SAN: Das Storage-Projekt macht Fortschritte

von Peter Marksteiner (Ausgabe 07/1, März 2007)

 

In der letzten Ausgabe des Comment1) wurde über die Erneuerung des bestehenden Backup-Systems berichtet und das neue Storage Area Network (SAN) vorgestellt. Im Folgenden erfahren Sie, wie sich diese Projekte in der Zwischenzeit entwickelt haben und wie Sie von den neuen Systemen profitieren können.

Storage Area Network: Ein Segen für den ZID ...

Mehr Plattenplatz, bessere Performance, mehr Sicherheit und eine vereinfachte Administration durch ein zentrales System anstelle von vielen verteilten und heterogenen Komponenten: Das sind die primären Ziele des Storage-Projektes, und nach den bisherigen Erfahrungen erfüllt das SAN diese Erwartungen. Zwar ist ein solches System recht komplex und erfordert anfänglich einen hohen Lernaufwand (hier sind wir erst am Anfang, wir haben noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgelotet, die das SAN bietet), der sich aber recht bald bezahlt macht.

Nach ersten Experimenten, mit denen im September 2006 begonnen wurde, konnte Ende Oktober 2006 der erste Server des ZID an das SAN angeschlossen werden. In der Zwi­schenzeit sind es ungefähr dreißig, mindestens ebenso viele werden noch dazukommen.

... und mehr Platz auf den Fileservern

Dass beispielsweise die Datenbanken für die Lohnver­rechnung jetzt im SAN liegen, erleichtert zwar uns die Ar­beit, hat aber keine unmittelbar sichtbaren Auswirkungen - Sie bekommen Ihr Gehalt deshalb nicht schneller ausbezahlt, und mehr wird es dadurch auch nicht. Deutlich bemerk­bar machen sich die Vorteile des SAN jedoch bei den File­services, wo wir jetzt wesentlich mehr Speicher­platz als bisher zur Verfügung stellen können.

u:net

Jede/r Studierende hat nunmehr 1 GB für persönliche Da­ten bzw. Webspace zur Verfügung (bisher 200 MB). Eine weitere positive Nebenwirkung: Nach dem Anschluss an das SAN im Jänner 2007 wurden die alten SCSI-Platten des Fileservers FS1.UNET.UNIVIE.AC.AT außer Betrieb ge­nommen, was zu einer deutlichen Performance-Steigerung geführt und insbesondere den Login-Vorgang in den PC-Räumen spürbar beschleunigt hat.

Mailbox

Die Fileservices für Uni-MitarbeiterInnen sind die Grund­voraussetzung für die zentrale Wartung von Instituts-PCs im Rahmen der Fakultätsunterstützung des ZID. Nachdem dieses Service in den nächsten Jahren wesentlich erweitert und ausgebaut werden soll, sind die Anforderungen an ein leistungsfähiges und verlässliches Fileservice sehr hoch. Hier reicht es deshalb nicht aus, den Fileserver einfach an das SAN anzuschließen. Vielmehr ist eine neue, leistungs­fähigere Hardware und ein grundlegendes Neudesign der (im Laufe von etlichen Jahren historisch gewachsenen) File­services notwendig. Das erfordert eine gründliche Vorbe­reitung, sodass erst mit der Inbetriebnahme des neuen File­servers FS1.UNIVIE.AC.AT (diese wird voraussichtlich am 24./25. März 2007 stattfinden) der Plattenplatz erhöht werden kann - dafür aber besonders großzügig: Der Speicher­platz wird von einem Giga­byte auf 10 GB pro Uni-Mitar­beiterIn erhöht, in begründeten Fällen auf bis zu 50 GB. Zur Begründung gehört auch eine Erklä­rung, dass dieser Plattenplatz für dienstliche und nicht für pri­vate Zwecke genutzt wird.

Instituts-Shares

Am Server SHARE.UNIVIE.AC.AT steht für Institute, Ar­beitsgruppen und Projekte gemeinsam nutzbarer Speicher­platz zur Verfügung (siehe www.univie.ac.at/ZID/share/). Etliche Projekte haben einen Platzbedarf von mehreren Terabyte, teilweise wurden schon 20 und mehr Terabyte gewünscht. Die realen Kosten für solche Mengen an Plattenplatz entsprechen einem sechsstelligen Betrag in Euro. Da es dem ZID nicht zusteht, über die Vergabe von solchen Beträgen zu entscheiden, wurde mit dem Rektorat folgende Vorgangsweise vereinbart: Bis 250 GB erfolgt die Vergabe formlos durch den Zentralen Informatikdienst, für größere Mengen ist eine Genehmigung durch das Rektorat erforderlich, wobei auch eine Beteiligung an den Kosten vorgesehen ist. Die Ver­gabe erfolgt im Normalfall rasch und unbürokratisch (Näheres siehe www.univie.ac.at/ZID/share-anmeldung/).

Preisvergleich

250 GB mag nicht besonders viel erscheinen: Auch billige PCs haben oft 250 GB Plattenplatz und mehr, und eine IDE-Platte mit 250 GB ist für wenig Geld zu haben. Ein Ver­gleich dieser Preise mit den Kosten für die entsprechende Daten­menge am SAN fällt sehr zu dessen Ungunsten aus. Aller­dings ist ein solcher Vergleich in keiner Weise gerechtfertigt: Die zentralen Fileservices bieten wesentlich mehr als die reine Hardware (die wohl wesentlich teurer, aber auch leistungfähiger und hochwertiger ist als eine durchschnitt­liche PC-Platte): Infrastruktur, Wartung rund um die Uhr, Datensicherung, Administrationsaufwand etc. Bei Unter­nehmen, wo die total cost of ownership (TCO) der Kalkula­tion zugrunde liegt, werden den Kunden für zentral gewarteten Plattenplatz Preise von mehreren Euro pro Gigabyte und Monat verrechnet.

Temporärer Plattenplatz

Oft finden sich auf den Fileservern auch Verzeichnisse mit Namen wie temp, die eigentlich nur kurzfristig benötigt werden - z.B. für Datentransfers von einem Rechner auf den anderen. Trotzdem werden diese Daten ausfallsicher und redundant auf teuren Platten abgelegt, und eine Siche­rungskopie wird mindestens ein halbes Jahr lang auf Band aufbewahrt. Um diese Verschwendung von teuren Ressour­cen zu vermeiden, besteht jetzt die Möglichkeit, rasch und unbürokratisch große Mengen - auch im Terabyte-Bereich - an temporärem Plattenplatz anzufordern. Die Vorgangs­weise ist unter www.univie.ac.at/ZID/temp-space/ beschrieben.

Für diese Daten gibt es allerdings keinerlei Garantien: Sie werden nicht gesichert, und alte Daten werden bei Platz­mangel ohne Vorwarnung gelöscht. Daten, die sich im Ord­ner public befinden, sind allgemein lesbar; dieser Ordner kann z.B. für den Datenaustausch mit KollegInnen ver­wendet werden. Sensitive Daten sollten ausschließlich im Verzeich­nis private abgelegt werden, auf das nur der Eigentümer Zu­griff hat.

Mehr Platz auch anderswo

Ein SAN ist ein Netzwerk, daher sind zwischen einem angeschlossenen Server und den Storage-Systemen, auf denen sich die Daten befinden, beträchtliche Entfernungen möglich. Theoretisch können daher Server angeschlossen werden, die sich irgendwo im Datennetz der Uni befinden. In der Praxis bieten wir dieses Service aber vorerst nur für Server an, die im Rahmen des Serverhousing (siehe www.univie.ac.at/ZID/serverhousing/) in den System­räumen des ZID aufgestellt sind. Bei Interesse kontaktieren Sie bitte die Mailadresse storage.zid@univie.ac.at, damit die technischen Voraussetzungen geprüft werden können (Kompatibilität der Hard- und Software, Einbau eines Host Bus Adapters, Glasfaser-Verkabelung usw.). Für die auf diese Weise zur Verfügung gestellten Datenmengen gilt dasselbe wie für Instituts-Shares.

Backup: schneller, besser, größer

Beim Backup-System sind die Neuerungen weniger auf­fällig: Es beruht auf denselben Prinzipien und verwendet dieselbe Software (Tivoli Storage Manager) wie das bishe­rige System. Die Unterschiede liegen vor allem in der Per­formance: Praktisch alle Komponenten des neuen Systems sind deutlich leistungsfähiger, sodass Datensicherungen jetzt wesentlich schneller vonstatten gehen.2) Auch das Wiederherstellen von Daten geht schneller, vor allem bei großen Datenmengen: Die neuen Bänder fassen je 500 GB (bisher 40 GB), sodass der Tape Roboter seltener ein neues Band einlegen muss, was jedes Mal mit einer Verzögerung von etwa einer Minute verbunden ist.

Erfolgreiche Migration ...

Seit September 2006 wurden nach und nach alle Server des Zentralen Informatikdienstes umgestellt und sicherten bald ausschließlich auf den neuen Backup-Server. Während­dessen wurde im Hintergrund ein Großteil jener Daten auf ­den neuen Server kopiert, die von Backup-Klienten an den Instituten gesichert werden. Die eigentliche Umstellung für diese Klienten erfolgte ? ohne nennenswerte Probleme ? am 19. Februar 2007: Seit diesem Tag bezeichnet der Host­name BACKUP.UNIVIE.AC.AT den neuen Server.

... und baldiger Abtransport

Das alte Backup-System steht nach wie vor für das Wie­der­herstellen von alten Datei-Versionen bzw. von am lokalen Rechner gelöschten Daten zur Ver­fü­gung. Allerdings verursacht dieses System im laufenden Betrieb unverhältnis­­mäßig hohe Kosten: Es hat einen teu­ren Wartungsvertrag sowie einen hohen Stromverbrauch und benötigt sehr viel Stellfläche im Systemraum. Aus diesem Grund soll es möglichst bald stillgelegt und abgebaut werden. Die unter www.univie.ac.at/ZID/backup/#organisation beschriebenen Fristen für die Aufbewahrung alter Versio­nen und gelöschter Daten müssen daher etwas verkürzt werden.

Falls Sie solche Daten über einen längeren Zeitraum benötigen, kontaktieren Sie bitte die Mailadresse backup.zid@univie.ac.at, damit die Migration auf das neue Backup-System organisiert werden kann.

1) siehe Artikel Storage & Backup: Der aktuelle Status des SAN-Projekts in Comment 06/3, Seite 2

2) sofern nicht die Geschwindigkeit durch die Leistungsfähigkeit oder die Netzanbindung des zu sichernden Rechners bestimmt ist