man drei Stufen (siehe Abb. 1): Die Verka­be­lung zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen und dem jeweiligen Etagen-Switch wird Tertiär-Verkabelung genannt. Die Etagen-Switches sind mit dem zentralen Gebäude-Switch durch die so genannte Sekundär-Verkabelung verbunden, und die An­bin­dung dieses Gebäude-Switches an externe Netze bezeichnet man als Primär-Verkabelung.

Abb. 1: Schematische Darstellung einer strukturierten Kommunikationsverkabelung in Gebäuden

  • Die Primär-Verkabelung, über die jedes Gebäude der Univer­sität Wien an das vom ZID betreute Telefon- und Datennetz angebunden ist, wird in der Regel mittels Lichtwellenleiter­verbin­dungen1) realisiert, die bei einem Telekom-Provider für mehrere Jahre angemietet bzw. vom ZID selbst errichtet werden. Diese Gebäude­an­bin­dungen werden derzeit mit einer Übertragungsrate von 1 Gbit/s betrieben; für einige Standorte sind Pla­nungen zur Aufrüstung auf 10 Gbit/s im Gange. Das vom ZID betriebene Glasfasernetz hat zur Zeit eine Länge von 165 km und versorgt 39 Universitäts­gebäude.
  • Die Sekundär-Verkabelung - die Verbindung zwischen dem zentralen Switch und den Etagen-Switches - besteht ebenfalls aus Lichtwellenleiterverbindungen1) (meist vom Typ OM2 bzw. OM3). Damit sind theoretisch Übertragungsraten bis zu 10 Gbit/s möglich; derzeit wer­den die Verbindungen mit 1 Gbit/s betrieben.
  • Die Tertiär-Verkabelung wird ab 2007 für eine Über­tra­gungsrate von 10 Gbit/s über Kupferkabel bis zu den einzelnen Arbeitsplätzen ausgelegt (auch wenn derzeit 100 Mbit/s für einen Arbeitsplatz-PC noch völlig ausreichen). Dies erreicht man mit Komponenten gemäß der neuen Kategorie 6A bzw. einem Datenkabel gemäß Ka­te­gorie 7; man spricht hier auch von einem Link der Klasse EA.2)

Generell muss eine strukturierte Kommunikationsverkabe­lung zukunftsorientiert und für eine lange Nutzungsdauer - üblicherweise mehr als 10 Jahre - geplant werden. Dies betrifft sowohl die maximal mögliche Übertragungsrate als auch die Anzahl der benötigten Datenanschlüsse.

Im Universitätsgebäude Schenkenstraße 8-10 wurde die neu errichtete strukturierte Kommunikationsverkabelung zu den einzelnen Arbeitsplätzen gemäß Klasse E im Perma­nent Link-Messverfahren3) abgenommen. Diese neue Ver­kabe­lung erfüllt aber bereits die Vorgaben gemäß Klasse EA - somit können künftig auch in der Schenkenstraße 8-10 Über­tragungsraten bis zu 10 Gbit/s zu den einzelnen Ar­beits­plätzen erreicht werden.

Gemäß den heutigen Bedürfnissen (neben einem PC soll meist auch ein zusätzliches Notebook, ein Netzwerk­drucker oder sogar ein IP-Telefon ans Datennetz angeschlossen werden können) waren am Stand­ort Schen­kenstraße 8-10 vom Zentralen I­nformatikdienst vier D­a­ten­anschlüsse pro Arbeits­platz vorge­sehen. Die Ein­rich­tungsplanung - und somit auch die Er­he­bung und Fest­le­gung der tatsächlich benötigten Daten­dosen für die jeweiligen Arbeits­plätze - wurde jedoch vom beauftragten Archi­tek­ten durchgeführt; der ZID hatte da­her keinen unmittelbaren Ein­fluss auf die Anzahl der letztendlich errichteten Daten­dosen. Auch die vom Zentralen Informatik­dienst in einigen Bereichen geforderte "vorsorgliche Installation" für zukünf­tige Arbeitsplätze konnte aus Budget­gründen nicht realisiert werden. Bei der Errich­tung weiterer Arbeits­plätze werden für die UniversitätsmitarbeiterIn­nen in diesem Gebäude somit leider Be­lästigungen durch etwaige für Nach­ver­kabelungen notwendige Bau­arbeiten ent­stehen.

Zur Versorgung der Arbeitsplätze wurden in der Schen­ken­straße 8-10 insgesamt 15 Switches (48-Port, mit 100 Mbit/s pro Port) installiert, die über zwei zentrale Gebäude-Switches mit dem Uni-Datennetz verbunden sind. Weiters wurde an diesem Standort mit 26 Access­points eine WLAN-Vollversorgung realisiert, wobei die Accesspoints über drei spezielle Power-over-Ethernet-Switches angespeist werden.

 

 

1) Man unterscheidet prinzipiell zwischen zwei Arten von Licht­wellenleitern: Singlemode-Fasern (teilweise auch als Monomode-Fasern bezeichnet) sind vom Aufbau her Stufenindexfasern mit einem inneren Kerndurchmesser von 9 µm und einem äußeren Kerndurchmesser von 125 µm. Sie werden zur Informations­über­tragung über weite Strecken mit hoher Bandbreite verwendet. Multimode-Fasern (in der Regel Gradientenindexfasern) besitzen einen inneren Kerndurchmesser von 50 µm und einen äußeren Kerndurchmesser von 125 µm. Sie werden üblicherweise für In­house-Anwendungen mit einer maximalen Übertragungs­reich­weite von ca. 550 m eingesetzt.

2) Die Klassen bzw. Kategorien sind in Europa in der CENELEC EN 50173 (in Österreich in der ÖVE/ÖNORM EN 50173) festgelegt: Die Klasse dient der Spezifikation des gesamten Links, mit dem zwei aktive Komponenten verbunden werden; die Kategorie dient der Spezifikation der Einzelkomponenten eines Links.

3) Der Permanent Link besteht aus bis zu 90 m horizontaler Verkabe­lung sowie einer Verbindung durch einen RJ45-Stecker und einer Steckerbuchse an jedem Ende. Beim Permanent Link-Messverfah­ren werden die Patchkabel zum Anschließen von aktiven Netzwerk­komponenten bzw. PCs nicht mitberücksichtigt.